Frühling wird's! (Poetischer Trichter, Figurengedicht)

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gefällt mir ehrlich gesagt kaum.
ich sehe hier keine notwendigkeit für die trichterform, kein ineinandergreifen von inhalt und form und gerade das macht das figurengedicht so attraktiv. selbst inhaltlich scheint es unzusammenhängend und stilistisch langweilig. aber vermutlich übersehe ich etwas ...

lg
patrick
 

Spirulina

Mitglied
Hey Patrick,
da kann ich damit leben. Nicht jeder hat den gleichen Geschmack. Geht mir ja auch so.
Bei diesen Trichtergedichten schmeißt man oben was rein, in jeder Zeile wird eine Silbe geschreddert
und unten fällt dann eine Pointe raus.
Es ist sehr wohl ein inhaltlich zusammenhängendes Gedicht mit Hand, Fuß und Wurzel.

Und ich gebe zu, mein Humor ist ab und zu rabenschwarz, ;) da kann vielleicht auch nicht jeder
etwas damit anfangen. Ist mir schon aufgefallen. :)

Sei gegrüßt
Spirulina

Ich hätte den Begriff Figurengedicht im Titel weglassen sollen, der verwirrt nur.
 
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Spirulina

Mitglied
Vielleicht wird es klarer, wenn ich noch ein paar Worte dazu sage. Es handelt sich nicht
um einen Garten, sondern um ein Bild, eine Metapher einer Beziehung. Es gibt dafür ein paar
Momente, die dies eigentlich erkenntlich machen.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das war ich. Ich habe das Gedicht empfohlen, nicht weil es das Beste der Besten ist, sondern, weil ich es für empfehlenswert halte.

Es ist ein selbstironisches Trichtergedicht, bei dem alles sich auf das Ende des Trichters, das offene Tor zuspitzt.
Figurengedichte haben eine lange Vergangenheit. Das Gedicht ist nicht nur hingeschrieben, sondern gestaltet. Man kann daraus lernen. Es ist eine Spielform der Poesie (wie Grümmer es nennen würde).

Insbesondere habe ich es empfohlen, weil die Form heute selten ist. Es ist ein Figurengedicht. Wenn man die Figur entfernt, verliert es die Selbstbezüglichkeit samt Ironie und wird unverständlich.

Lyrik lebt von Inhalt und Form. Inhalt und Form stehen in einem sonderbaren Kontrast, wobei der Inhalt allmählich schmalerwerdend durch den Trichter zu purzeln scheint. Es ist das Gegenteil vom Füllhorn.
 

Spirulina

Mitglied
So, liebe Leute,

jetzt habe ich eine ganze Woche gewartet, dass sich mal jemand mit mir über das Gedicht auseinandersetzt.
Ist nicht passiert. Auf meine zwei Posts hat niemand reagiert, ihr habt es vorgezogen mich einfach damit stehen zu lassen.
Gut, man kann niemanden zwingen.
Aber!
Erst jetzt, nachdem es - eurer Meinung nach - zu unverdienten Ehren gekommen ist, explodieren die Gemüter und schlägt der Protest hohe Wellen - bis ins Lupanum.

Jene, die mich kennen, und da gäbe es hier im Forum sogar welche, schon lange sogar, (und sich schön auf Distanz halten), die müssten eigentlich wissen, dass ich niemals im Leben niveauloses Blabla in meinen Gedichten verarbeite. Nur - nicht immer springt einem der Inhalt und Gehalt gleich direkt ins Gesicht.
Es gibt bestimmt eine ganze Reihe von euch, die wesentlich besser reimen und metrieren können als ich,
aber geistig, stehe ich euch in nichts nach, in gar nichts.

Ich kann damit umgehen, dass ihr das Gedicht blöd findet oder die Gedichtform. Kennt ihr ja auch gar nicht. Oder irre
ich mich da? Von mir aus zerreißt es und schmeißt die Fetzen in den Fluss, aber als Userin, finde ich mich von euch
schäbig behandelt. Und falls ihr das nicht erkennt, da es ja nicht so offensichtlich ist, sollten sich die hohen Herren
vielleicht mal Gedanken machen.

Ich bin jetzt dann mal aktiv weg, ich dummer Tor. Vielleicht bis irgendwann, wenn das Wasser bergauf fließt oder bis es Milch regnet. Meinen Account behalte ich, den musste ich mir schwer genug erkämpfen.

Seid gegrüßt
Spirulina

Danke dir von Herzen, lieber Bernd, und bleib unbedingt gesund.
 
