frage dich

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Walther

Mitglied
hi herbert,

eine vier ist das nicht, daher habe ich das auch "richtiggewertet". allerdings ist auch dieser text experimentell, da er sich nicht erschließt, wenn man ihn vorträgt.

meine texte sind ja manchmal ebenfalls sehr grenzwertig, und ich weiß selbst nicht, wo sie denn hingehören. nun, wenn man sich auf neue bedeutungs- und verständnisebenen wagt, also sinnebenen verschränkt und auffaltet, muß man wohl damit leben.

lg w.
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Walther,

danke für das "richtig werten" :).

Von meinen jüngeren experimentierenden Texten ist dieser aus meiner Sicht der konventionellste. Das einzige Ungewöhnliche ist vielleicht das bewusste Offenhalten, ob es sich bei "sie" um eine oder mehrere Personen handelt.

Inhaltlich ist es eine Selbstreflexion des Zweifelns bzw. des Zweiflers. Man kann es auch als eine Sentenz über das Umgehen mit dem Zweifel auffassen.

Ob diese Gedichte im Experimentellen Furore machen würden? Wahrscheinlich nicht, denn sie sind relativ weit weg vom Mainstream, hier wie dort.

Liebe Grüße

Herbert
 

Kaleidoskop

Mitglied
Hallo Herbert,

gelungene Darstellung der Zerrissenheit des Zweiflers.
Der Zweifler (ver)zweifelt am eigenen Zweifel.

So ist es. Treffer und versenkt.

Kalei
 

NewDawnK

Mitglied
Hallo HerbertH,

meine spontane Leseart: Ich habe angenommen, es handelt sich um ein Gedicht in dem ausnahmsweise der Lyriker auf alle möglichen Perspektiven hinweist. Das wäre ein zwar ungewohnter, aber sehr interessanter Ansatz.

Anfangs habe ich ein paar Mal "meinen" statt "mienen" gelesen. Vermutlich liegt das am Wörtchen "deinen" im Kontext. Ist diese "Stolperfalle" so beabsichtigt? Vielleicht wäre "gesten" eine "barrierefreie" Alternative?

Viele Grüße

NDK
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich würde es nicht ändern.
Wirklich experimentell ist es nicht, denn es verwendet eine bereits jahrhundertealte Form der Mehrdeutigkeit und Kombinatorik. Der Ort ist also richtig.

Hierdurch beinhaltet es mehrere Gedichte in einem.

Bereits Raimun Lull wendete in seiner Ars Magna ein System an, bei dem Gruppen von Wörtern mit beweglichen Rädern, auf denen mehrere Wörter standen, Gedichte schrieb. Auch Kuhlmanns Werke bilden Tradition.

Das Gedicht entspricht teilweise dem Proteusvers. http://www.leselupe.de/lw/titel-Gedichtformen-Der-Proteusvers-99545.htm

Diese Form kann man sehr unterschiedlich lesen.
Zum einen: linear, wie es dasteht.
Zum anderen kombinatorisch.

Dann erhält man eine Vielzahl von Gedichten.

---

Wir erhalten zum Beispiel:

frage dich

frage dich
bevor du zweifelst
am wert ihrer worte
ob sie dich verstehen

wird werden

zweifle dennoch
auch wenn du dich fragst
an ihren wie deinen

worten

wie sie an den deinen


frage dich

frage dich
bevor du zweifelst
am wert ihrer worte
ob sie dich verstehen

kann werden

zweifle dennoch
auch wenn du dich fragst
an ihren wie deinen

mienen

wie sie an den deinen

...


Sehr fein.
Ich empfehle es als besondere Form und als in langjähriger Tradition stehend.
 
O

orlando

Gast
Mir gefällt es ebenfalls, Herbert.
Fällt aus dem Rahmen, fordert die Leser zum Mitspielen auf und zeigt Hintersinn.
Kurzum: gut!
LG, orlando
 

HerbertH

Mitglied
Liebe NewDawnK,

Freut mich, dass der Ansatz Dir gefällt. Die "mienen" würde ich gerne beibehalten, u.a. wegen der möglichen Assoziation "minen".

Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Bernd,

genau so habe ich es gemeint, wie Du es für den Proteus-Vers beschrieben hast, mit der kleinen Nuance, dass ich es nicht als kombinatorische Anweisung zur Erzeugung von vielen Gedichten gesehen habe, sondern als kombinatorische Möglichkeit zur Abbildung verschiedener Deutungsmöglichkeiten eines Gedichtes.

Hätte ich mir ja denken müssen, dass diese Idee schon laaange bekannt ist. Gut, dass Du da den Überblick hast.

Liebe Grüße

Herbert
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Die entscheidende Frage ist die Notation.
Hierdurch ist Dir das gut gelungen.
Man sieht quasi alle Kombinationen zugleich.
 

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