färbung

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seefeldmaren

Mitglied
oh wow! ich hoffe, dass das gedicht empfohlen wird! ganz wunderbar literarisch! ganz toll, liebe Ubi und ich glaube, es ist dein bisher bestes, das du geschrieben hast. es verdient preisung! :))

maren
 
Liebe Ubertas, du Sprachvirtuosin und Wortweberin,
unsere irischen Freunde sind weg. Nun habe ich Zeit, mich deinem wunderbaren Gedicht zu widmen. Hier ein Versuch der Annäherung:

Ich lese diese Zeilen als ein Verschmelzen von Körper und Herbstlandschaft. Das Haar wird mit Bäumen, Licht und September verbunden, als hinterließe die Jahreszeit ihre Farben unmittelbar am Menschen.

„aus sonnenbäumen / banden sie mein haar“ lässt zunächst vermuten, das Haar selbst bestehe aus sonnenbeschienenen Bäumen. Zugleich klingt darin die gewöhnliche Bewegung an, jemandem die Haare zurückzubinden. Beides überlagert sich: eine vertraute, beinahe zärtliche Berührung und eine Verwandlung ins Pflanzliche. Wer „sie“ sind, bleibt offen.

Besonders ungewöhnlich steht „nach hinten september“ im Satz. „Nach hinten“ gehört zunächst zum Zurückbinden der Haare; dann unterbricht „September“ die Bewegung. Für mich wirkt es, als würde der Monat selbst ins Haar eingeflochten. Man könnte darin auch etwas Rückwärtsgewandtes hören: den Sommer, der bereits hinter einem liegt.

„eine strähne / orangerieroten lockens“ verdichtet Farbe und Bewegung. In „Lockens“ klingt sowohl die Haarlocke als auch das Locken, das Anziehen und Verführen, mit. Das ungewöhnliche „orangerierot“ ruft für mich ein warmes Orange-Rot auf, trägt aber auch die „Orangerie“ in sich – einen Ort bewahrter Wärme.

So entsteht für mich ein sinnliches Septemberbild: Der Sommer zieht sich zurück, doch seine Wärme bleibt noch als Farbe und Berührung im Haar. Eine mögliche Lesart, keine eindeutige Auflösung – gerade die offene Grammatik hält die Bilder in Bewegung.

Wenn du einen Gedichtband herausbringen würdest, ich würde ihn kaufen.
Allerbeste Grüße

Chandrika
 

Ubertas

Mitglied
Lieber klausKuckuck, liebe Maren, lieber Manfred, lieber Shallow, liebe Chandrika,

heute plagt mich zwar eine gar grässliche Migräne, aber Eure Worte haben mir ein ganz anderes Gefühl herbeigezaubert. Inzwischen fließt meine Gesichtsfarbe definitiv in ein leuchtendes Rot. Und so sitze ich „erleuchtet“ vor Euren wundervollen Zeilen und freue mich von ganzem Herzen, sie lesen zu dürfen :).

Ich danke Euch sehr, mehr bringe ich gerade nicht heraus vor Rührung.

Danke, lieber Manfred, für die Empfehlung.

Liebe Grüße sendet Euch
ubertas
 
ui ubi, wow !

schon bei Sonnenbäumen, aber erst recht beim nach hinten gebundenen Haar-September hattest du mich ganz...und dann das neckische Doppelspiel mit den Locken-locken..

mes compliments

dio
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Dio,

wenn ich deine Worte lese, spüre ich die Sonne, die in ihnen liegt:)! Danke dafür.
Und danke für die wunderbare Bewertung.

Liebe Grüße,
ubi
 

Rachel

Mitglied
Hei Ubertas … wunderbar :) Die Färbung, die ich spüre, ist, dass dieser gerade vergangene September nicht bloß verschwinden möge, wenn sich die Gegenwart rasend in die Kalenderzeit wirft. Oktober kann zwar konkurrierend mit einem Knallgelb leuchten, aber einen eben nicht mehr so orangerierot im realem September-Sein stehend drauflocken wie es Sonnenbäume mit einem taten und eben nicht mehr im Jetzt tun (können).

Ich lese auch Erfahrung aus vielen Septembermonaten, die ziehen die Strähne Erinnerung nach hinten, man denke an den Farbverlust durch Neufärbung oder auch, kann eine einzelne Erinnerungssträhne insgesamt locken und einem das Leben zusammenbinden ... usw.

Das Gedicht ist einfach ganz große Klasse. Hat Freude gemacht. :)

LG, Rachel
 



 
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