Heimat ... Yeah!! (gelöscht)

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

revilo

Mitglied
Boooaaaahhhh.....jetzt hast Du es denen aber richtig gegeben......bin schwer beeindruckt.....wenn ich solche Texte lese, komme ich nicht umhin, ein wenig zu schmunzeln.....

LG revilo und frohe Ostern.....
 

Lord Nelson

Mitglied
Hallo Blumenberg,

mich hast du glatt reingelegt. Beim ersten Durchlesen glaubte ich deine Kritikpunkte an diesem seltsamen neuen Ministerium nachvollziehen zu können. Beim genaueren Hinsehen reduzieren sich diese jedoch auf das Bild eines saft- und kraftlos gewordenen einheimischen Mannes, den etwas weit hergeholten Aspekt der Furcht, für homosexuell gehalten zu werden und dazu die äußerst verschwommene Kritik an der Rolle von Frauen, Behinderten und Menschen mit Migrationshintergrund in den Augen des Ersteren.

Deinen klaren Schreibstil erkenne ich nicht wieder. Hast dir wohl einen Spaß daraus gemacht, den typischen Politikersprech nachzuäffen :)

Dabei ist die Frage, ob es tatsächlich einer staatliche Stelle zur Evaluierung dessen bedarf, was in unserem Land heimatlich ist und was nicht, zunächst einmal auszuklammern, denn die praktische Ausformung dieses bürokratischen Januskopfes, die uns in den letzten Tagen präsentiert wurde, ist ein erheblich spannenderer Gegenstand der Betrachtung, sagt sie doch nichts darüber, was Heimat sei, aber viel darüber, wer die Kriterien für deren Bestimmung festlegt.
spannender als was? Etwa als "die Frage, ob es tatsächlich ... "? Das hieße, die Ausgestaltung dieser Stelle ist spannender als die Frage nach der Notwendigkeit? Ein fragwürdiger Vergleich, und während ich mich zu recht am Hinterkopf kratze, lachst du dich wahrscheinlich ins Fäustchen.


Trotzdem noch einige Anmerkungen (auch Politiker müssen "richtig" schreiben):

Wobei, wie in einem der zahlreichen Kommentare dazu zu lesen war, man versuche nicht [blue]Satzstellung: man nicht versuche Komma[/blue] einen bestimmten Eindruck zu erwecken, sondern vor allem krampfhaft einen zu vermeiden;
Was einen da anlächelt ist das genaue Gegenteil einer modernen Gesellschaft, die sich allem voran durch die Heterogenität ihrer Mitglieder auszeichnet[red],[/red] [blue] "und"[/blue] die so gerne mit einer klassenlosen Gesellschaft verwechselt wird.
(Bezug des zweiten Relativsatzes!)

Alexander Dobrindt hat versucht [blue]Komma[/blue] das vor ein paar Monaten in der Welt unter dem Begriffsparadox der konservative Revolution zu umreißen, womit er eine Bewegung meinte , die endlich mit den Überresten der 68er aufräumen wolle.
Satzstellung: "hat vor ein paar Monaten versucht, das in der "Welt" unter dem..."
oder "hat das vor ein paar Monaten in der Welt ... zu umreißen versucht"

Leider existiert kein Bild der Gesprächsrunde [blue]Komma[/blue] aus der heraus die Idee dazu entstanden ist, ich wage aber einmal die Vermutung, dass dieses, vielleicht nicht vor der Kulisse des BMI, sondern eher eines urigen Brauhauses, eine homogene Gruppe weißer Männer [red]zeigt[/red], die jener Ministermannschaft zum Verwechseln ähnlich wäre.
"zeigen würde, sofern es existierte" (ein Bild, das nicht existiert, kann auch nix zeigen!

Was damals, auch auf scharfe Nachfrage einer Heute Moderatorin, im Schwammigen und Widersprüchlichen verblieb[red],[/red] [blue]- (Einschub) [/blue]man konnte sogar für einen Moment den Eindruck bekommen, der damalige Verkehrsminister hantiere mit Begriffen, deren Bedeutungsgehalt er selbst noch nicht so ganz verstanden hat[red],[/red][blue]- [/blue] bekommt nun seine konkrete Ausformung.
Wesentlicher sind aber[red], [/red]die auf dem Bild fehlenden Elemente.
Heimat[red],[/red] [blue]- Einschub[/blue] das suggeriert diese personale Aufstellung[red], [/red] [blue]-[/blue] ist etwas, bei dem weder Frauen, noch Menschen mit Migrationshintergrund, überhaupt ein Wörtchen mitzureden haben, geschweige denn einen wesentlichen Beitrag zu dessen konkreter Bestimmung leisten könnten.
"überhaupt" passt nicht. Stattdessen vielleicht "auch nur"?
"zu dem sie einen wesentlichen Beitrag zu dessen..." ist doppelt gemoppelt

Übertragen auf den markigen Satz, den dieser bei jeder seiner Reden in den Raum stellt: [blue]"[/blue]Der Islam gehöre nicht zu Deutschland[blue]"[/blue], schwingt im nicht ausgesprochenen Subtext noch so einiges andere mit, womit man die Einzelaufzählung Islam verlängern könnte, denn scheinbar gehören auch Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen, Homosexuelle und Behinderte nicht zu Deutschland, zumindest nicht zu einem, dem es endlich gelungen ist sich auf seine Heimat zu besinnen.
Mir hat der Text Spaß gemacht. War sicher nicht einfach, so verschwurbelt zu schreiben. :) :)

Viele Grüße
Lord Nelson
 
Kollege Blumenberg, persönlich liegt mir der Begriff "Heimat" gar nicht und ein Heimatministerium halte ich für durchaus entbehrlich. Dennoch stößt mir dein Text übel auf. Er weist ein typisches Sammelsurium modischer Themen und Reflexe auf, das den Anschein geistiger Auseinandersetzung zu erwecken versucht, obwohl es das keineswegs ist.

