Haiku (1)

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Hallo MicM!

Deine Zeilen fangen sehr gelungen einen schönen Moment in der Natur ein und sie wahren elegant die Distanz zur menschlichen Welt. Auch der gleichmäßige, schwungvolle Klang überzeugt und passt gut zum Flügelschlag.

Mehr davon, bitte!

Gruß,
Artbeck
 
A

aligaga

Gast
Sprachlich besser wär "den Hals lang gestreckt". Was, bitte, sollte man unter "flachem Fliegen" verstehen? Flach über dem Wasser? Sorry, aber das rumpelt arg. Und warum den ganzen Schwan nochmal bemüh'n wenn's doch schon "federweiß" und "er" heißt - da kann's doch schon keine Gans mehr sein, ne? Und ein Silberreiher auch nicht - der streckt den Kopp nicht beim Fliegen. "Im Glanz des Sees fliegen" klingt so krumm, dass man den baldigen Absturz besorgen muss.

Warum sagst du nicht einfach:

Mit sausendem Schwung
stemmt sich der Schwan vom See und
bricht ihm den Spiegel.

Da hörte man, wie schwer das Vieh hochkommt, sähe ihn beim Abheben mit den Schwimmfüßen auf dem blanken Seespiegel trappeln und ihn damit zerstören: Im Gegensatz zu deiner Version passiert da was, abseits der üblichen Idylle.

Heiter

aligaga
 

Schreibfan

Mitglied
Ich bin kein Haiku-Experte, kann daher also nicht sagen, ob es an Form oder Stil noch was zu verbessern werde. Subjektiv betrachtet hat mich der Text aber angesprochen, du hast sehr schöne Bilder gewählt.
Lg Schreibfan
 

MicM

Mitglied
Hallo Artbeck, hallo Schreibfan, danke für die positive Rückmeldung. Freut mich, dass für euch das Bild und die Worte stimmig sind.

Hallo Aligaga, danke für deine konstruktiven Anmerkungen. Hierzu folgende Bemerkungen:

Sprachlich besser wär "den Hals lang gestreckt".
Es ist doch etwas anderes, ob man den Hals lang streckt (kann ich auch) oder einen langen Hals streckt (kann ich nicht, nur der Schwan; und die Giraffe, aber die kann nicht fliegen), oder nicht?

Was, bitte, sollte man unter "flachem Fliegen" verstehen? Flach über dem Wasser?
Richtig, flach über dem Wasser (ohne Bemühen abzuheben, ohne Schwerfälligkeit, ohne Trappeln).

Und warum den ganzen Schwan nochmal bemüh'n wenn's doch schon "federweiß" und "er" heißt - da kann's doch schon keine Gans mehr sein, ne? Und ein Silberreiher auch nicht - der streckt den Kopp nicht beim Fliegen.
Meinst du, in einem Haiku sind Andeutungen schöner, als Bilder klar zu benennen?

"Im Glanz des Sees fliegen" klingt so krumm, dass man den baldigen Absturz besorgen muss.
Zu dieser Aussage fehlt mir eine Begründung.

Warum sagst du nicht einfach: ...
Ganz einfach: weil es dein Haiku ist.

Mit sausendem Schwung
stemmt sich der Schwan vom See und
bricht ihm den Spiegel.
Warum stemmt er sich noch, wenn er doch schon sauste? Wie kann er noch den Spiegel brechen, wenn er durch sein Rumgeplantsche schon derart viele Wellen produziert hat?

Da hörte man, wie schwer das Vieh hochkommt, sähe ihn beim Abheben mit den Schwimmfüßen auf dem blanken Seespiegel trappeln und ihn damit zerstören:
Auf Youtube habe ich es gesehen, in deinem Haiku leider nicht.

