Helgas hellblauer Mercedes

4,60 Stern(e) 10 Bewertungen

Ji Rina

Mitglied
Hallo Anonymus,

Gern gelesen. Oder so gesagt (um im Text zu bleiben): "abgefuckt gut".

In meinen eigenen Texten mag ich soche Ausdrücke nicht so gern - aber hier musste es sein....

Ich bdeanke mich fürs lesen und die Besternung!
Mit Gruss, Ji
 

Ralph Ronneberger

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ji,

ich weiß, mein Kommentar kommt viel zu spät. Für mich hat das allerdings den Vorteil, dass das Vieles von dem, was an der Geschichte lobenswert ist, schon gesagt wurde. Selbst auf die kleinen Fehler wurdest du schon hingewiesen.
Ich mag die unaufgeregte Art dieser Geschichte, obwohl sich eigentlich ein regelrechtes Drama abspielt. Die locker flockige Erzählweise (besonders in den Dialogen) gefällt mir, aber was mir noch besser gefällt, ist die Tatsache, dass sie nahezu den ganzen Text über durchgehalten wird.

Deine Protagonistin erleidet einen furchtbaren Schock, als sie feststellen muss, dass der Mann, in den sie wahnsinnig verliebt ist, mit einer anderen Frau glücklich zu sein scheint. Und diesen Schock spürt man ganz deutlich, obwohl nur relativ sparsame Worte ihn beschreiben. Man fühlt fast körperlich auch die aufkommende Peinlichkeit und letztendlich den Drang aus dieser Situation (mit Hilfe des hässlichen Autos) zu entkommen.

Erst die hochgesteckten Erwartungen bei der Fahrt nach Saintes-Maries-de-la-Mer und dann dieser Fall ins Bodenlose. Welch eine Dramatik! Wie gesagt: Man spürt sie, aber die Art, wie sich die so bitter enttäuschte Frau im Griff hat, ist imponierend. Kein verzweifeltes Aufschluchzen, kein langatmig beschriebener Seelenschmerz, keine kullernden Tränen – und das alles, obwohl man als Leser zu wissen glaubt, dass sie innerlich wie ein Schlosshund heult. Großartig!



Gruß Ralph
 

Ji Rina

Mitglied

Ben Vart

Mitglied
Moin JiRina,

offenbar kann ich deine Geschichte nicht mehr bewerten, aber wenn ich's könnte, hätte ich dir drei Sterne dafür gegeben. Was daran liegt, dass ich die Höchstzahl nur in Ausnahmefällen vergebe (mit fällt dazu immer eine Aussage eines meiner früheren Chefredakteure ein, der sagte: "Seid vorsichtig mit dem Superlativ, Ihr wisst nie, was euch begegnet, wenn ihr um die nächste Ecke geht") und vier Sterne so für mich schon ein Optimum darstellen.
Und obwohl deine Geschichte sehr gut erzählt ist, von der Idee, der Beschreibung der Charaktere, die Atmosphäre dicht und packend und irgendwie lässt sie den Yachthafen von Les-Saintes-Maries-de-la Mer wieder lebendig werden.
Über fehlende Kommas und die merkwürdigen Guillemets will ich mich nicht auslassen.
Aber es gibt einige Sachen, die kannst du rausstreichen, ohne dass die Geschichte verliert. Eher im Gegenteil.
Anfangen würde ich mit dem ersten Satz.
"Morgens um sieben stand sie vor der Tür." Daran kannst du alles andere aufhängen. Ich nehm jetzt mal wahllos einige weitere Beispiele, die meines Erachtens ersatzlos gestrichen werden können, aber den Erzählstil packender machen.
"Die Überraschung war gelungen". Weg! Es wird zuvor schon deutlich, wie überrascht du bist.
"Timo war Helgas Freund" Die Erklärung stoppt meinen Lesefluss. Mit dem folgenden Satz "Ich dachte immer, ihre Beziehung …" wird alles gesagt. Und später, ob Diego nun mit einem Mann in der Hafenmeisterei war oder allein, das spielt für die Geschichte keine Rolle. Er war halt da. Oder die Frau hatte ihn vor zwei Tagen noch gesehen. Von diesen für die Entwicklung der Geschichte nutzlosen Einsprengseln gibt es noch eine ganze Menge.

Du springst außerdem in deiner Erzählweise. Nur ein Beispiel, die Fahrt: "Bis Valencia hörten wir Supertramp." Dann kommt die Sonne raus. Hier hätte ich noch eine Verbindung geschaffen. Vielleicht so: "Irgendwo bei Valencia kam die Sonne raus. Grade als Supertramp "Breakfast in America" spielte. Wir bekamen Frühstückshunger. An eine Raststätte besorgten wir uns …" Der Song hat sogar textlich ein wenig Annäherung an das, was die beiden Frauen in deiner Geschichte grade tun.

Dann solltest du zu einigen sprachlichen Plattheiten originellere Alternativen suchen. "Seine Blicke durchdrangen mich wie Pfeile." "… wie ein Blitz, der durch meinen Körper fuhr …" "Sie sah aus wie ein Engel. Nur die Flügel fehlten …"
Ganz ehrlich, das kannst du besser, ohne zu diesen abgedroschenen Metaphern greifen zu müssen.

Ansonsten: Daumen hoch.
 

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