Exegese

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G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
Hallo Patrick,

hungernde Hunde - metaphorisch?

Liest sich nicht schlecht, doch hätte ich Lust auf's Weiterlesen. Aber...

Es grüßt
Dyrk
 

Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Schmeckt nach einem Aphorismus.

Die "hungernden Hunde der Theologie" klingen für mich stark nach einer Metapher. Es geht schließlich nicht um wirkliche Hunde. Es geht um nach Exegese lechzende Theologen, die in der Art ihrer Begierde hungernden Hunden ähneln.

Die Überschrift macht es aus, finde ich. Ohne den Titel "Exegese" könnten wir nur im Dunkeln herumstochern. Mir scheint es, als wäre das Gedicht die letzte Gedanken-Perle einer langen Gedankenkette über Exegese.

Und da ist was dran, finde ich an der Aussage des Gedichtes! Obwohl das alles sehr abwertend klingt (Schlachtabfälle für die Hunde), implizieren diese Verse, dass die Bibel selbst nährhaftes Lebensmittel ist für uns Menschen, die Exegese der Bibel allein zum billigen, ungenießbaren, in handgerechten Packungen verkauften (Schlacht-) Abfall wird. Harsch und genau dadurch experimentell.

Grüße,
Etma
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

Ich verstehe den Text als Vorwurf, billige Erklärungen, bei denen es nicht wirklich um Wahrheit geht, Hauptsache ein neuer Knochen, auf den sich die Hunde stùrzen können.

Soweit so gut, mir ist der spezifische Hintergrund dennoch unklar. Bin ja auch kein Theologe ...

LG
Tula
 
Hi Etma

Ja sicher, die hungernden Hunde sind eine Metapher (auch an dich Dyrk).

Deiner Interpretation stimme ich fast gänzlich zu.
Mit einer Ausnahme, die Bibel ist im Kern nicht lehrreich und wohltuende Nahrung, für den modernen Menschen, sie wird dazu gemacht. Wenn ich mir anschaue, was aus all den schrecklichen Zeilen in diesem Buch herausgelesen wird, um es irgendwie noch in die moderne Ethik retten und integrieren zu können, stehen mir die Haare zu Berge.

Da wird mit den Bedeutungen von Wörtern derart herumgespielt, das am Ende alles das komplette Gegenteil dessen meint, was da eigentlich steht.

L.G
Patrick
 
Hi Tula

Wie oben geschrieben, es bezieht sich auf den Umgang yer Theologen, mit der "heiligen Schrift". Bei dem es dann nicht mehr darauf ankommt, was da eigentlich steht, sondern nur noch, was da eigentlich stehen müsste, um es zu retten.

L.G
Patrick
 

Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hahaha!
Du hast es schon fast begriffen, Patrick.
Nur denkst du genau verkehrt.
Das Problem liegt nämlich eindeutig NICHT bei der Bibel sondern beim modernen Menschen und der modernen Ethik.

Dein Gedicht jedoch spricht nicht von der Bibel, sondern von der Exegese der Bibel. Da ist ein Unterschied, das musst du doch zugeben, nicht? Das eine ist Primär- das andere Sekundärliteratur. Oder kenn ich die Begrifflichkeit Exegese falsch?
 
Nä, Etma...nä.

Ich möchte mich nun nicht mit dir darüber streiten, dass die Bibel ein ethisch miserables Buch ist, schon von der Struktur her. Es ist nicht verwunderlich, dass die Geschichte des Christentums so voller Antisemitismus, Frauenhass, Antidemokratie, Selbsgeißelung und dem Vernichten Andersdenkender geprägt war und in verschiedenen Teilen der Welt noch ist. Das kann man auch nicht alles auf "die Kirche" schieben. Es steckt in der Bibel und das recht offensichtlich.

Exegese jedenfalls beschreibt die Bibelinterpretation.

L.G
Patrick
 
G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
Nun, Patrick, die 'hungernden Hunde' schienen mir eine metaphorische Vorgabe zu sein, die mit einer bestimmten Bibelstelle und ihrer Auslegung zu tun hat. Das wollte ich wissen und deshalb weiterlesen. Aber dann ist dein Gedicht auch schon beendet. Eine Auslegungskritik o.ä. hatte ich mir erhofft.

