Go to hell, Sergeant Snyder. Resilienzlyrik vom 12.2. 1981

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anbas

Mitglied
Moin Willibald,

mir gefällt das Teil.

Allerdings stören mich die anschließenden Erläuterungen. Aus meiner Sicht solltest Du sie künftig weglassen oder als ersten Kommentar unter das Gedicht stellen.

Beste Grüße

Andreas
(nicht beim Bund gewesen ;))
 

Willibald

Mitglied
Zitieren statt sich echauffieren

Monochrom ist im realen Leben ein Didaktiker in Würzburg. Hier ein Zitat aus einer seiner Schriften:

Wie unschwer zu erkennen, wird bei dieser begrifflichen Klärung und Beschreibung die Problemhaftigkeit der Leistungsbeurteilung bereits in Umrissen sichtbar. Max Liedtke gibt der terminologischen Annäherung an „Beurteilung“ noch eine allgemeinere, anthropologische Dimension, wenn er schreibt:

„Die Beurteilung von Leistung ist ein Bestandteil der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit. Wir können nicht wahrnehmen, ohne zu beurteilen. Schon aus Gründen des Taktes wird man sich mit seinen Urteilen anderen Menschen gegenüber zurückhalten. Pädagogisch ist aber eine gänzliche Zurückhaltung nicht vertretbar, weil in der Beurteilung auch ein wesentliches Moment der sozialen Rückmeldung und damit der Orientierung für das Kind liegt. Eine formalisierte L.[eistungs] messung wäre für diese pädagogisch notwendige Rückmeldung allerdings nicht erforderlich“ (Liedtke 2004, 279).

Jung, Johannes. Schülerleistungen erkennen, messen, bewerten. Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2013, S. 71.
Hier ein Zitat aus seiner Forumsdiskursmasse:

Willibald,

den Vorwurfsmodus hast Du gerade aktiviert.

Warum denkst Du, ich hätte nicht genau gelesen?

Du hast meine Fragen immer noch nicht beantwortet...

Ich hatte lediglich zum Ausdruck gebracht, dass der Text auf mich keine Wirkung hat und mir wie ein zusammengewürfelter Haufen vorkommt, dem sich der Autor gewollt oder ungewollt selbst durch eine süffisante, ironische und distanzierte Schreibweise entzogen hat.

[blue]Ich merke, dass Textarbeit mit Dir nicht möglich ist, und Du borniert bist.[/blue]

Ich ziehe mich aus diesem thread zurück...

Monochrom
 

James Blond

Mitglied
Der poetische Elchtest

Ehm,
wenn ich eure Aussagen über den vorliegenden Text ...

Monochrom
Ich hatte lediglich zum Ausdruck gebracht, dass der Text auf mich keine Wirkung hat und mir wie ein zusammengewürfelter Haufen vorkommt, dem sich der Autor gewollt oder ungewollt selbst durch eine süffisante, ironische und distanzierte Schreibweise entzogen hat.
Willibald:
Angelegt ist eher eine komische Fallhöhe für Sergeant Schneider und so ne Schelmenromanstilhöhe auf Postabiturientenniveau im Blending mit studentennaher Vagantenliederei. Ein gedeckelter Francois-Villon-versuch.
... vergleiche, scheinen mir die Lesarten nicht so unüberbrückbar verschieden, wie es behauptet wurde. Wenn diese "Mixtur" nur auf wenig Akzeptanz stößt, dann wohl, weil sie nicht so recht verstanden wird.

Ich würde hier den biografischen Faden einer Erzählung stärker herausarbeiten.

Grüße
JB
 

Willibald

Mitglied
Salute, James Blond.

denke hier sind zwei Aspekte, mit denen ich mich nicht allzu wichtig machen möchte:

a) Monochrom wirft Willibald einen Täuschungsversuch vor:

Willibald bringt einen Beispieltext, der als nicht von Brecht ausgewiesen wird. Verfasser des prosaischen Langgedichtes wird nicht genannt. Monochrom, der von einem Brechttext spricht, fühlt sich getäuscht. Er "will Willibald nicht mehr trauen". Willibald unterstellt daraufhin Ungenauigkeit im Lesen.

b) Poetologie von Spott- und Schimpflyrik (Gstanzl, Sermo bei - oje - Horaz, Martial, Villon, archipoeta, Carmina Burana)

James B. vermisst "Innerlichkeit".
Man verzeihe die Analogie, kommt mir ein bisschen so vor, als halte man einem Kriminalroman vor, er sei kein Bildungsroman oder kein Eichendorff.

