Die Terrormacher

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chachaturian

Mitglied
Die Terrormacher


Irrlichternde Aliens
nebenbei Elektrotod und Giftspritzen
frisch und freies Abräumen
auf dem irakischem Spielfeld
US-Firmen im Raubrausch
Politik ist ökonomische Bilanz
Himmelhochhäuser

Naturschutzgebiete
für Ölhub in Alaska
was geht uns das Klimafieber an
wissenschaftliche Lügen
werden gut bezahlt
für demokratische Ziele
darf auch gefoltert werden
so kann man billig tanken

Auf Guantanamo
besitzen alle volle Vogelfreiheit
da erübrigen sich Gerichte
Afghanistan ist militärische Sperrzone
hingerichtet wurde in der Wüste
wer in den LKW-Containern
noch nicht erstickte
bekam die Kugel gratis
alles unter strenger
amerikanischer Aufsicht

Bin Laden & Co. als Blendwerk
für unaufgeklärte Westler
wie züchtete man sie hoch?
der Wirtschafts- & Militärkoloß
des weißen Mannes
als Speerspitze in anderen Kulturen
hohe Zeit zu sichten
den eigenen Zugriff
die totalitäre Schiene, die Zündspur
zur Waffe Mensch auch unsererseits

Hochgeredet wird der fremde Terror
fünf mal täglich reicht nicht aus
beten, flehen, fluchen
nicht erwähnenswert das eigene Zutun
angeblich kompatibel
ist westlicher Waffengang
mit Menschenrechten und noch mehr
das heißt dann anders
ist trotzdem terrorträchtig
bis auf den Grund
Schuld trägt der Westen natürlich niemals
und viele verglauben sich blind

Währungsfond und Weltbank
die Götter des globalen Kredits
sie verstehen das Diktat perfekt
privatisieren ohne Sinn und Verstand
Subventionen streichen
damit die ärmsten Schichten
besser hungern können
Schulen sind überflüssig
wenn man die Achse des Bösen sucht
hier könnte man ein Stück finden
geschluckt werden die Menschenrechte
von dicken Krakenarmen
Welthandelsorganisation

Das Projekt Weltbereinigung
in republikanischen Intervallen
pflanzt sich das fort
außerirdische Giftbrut
bricht immer wieder durch
es weiß schon was es will
es frißt uns alle
nach und nach
welches neue Regime
kommt nach Reagan
und Bush Junior zum Zug?
was alles bleibt uns unbekannt?
wieviel tausend unschuldige Leben
kostete die Vergeltung von Terror?

Holt sie vom Sockel
diese Strippenzieher
hinter Öl, Geld, Waffen, Technokratie
die weißen Terrormacher
legt ihnen das Stahlseil um
rettet die demokratischen Reste!
brecht um die „freien“ Diktatoren
wie das Konterfei
des irakischen Machthaber
umgebrochen wurde!


9/2003; 7/2004; 10/2006
Wie man sieht hat etwas gedauert bis es so wurde, wie es mir opportun erschien.

http://www.umweltdebatte.de
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo chachaturian,

Dein Text will zu viel. Der große politische Rundumschlag sozusagen. Du vergisst dabei allerdings, Lyrik draus zu machen. Eine Strophenform allein reicht nicht.

cu
lap
 

Mirko Kussin

Foren-Redakteur
Hallo chachaturian,
ja, das ist mir auch etwas zu viel. Der Text dreht sich im Kreis und kommt nicht vorwärts, du könntest ihn um mindestens die Hälfte kürzen und es wäre immer noch der gleiche Text.
Du gibst im Prinzip eine Aussage und wiederholst sie dann immer wieder neu. Das macht relativ wenig Freude beim Lesen.
Du solltest den Text entweder radikal kürzen und stärker verdichten (da sind ja auch einige tolle Wort- und Sprachspielereien vorhanden ...das kannst du ja), oder aber vesuchen dem Text eine gewisse Dynamik einzuverleiben. Er muss sich entwickeln ... aber du fängst beim Irak an und endest beim Irak ...
Und als inhaltlichen Leseeindruck noch dies: Neu ist das ja nun nicht. Ist mir zu sehr erhobener Zeigefinger, zu moralisch, zu phrasig. Du klagst an, gibst aber keine Lösungsvorschläge, bzw. gibst du auch dort (in der letzten Srophe) nur Phrasen.
Ich glaub, wenn man politsich dichten will, dann sollte man auch politische Zusammenhänge erkennen und feststellen, dass die einfachen Lösungen selten so einfach umzusetzen sind.
Du hast aber sprachliches Potential. Konzentrier dich auf die Sprache, nicht auf den Inhalt. Dann wird es besser, glaub ich.
Gruß Mirko
 
