Gaukler der Lüfte (Sapphische Ode)

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T

Trainee

Gast
Hallo Sidgrani,

das ist mir in der Wortwahl zu abgenutzt und zu adjektivlastig. Aber ordentlich gemacht. - Deshalb von mir den Mittelwert. :)

Liebe Grüße
Trainee
 

Sidgrani

Mitglied
Hallo Trainee,

danke für das "Wachrütteln". Ich neige tatsächlich manchmal dazu, zu viele Adjektive zu verwenden. :confused:
Ich versuche umgehend, mich zu steigern und habe die Strophe völlig umgekrempelt, wobei ich einmal von der Möglichkeit, den "Wander-Daktylus" einzusetzen, Gebrauch mache.

Lieben Gruß
Sidgrani
 

Sidgrani

Mitglied
Blumen blühen, schwerelos flattern wieder
Schmetterlinge emsig nach Nektar suchend
Über Wiesen und Felder, Kinder staunen,
Gaukler der Lüfte.
 
T

Trainee

Gast
Hallo Sidgrani,

als Expertin sapphischer Oden darf und möchte ich mich nicht ausweisen. :cool:
Wäre es nicht dienlich, jeweils zwei Sinneinheiten klanglich einander anzunähern. Hier die blauen und roten:

[blue]Blühende Blumen[/blue]. [red]Schwerelos suchen die[/red]
Falter emsig nach Nektar, flattern über
[blue]Wiesen und Felder[/blue]. [red]Kinder verstummen kurz: (?)[/red]
[blue]Gaukler der Lüfte!
[/blue]
Ich bin mir nicht sicher, der Form noch genüge zu tun, hoffe es aber. - Die von dir veranlasste Minderung an schmückenden Adjektiven zahlt sich auf jeden Fall schon jetzt aus. :)

Liebe Grüße
Trainee
 

Sidgrani

Mitglied
Hallo Trainee,

ich danke dir für dein Interesse und deinen Vorschlag, der mir wirklich gut gefällt und den ich gerne in die Tat umgesetzt hätte. Allerdings handelt es sich dabei nicht mehr um eine Sapphische Strophe, die aus gleichgebauten fünffüßigen „Elfsilblern“ und nur einem einzigen Daktylus besteht, der sich normalerweise an der dritten Stelle befindet. Das ist der Nachteil bei so starren Formen.
Ich bin keinesfalls ein Experte auf diesem Gebiet, ich habe mich für dieses Experiment strikt an die nachfolgende Strophe von August von Platen gehalten und nur einmal den Daktylus etwas nach vorn wandern lassen.

Zitat:
Stets am Stoff klebt un-se-re Seele, Handlung
ist der Welt allmächtiger Puls, und deshalb
flötet oftmals tauberem Ohr der hohe
lyrische Dichter.

Auf jeden Fall hat mir das Herumbasteln Spaß gemacht. :)

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
Sidgrani
 
T

Trainee

Gast
Das geht völlig in Ordnung,

ich hatte mich mehr an Harald Hartung (wegen des Wanderdaktylus) orientiert:

Zögernder Frühling. Schön der Anhauch auf den
Sträuchern, nah sind es Notenköpfe an den
Zweigen: soviel Zeit für ein stummes Lied, man
singt's mit den Augen.
verstehe aber gut, dass du erstmal genau nach dem Original vorgehst; das mache ich bei Bedarf ebenfalls so. :)
Auf jeden Fall ist das eine sehr schöne Übung. Gerade die antiken Formen verlangen einiges ab ...

Liebe Grüße
Trainee
 

Sidgrani

Mitglied
Ich finde, gerade diese antike Form zwingt dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und alles Unwichtige wegzulassen.

Auch Harald Hartung hält sich, abgesehen vom Wander-Daktylus, an die ursprüngliche Form und verwendet nur einen Daktylus pro Zeile. Das ist bei deiner Version, warum auch nicht, anders. Aber darin besteht ja gerade die Herausforderung, von starren Regeln abzuweichen und etwas Neues auszuprobieren. :)

Ich wünsche einen schönen Sonntag.
Sidgrani
 

Sidgrani

Mitglied
mindestens das "und" sitzt falsch
Ich betone so:

Ü-ber [blue]Wie-sen und [/blue]Fel-der, Kin-der stau-nen
Das und ist die dritte Silbe des [blue]Daktylus[/blue], den ich blau hervorgehoben habe und sie wird nach meinem Verständnis nicht betont. Es wird schließlich nicht (als ob es etwas Besonderes wäre) darauf hingewiesen, dass die Schmetterlinge auch noch über die Felder fliegen.

Was genau meinst du mit "mindestens"?

LG Sidgrani
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
Aber da (an dieser Stelle) hat der sapphische Vers gar nicht den Daktylus. Er kommt später.

Der Ausdruck "Daktylus" ist nur ein Hilfsmittel, denn in Wirklichkeit haben alle griechischen lyrischen Versmaße (alkäisch, sapphisch, asklepiadeisch) eine Art Molekülgruppe von drei Längen, gefolgt von einer Doppelkürze: XXXxx.

Bei der alkäischen Strophe ist es ähnlich der sapphischen, nur noch eine unbetonte Auftaktsilbe davor: xXxXXX (alkäisch) statt XxXXX (sapphisch).

Da wir nicht nach Längen, sondern nach Betonungen lesen bzw. durch Betonungen die Längen noch einmal stärker oder schwächer gewichten, ist das Längentripel (XXX) für uns betont-unbetont-betont, dann folgen die beiden Kürzen als deutlich unbetonte Silben. So regelmäßig bei Hölderlin.

Es ist natürlich Quatsch, den Daktylus rumzuschieben, wie man gerade Lust hat. Es ist, als verschiebe man die Halbtonstufe in den modalen Tonarten, ohne den Namen der "neuen" Leiter zu ändern oder bei den anderen modalen Tonarten ("Kirchentonarten") zu finden. (Aber Phrygisch hat nun mal einen Halbtonschritt von der untersten zur zweituntersten Treppenstufe der Leiter, um das an einem Beispiel zu verdeutlichen. Wer den Halbtonschritt zwischen die zweite und dritte Stufe setzt, der erhält Dorisch, es kann dann nicht mehr "Phrygisch" genannt werden.)
Es sei denn, man nennt so einen veränderten Vers nicht "sapphisch", - dann kann man natürlich machen, was man will.

Man kann ja auch eine andere Versart nehmen. Alkäisch, asklepiadeisch, - oder man schreibt irgendwas ohne benamte Regel.

grusz, hansz
 

Sidgrani

Mitglied
Aber da (an dieser Stelle) hat der sapphische Vers gar nicht den Daktylus. Er kommt später.
Das stimmt, allerdings hat Klopstock versucht, den antiken Vers ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten und den Daktylus innerhalb der Zeile „wandern“ lassen, wodurch er einem Phaläkischen Vers gleichkommt, sagt zumindest Wikipedia. Darauf baut meine Strophe auf. Sie ist also keine echte Sapphische Strophe mehr?

Deine Erklärung der griechischen lyrischen Versmaße ist interessant, für mich als experimentierfreudigem Laien aber leider etwas zu hoch. Ohne dein Fachwissen zu haben, konnte ich mich nur an die Beispiele auf Wikipedia halten und habe mir Harald Hartungs Strophe vom „Zögernden Frühling“ als Vorlage genommen.

Danke für deinen kleinen Einblick in die antiken Versmaße.

Gruß Sidgrani
 


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