Freund

Ich sehe deine Augen und denke an früher.

Wir haben nebeneinander gewohnt. Wir haben jeden Tag zusammen gespielt. Ich bin nie groß gewesen, deshalb haben oft Größere mein Geld haben wollen. Du hast mich dann immer beschützt. Du warst wie mein großer Bruder, und ich war gerne dein kleiner Bruder. Wir haben uns manchmal beim Spielen mit Steinen beworfen. Aber wir haben uns immer wieder versöhnt. Du hast mich umarmt, und alles war wieder gut.
Wir sind immer wie wild durch die Straßen gerannt, außer am Sabbat. Da war ich zu Hause. Du hast dann immer Steine gesucht, damit haben wir am nächsten Tag eine Burg gebaut. Als wir älter wurden, sind wir zur Schule gegangen. Nicht auf dieselbe Schule. Aber das machte nichts. Du hast oft gewartet, bis ich fertig war. Dann sind wir zusammen nach Hause gegangen. Wir haben viel miteinander geredet. Wir haben uns mit Steinen beworfen, aus Spaß. Wir haben uns wieder versöhnt. Du hast mich umarmt, und alles war wieder gut.
Wir haben gemerkt, dass wir Unterschiede haben. Ich fand das nicht schlimm. Du hast gesagt, es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre. Ich habe versucht, mir eine Welt vorzustellen, in der alle so sind wie meine Eltern. Wir haben gelacht. Als wir älter wurden, haben wir zusammen den Mädchen hinterhergeschaut. Wir haben uns gefragt, wir ihre Haare wohl aussehen, und waren sicher, dass sie die schönsten Frauen der Welt sein müssten. Meine Eltern haben oft auf dich geschimpft. Ich habe versucht, nichts zu hören. Ich habe dich interessiert betrachtet, wenn du auf diesem kleinen Teppich gekniet hast. Du hast immer gewartet, wenn ich in die Synagoge ging. Wir haben uns mit Steinen beworfen, wegen einer Frau. Ich habe dich geschlagen, aber wir haben uns wieder versöhnt. Du hast mich umarmt, und alles war wieder gut.
Wir waren Freunde.
Dann seid ihr eines Tages nicht mehr da gewesen. Ich habe nichts mehr von dir gehört. Du warst einfach weg.
Dabei warst du mein Freund.

Jetzt sehe ich in deine Augen. Du hast einen Stein nach mir geworfen. Ich habe dich geschlagen. Diesmal versöhnen wir uns nicht. Ich löse meine Hand aus deiner. Ich würde gerne umarmt werden. Aber du umarmst mich nicht.
Mit zitternden Fingern schließe ich deine Augen.
 

Yossarian

Mitglied
Nun Nun...

Man weiss leider schon nach zwei Zeilen worum es geht und das macht die Sache ein wenig langweilig, ohnehin ist das Thema nicht gerade die Innovation schlechthin. Irgendwie gewinnt es der Sache nichts neues ab, was den Text recht überflüssig macht.

Schöne Grüße
 

Juni

Mitglied
Sebstdarstellung hat ihren Preis

Wer ist eigentlich Yossarian?
Wer ist der Mensch, der jeden Beitrag zerreißt?
Wo finde ich etwas Eigenes von Ihm?
Warum maßt er sich diese vernichtenden Kritiken an?
Wofür mag er sich halten? So ganz wertfrei...