H

HFleiss

Gast
Fraglich ist, Chatchaturian, ob man deine Idee auf diese Weise umsetzen kann, ohne unpoetisch zu werden. Ich geb dir ja in allem recht, du sagst ja nichts Falsches, alle Reizwörter und -themen sind vorhanden, aber wie so etwas ausdrücken? Ich bin da ein bisschen ratlos. Vielleicht kann man darüber, so ins Detail gehend, besser einen Prosatext schreiben.

Gruß
Hanna
 

chachaturian

Mitglied
Das ich mich an diesem Werk etwas länger gerieben und probiert habe, daß sieht man schon an den Daten, die jetzt hier mit dabei stehen. Mehr durch einen Zufall hatte ich das Ding, in einem anderen Zusammenhang rausgegeben und recht positive Resonanz bekommen. Das hat mich verleitet mal zu testen, wie anderswo drauf reagiert wird.

Zugegeben: Es ist Provokation pur für Gemüter, die da weniger Kritiknotwendigkeit sehen. Aber politische Gedichte sollen ja auch anstoßen, sollen in den Wunden rumkratzen und es gilt politisch Lied ist ein gartig Lied. Die Poesie des Weltbankhandels auf den Punkt zu bringen, ist wohl auch eine Unmöglichkeit. Vielleicht ist der Gedanke richtig, daß bei den Strophen zu Bin Laden und der nachfolgenen eine latente Dopplung drin ist. Da denke ich noch mal drüber nach. Ansonsten ist natürlich die Vermischung der Themen ganz bewußt. Streng genommen, kann man daraus 3 oder vier Gedichte machen. Aber funktioniert nur, wenn es zusammengezogen wird.

Ich erinnere mal an das Gedicht "Nicaragua" von Erich Fried. Das ist ähnlich imposant, in der Struktur aber noch wesentlich besser, überhaupt eines seiner gelungensten politischen Gedichte.

Unterstehend mal ein paar Kontroverse Gedanken zum politischen Gedicht. Das ist orginal aus einer meiner Prüfungsarbeiten beim Diplom.

http://www.umweltdebatte.de/fried-kontroversen.htm
 
H

HFleiss

Gast
Chatchaturian, ich habe alles gelesen, und von deinem und Frieds Standpunkt finde ich es auch berechtigt, was du schreibst. Vielleicht aber bin ich auch zu Tucholsky-vorbelastet, der ja ebenfalls hochaktuelle Problematiken seiner Zeit im Gedicht verarbeitet hat, was natürlich ganz anders aussah, eher auf Massenwirkung und Vortrag bedacht.

Trotzdem, wie bedichtet man den heimlichen Mord der Weltbank auf poetische Weise? Machen ihn die Kriege öffentlich? Sicher. Ich bin da leider immer noch nicht klug. Dein Gedicht jedenfalls hat mich noch nicht ganz überzeugt. Vielleicht ist es dieses Ins-Detail-Gehen, was mich stört. Ich schlag mich ja auch mit diesem Problem herum und komme zu keinem Schluss.

