ersetzen sätze

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Mondnein

Mitglied
[ 4]ersetzen sätze


meinst du sätze ersetzen ereignisse?
sätze sagst du setzen typen die frischgedruckt
landschaften prägen: zerknitterter papillon
reispapier wellen zerbeult um den lampignon

zucker im flux der durch juckende buxen zuckt
die tautolog homonymen verzeichnisse
fließender süße die schmelzende schwänze juckt
sind homonym tautologische gleichnisse

leichen vom weiß knollenblättrigen champignon
glatt zu verwechseln mit zittrigen champions
pamel zu pampern mit tempora pampions
zeichnet dich aus l'on y danse dans savignon
 

morgenklee

Mitglied
Mächtige Sprachbilder

Hallo Mondnein

Mächtige Sprachbilder
verweisen auf St. Kilda.
Via Schilda.
Weisst Du eigentlich anfangs,
was Du mittendrin & letztendlich
schreibst? Oder improvisierst
Du?
Man sollte Dich auf die LL-Bühne
zerren und Dich loben. Oben ist,
wo Deine Texte steh'n!

Klasse!

-
Täusche ich mich: Ist die 3. Zeile
der 2. Strophe grammatikalisch
so korrekt?
 

Tula

Mitglied
Hallo Mondnein

"schmelzende schwänze" ist eine homonyme Tautologie?

jetzt befürchte ich, mit meinem (Fuchs)Schwanz stimmt etwas nicht, was der beim Sägen auch immer so heiß wird und nicht schmelzen will :)

Sehr gern gelesen

LG
Tula
 

Mondnein

Mitglied
tautolog homonymisch = homonym tautologisch

Dankeschön, Morgenklee, für Wertung, Anmerkung und die Frage - Antwort: ich improvisiere und überarbeite dann. Das ist unprofessionell, da ein guter Lustigeverseschreiber zuerst die Pointe entwickelt und dann die Entwicklung dahin vor-baut. Bei Limericks ist das absolut notwendig.

Aber ich bin nicht so lustig, ich liebe verführerische Schönheit mehr als das allen überlegene Witzige. Genau genommen mag ich witzige Lyrik nur, wenn sie so intelligent-kurz-heftig verdichtet ist wie bei Robert Gernhardt. Das heißt: Ich bewundere die sprachliche Klugheit seiner Verse mehr als seine Scherze. Und bei seinen Scherzen besonders die immer zitierbaren Sentenzen, z.B.
Mein Gott ist das beziehungsreich
Ich glaub ich übergeb mich gleich
denn darin ist eine ganze Ästhetik-Theorie in einen Zweizeiler gefaßt. Und die ist so ernst, daß es den Kunst- und Literaturkritikern richtig wehtuen kann. Gernhardt hat auch (ernstzunehmende) Vorlesungen darüber gehalten, wie Gedichte zu schreiben sind.

Aber ich bin kein Gernhardt-Student. Philologie ist meine Berufskrankheit, da wird der Gegenpol dieses Magnetfeldes wichtig: Der Flow der Verse, die Musikalität, das melodische Schwingen der Gedanken, der Bilder, der Klangsilben und vielleicht Überraschungen. Also das, was (auch für beethovensch und brahmsisch konstruierende Komponisten) "aus der Lameng" hervorspringt. Der schwer in Worte zu fassende ästhetische Reiz.

Danke Tula, für die Frage.
Die von Dir zitierte Strophe setzt Verzeichnisse mit Gleichnissen gleich. Die "schmelzenden schwänze" sind Objekt innerhalb eines Relativsatzes, der sich auf "fließende süße" zurückbezieht, und die ist nur Genetiv, abhängig von "verzeichnisse".
Nun kann man fragen, was in diesen Verzeichnissen denn verzeichnet wird, daß sie mit den Gleichnissen dann gleichgesetzt werden. Sieht wie das Tagebuch von Werwardasnoch aus, wo alle Orgasmen katalogisiert werden, die dieser Fuchs hatte, sei es beim Sägen, sei es beim stilleren Schlafen, mit sich selbst oder mit einer Füchsin.
Oder hammer schon wieder die narzistische Dichtungsreflexion des reflexiven Dichters? Die selbstverliebte Selbstbezüglichkeit? (Nicht schon wieder ... dann schon lieber ausgefuchste Sägearbeiten) - -

grusz, hansz
 

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