Im Gegensatz zu deiner Version passiert da was, abseits der üblichen Idylle.
Wer kein Idyll mag, sollte sich bei Sonnenuntergang nicht am See aufhalten. Oder zumindest mit Steinen nach den Schwänen werfen. Am besten aber von ganz von unberührter Natur fernhalten.

Auf bald,
MicM
 
A

aligaga

Gast
Es ist doch etwas anderes, ob man den Hals lang streckt (kann ich auch) oder einen langen Hals streckt (kann ich nicht, nur der Schwan; und die Giraffe, aber die kann nicht fliegen), oder nicht?
Die nicht – aber die Störche, die Reiher und die Kraniche könntens, tun’s aber nicht. Die knicken im Flug den Hals nach hinten. Coole Haikuh-Hirten wissen das. Und sie wissen, dass man mit „den Hals lang gestreckt“ den falschen Bezug in „Langer Hals gestreckt, fliegt er flach und federweiß“ vermeidet. War nur ein kleiner hint, die doitsche Sprache betreffend.

Richtig, flach über dem Wasser (ohne Bemühen abzuheben, ohne Schwerfälligkeit, ohne Trappeln).
Sorry, aber in deinem Dreizeiler fliegt erstmal nur der Hals. Das klingt luschtig.

Meinst du, in einem Haiku sind Andeutungen schöner, als Bilder klar zu benennen?
Malen ist etwas anderes als Abmalen, Knipsen etwas anderes als Fotografieren. Knipsen und Abmalen kann jeder. Die Kunst fängt erst dort an, wo das Bild hinter dem Bild entsteht. Und sie besteht - beim Haiku - im Verzicht auf alles Über-Flüssige.

Warum stemmt er sich noch, wenn er doch schon sauste? Wie kann er noch den Spiegel brechen, wenn er durch sein Rumgeplantsche schon derart viele Wellen produziert hat?
Der Schwan ist von Natur aus ein Brocken, unter allen hiesigen Vogerln jenes, der am schlechtesten fliegen kann und den meisten Krach dabei macht: Das „Sausen“ ist hier ein Geräusch. Eine Haikuh darf man nicht bloß sehen, man sollte sie auch hören. Sie spaziert dem Leser über alle Sinne.

Wer kein Idyll mag, sollte sich bei Sonnenuntergang nicht am See aufhalten. Oder zumindest mit Steinen nach den Schwänen werfen. Am besten aber von ganz von unberührter Natur fernhalten.
Das ist jetzt ein bissl arg blöd. Eine Haikuh lebt nicht zuletzt von der Vergänglichkeit des Augenblicks. Mit Steinen nach Schwänen schmeißen nur Deppen. Aber den Seespiegel mit Steinen einwerfen tun fast alle – Kinder ebenso wie Erwachsene. Je ruhiger der ist, desto lieber.

Du musst @alis Beispiele nicht übernehmen - es sind nur Hinweise, die dich erkennen lassen könnten, was an deinem Dreizeiler nicht so recht stimmt. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Gern geschehen, übrigens!

Vergnügt

aligaga
 

MicM

Mitglied
Sorry, aber in deinem Dreizeiler fliegt erstmal nur der Hals.
Nein, der Hals fliegt nicht. Der Hals würde fliegen, wenn es hieße: "Gestreckter langer Hals, fliegt er …" oder vielleicht noch "Langer Hals[red],[/red] gestreckt, fliegt er …" Bei mir aber wird "gestreckt" als Verb/Partizip verwendet, so dass der Hals das Objekt ist und es ein (anderes) Subjekt gibt/geben muss, nämlich er (der Schwan). Daher kann der falsche Bezug nicht hergestellt werden.

In diesem Sinne korrekt wäre es allerdings wahrscheinlich "Lange[red]n[/red] Hals gestreckt, fliegt er..." zu schreiben, da die erste Zeile letztlich die Verkürzung von "Er hat den langen Hals gestreckt, fliegt flach …" darstellt.

Dann hieße es:

Langen Hals gestreckt,
fliegt er flach und federweiß —
Schwan im Glanz des Sees.