Gruß
Hanna
 

chachaturian

Mitglied
Die Gedichte von Tucholsky habe ich im vergangenen Jahr erst gelesen. Er hat mich dazu verführt auch das ein oder andere gereimt zu versuchen. Ich habe dabei festgestellt, daß wenn man etwas verquer reimt, sehr interessante Effekte entstehen und das brave, friedliche Gedicht plötzlich ganz andere "Farben" bekommt. Fried habe ich natürlich sehr intensiv studiert und mehrfach gelesen, um auf die Spur der besonders gut Gedichte zu kommen. Auch bei Brecht gibt es einzelne Arbeiten, wie das Gedichte, wo sich die Regierung eine neues Volk suchen soll. Selbst bei Tucholsky findet man sehr klare politische Gedichte, wo er die Arbeitslosigkeit geiselt oder vor der Hitlerbewegung warnt. Poetisch ist ganz sicher Neruda in seienm großen Gesang, wo er den Nobelpreis für bekommen hat. Die Geschichte Südamerikas in seinen ganzen Fassetten ist dort aufgezeichnet. Ich hatte durch Paczensky zumindest den Hinweis auf die schweren Folgen der Kolonisierung u.a. Häufig versteht man aber nur Bahnhof, weil man es an vielen Stellen nicht dekodieren kann, ohne sich in der Geschichte perfekt auszukennen. Man sieht das auch bei einigen Gedichten Tucholskys. Man weiß nicht worum es geht, weil das Zeitwissen und die Zusammenhänge von damals nicht mehr für den Leser präsent sind.
 
H

HFleiss

Gast
Chatchaturian, du bist eine andere Generation als ich, für mich stellt sich dieses Problem nicht so sehr, weder bei Tucholsky noch bei Neruda (ich habe mich jahrelang viel mit Lateinamerika beschäftigt). Ich hatte also viel mehr Zeit als du, mich da kundig zu machen. Aber was die politische Poesie angeht, so ist eindeutig Neruda die Nummer eins. Tucholsky war sehr praktisch, vermutlich sind viele Gedichte noch am selben Tag entstanden, als die Dinge passierten, auf die sie Bezug nehmen, also sehr aktuell. Ich ziehe allerdings Neruda vor. Hast du schon mal Gedichte von Ernesto Cardenal gelesen?
 

Duisburger

Mitglied
Hallo,

Es ist Provokation pur für Gemüter, die da weniger Kritiknotwendigkeit sehen
Diese Aussage kann ich momentan nicht nachvollziehen. Keiner spricht dir die inhaltliche Ernsthaftigkeit ab. Wenn man dir ob dieses Werkes applaudiert hat, dann wohl eher wegen der Aussage und der der allgemeinen negativen stimmung gegen bush und konsorten.
Formal kann ich dem werk wenig abgewinnen. Wie schon weiter oben ausgeführt: zu lang, zu unlyrisch und für mich zu reißerisch.
Ich würde auch dazu tendieren, daraus einen prosatext zu machen, der einem rotem faden folgt und nicht alle drei zeilen lang die tibetanische gebetsmühle bemüht.
Ich erinnere mal an das Gedicht "Nicaragua" von Erich Fried.
... was ich inhaltlich für hervoragend halte, weil es einen "roten faden" hat und die dinge von verschiedenen seiten beleuchtet (ohne die gebetsmühle). Lyrisch kann ich diesem werk ebensowenig etwas abgewinnen, wie dem deinen. Fried hin oder her. Ich denke auch, das hier das "lyrische" für fried hintenan stand.

lg
duisburger
 
H

HFleiss

Gast
Duisburger, das Problem liegt viel tiefer. Einerseits ist da natürlich die Forderung an den Dichter, lyrisch-poetisch zu schreiben. Aber - es ist wirklich keine leichte Kunst, ein politisches Faktum in Poesie umzusetzen (weiß ich, ich habe es probiert und alle Versuche bislang verworfen). Einer der wenigen, dem dies bislang hervorragend und gültig gelungen ist, scheint mir Pablo Neruda zu sein mit seinem Canto General, in dem er die Geschichte Lateinamerikas bedichtet, und es war immer eine Geschichte von Unterdrückern und Unterdrückten, von Ausbeutung und dem schrecklichen großen Bruder aus dem Norden und und den kleinen Brüdern von der britischen Insel.

