Fischerseele

trivial

Mitglied
Hallo Scal,

merkwürdige Synchronizität!

Gestern las ich bei Musil:

„[...] der Mann mit gewöhnlichem Wirklichkeitssinn gleicht einem Fisch, der nach der Angel schnappt und die Schnur nicht sieht, während der Mann mit jenem Wirklichkeitssinn, den man auch Möglichkeitssinn nennen kann, eine Schnur durchs Wasser zieht und keine Ahnung hat, ob ein Köder daran sitzt.“

Fand ich irgendwie passend;)

Liebe Grüße
Rufus
 

Scal

Mitglied
Möglich, dass er es bemerkt, sobald etwas anbeißt :).

Danke Dir fürs Zitieren!
Wir sind alle Fischer, Wanderfischer, wandern mit selbstgeschnitztem Stock und der Angelmarke Eigenbau zu Seen, Flüssen, Teichen, nehmen teil an den dortigen Gastmahlen anderer, sind mittendrin mit dabei, reden mit oder auch nicht, verabschieden uns oder auch nicht und wandern dann wieder weiter, Fangglück im Rucksack - oder auch nicht. Begebenheiten, Sinnfelder, Seelenorte, Aufenthalte.

Lieben Gruß
Scal
 

trivial

Mitglied
Lieber Scal,

ich muss gestehen, deine Antwort enttäuscht mich ein wenig. Natürlich nicht in persönlicher Natur, aber dahingehend, dass es für den Möglichkeitsraum den Verlust einer Interpretationsmöglichkeit bedeutet, die ich konstruiert hatte. Ich habe im Text etwas gelesen, das sich in der Antwort nicht wiederfindet. Also eine semantische Ent-Täuschung ;)

Im Text sind es für mich "Fische"...

Etwas passiert mir – ich merke es – ich bin darin. Es läuft durch mich hindurch, bevor ich es deute; „ich bin mittendrin dabei“ – ich bin Teil eines Geschehens, das mich übersteigt und gleichzeitig mit "dabei!" fällt es wieder raus und eben nicht, es wird unbestimmbar.

In deiner Antwort sind wir nun Fischer und es reduziert diese Ambivalenz erheblich, die Spannung wird retroaktiv stabilisiert. Aus einer isolierten Perspektive, aus meiner Selbstbezüglichkeit ohne stabilisierende Drittebene wird ein Gemeinsinn, der Kork, der verhindert, dass das Gespräch zwischen ich und mich in die Tiefe sinkt.

Ich bewege mich durch etwas – ich nehme teil – ich erfahre und sammle – "wir sind alle Fischer".

Vom Bewegten zum Beweger; es ist vielleicht die selbe Betrachtung der Geschehnisse aber eine fast gegenteilige Perspektive.

Retrospektiv erscheint mir dies als eine von mir konstruierte Einsiedlerperspektive, oder um Nietzsche noch mehr zu integrieren:

„Kannst du an deinen Freund dicht herantreten, ohne zu ihm überzutreten?“

Vielleicht ist jede Antwort in diesem Sinn eine notwendige Enttäuschung.

Entschuldige meine ausschweifende Antwort, vielleicht kannst du es ja als Kompliment verstehen.

Liebe Grüße
Rufus
 



 
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