Ein Fluss

5,00 Stern(e) 2 Bewertungen

Scal

Mitglied

Ist da ein Wille, dessen Fluss, gebändigt,
weit in die Luft des Fühlens greift,
der tastet, ob ein Bildreich reift ?
Und kündet, wie er sich verständigt ?

Verständigt hat, mit zögernder Gebärde ?
Vermutlich, ja, - sich einverleibt
vom Stirb und Werde, was noch bleibt,
hat dieser Fluss sich eine Wolkenherde.

Damit ihm Klang und Bildnis lesbar bleiben,
- wohl wissend um ein großes Schweigemeer,
dem Mündungsraum des Irgendwer -
erzählt der Fluss von seinem Lüftetreiben.




"Wir suchten ständig das Ufer,
bis wir bemerkten, dass es nur den Fluss gibt,
nur den Fluss." (Antonio Tabucchi)
 

wiesner

Mitglied
zweifelsohne ein in technischer Hinsicht gelungenes Gedicht, bei dem Rilke vorbeigeschaut hat und eine 'zögernde Gebärde' mitbrachte ;)

inhaltlich droht man zu stolpern, hatte ich anfangs doch den Willen im Auge, um dann in seinen Fluss zu geraten, dessen Einverleibung eine Wolkenherde sei
diese Metapher und ihre Herkunft bereitet mir Probleme
auch dass das anfängliche Fragen dem Dichter am Ende selbst zur Antwort gereicht, allerdings: Lüftetreiben?

Klang und Bildnis sollten stets 'lesbar bleiben', es darf für ein gutes Gedicht aber auch immer etwas mehr sein
schließlich: ich meine, im Titel versteckt Einfluss zu lesen ...

Gruß
Béla
 

Scal

Mitglied
Hallo Bela,

vielen Dank fürs Bedenken und Kommentieren!
Ob der Titel nicht „Mein Fluss“ lauten solle - diese Überlegung zählte zu meinen „zögernden Gebärden“.
„Mein Fluss“ insofern, weil ich in Form eines Reimgedichtes (derlei Versuchen widme ich mich nur gelegentlich) meine aktuelle Willensintention - im Bild des Flusses - zur Sprache bringen wollte. Ein Gedicht ist ja immer auch ein Bericht, es ist die „Kundgebung“ einer „Willigkeit“, die in die weiten Bereiche des Fühlens hinaustastete (Bild der Luft) und erzählt demgemäß davon, wie sich der Autor das so Berührte, sein „Lüftetreiben“, - mehr oder weniger “zögernd und zaudernd“ - sprachlich einverleibt hat.
An Rilke habe ich dabei zwar nicht gedacht, aber ja, ein rilkescher Sound ist schon „erschmeckbar“; vielleicht hat sich da unterschwellig ein rilkescher Seitenarm hereingeschlichen, ich weiß es nicht, es ist schon viele Jahre her, als ich im großen Rilke las.

LG, Scal
 

trivial

Mitglied
Lieber Scal,

ich habe den Titel (unbewusst) für mich benutzt, was mir im Nachhinein bei diesem in mich fließenden Fluss sogar sehr passend erschien.

Also Danke für den Ein-Fluss;)

Liebe Grüße
Rufus
 



 
Oben Unten