Nun kann man natürlich auf dem Standpunkt stehen, dann soll sich der Dichter doch um die adäquaten Mittel bemühen. Ich sehe Chatchaturians Gedicht in diesem Zusammenhang. Meiner Ansicht nach ist es ihm hier noch nicht gültig gelungen, sein Anliegen auch auf poetische Weise herüberzubringen. Das hat meiner Ansicht nach u. a. die Ursache darin, dass er zu viele Themen anspricht, er hätte sich auf ein einziges Thema konzentrieren müssen. Und was dabei wichtig ist, und ihr Männer haltet es im allgemeinen (vielleicht) sogar für schädlich: Damit Kunst den Leser anspricht, sein Denken vor allem, muss erst einmal sein Gefühl geweckt werden. Das vermisse ich in diesem Gedicht ganz. Es muss also eine Einheit von Gefühl und Denken erzeugt werden. Ich glaube, wenn einem Autor das gelingt, ist er durchaus in der Lage, auch ein politisches Thema poetisch auszudrücken. Neruda jedenfalls hat es geschafft, und das ist der Beweis. Nicht zu vergessen Tucholsky, der auch immer die Gefühle seiner Leser angesprochen hat, ohne dabei das Denken zu vernachlässigen, aber leider wird sein Werk nicht zur ganz großen Kunst gerechnet, sondern abschätzig als tagesaktuell abgetan. Wenn man dies also betrachtet, dann kommt man eben nicht zu solcher Unbedingtheit wie du, Duisburger. Wie ich sowieso glaube, dass eine generell ablehnende Haltung gegenüber dem politischen Gedicht jedem Autor abträglich ist, auch in Sicht auf sein gesamtes sonstiges, wenn auch "unpolitisches" Werk.

Gruß
Hanna
 

Duisburger

Mitglied
Hallo hanna

ich lehne das politische gedicht nicht perse ab, nur die art, wie es hier präsentiert wurde. Ich habe ich selbst daran versucht und bin daran gescheitert (nah meinem dafürhalten).
Ich werde mal ein oder zwei davon ins lupanum setzen, die diskussion an sich interessiert mich und ist hier wohl fehl am platze.

lg
duisburger
 

chachaturian

Mitglied
Vielleicht weil einige nicht wissen, worüber weiter oben geredet wurde. Das Gedicht von Fried heißt vollständig "Wo liegt Nicaragua?" und steht im Band 3 der Gesamtausgabe Seite 529 f.
Welcher Einzelband das nun ist, kann ich nicht sicher sagen. Selbstverständlich ist Neruda im großen Gesang poetischer, wobei auch hier unterschiedliche Abschnitte zu finden sind. Bei Neruda fall natürlich viele inhaltliche Aussagen der Poetik zum Opfer. Auch die das wo er ein wenig den Stalinismus als Marschverpflegung empfiehlt, das fällt glücklicher Weise nicht so übermäßig ins Gewicht. Ich glaube aber für meine Begriffe, daß er dem Leser besser Gedint hätte, mit dem ein oder anderen Hinweis mehr zu südamerikanischen Geschichte.

Bei meinem Irakgedicht bin ich natürlich schön geordnet vorgegangen,auch bei vielen anderen. Insofern ist "Die Terrormacher" schon eine Ausnahme. Gerade wenn man die Essenz der Überschrift herausarbeiten will, hat man es eben mit sehr unterschiedlichen Sachen zu tun.

Irakgedicht:
http://www.umweltdebatte.de/gedicht-irak.htm
 

Duisburger

Mitglied
Warum etwas kommentieren, was hier nicht veröffentlicht ist?
Was soll das?

Seltsame "Entschuldigung" und noch seltsamer die art, in der du hier diskutierst.

Duisburger
 
H

HFleiss

Gast
Duisburger, Chatchaturian hat mich gemeint, und ich kenne das Nikaragua-Gedicht.

Chatchaturian, ich schreibe dir, wenn ich alle Gedichte gelesen habe. Nur so viel: Die Liebesgedichte (die ich allererstes gelesen habe) sind so wundervoll, dass ich es gar nicht sagen kann. So wenige Worte, und so viel gesagt.
Nikaragua habe ich gelesen. Harter Tobak, aber die Fakten stimmen. Ich glaube, so sollte man an das politische Gedicht herangehen, wenn es eine Daseinsbestätigung überhaupt haben will. Ich halte es für ein sehr gelungenes politisches Gedicht.