Juni
 

Yossarian

Mitglied
Oho

Nun lieber Juni, was soll ich jetzt sagen, Gestern Nacht habe ich mir vier Geschichten durchgelesen von denen mir eine gefallen hat, was ich betreffender Person auch schrieb. Wer bist du, der heilige Samaiter, welcher arme Autoren in Schutz nimmt, die eigentlich nur gute Kritik verdienen, damit ihr Ego nicht gefährdet wird ?
Wieso sollte man die Schnautze halten, wenn einem etwas nicht gefällt ?
Ich habe ja nicht gesagt "BÄHH, Schlecht", sondern es auch begründet. Was soll ich bitte von einem Text halten, den ich in ähnlicher Form schon unzählige male gelesen habe und sei mal ehrlich, kommt dir das Ganze nicht auch ein WENIG bekannt vor ?
Ich lese einen Text und schreibe meine jeweils positive ODER negative Meinung dazu, weil es tatsächlich der Sinn der Leselupe ist das zu tun, was aber einigen hier entgangen zu sein scheint.
Was wäre wenn alle denken würden wie du ?
Die Leselupe würde zu einer schmalztriefenden Witzveranstaltung verkommen, oder es würde überhaupt nichts mehr geschrieben werden.
Statt mich dumm anzublöcken, hättest du vielleicht deine eigene Meinung zum Text schreiben sollen, damit wäre der Autorin sicher mehr geholfen.
Im übrigen habe ich nie behauptet es besser zu können, sondern einfach nur einen Kommentar geschrieben, dass kann sogar Jemand machen, der nicht einmal alle Buchstaben des Alphabets beherrscht.
Also schreib den Autoren deine Meinung oder lasse es bleiben, aber verurteile nicht andere dafür nicht so auf political correctness abzufahren, wie du es scheinbar tust.

Schöne Grüße
 

Juni

Mitglied
Den Geruch von Napalm lliebst Du also?????

...unabhängig vom Betreff, habe ich Dein About gelesen und billige Dir nun, um Dein Alter wissend, diese Form der Sebstdarstellung zu.

Ja, es ist ein Unterschied, ob man Marcel Reich-Ranitzki ist oder eben ein 18-jähriger belesener, kritikfähiger junger Mann.
Nichtsdestotrotz ermutige ich lieber Menschen konstuktiv, als sie zu vernichten. Gerade Menschen, die ihre Gefühle in Schriftform, über die Malerei oder die Musik ausdrücken sind zarter besaitet als Andere. Aber das mag Dir nicht genügen.
So tue Du, Yossarian, was Du magst und ich tue es eben Anders.
Nur sei nicht so erhaben. Auch Du mußt Dir Kritik gefallen lassen.

Juni, die weiblicher Natur ist, nur am Rande erwähnt
 

Ralph Ronneberger

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich muß völlig zerknirscht eingestehen, daß meine Intelligenz nicht ausgereicht hat, um bereits nach zwei Zeilen zu wissen, worum es in der Geschichte geht. Also habe ich weiter gelesen. Auch nach der letzten Zeile habe ich mit keiner Silbe daran gedacht, in meinem Gedächtnis danach zu kramen, nur um mich an ähnliche Texte zu erinnern.
"Aber du umarmst mich nicht. Mit zitternden Fingern schließe ich deine Augen"
Da erst wußte ich, wurum es ging, und es hat mich stark berührt. Eine stille Geschichte mit einem stummen aber durchdringendem Schrei am Ende. Ich finde sie großartig.

Ganz spontan fiel mir noch Folgendes ein:

Wer den Geruch von Napalm liebt,
hat ihn noch nie gerochen.
Wenn dich der beißend' Qualm umgibt,
von Kugeln dann dein Leib durchsiebt!
Du hast von Sieg gesprochen?
 
Vielen Dank!

Ich möchte mich hier mal bei allen meinen Kritikern und natürlich auch den Kritikern der Kritiker bedanken. Ich finde es nicht schlecht, die ehrliche Meinung unter meinen Texten zu finden. Ich gebe zu, Yossarian, die Idee ist nicht ganz neu, bei Borchert gibt es ähnliche Kurzgeschichten, wobei es bei denen eher um Krieg als um Freundschaft geht. Aber ich denke es ist nicht unbedingt falsch, sich an großen Vorbildern zu orientieren. Ich muss aber ganz ehrlich mal sagen, dass ich von meinem Text selbst ziemlich beeindruckt war, zumal ich ja weiß, unter welchen Umständen er entstanden ist. Jetzt habe ich gesagt, was ich sagen wollte. Es freut mich natürlich, wenn meine Texte anderen gefallen, aber ich denke, man muss sich auch mit dem Gegenteil auseinandersetzen.
 

Yossarian

Mitglied
Lieber Ralph
es freut mich das meine Signatur funktioniert wie erhofft
und sogar zu poetischen Versen inspiriert,
den ich übrigens sehr gelungen finde.
 

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