görlitz

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G

Gelöschtes Mitglied 15780

Gast
görlitz


aufm weg zur lesung in der friedhofs kapelle
hör ich musik stimmen kinder schreispiel gemurmel
im takt meiner füsze: ich tanze zum rascheln der blätter

kopf stein pflastert die wunden wo die gewölbe
der brau keller ziegel nach oben hinauf aufbrechen
tritt nicht auf narben nischen zwischen betonten

hebungen wo der atem dir stockt deiner schritte
muster zerschnitten wird wie in dambeldors strick vor
lage der riss in dem das kölner archiv – ach

vom uroboren schlangen schlund in die ubahn
geschlungen wurde: die operal bertim agni –
magyarische magier leckten danach sich die finger

 
G

Gelöschtes Mitglied 15780

Gast
Eine "Lesung in der Friedhofskapelle" veranstaltete ein Dichterkollege hier in Görlitz. Ich selbst las dort nicht, sondern lauschte. Und sammelte Eindrücke beim Weg über die Straßen der Innenstadt mit ihrem "historischen" Kopfsteinpflaster.
Aber das Lyri ist nicht mit mir identisch: Es weitet den Blick zu Dumbledors Strickmuster-Vorliebe, deutet sie als Chiffernschrift, und erinnert sich an den Zusammenbruch des Kölner Stadtarchivs, als ginge es gar nicht um Görlitz, sondern um die Schriften des Albertus Magnus, die bei jenem Zusammenbruch in Matsch verwandelt wurden. Also um Köln.

Das hat wohl auch damit zu tun, daß die Peterskirche mit ihren beiden neugotischen Türmen so über die Neiße ragt wie der Dom in Köln. Ein Erinnerungsfetzen des Lyri.
 
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Antagonist

Mitglied
Görlitz ist an sich ja schon eine hässliche Stadt, Hansz. Nun auch noch so einen Text daraufzusetzen .... Ich weiss nicht.
 
G

Gelöschtes Mitglied 15780

Gast
Ich weiß auch nicht.
Der Text (Du meinst dieses Gedicht) sitzt oben drauf?
Sehe ich nicht.
 
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Antagonist

Mitglied
Ein normaler Leser wie ich, lieber Hansz, kann mit dem Gedicht wenig anfangen.

In Deiner Deutung taucht plötzlich Köln auf - schwer zu fassen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 15780

Gast
Es ist schon ganz in Ordnung, Antagonistes, daß Du Dich für normal hältst. Und was willst Du mit Gedichten "anfangen"? Gelesen hast Dus ja schon. Da es nicht so avantgardistisch ist wie andere Wortspiele, verstehst Du vielleicht auch das ein oder andere. Die Anspielungen werden Deinen Horizont übersteigen.

Ich helfe Dir ein bißchen:
Es gibt Parallelen zwischen Görlitz und Köln, die mir natürlich deutlicher auffallen, da ich nun mal aus Köln stamme.
1. Die Peterskirche entspricht in vielen Aspekten dem Dom; so sind ihre neugotischen Türme denen des preußischen (Kölner) Doms nachgebaut, zu der Zeit, als auch Görlitz zu Preußen "gehörte".
2. Die Stadt ist durch einen Fluß geteilt, die Peterskirche steht auf einem Hügel über dem westlichen Altstadtkern der geteilten Stadt.
3. Die von unter durch das "historische Pflaster" der Altstadt hervorbrechenden Unterwelten haben eine Vergleichbarkeit mit dem Zusammenbruch des Kölner Stadtarchivs, jedenfalls in poetischer Sicht.

Aber ich verrate Dir nicht gleich alle Geheimnisse, bevor Du noch anfängst, etwas mit meinem Gedicht "anzufangen".

grusz, hansz
 

Samoth

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Ich war 2000 in Görlitz, es war wunderbar. Dann begannen die Sachsen am rechten Ufer zu stranden und als Einheimischer verließ ich diese schreckliche Kultur. Andere fanden dort ihre Heimat.
 

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görlitz


aufm weg zur lesung in der friedhofs kapelle
hör ich musik stimmen kinder schreispiel gemurmel
im takt meiner füsze: ich tanze zum rascheln der blätter

kopf stein pflastert die wunden wo die gewölbe
der brau keller ziegel nach oben hinauf aufbrechen
tritt nicht auf narben nischen zwischen betonten

hebungen wo der atem dir stockt deiner schritte
muster zerschnitten wird
Muss man Görlitz kennen, um mit dem Gedicht was anfangen zu können?

Ich habe die Diskussion hier aufmerksam gelesen und behaupte mal: nein; nicht unbedingt.