Aber um noch mal auf die "Terrormacher" zurückzukommen: Vielleicht würde das Gedicht gewinnen, wenn du alles ab "Bin Laden" herausnehmen würdest. Das sind alles Tatsachen, die ja nicht nur für den Irak gelten, das wären Themen für ganz neue Gedichte. Wirklich daneben finde ich dieses Gedicht nämlich nicht, man muss ja auch deinen Stil berücksichtigen, das wird hier in der Lupe oft nicht beachtet, und so manch einer wünscht, dass der andere so schreibt wie er selbst. Das politische Gedicht ist wirklich eine schwierige Sache, da braucht man tatsächlich mitunter schon eine gewisse Meisterschaft. (Ich habe alle meine Versuche in letzter Zeit weggeworfen, nur ein ganz winziges Etwas zur Gewerkschaftspolitik (Schlachtefest) ist übriggeblieben, aber zufrieden bin ich überhaupt noch nicht.) Da bleibt wohl nichts weiter, als bei den Meistern zu lernen.

Lieben Gruß
Hanna
 
H

HFleiss

Gast
Chatchaturian, ich kleckere noch einmal hinterher: Ich glaube, dass jedes politische Gedicht durch eine gewisse Portion Sarkasmus gewinnt. Vielleicht wäre er das Blut in den Adern des Irakgedichts.

Gruß
Hanna
 

Duisburger

Mitglied
Ich meinte das irakgedicht, was er ganz am ende anführt.

Das kommt dann bei mir so an wie: "Ich kann es aber besser."
... obwohl auch dieses werk an diversen "Plakaten" krankt.
 

Duisburger

Mitglied
Für dich tue ich doch fast alles, obwohl das plakative in diesem werk einem förmlich entgegenschreit. Nur mal die ersten drei "verse".

irrlichternde Aliens
nebenbei [red]Elektrotod und Giftspritzen[/red][blue]gaskammer vergessen[/blue]
frisch und freies Abräumen
auf dem irakischem Spielfeld
US-Firmen im [red]Raubrausch[/red] [blue]klar, alles kapitalistische verbrecher[/blue]
Politik ist ökonomische Bilanz
Himmelhochhäuser

Naturschutzgebiete
für Ölhub in Alaska
was geht uns das Klimafieber an
wissenschaftliche Lügen
werden gut bezahlt
[red]für demokratische Ziele
darf auch gefoltert werden
so kann man billig tanken[/red][blue]da gehen doch hoffentlich auch die gaspreise runter, hoffe ich[/blue]

Auf Guantanamo
besitzen alle volle Vogelfreiheit
da erübrigen sich Gerichte
Afghanistan ist militärische Sperrzone
[red]hingerichtet wurde in der Wüste
wer in den LKW-Containern
noch nicht erstickte
bekam die Kugel gratis[/red][blue]echt alle? Wer sind dann die typen in den orangen anzügen?[/blue]
alles unter strenger
amerikanischer Aufsicht
Jetzt nicht gleich aufschreien, ich habe mit gleicher münze kommentiert, genauso plakativ und und in der gesamtheit falsch.
Mir ist das alles zu dick aufgetragen. Ich stelle nicht die "inhaltliche wahrheit" in frage, nur die verpackung und der tunnelblick des autors behagt mir nicht.

duisburger
 
H

HFleiss

Gast
Duisburger, da gibt es ein echtes Missverständnis: Man muss nicht gleich vom "Tunnelblick" reden, wenn ein Autor einen Standpunkt hat, schon gar nicht bei einem politischen. Ist denn die in deinen Kommentaren offenbarte Beliebigkeit kein Tunnelblick? Ich halte es für sehr begrüßenswert, wenn ein Autorenblick auch noch progressiv und nicht kleinkariert, uninformiert, kleinbürgerlich und muffig ist.

Ich habe mir genau angesehen, was du bemängelst.
Leider kann ich da nicht mitgehen.

Du bezweifelst die Zeile
"Elektrotod und Giftspritzenkammer vergessen".
Auch das Wort "Raubrausch" (der US-Firmen) gefällt dir nicht.
Dein Kommentar: Klar, alles kapitalistische Verbrecher.