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Jene, die mich kennen, und da gäbe es hier im Forum sogar welche, schon lange sogar, (und sich schön auf Distanz halten), die müssten eigentlich wissen, dass ich niemals im Leben niveauloses Blabla in meinen Gedichten verarbeite. Nur - nicht immer springt einem der Inhalt und Gehalt gleich direkt ins Gesicht.
Es gibt bestimmt eine ganze Reihe von euch, die wesentlich besser reimen und metrieren können als ich,
aber geistig, stehe ich euch in nichts nach, in gar nichts.
das glaube ich dir. ich glaube aber, dass es vielen wie mir ging. ich verstehe nämlich nicht, was du mit deinem text sagen möchtest. die kritik bezog sich sicher darauf, dass nicht so ersichtlich ist, welchen zweck du mit diesem text verfolgt hast. aber er ist auch sprachlich nicht wirklich grandios. anyway ... kannst du mir erklären, wie du auf das "tor" am ende kommst? ich übersehe ja offensichtlich was und tue deinem text vielleicht unrecht ...

lass dich nicht unterkriegen!

lg
patrick
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Man kann es von unten nach oben betrachten, dann symbolisiert es Wachstum.
Andersherum symbolisiert es Untergang im Trichter. Es ist ein Tor, das verbindet.

Einschub: Es gibt auch viele andere Interpretationen, ein Gutes Zeichen für Lyrik. So kann man es als Liebesgedicht interpretieren.

Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen: Ich halte es für ein gutes bis sehr gutes Gedicht. Es entspricht halt nicht dem Massengeschmack. Zu den besten der besten gehört es eher nicht. In der Leselupe sehe ich es aber weit oben.

In der Sächsischen Zeitung stand heute ein längerer Artikel über Gruppenverhalten.

Eine Gruppe Bergsteiger stieg auf einen stark verschneiten Berg und geriet - vorhersehbar - unter eine Lawine. Aber niemand wollte die Gruppe enttäuschen und so sagte niemand etwas. Zum Glück ging es glimpflich aus. Erwähnt wurde auch "Die zwölf Geschworenen" - ein sehr guter Film. Nur einer der Geschworenen sprach am Anfang für den Angeklagten, vor Allem, weil er Ungereimtheiten fand. Am Ende wurde er freigesprochen.


Hier geht es nicht um Geschworene, aber durchaus um Gruppenkonformität. Allmählich wir ein Stil gebildet, der dann fremdartiges ausschließt.
In der Leselupe habe ich das seit ca. 1999 mehrmals beobachtet. Der Stil ändert sich, der Inhalt. Schwer haben es die, die Neues oder andersartiges finden.

Ich verstehe auch die Kritik. Sie sollte aber hilfreich und nicht zerstörend sein.

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Ich habe das Gedicht als Besonderes ausgewählt, weil es gerade nicht die eingefahrenen Wege befährt, bildhaft gesprochen.
Es nutzt uralte Wege, die aber kaum noch zu erkennen sind. Vor 400 Jahren waren Figurengedichte häufig.

Wenn man beim Zitieren die Figur weglässt, ist es wie bei "Gevatter Tod" von Terry Pratchett. Hollywood wollte es verfilmen, nur: Der Tod sollte nicht vorkommen. Er lehnte ab.
(Information bei einem SF-Con - Terry Pratchett erzählte diese Episode selbst. )

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Ich sehe keinen literarischen Grund für Spirulina, sich zurückzuziehen.
Erfahrungen mit unbegründeter Kritik (im Sinne: keine Begründung, nur Kritik) muss man machen.

Hier war immerhin der Ton noch meistens höflich.

---
Bitte, mach weiter.

Viele Grüße
Bernd
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
das glaube ich dir. ich glaube aber, dass es vielen wie mir ging. ich verstehe nämlich nicht, was du mit deinem text sagen möchtest. ...
Das ist oft ein Anhaltspunkt, dass mehr hinter dem Text steht.
Es ist wie der Unterschied zwischen reellen und komplexen Zahlen. Wenn man die reellen Zahlen nicht kennt, kann man die komplexen kaum verstehen, geschweige denn die surrealen Zahlen und die hyperreellen Zahlen (die gibt es wirklich). Man kommt ohne sie aus, aber verpasst dabei etwas.
In der Schule wird oft gefragt: Was wollte der Dichter damit sagen? Ich denke, da fehlt wesentliches. Was fühlt man, was sieht man beim Lesen? Was steckt dahinter, was ist versteckt?
 

atira

Mitglied
Hallo Spirulina,

So schnell solltest du dich nicht unterkriegen lassen! Ich sehe schlechte Besternung ohne entsprechende verbale Begründung auch sehr kritisch, würde ich nie machen.