Ich kenne Görlitz jedenfalls nicht und dennoch ahne ich nach der Lektüre dieses Textes, wie das LI Görlitz in einer Momentaufnahme wahrgenommen haben könnte - bedingt und verknüpft mit dessen ganz persönlichem Er- und Vorleben.
Das ist legitim und mehr als genug und bis zu einem gewissen Punkt ist die Location zur Impression ja durchaus austauschbar, ohne der lyrischen Qualität der Beschreibung einen Abbruch zu tun.

Für mich bricht aber der Text just dort in zwei Teile, wo er von der Impression in konkrete Topographie übergeht und dabei kurz schräg wegtaucht - durch Harry Potter-Assoziationen und Strickvorlagen, die in meinem Fall eher als Verstrickung wirken denn als Hängeleiter mit kleiner, überraschender Zäsur.
Die neu eröffnete Ebene der Seitwärts-Gedankenwelt von LI und deren Fadenläufe führen mich persönlich in ein Labyrinth anstatt in die zweite Hälfte des Textes. Mir verwehrt sich dadurch gleich doppelt die Orientierung und Dechiffrierung eines Gedanken-Sprungs nach Köln und wieder zurück. Das finde ich schade, zeigt mir dein Gedicht doch gewissermaßen die Nase. Und offensichtlich nicht nur mir.

Als Neue hier weiß ich natürlich nicht, ob zwischen einigen Forenteilnehmern ein gewisser Tonfall Usus (und demmach nur für Außenstehende irritierend) ist...dennoch möchte ich es hier ansprechen, lese ich (nicht zum ersten Mal) etwas wie

Es ist schon ganz in Ordnung, ..., daß Du Dich für normal hältst. Und was willst Du mit Gedichten "anfangen"? Gelesen hast Dus ja schon. Da es nicht so avantgardistisch ist wie andere Wortspiele, verstehst Du vielleicht auch das ein oder andere. Die Anspielungen werden Deinen Horizont übersteigen.

Ich helfe Dir ein bißchen:
Ist mir da in der Diskussion etwas entgangen, das den Tonfall erklären könnte?

Falls nicht, eine spontane Idee...
Eventuell bräuchte es hier ja ein eigenes Unterforum oder eine Kennzeichnung für Werke hier vertretener poetae docti?
Das könnte helfen, so manche Aneinander-Vorbei-Oben-Drüber-Unten-Durch-Text-Diskussion hier gar nicht erst aufkommen zu lassen und dann wäre das mit der offensichtlich lästigen weil unterschiedlichen Augenhöhe von vornherein geklärt, jeder könnte in seinem Tümpel, Badesee oder auf seinem Gipfel ausschließlich auf Gleichgesinnte treffen und sich sicher in seinem kontrollierten Rahmen bewegen ....my bubble - no trouble sozusagen.
Sollte sich der von mir wahrgenommene Tonfall lediglich auf einander wohlvertraute und bekannte Dichter-KollegInnen hier beziehen, die das untereinander quasi schon als liebevolle Hachelei etabliert haben, bitte ich, dies hier als das einzuordnen,, was sie ist: die Wahrnehmung einer Außenstehenden.
Ich hätte nur gerne gewusst, woran ich - tonfallmäßig - hier so bin ganz generell.


Doch zurück zum Text: die Geheimnisse von Görlitz hätten mir persönlich also vollauf genügt - die ergründbaren wie die unergründeten. Nach den ersten zweieinhalb Strophen hattest du mich schon voll eingewoben in dichteste Atmosphäre, lieber hansz!
Das Dumbledorsche Strickknäuel war aus meiner Sicht einfach das Eitzerl zu viel und zu viel gewollt. Ansonsten aber eine herrlich melodisch schwingende, tolle Bilder zeichnende Stadtschaftsmalerei!

Lieber Gruß,
fee
 
G

Gelöschtes Mitglied 15780

Gast
Das mit dem "Tonfall", liebe Fee,

verstehe ich nicht. Der Angesprochene hatte sich als "normal" gegenüber mir, also den "Unnormalen" aufgebaut. Dann kam noch ein Troll dazwischen, und dann Dein großer Monolog.

Da hast du viel Text und Zeit verschwendet.

und deren Fadenläufe führen mich persönlich in ein Labyrinth anstatt in die zweite Hälfte des Textes.
"Labyrinth" ist nicht schlecht.
Der Ariadnefaden wäre die poetische Struktur der Schritte über das Kopfsteinpflaster. Der Wechsel der Betonten und Unbetonten z.B.
Strickmuster als Chiffernschrift des Magiers.