Über die Poetologie des Elchliedes (Genre, Details) zu diskutieren ist durchaus möglich. Aber vielleicht ein bisschen peinlich, da dann als Willibalds Nabelschau zu interpretieren.

Sei gegrüßt
ww
 

James Blond

Mitglied
Joho Willibald,

mein Vorschlag war es, den angeblichen Täuschungsversuch einmal außer Acht zu lassen, wir sitzen hier schließlich nicht zu einer Klassenarbeit ;) - auch ist der Autor Brecht oder nicht Brecht für das weitere Verständnis deines Textes wohl nicht so erheblich.

Meine Idee war, an dem gemeinsamen Leseeindruck von Monochrom, Willibald und JB anzusetzen, denn im Kern schienen wir uns darin nicht uneinig, hier eine Melange verschiedener Genres vorzufinden, lediglich in der Bewertung gab es einige Differenzen.

Ich schrieb ja ebenfalls:
Eine subjektive Betrachtung hinsichtlich der Textwirkung erscheint mir dagegen aussichtsreicher. Mir zeigt sich der Text als Melange einer ganzen Reihe von Zutaten: Biografisches, Anektdotisches, Kurioses, Lehrreiches, Ikonografisches und Poetisches mischen sich hier auf eine besondere Weise.

Aber ob der Kuchen auch aufgeht? Ich bin mir nicht sicher, auch wenn die Lektüre nicht schwer fiel; es blieb immerhin ein humoriger Nachgeschmack, hauptsächlich Caesars Elchtext geschuldet. Eine tiefere innere Ergriffenheit wollte (sollte?) sich bei mir allerdings nicht einstellen, die Zutaten perlten eher ab an der eigenen Vita.
Da wurde schon leicht ironisch auf die innere Ergriffenheit zurückgegriffen, weniger mit Eichendorff im Sinn als der Verwunderung, zu welchem Behufe dieser Elchtext geschmiedet wurde. So vieles scheint mir darin verarbeitet, als wolle man dem Leser etwas zu gefälligen Auswahl reichen, ohne sich dabei (an)greifbar zu machen: Autobiografisches, gewiss - aber nein: Anekdotisches, ja - aber auch Bildungsbeflissenes, ja - aber nein: Humoriges und Melancholisches, doch stop - Latein und Poesie, dazu noch eingeparkt zwischen einen Zitat-Prolog und eine Riesenfußnote.

Lieber Willibald,

das ist kein Villon, kein Horaz - das ist zu viel des Guten. "Ergriffenheit" setzt Ergreifen voraus, doch der Text packt nicht zu.

Grüße
JB
 

Willibald

Mitglied
Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.


[align=center] Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, Medizin ist dein Kommen.
Ovid: Tristia; IV, 10
[/align][align=center]

Hier sitz ich im Wintermanöver
nicht weit von Dinkelsbühl am Fuße
des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche
Verse zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte gestern Feldwebel Schneider
(er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche),
„all das wird euch Säcke schrumpfen lassen,
auf Erbsengröße.”(Sagt´er vielleicht
„Eure Säcke“?)


Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind.
Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sagt er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern nacht ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich,mit Handschuh-Fingern,
Caesar gelesen, in Ovid reingeschaut,
meine Freunde von Reclam. Ovid
beklagt seine „tristia fata”. Nach Tomis verbannt,
weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Ovid.

Und, schlotternd im kalten Germanien,
lese ich („Et tu, mi fili“) des gemordeten
Caesar Latein, die Verse Ovids, weil:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Und gewärmt von Benjamins Whiskey
echot mir jetzt im Kopf umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)[/blue][/center]

-------------------------------------------
Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
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Resilienzlyrik 12.2.1981.


Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, Medizin ist dein Kommen.
Ovid: Tristia; IV, 10

Hier sitz ich im Wintermanöver
nicht weit von Dinkelsbühl am Fuße
des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche
Verse zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte gestern Feldwebel Schneider
(er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche),
„all das wird euch Säcke schrumpfen lassen,
auf Erbsengröße.”(Sagt´er vielleicht
„Eure Säcke“?)


Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind.
Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sagt er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern nacht ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich,mit Handschuh-Fingern,
Caesar gelesen, in Ovid reingeschaut,
meine Freunde von Reclam. Ovid
beklagt seine „tristia fata”. Nach Tomis verbannt,
weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Ovid.

Und, schlotternd im kalten Germanien,
lese ich („Et tu, mi fili“) des gemordeten
Caesar Latein, die Verse Ovids, weil:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Und gewärmt von Benjamins Whiskey
echot mir jetzt im Kopf umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)[/blue][/center]

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Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
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Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, Medizin ist dein Kommen.
Ovid: Tristia; IV, 10


Hier sitz ich im Wintermanöver
nicht weit von Dinkelsbühl am Fuße
des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche
Verse zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte gestern Feldwebel Schneider
(er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche),
„all das wird euch Säcke schrumpfen lassen,
auf Erbsengröße.”(Sagt´er vielleicht
„Eure Säcke“?)


Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind.
Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sagt er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern nacht ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern,
Caesar gelesen, in Ovid reingeschaut,
meine Freunde von Reclam. Ovid
beklagt seine „tristia fata”.
Nach Tomis verbannt, weit weg
vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren,
der arme Ovid.

Und, schlotternd im kalten Germanien,
lese ich („Et tu, mi fili“) des gemordeten
Caesar Latein, die Verse Ovids, weil:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Und gewärmt von Benjamins Whiskey
echot mir jetzt im Kopfe umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)[/blue]​

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Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

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[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, Medizin ist dein Kommen.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich im Wintermanöver
nicht weit von Dinkelsbühl am Fuße
des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche
Verse zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte gestern Feldwebel Schneider
(er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche),
„all das wird euch Säcke schrumpfen lassen,
auf Erbsengröße.”
(Sagt´er vielleicht„Eure Säcke“?)

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind.
Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sagt er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern nacht ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern,
Caesar gelesen, in Ovid reingeschaut,
meine Freunde von Reclam. Ovid
beklagt seine „tristia fata”.
Nach Tomis verbannt, weit weg
vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren,
der arme Ovid.

Und, schlotternd im kalten Germanien,
lese ich („Et tu, mi fili“) des gemordeten
Caesar Latein, die Verse Ovids, weil:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Und gewärmt von Benjamins Whiskey
echot mir jetzt im Kopfe umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)[/blue]​

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Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
Salute, James,

das mit dem "Packen", nun ja.
Jedenfalls nochmal Elch.
Ein bisserl deutlicher sichtbar:
die Konkordanzen.

greetse

ww
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte gestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sagte er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern,
Caesar gelesen, in Ovid reingeschaut,
meine Freunde von Reclam. Ovid
beklagt seine „tristia fata”. Nach Tomis verbannt,
weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Ovid.

Und, schlotternd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili“)
Caesars Latein, die Verse Ovids. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier und jetzt gewärmt von Benjamins Whiskey
echot mir dunkel im Kopf umher,
was Caesar schrieb über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)[/blue]​

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Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte gestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sagte er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar gelesen,
in Ovid reingeschaut,meine Freunde von Reclam. Ovid
beklagt seine „tristia fata”. Nach Tomis verbannt,
weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Ovid.

Und, schlotternd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili“)
Caesars Latein, die Verse Ovids. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier und jetzt gewärmt von Benjamins Whiskey,
das Heft auf den Knieen, echot mir dunkel
im Kopf umher, was Caesar schrieb über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)[/blue]​

-------------------------------------------
Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte gestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sagte er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar gelesen,
in Ovid reingeschaut,meine Freunde von Reclam. Ovid
beklagt seine „tristia fata”. Nach Tomis verbannt,
weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Ovid.