Ich habe bis jetzt nur ein Trichtergedicht gelesen, von Ch. Morgenstern, aus den "Galgenliedern" weil ich mich einmal mit den Galgenliedern etwas näher beschäftigt habe und mich von "Das Hemmed" zu einer besonderen Form inspirieren ließ. Ich stelle es dann gleich ein.

Die Trichter
Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren
Waldweg
u.s.
w.

Versteht hier einer, warum es zwei Trichter sind, optisch ist es nur einer - vielleicht ist das der Witz? Auf "ihren" Waldweg? Also das ergibt auch wenig "Sinn". Aber vor meinem geistigen Auge entsteht ein Cartoon.

Bei dir geht die Entwicklung von unten nach oben, oder? Erinnert mich irgendwie an einen Geist aus der Flasche ;)

"Tor!" ist wohl eher als "Dummkopf" zu verstehen?

Vielleicht magst du doch noch etwas dazu sagen, was du dir da überlegt hast?

LG
atira
 
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aber bei dem morgenstern gedicht, das war ja meine erste kritik, greifen inhalt und form ineinander. sie ergänzen sich. das sehe ich bei spirulinas gedicht nicht. hmmm....
 

Spirulina

Mitglied
Na gut, dann versuch ich es mal:

Das erste Missverständnis ist bereits entstanden, mit der Annahme, der Trichter müsste als Gegenstand in einem Figurengedicht auftauchen. Dem ist aber nicht so. Genauso zulässig ist die Verwendung des Trichters als Sinnbild, als Symbol, direkte oder indirekte Übertragung oder in seiner Funktion.
Ein Figurengedicht hat eine verbale und eine nonverbale Aussagekraft. Das heißt, die Kommunikation verläuft über zwei Ebenen. Deshalb verliert ein solches Werk seine Aussagekraft teilweise oder sogar ganz, wenn man die Figur rausnimmt.
Die Entstehung und Tradition der Figurengedichte gehen bis in die Antike zurück. Zu Beginn des Mittelalters hat die Religion sie für sich entdeckt, dafür gibt es unzählige Beispiele. Später bekamen sie häufig einen Rätselcharakter und ihre eigentliche Aussage war nicht sofort klar zu erkennen. Sie bekamen metrische Grundzüge und Bilder im Bild.
Moderne Figurengedichte haben manchmal gar keinen poetischen Inhalt mehr. Siehe das Beispiel mit dem Apfel. (Eigentlich wollte ich hier ein Bild einfügen, geht aber nicht. Dann muss ich es beschreiben. Ein Figurengedicht in Form eines Apfels und nur bestehend aus den Wörtern Apfel Apfel Apfel Apfel ......)

Mein Figurengedicht funktioniert in zwei Richtungen:
  • Nehmen wir als Vergleichsbild „die Beziehungskiste“. In der Kiste befindet sich eine Beziehung. Nun hat sie aber inzwischen, warum auch immer, unten ein Loch und plumps fällt die Beziehung raus und eine leere Kiste bleibt übrig.
  • Wir drehen die leere Kiste um, jetzt ist das Loch oben und ich kann sie wieder füllen, aber mit Dingen, die Freude bringen und Spaß.
So wäre das Bild leicht und einfach.

Nimmt man nun einen Trichter, statt einer Kiste, dann ist das Loch viel kleiner, was dann den Weg nach draußen findet, fällt nicht, sondern schwindet nach und nach.
Dass es sich um eine Beziehung handelt, ist nicht mehr so offensichtlich. Wobei „dein Unkraut in meinem Garten wächst“ und „Tor“, die deutlichsten Wörter sind. Ansonsten ist es mehr aus dem Zusammenhang zu entnehmen. Dass es keine gute Beziehung war lässt sich daraus ableiten, dass die Freude fehlte und dass vor allem Unkraut vom Gegenüber hinterlassen wurde. Das hat die Beziehung kaputtgemacht und sie von ganz alleine weniger und weniger, mit jeder Zeile schwindet sie (um eine Silbe weniger formt sich der rinnende Trichter). Aber das nicht nur das, das Li wird selbst aktiv und reißt die schädlichen Folgen (Unkraut) der Beziehung aus ihrem Garten (Leben).
Atira hat es erfasst, in dieser Richtung bedeutet „Tor“ du Depp, du Dummkopf. Selbst schuld, das hast du nicht besser verdient. Mit dem Ausrufzeichen versehen, wirkt durchaus auch Ärger mit. Ob mehr über den Tor oder sich selbst, lass ich mal offen.
Selbstironie schwingt schon mir, denn man hätte ja die Variante Beziehungskiste wählen können. Großes Loch rein, Beziehung raus. Fertig. Stattdessen geschieht die Lösung in einem Prozess, der nur schrittchenweise funktioniert.