Diese Zeile ist meiner Ansicht nach sarkastisch gemeint. Keinesfalls hat man bei Bush diese Hinrichtungsarten vergessen. Man kann nur nicht so, wie man will. Die verdammte Weltöffentlichkeit! Die einem mit UNO und Rotem Kreuz und allerhand Menschenfreunden ins Handwerk pfuscht. Wenn wir unser praktisches Veto in der UNO nicht hätten, wären die USA schon lange kommunistisch unterwandert und Bush würde sonnabends zum Subbotnik gerufen.

Du bezweifelst also, dass es sich bei den heutigen Kriegen der USA um Raubkriege handelt?
Ich frage mich wirklich, inwieweit du mit offenen Augen durch die Welt gehst. Gehört das irakische Öl zum Beispiel den USA oder nicht vielmehr den Irakern? Mir gefällt das Wort sehr gut durch das zweimalige "au", und es ist ein sehr treffendes Wort für das, was die Zwecke dieser Kriege sind: Kontrolle der Ressourcen, neben anderen Fragen, aber dies ist für die US-Konzerne die wichtigste. Und dass sie sich in einem Rausch befinden, jetzt nach dem Verschwinden des sozialistischen Weltsystems - gibt es da eigentlich nach den vielen Kriegen eigentlich noch eine Frage?

Die Zeile "Für demokratische Ziele darf auch gefoltert werden, so kann man billig tanken" missfällt dir. Dein Kommentar: "Da gehen doch hoffentlich auch die Gaspreise runter, hoffe ich." Zwischen deinem Kommentar und dem Zitat sehe ich wenig Zusammenhang. Rest der Antwort siehe oben. Nur noch etwas zu den demokratischen Zielen: Die USA (nicht erst seit Bush) leiden an dem Wahn, erstens nicht nur die größten, sondern auch die besten und demokratischsten Ziele zu verwirklichen, wenn sie Menschen in ihren Kriegen morden. Folter ist für sie ein legitimes Mittel, irgendwie geartete Geständnisse aus den Gefangenen herauszupressen - wie im Mittelalter bei der Inquisition. Und wenn dann so ein armer Kerl bereit ist, der Folter ein Ende zu machen, weil er die Kraft nicht mehr hat, ihr zu widerstehen, und irgendwas sagt, nur damit ein Ende ist - und die USA (hier meine ich nicht nur alle rechtlichen, sondern auch politischen Oberhäupter) nehmen ein solches "Geständnis" für bare Münze - was hältst du davon? Alles rechtens? Duisburger, das ist noch nicht mal nach US-amerikanischem Recht rechtens. Das kann doch nicht dein Ernst sein, dass du das in Ordnung findest.

"Hingerichtet wurde in der Wüste. Wer in den LKW-Containern noch nicht erstickte, bekam die Kugel gratis." Dein Kommentar: Echt alle? Wer sind dann die Typen in den orangen Anzügen? Duisburger, ich weiß, dass du das provokativ gemeint hast, aber, und das muss ich dir wirklich sagen, es steckt auch eine gehörige Portion Menschenverachtung dahinter. Du solltest dich mal selbst befragen, was bei dir zerstört wurde.

Dies zum Inhalt. Zum rein "Poetischen" habe ich mich schon geäußert. Ich selbst habe eine andere Sicht auf das politische Gedicht, habe mich aber noch nicht festgelegt, ich bin immer noch auf der Suche. Aber, und das halte ich für sehr wichtig, man muss die Handschrift des einzelnen Autors immer berücksichtigen. Niemand kann verlangen, dass andere so schreiben wie man selbst. Diese Forderung aber scheint mir oft aus vielen Antworten auf Texte hier auf der Lupe hindurch, so dass ich wirklich meine Zweifel habe, dass alle und jeder überhaupt in der Lage sind, Texte wirklich sachlich einzuschätzen, lege ich die eigenen Texte der Kritiker zugrunde.

Ich antworte dir deshalb in einem Gedicht von Chatchaturian, weil ich dich erstens dazu aufgefordert habe, konkret zu werden, und zweitens, weil mir deine Kommentare reichlich ungerecht vorkommen, geprägt von einer sehr eng begrenzten Sicht, die du am Ende noch für die einzig mögliche hältst. Irren ist menschlich, Duisburger.

Gruß
Hanna
 

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