Du denkst

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Arcos

Mitglied
Du denkst:
„Warum nur,
warum werde ich so gegeisselt,
so geschlagen,
so unaufhörlich zermahlen
zwischen den rostigen Zahnrädern
einer gleichgültigen Welt?
Was habe ich getan,
welches Verbrechen begangen,
dass mir jede Sekunde
wie ein glühender Nagel
durch das Fleisch getrieben wird?

Das Leben hat lange, eiserne Stacheln,
und sie wachsen nach innen,
bohren sich tiefer,
mit jedem Atemzug,
mit jedem verdammten Herzschlag.

Ich spüre,
wie etwas in mir fault,
langsam,
unaufhaltsam,
wie ein Tierkadaver
in der Sommerhitze meines eigenen Schädels.
Der Gestank meiner Gedanken
kriecht mir die Kehle hinauf,
legt sich auf meine Zunge,
bis selbst Worte
nach Verwesung schmecken.

Meine Gedanken sind nicht frei,
sie sind ein Schwarm
schwarzer Insekten,
die Eier legen,
sich vermehren,
bis sie mir aus den Augen kriechen wollen.

Sie sind Gift,
zähflüssig und bitter,
und ich muss es trinken,
Schluck für Schluck,
bis es meine Eingeweide
von innen heraus zerfrisst,
bis nichts mehr übrig bleibt
als ein hohler Raum,
in dem es nur noch hallt.

Ich bin gefangen
in diesem Körper,
der sich selbst verschlingt,
in diesem Kopf,
der keine Türen kennt,
nur Wände,
die immer näher kommen.

Alles was ich wollte,
war nur eine Tüte Chips.“

Dann machst du den Schrank wieder zu
und schaust dir den gottverdammten Film
ohne etwas zu essen an.
 

Aniella

Mitglied
Hallo Önders,

wenn einen schon die Wut und Verzweiflung bei den geringsten Problemen überkommt, wie soll es einem dann wohl bei den wahrhaften Problemen ergehen? Aber vielleicht ist es ein Ausweg, um über die letzteren nicht nachdenken zu müssen.

LG Aniella
 

Wortklauber

Mitglied
Hallo! Ich finde deinen Text stark und emotional... bis auf die letzten fünf Verse. Ich verstehe schon den ironischen Bruch an dieser Stelle. Aber er passt für mich nicht zum Text davor. Ich würde auf die beiden letzten Strophen verzichten.
 

Aniella

Mitglied
Hallo! Ich finde deinen Text stark und emotional... bis auf die letzten fünf Verse. Ich verstehe schon den ironischen Bruch an dieser Stelle. Aber er passt für mich nicht zum Text davor. Ich würde auf die beiden letzten Strophen verzichten.
Naja, dann würde das Gedicht untergehen in der Masse der anderen lediglich anklagenden Worte und sich "nur noch" einreihen, trotz der guten Ausführung. Dadurch, dass die letzten fünf Verse nicht zum Rest passen und alles auf eine Mini-Welt zusammenschrumpft, wirkt es erst richtig grotesk. Aber das ist natürlich nur meine Meinung. ;-)
 

Anders Tell

Mitglied
Du denkst: "..." ist das Lamento, das fast jeden einmal überkommen kann. Genauso überzeichnet wie es einen manchmal überkommt. Dann stellt man fest, dass das Wehgeschrei von einer Bagatelle ausgelöst wurde. Oder vielleicht war diese Kleinigkeit, die das Fass zum Überlaufen brachte.

One of these days.

Anders
 

Wortklauber

Mitglied
Naja, dann würde das Gedicht untergehen in der Masse der anderen lediglich anklagenden Worte und sich "nur noch" einreihen, trotz der guten Ausführung. Dadurch, dass die letzten fünf Verse nicht zum Rest passen und alles auf eine Mini-Welt zusammenschrumpft, wirkt es erst richtig grotesk. Aber das ist natürlich nur meine Meinung. ;-)
Absolut! Ich empfinde den Bruch als heftig - wenn es gewollt ist: Gut so!
 



 
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