Wenn wir nun in die andere Richtung gehen. Beginnt es mit dem Tor, und damit mit der Öffnung. Es ist genug Freiraum und Leere entstanden, in die man Neues pflanzen kann. Und zuallererst ist die Entscheidung gefallen, die Tragödie mit Humor zu nehmen, um dann aktiv dazu beizutragen, dass auch die Sonne in diesem Leben wieder tanzen kann. Es wird praktisch ein neues Lebensmuster gewoben (Binden des Blütenkranzes), das mit Erfolg gekrönt wird. Die Blumen leuchten wieder und die (Lebens-)Freude wächst und gedeiht.
Zur Überschrift – das Leben fängt neu an! - Frühling wird's! (weil das Li dazu beigetragen hat, aktiv und mit Nachdruck)

Ehrlich gesagt, finde ich es unmöglich, meine eigenen Gedichte interpretieren zu müssen. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass es so schwierig zu verstehen sein würde. Für mich war es offensichtlich.
Wenn euch das Gedicht immer noch nicht gefällt, soll es mir wurscht sein. Hirnloses Blumenwiesengeschwafel ist es jedenfalls nicht.

Nicht die Bewertungen und Kommentare unter dem Gedicht haben mich so verärgert und verletzt (abgesehen davon, völlig links liegen gelassen worden zu sein) - sodass ich mich zur längeren Pause entschieden habe - sondern die Diskussion im Untergrund im Forum Lupanum. Dort bin ich nur zufällig gelandet. Vielleicht hat es aber auch so sein sollen.

Gruß Liara

Beinahe hätte ich es vergessen. Ich habe auch versucht auf die Metrik zu achten, was mit zunehmendem Silbenschwund immer schwieriger bis fast unmöglich wurde.
 
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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, Liara, die Mehrdeutigkeit von "Tor" ist gut gelungen und passt, auch wenn ich sie nicht erkannt habe. Vielschichtigkeit ist wichtig für gelungene Dichtung.
 

atira

Mitglied
@Liara: Die Idee ist gut. Aber "Unkraut jäten" und "Blumen binden"? Gäbs da kein frischer Metaphern, zB Spam ernten und #Röhrlsalat-Rezepte twittern? ;)

LG
atira
 
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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Bei Spirulinas Gedicht hat "Tor" mindestens 4 Bedeutungen:

Tor als Öffnung des Trichters, durch das alles durch muss, was durch den Trichter rinnt.
Tor als Narr
Tor="Treffer" (Fußball-Metapher. Erfolg.)
"Tor" als poetisch-erotisches Bild
 

Spirulina

Mitglied
Boah ey, Bernd, Fußball- und Erotiktore, das kann ich jetzt nicht mehr unkommentiert stehen lassen. :D

Atira, ich verstehe deine Forderung nur zu gut und ich bin eigentlich gerne mit von der Partie spannendere Wortfindungen
zu platzieren. Bei diesem Trichter, es war mein allererster und einziger Versuch bislang, war es einfach enorm schwierig
ein Bild zu schaffen, bei dem Inhalt, Aussage und zwei verschiedene Richtungen funktionieren. Noch mit einer pointierten letzten Silbe.
Ich hatte nicht erwartet, dass es so schwierig sein würde.
In nur eine Richtung wäre vermutlich einfacher gewesen, aber ich musste ja ....

Deshalb verstehe ich auch durchaus, dass einigen die einfache Blumensprache auf den Keks ging, aber
gegen den Rest musste ich mich wehren. Sonst landet man schnell in einer Schublade.

Ich danke euch herzlich
Spirulina
 
danke für deine erklärung. ich verstehe es jetzt besser. und keine sorge - ich glaube nicht, dass dich jm in eine schublade steckt. du bist doch sympathisch und schlecht sind deine texte auch nicht!

lg
patrick
 

Spirulina

Mitglied
Na, dann habe ich ja nochmal Glück. :cool:
Keine schlechten Texte - na, das kam aber hier mal ganz anders rüber, jedenfalls bei manchen.
Aber nun ist ja hoffentlich klar - ich schreibe keinen Mumpitz.

Danke, dass du dich wirklich mit mir über das Gedicht auseinandergesetzt hast, das rechne ich dir hoch an.

Liebe Grüße
Spirulina
 

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