Ein Glas Wasser für den Sommer

Der Sommer legt seine Hand

auf die Stirn der Häuser

und sagt nichts.



Die Stadt kaut auf ihren Steinen,

langsam,

als hätte sie den Mund voller Sonne.



Auf den Balkonen trocknen Handtücher,

bunte Fahnen eines kleinen Friedens.

Ein Radio spricht mit fremder Stimme

in den Hof hinunter,

wo die Hitze zwischen den Mülltonnen schläft.



Ich gehe durch diesen Tag

wie durch das Zimmer eines Teenagers:

überall liegen Dinge herum,

die jemand vergessen hat-

ein Geruch nach Aprikosenhaut,

ein Fahrradschlüssel,

der Schatten einer Kindheit.



Am Nachmittag treiben Wolken vorbei,

weiß und gleichgültig,

wie ungeöffnete Briefe von jemandem,

der längst vergessen hat,

warum er schrieb.





Am Abend wird alles weicher.

Die Häuser verlieren ihre Kanten.

Ein Vogel näht mit schwarzem Faden

die Dächer an die Dämmerung.



Und irgendwo

stellt jemand ein Glas Wasser ans Bett,

als könne man den ganzen Sommer

über Nacht darin aufbewahren.
 



 
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