Besonders verärgert mich, der ich selbst homosexuell bin und das oft öffentlich gemacht habe, wie du den Aspekt Homosexualität hier instrumentalisierst. Es ist überhaupt nicht ersichtlich, dass mit dem seltsamen Gruppenbild insoweit irgendeine Aussage verbunden ist oder sein soll. Gerade in der Rubrik Tagebuch könntest du dich darüber öffentlich mit Recht nur negativ äußern, wenn du dich selbst gleichzeitig als schwul outen würdest. Tust du das nicht oder bist es selbst nicht, dann lass das Thema hier aus dem Spiel. Andernfalls ist es ein unredliches Mit-der-Wurst-nach-der-Speckseite-werfen.

Deine belletristischen Sachen machen auf mich denselben Eindruck von Haschen nach Erfolg via Appelle an modische Reflexe. Auch deshalb meide ich diese Papierblumenbergwiesen seit langem. Hier habe ich noch mal einen Versuch gemacht. Ich bewerte mit "2".

Schöne Ostern
Arno Abendschön
 

Lord Nelson

Mitglied
Hi Blumenberg,

sollte es sich bei deinem Text - entgegen meinem ersten Eindruck - nicht um eine Satire handeln, so bitte ich dich in gebührender Verlegenheit um Vergebung.

In diesem Fall muss ich allerdings kritisieren, dass die Aussagen unnötig schwer zu lesen sind. Für einen ernst gemeinten Text vermisse ich nebst hinreichender Transparenz der Sprache vor allem eine gewisse Schärfe in der Kritik. Der sachlichste Kritikpunkt scheint mir im letzten Satz zu stecken. Dieser formuliert (imho etwas müde) den Vorwurf, einer, “dem es endlich gelungen ist sich auf seine Heimat zu besinnen” betrachte Frauen, Homosexuelle und Behinderte als nicht zu Deutschland gehörig. Belegt wird dieser Satz dadurch, dass die genannten Personengruppen “in dem bildlich-symbolischen Ausdruck der Seehoferschen Phantasien schlicht nicht” vorkommen - was den Schlusssatz aber nicht stringent belegt.

Zudem suggeriert die Gegenüberstellung von Heimat und diesen Personengruppen im Schlusssatz die Erwartung, dass gerade ein Heimatminister sich vorrangig den Genannten widmen müsse - was man sicher auch anders sehen kann.

Als Glosse fand ich den Text dagegen klasse.

nix für ungut
Lord Nelson
 

Blumenberg

Mitglied
Hallo Lord Nelson,

entschuldige, dass ich dir länger eine Antwort schuldig geblieben bin, ich habe die Feiertage weitgehend analog verbracht und bin nicht dazu gekommen zu antworten. Mit deinen sprachlichen Anmerkungen hast du recht (danke für die Mühen), da habe ich tatsächlich ein bisschen geschludert.

Deine erste Ahnung, dass es sich bei diesem Text um eine kurze, durchaus mit einem zwinkernden Auge geschriebene Glosse handelt, ist vollkommen richtig. Hier wird zugespitzt und überspitzt, ein bisschen Meinung herausposaunt; in einer kleinen schreiberischen Fingerübung und ohne Anspruch darauf irgendjemanden von irgendetwas überzeugen zu wollen. Es regiert eher die Lust an ein wenig Polemik, deren Ausgangspunkt das herrlich lächerliche Bild auf der Homepage des BMI bildet, als der Wunsch nach einer sachgerechten und theoriebasierten Aufarbeitung. Eine sachliche Kritik des Gegenstandes, so notwendig sie auch ist, hätte in der Tat eine wesentlich tiefere Beschäftigung vorausgesetzt und ich hätte sie wohl auch im Essayforum und nicht in der Tagebuchspalte eingestellt.

Ich glaube die Schwierigkeit eines Heimatbegriffes liegt allem voran in der vollständig subjektiven Bindung an das jeweilige Individuum. Ich habe, so ließe sich wohl sagen, mit französischen Doktoranden, denen ich in Seminaren immer wieder begegne, eine gemeinsame Heimat, die in der gemeinsamen Liebe für geistige Arbeit liegt. Anders verhält es sich mit einem Hartz IV Empfänger aus Duisburg Marxloh, mit dem mich, abgesehen von dem Pass in der Tasche (der geographischen Heimat), eigentlich gar nichts verbindet. Hier fangen die Schwierigkeiten an und ließen sich wohl bis ins Unendliche fortsetzen…

Ich wünsche dir einen schönen ausklingenden Ostermontag

Blumenberg
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Oben Unten