Und, schlotternd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili“)
Caesars Latein, die Verse Ovids. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier und jetzt gewärmt von Benjamins Whiskey,
das Heft auf den Knieen, echot mir dunkel
im Kopf umher, was Caesar schrieb über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").[/blue]
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)​

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Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte gestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sagte er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar gelesen,
in Ovid reingeschaut,meine Freunde von Reclam. Ovid
beklagt seine „tristia fata”. Nach Tomis verbannt,
weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Ovid.

Und, schlotternd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili“)
Caesars Latein, die Verse Ovids. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier und jetzt gewärmt von Benjamins Whiskey,
das Heft auf den Knieen, echot mir dunkel
im Kopf umher, was Caesar schrieb über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").[/blue]
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte und steckt im Piktogramm.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)​

-------------------------------------------
Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte vorgestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sprach er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar performt,
in Ovid reingeschaut, meine Freunde von Reclam.
Der Dichter beklagt seine „tristia fata”.
Nach Tomis verbannt, weit weg vom warmen Italien,
lebt er unter lauter Barbaren, der arme Poet.

Und, fröstelnd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili?")
Caesars Latein, die Verse der Trauer. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier sitz ich gewärmt von Benjamins Whiskey,
es echot mir dunkel im Kopfe umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").[/blue]
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte und steckt im Piktogramm.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)​

-------------------------------------------
Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte vorgestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Heute Abend teilten wir glorreichen Sieben
irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sprach er, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar performt,
in Ovid reingeschaut, meine Freunde von Reclam.
Der Dichter beklagt seine „tristia fata”.
Nach Tomis verbannt, weit weg vom warmen Italien,
lebt er unter lauter Barbaren, der arme Poet.

Und, fröstelnd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili?")
Caesars Latein, die Verse der Trauer. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier sitz ich gewärmt von Benjamins Whiskey,
es echot mir dunkel im Kopfe umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich überhaupt
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").[/blue]
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder. Er trank aus dem Flachmann den Schnaps.
Das bringt mich auf eine Idee, denn er lehnte mit steifen Knieen
in Nato-Oliv an dieser Fichte und steckt nun im Piktogramm.
"Fortasse
et cras?"
(Vielleicht ja
auch morgen?)​

-------------------------------------------
Anmerkung:


Bitte die Lateinischen Sätze entschuldigen. Das war die Situation
beim Bund vor dem Studium. In Bayern brauchte man da das Latinum.

Resilienz: Widerständigkeit, Aufmupf, Gegenkraft, Widerstandsfähigkeit

Und, nein, das ist wirklich hoffentlich nicht als öder Jungmann-Landser-Qua(r)k zu verstehen.

Für Klassikfreaks und Neugierige:

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt. C. Julius Caesar, BG VI-27

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Sie haben eine ähnliche Gestalt und Färbung wie Ziegen, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so weit an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn die Elche sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte vorgestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Vor drei Stunden tranken wir glorreichen Sieben
das letzte Glas irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sprach Ben, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar performt,
in Ovid reingeschaut, die Freunde bei Reclam.
Der Dichter beklagt seine „tristia fata”. Verbannt
nach Tomis, weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Poet.

Und, fröstelnd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili?")
Caesars Latein, dann die Verse der Trauer. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier sitz ich gewärmt von Benjamins Whiskey,
es echot mir dunkel im Kopfe umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich gar nicht
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").
[blue]Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder, schluckte Schnaps aus dem Flachmann,
kniesteif lehnend an dieser Fichte. Das bringt mich auf eine verwandte Idee.
Fortasse
et cras?
Vielleicht
ja auch
morgen?[/blue]
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte vorgestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Vor drei Stunden tranken wir glorreichen Sieben
das letzte Glas irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sprach Ben, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar performt,
in Ovid reingeschaut, die Freunde bei Reclam.
Der Dichter beklagt seine „tristia fata”. Verbannt
nach Tomis, weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Poet.