Einverstanden?

Übrigens: nochmals Danke für die konstruktiven Anmerkungen!

Auf bald,
MicM
 
A

aligaga

Gast
Man kann Hälse immer biegen oder strecken, ganz gleich, wie lang sie sind.

Des Doitschen Mächtige erkennen in der Satzreihe "Langer Hals gestreckt, fliegt er flach und federweiß" im ersten Satz den im Nominativ stehenden Hals selbstverständlich als einen Satzgegenstand (und nicht als Objekt), der im zweiten, wieder satzgegenständlich, durch die Luft fliegt. Dann kommt einem am Ende plötzlich ein artikelloser Schwan entgegen und macht endgültig deutlich, wie verkehrt der Satzbau des Dreizeilers ist.

Korrekt (und silbenkonform) hieße es also besser
Den Hals lang gestreckt,
fliegt er flach und federweiß —
Schwan im Glanz des Sees.
Es rumpelt dann aber immer noch, denn federweiß fliegt nichts, schon gar nicht im See oder in dessen "Glanz". Ein Haiku entsteht nicht durch Sprachverquasung, sondern durch die klare Einfachheit eines Sinnbildes. Wofür sollte dein Dreizeiler denn stehen?

@Alis kleines Beispiel weist darauf, dass der Schwan ein plumper Störenfried ist, der eigentlich gar nicht hierhergehört. Er hatte in Doitschland ursprünglich keine Heimat und lebt nicht wirklich in Harmonie mit dessen Seen. Er ist ein Parvenü; in strengen Wintern muss man ihn bei uns durchfüttern, sonst geht er elend zugrunde.

Im Mittelalter kannte man ihn nur als Durchzügler, sah im Schwung seines Halses und in seinem weißen Gefieder etwas Erotisches, Reines, hat ihn aber gleichwohl totgeschossen und aufgefressen, wo und wie man nur konnte - das Volk hatte Hunger! Jungschwäne, deren Flaum noch grau ist, schmecken ganz passabel. Ein alter Schwan dagegen schmeckt tranig und ist zäh wie Schuhleder. Kenner schmoren ihn weich und tun ihn dann in den Risotto oder in die Paella, mit viel Zwiebeln, Chili und Salzkapern. Lorbeer nicht zu vergessen!

Froh und munter

aligaga
 

Label

Mitglied
Im Mittelalter kannte man ihn nur als Durchzügler, sah im Schwung seines Halses und in seinem weißen Gefieder etwas Erotisches, Reines, hat ihn aber gleichwohl totgeschossen und aufgefressen, wo und wie man nur konnte - das Volk hatte Hunger!
Das Volk mag zwar Hunger gehabt haben, trotz alledem war der Verzehr von Schwänen im Mittelalter der königlichen oder päpstlichen Tafel vorbehalten. (Dieses kleine Perlchen nutzlosen Wissens entstammt historischer und nicht der Veterenärskenntnis. Da kann sich ein Fischdoktor schon mal irren.) ;)
 
A

aligaga

Gast
Ein Hoch auf Doktor Guhgel!

Aber auch der kann heut' nicht mehr verhindern, dass das niedere Volk zu allen Zeiten in den Gärten der Präpotenzen dieser Welt nach Herzenslust wilderte. Wer hungert, pfeift auf die Moral, hat mal einer gesagt, noch bevor Doktor Guhgel seine Praxis eröffnete.

Und wenn ihr schon dauernd bei dem Quacksalber herumkugeln müsst, o @Thyllabelchens: Lasst euch von dem einen Überweisungsschein für den Logopäden ausstellen, damit ihr lerntet, wie sich der Veterinär richtig schrüb'.

Wie peinlich doch, wenn man wieder mal einen Schlag anbringen möcht' und dabei selber auf die Fresse fällt, ne?

Quietschvergnügt

aligaga
 

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