Ich habe gerade keine Zeit, demnächst auch nicht mehr, denn ich steige aus der Leselupe aus.

grusz, hansz
 

Scal

Mitglied
"hat mich überkommen
als ich zu einem stern nach oben gedacht"

Dies hatte ich gestern zu meinem Salomo-Kommentar (weiß nicht, warum er nicht da ist) hinzugefügt - und das bezog sich auf die, damalig einzige, 1-Stern-Bewertung (auch allgemein aufs Bewerten)
Zum Text: ".... deiner schritte muster zerschnitten wird" Meisterhaft - dann wächst oder wuchert (wie öfter in deinen Gedichten) das Kontextgewebenetz, sodass man als Leser (ich jedenfalls) darin öfter etwas ratlos und verständnissuchend herumzappelt (die mehr surrealistischen Klang- und Rhythmusgebilde sind ein Thema für sich).

ich steige aus der Leselupe aus ...

Ich kenne die Gründe nicht, aber finde (fände) das immens bedauerlich.

Lieben Gruß
Scal
 
G

Gelöschtes Mitglied 15780

Gast
Dankeschön, Scal,

ja, das ist ein passendes Schlüsselwort : "Kontextgewebenetz", und so lese ich auch das mit der Strickvorlage. Ich denke da an ein Schnittmuster, wo so verschiedene Linien einander wirr zu überkreuzen scheinen, und die Magierkollegen des Hogwarts-Schulleiters (ein "Albertus Magnus" unserer Tage) wundern sich über die fraulichen Muggelkünste, wie ein Navinutzer unserer Tage sich über papierne Stadtkarten wundert, die ähnliche Liniensysteme zeigen, oder wie die Avantgarde-Hasser, die in der Leselupe ihre Troll-Angriffe auf surrealistische Gedichte starten, sich über das Jackson-Pollock-Gemälde wundern würden, das der autistische Buchhalter im Film "The Accountant" durchliest.

Die "opera Alberti Magni" sind bei dem ungeheuerlichen Einsturz der Kölner Stadtarchiv von Schlamm und Regengüssen so aneinandergepappt wie die Wortfugen in der letzten Strophe dieses Gedichts.
Der berühmteste magyarische Magier der Zeit des Albertus Magnus war Klingsor, das wäre die Tür zu einem großen Literaturkomplex, der Wagners Tannhäuser, Novalis' "Heinrich von Ofterdingen", den Wartburg-Sängerwettstreit und das Schastel Marveille in Wolframs "Parzival" vereinigte, wenn es hier um die mittelalterlichen Zauberer ginge. Aber solche Anspielungen bleiben hier bloß assoziativ. Die Phantasien der verschiedenen Leser können verschiedene Linien ausschneiden aus den Strickvorlagen und Stadtplänen, es ist ein labyrinthisches Spiel. Beim Kopfsteinpflasterweg (Basalte? vulkanisch?) durch die im Mittelalter musifizierte Stadt.

Dies nur kurz hinskizziert.

grusz, hansz
 

Mimi

Mitglied
"Ich kenne die Gründe nicht, aber finde (fände) das immens bedauerlich."

... das sehe ich genauso...

Dein Gedicht, Hansz, hat in der Tat etwas von einem
Jackson-Pollock-Gemälde ... man steht hier als Leser davor und folgt den verschiedenen "Linien" und "Pfaden" aus ineinander verwobenem Surrealismus...

Gruß
Mimi
 

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Mitglied
...Dann kam noch ein Troll dazwischen...
Ah, ja. Das hab ich nicht mitbekommen. Alles klar.

Da hast du viel Text und Zeit verschwendet.
Ich hoffe, du beziehst dich nur auf die Tonfall-Nachfrage...da es mir persönlich aber ein Anliegen war, wurde wohl deine - ohnehin knappe - Lesenszeit verschwendet - das tut mir natürlich leid.


"Labyrinth" ist nicht schlecht.
Der Ariadnefaden wäre die poetische Struktur der Schritte über das Kopfsteinpflaster. Der Wechsel der Betonten und Unbetonten z.B.
Strickmuster als Chiffernschrift des Magiers.
Diese Struktur habe ich auch wahrgenommen und als gelungen empfunden - sie wurde aber trotzdem von Dambeldor und seiner "lage" für mich aufgelöst und hat sich dann nur noch teilweise wieder aufgebaut. Soll nicht dein Problem sein natürlich.

...ich steige aus der Leselupe aus.
Das finde ich schade.

Lieber Gruß,
fee
 
G

Gelöschtes Mitglied 15780

Gast
nein, ich steige nicht ganz aus, sondern veröffentliche zur Zeit nichts in der Leselupe

aber ich schaue durch die Lupe
 



 
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