Und, fröstelnd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili?")
Caesars Latein, dann die Verse der Trauer. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier sitz ich gewärmt von Benjamins Whiskey,
es echot mir dunkel im Kopfe umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich gar nicht
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").[/blue]
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider
hinter den Zelten am Wald, den großen Strategen
und Leuteschinder, schluckte Schnaps aus dem Flachmann,
kniesteif lehnend an dieser Fichte. Das bringt mich auf eine verwandte Idee.
Fortasse
et cras?
Vielleicht
ja auch
morgen?
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte vorgestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Vor drei Stunden tranken wir glorreichen Sieben
das letzte Glas irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sprach Ben, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar performt,
in Ovid reingeschaut, die Freunde bei Reclam.
Der Dichter beklagt seine „tristia fata”. Verbannt
nach Tomis, weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Poet.

Und, fröstelnd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili?")
Caesars Latein, dann die Verse der Trauer. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier sitz ich gewärmt von Benjamins Whiskey,
es echot mir dunkel im Kopfe umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich gar nicht
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").[/blue]
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider.
Hinter den Zelten am Wald, der große Strategen und Leuteschinder, nahm einen Schluck Schnaps aus dem Flachmann
knie- und hüftsteif lehnend an einer Fichte. Das bringt mich,
o piktogrammische Muse und Herrin, auf eine verwandte Idee.
"Fortasse
et cras?"
Vielleicht
lehnt er
morgen
auch dort?​
 

Willibald

Mitglied
[blue]Go to Hell, Sergeant Snyder
Resilienzlyrik 12.2.1981.

[blue]Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes,
tu curae requies, tu medicina venis.
Danke dir, Muse, denn du bringst Trost,
die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin.
Ovid: Tristia; IV, 10[/blue]​


Hier sitz ich, gar kein Prometheus, nachts
im Wintermanöver nicht weit von Dinkelsbühl
am Fuße des Hesselberges auf strohbedecktem
Boden des Zeltes und versuche unter der Lampe
Verse, nein, Zeilen zu formen mit klammer Hand.

„Die Härteübung, die Schweinekälte”,
sagte vorgestern Feldwebel Schneider,
er mahlte die Worte zwischen den Kiefern
und glich dabei dem König der Elche,
„all das wird euch Säcke („Eure Säcke“?)
schrumpfen lassen, auf Erbsengröße.”

Auf dem Flaschenhals des engen Tales pfeift der Wind
so kalt. Die Fische frieren in der Tiefe der Wörnitz.
Vor drei Stunden tranken wir glorreichen Sieben
das letzte Glas irischen Whiskey, gestiftet von Ben:
Tullamore, eine Kruke. Das hilft,
sprach Ben, bei Kälte, barbarisch.

Gestern ohne Schlaf im Mumien-Schlafsack,
habe ich, mit Handschuh-Fingern, Caesar performt,
in Ovid reingeschaut, die Freunde bei Reclam.
Der Dichter beklagt seine „tristia fata”. Verbannt
nach Tomis, weit weg vom warmen Italien, lebt er
unter lauter Barbaren, der arme Poet.

Und, fröstelnd im kalten Germanien,
las ich des gemordeten („Et tu, mi fili?")
Caesars Latein, dann die Verse der Trauer. Denn:
Ich brauch das Latinum in Bayern
für jene vergleichsweise goldene Zeit
nach Feldwebel Schneider.

Hier sitz ich gewärmt von Benjamins Whiskey,
es echot mir dunkel im Kopfe umher,
was Caesar schreibt über Elche,
zu finden im „Gallischen Krieg”
Buch Römisch Sechs, Kapitel ZwoSieben:

[blue]Die
Elche
im Barbarenland
sie gleichen großen Ziegen.
Und sie können sich gar nicht
nicht hinlegen zum Ausruhn,
weil sie der Gelenke entbehren.
Sie lehnen sich, um Schlaf zu finden,
an Bäume. Die schlauen Barbaren
sägen die hohen Schlafbäume an:
So fallen die Bäume ("arbores cadunt")
und fällen die Elche ("caedunt alces").[/blue]
Übrigens sah ich vorhin Feldwebel Schneider.
Hinter den Zelten am Wald, der große Stratege und Leuteschinder nahm einen Schluck Schnaps aus dem Flachmann
knie- und hüftsteif lehnend an einer Fichte. Das bringt mich,
o piktogrammische Muse und Herrin, auf eine verwandte Idee.
"Fortasse
et cras."
Dort lehnt
er vielleicht
auch morgen.​
 


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