Lieber Arcos,
in meiner Jugend kannte ich so einige „Junkies“, und so gut wie alle sind letztlich daran zugrunde gegangen. Mir scheint, Du glorifizierst hier sehr einseitig das High-Sein. Die Innenperspektive des Rausches wird ausführlich beschrieben, aber vollkommen ausgespart bleiben die körperlichen Veränderungen, die Isolation, die Verzweiflung – die Sucht selbst.
Ich glaube nicht, dass irgendeiner meiner damaligen Bekannten am Ende glücklich damit war, nicht mehr außerhalb des Rausches leben zu können oder zu wollen.
Mag sein, dass Du hier eine authentische Geschichte verarbeitest und ich dabei feine Nuancen überlese. Aber so, wie ich das Gedicht lese, ist es mir zu einseitig und dadurch fast schon gefährlich verharmlosend.
Natürlich ist ein Teil der Problematik der Heroinsucht auch ihre Kriminalisierung. Aber das ist bei weitem nicht alles. Die Droge selbst kann Menschen körperlich und psychisch zugrunde richten – und davon lese ich in Deinem Gedicht eigentlich nichts.
Selbst wenn man sämtliche Beschaffungskriminalität und sämtliche schmutzigen Begleitumstände entfernen würde und reines, medizinisches Heroin unter vollkommen sterilen Bedingungen verabreichte, gäbe es vielleicht nicht mehr diese angeschwollenen Hände und Gesichter, die sich mir so eingeprägt haben. Aber die Abhängigkeit wäre damit nicht verschwunden. Und realistisch betrachtet ist dieser „Dreck“ eben ein Teil der Lebenswirklichkeit schwerer Heroinsucht.
Also leider nein, ich kann Deinem Gedicht nichts abgewinnen. Ich möchte Dir weder Zynismus noch Naivität unterstellen, denn ich kann mir kaum vorstellen, einen solchen Text ohne persönlichen Bezug zu schreiben. Aber Du beschreibst nur den Rausch, nicht das Leben – und sprichst am Ende doch vom Sterben wie von einem Heldentod nach einem vollendeten Leben.
Das bekomme ich nicht zusammen.
Interpretiere ich vielleicht zu viel hinein, bin ich aufgrund meiner Jugend überempfindlich?
Vielleicht lässt Du bewusst die anderen Perspektiven außen vor und es geht nur um die rein subjektive Erfahrung der Verführung und des Rausches. Aber „geliebtes Gift“ reicht mir einfach nicht als Bruch, als Ankerpunkt.
Na ja, wollte ich nur mal loswerden.
Liebe Grüße
Rufus