Es grüßt
Dyrk
 

Mondnein

Mitglied
Lieber Patrick!

Bist Du Theologiestudent (gewesen)?
Ich selbst habe mit den Theologen im "Seminar B" des Faches Philosophie der Bonner Universität gesessen, wo alle Theologen ihr Pflicht-Philosophicum absolvierten. Dort wurde Scholastik sehr gründlich und hochprofessionell behandelt, also die Aristoteles-Interpretation des Averroes, wie sie von Albertus Magnus, Thomas von Aquin und anderen zur Grundlage der Welt- und Gott-Erkenntnis ausgebaut wurde.

Ich selbst war immer etwas am Rande der Theologie: als Vollblutphilosoph, und als Religionswissenschaftler mit starker Verwurzelung in den Sanskrit-Grundlagen der indischen Philosophie (Samkhya-Karika, Yogasutras und vor allem Vedanta) sowie in den griechischen Grundlagen der christlichen und islamischen Theologie. All das so originalsprachlich wie möglich, deshalb habe ich auch Hebräisch gelernt, das kennst Du alles aus der Textesammlung
http://12koerbe.de

Deshalb interessiert mich das Verhältnis von Exegese zu Originaltexten ganz besonders. Zumal ich die Originaltexte besonders liebe, z.B. die Erzählungen des Genesisbuches und des Richterbuches. Die Dichtungen des Protojesajah. Das achte Kapitel des Sprüchebuches. Das Johannesevangelium. Die Apokalypse. Ich liebe sie, weil sie eine Dichte, Kompaktheit, Intensität haben, in der kein Wort überflüssig ist. Die erzählerische Kraft übertrifft die moralische Glätte bei weitem.

Aber natürlich gibt es für mich und wie ich denke auch für alle Leser in diesem Forum hier noch einen zweiten Grund, diese Texte hochzuschätzen: Die Interpretationsoffenheit, die tiefenpsychologische Archetypik.
Oder gibt es Dichter, die an der [blue]Interpretations-Abgründigkeit alter Texte[/blue] nicht interessiert sind? Das kann ich mir nicht vorstellen.

grusz, hansz
 
Dass die Texte hochinteressant sind,ja, dass die religiösen Quellentexte, ganz ähnlich wie die Sprache der Träume, oder wie die Mathematik in der Biologie, die Grundzüge, Formen und Formeln menschlichen Da-Seins behandeln, leugne ich gar nicht.

Mir missfällt bloß, dass diese alten Texte, geboren aus der inneren und notwendigen Dynamik des theologischen Diskurses, der möglichst modern bleiben muss, um ernst genommen zu werden, so zwanghaft auf die Menschenrechte, die Wissenschaft (Historisch vorallem) und Psychologie des 21 Jahrhunderts hin "interpretiert" werden.

Das Nietzsche Zitat ...(sinngemäß); "Die Art, wie ein Theolog, gleichgültig ob in Berlin, oder Rom, ein Schriftwort auslegt, oder ein Erlebnis...einen Sieg des vaterländischen Heers zb. unter der höheren Beleuchtung der Psalmen Davids, ist immer dergestalt kühn, das ein Philolog dabei an allen Wänden emporläuft!

...stand gewissermaßen im Hintergrund dieses Textes.

Die Hunde, die sich von dem "Heruntergefallen" ernähren, erkennt man, wenn man Bibelkundig ist ja sowieso.

L.G
Patrick
 

Mondnein

Mitglied
das ein Philolog dabei an allen Wänden emporläuft!
das trifft den springenden Punkt: Exegese ist Philologensache; Theologen können nur interpretieren, wenn sie das Handwerkszeug der Philologen gelernt haben.

Aber wahrscheinlich ist das auch nur "Eigenwerbung" eines Philologen.

Ich bins müde, mich derartig für die poetische Seite der alten Texte ins Zeug zu werfen, und dann "Eigenwerbung" vorgehalten zu bekommen.

Gleichzeitig schimmelt mein Robotrixen-"Werk des Monats" mit den beiden Einserwertungen vor sich hin, ohne daß irgendwer sich drum kümmert.

Ich habe keine Lust mehr. Scheißleselupe.
 

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