Herbert Tamban - Lagholz

ahorn

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Moin,
nach mehreren Romanen, in denen wir Herbert Tamban, als Ermittler kurz vor der Pensionierung kennengelernt haben, springen wir endlich an den Anfang
Ich teile mit euch die ersten zwölf Kapitel.

Herbert Tamban
Lagholz
In einer Zeit, in der die Koteletten bis zum Kinn wucherten und die Röcke gerade einmal die Pobacken verdeckten, in der man Scheiben drehte und nicht auf Glas hämmerte, um zu telefonieren, wurde Herbert endgültig vom Kind zum Erwachsenen. Der Ernst des Lebens rückt näher, die Reifeprüfung. Was danach? Zivildienst unausweichlich. Die Urgroßmutter aus der einen Linie präferiert für ihn den Friseurberuf, wie schon viele Generationen vor ihr diesen ausgeübt haben. Der Großvater aus der anderen Linie sieht am liebsten bei der Polizei wie er, dessen Söhne und Ahnen. Dabei will Herbert nur das machen, was er kann: Malen, Kunst studieren. Die Arbeit im Frisiersalon kennt er, er hilft regelmäßig im Salon der Tante aus. Vor den Sommerferien setzt sich endlich der Großvater durch und übergibt den Enkel seinem ältesten Sohn Richard. Dieser soll während eines Praktikums Herbert die Arbeit bei der Kriminalpolizei schmackhaft machen.
Bereits am Sonntag, einem Tag vor Beginn des Praktikums, beordert Onkel Richard Herbert zu einem Leichenfundort. Was niemand ahnt: Bei der weiblichen Leiche handelt es sich um die Schwester von Herberts Freundin Rosanna.


1

Kriminalhauptkommissar Tamban strich über seine Koteletten, hockte sich nieder und klopfte auf die Schulter des Mannes, der bereits kauerte. „Hinnerk, was wissen wir?“
Der Angesprochene schob den Elbsegler zurück und zupfte am knallroten Minirock der Frau, die rücklings auf dem Waldboden lag. „Wat du weetst, weet ik nich, wenn du meenst, wat ik von ehr weet, denn heff ik geern antert: Midden zwanzig, Verletzung am Hinterkopf, geh von stumpfem Schlag ut.“ Dabei schwang er einen Gehstock wie einen Degen.
„Wurde sie … du weißt?“
Hinnerk hob den Saum des Rockes an. „Kann, kann nich wesen. Zumindest hett een ehr …“ Er legte den Saum auf ihren Bauch, auf die kurzärmlige weiße Rüschenbluse, ab.
Der Kriminalhauptkommissar verdeckte den Mund und murmelte: „Widerlich.“ Er wandte sich ab und richtete die Schiebermütze. „Haben wir einen Namen, aber bitte kein dumm Spruch.“
Hinnerk wies voraus. „Ehr Handtasch liggt bi ehr, aber se is leer.“

„Allegra!“ Herbert beobachtete seinen Onkel Richard, wie dieser zusammenzuckte, sogleich sich ihm zuwandte, während dieser Hinnerk, als hätte er Allegra niedergestreckt, mit dem Rock deren Scham bedeckte.
Tamban stand auf. „Was machst du hier?“
Manchmal zweifelte Herbert am Verstand seines Onkels. „Du hast mich angerufen.“ Er betrachtete erneut Allegra, die zwar auf dem Rücken lag, allerdings nicht schlief. Sie war tot. Noch nie hatte er eine Leiche gesehen. Ein kalter Schauer rann ihm über den Rücken, während er sich umsah. Zwischen den Bäumen des Lagholz wuselten Polizisten herum, als wäre es vollkommen normal, dass dort auf einem Bett aus Buchenblättern und Kiefernnadeln eine Frau lag. Wobei ihr Kopf eher im Dunstkreis der Kiefer nahe einem Ameisenhaufen ruhte. Er trat vor – Übelkeit überkam ihn – die Insekten hatten bereits Besitz ergriffen. Zügig schaute er weg, dafür seinen Onkel an.
Onkel Richard drohte mit der Rechten. „Glaubst du, ich bin senil? Ich mein hinter mein Rücken und warum kommst du erst jetze? Zu lang gefeiert, wie?“
„Feiern, was sollte ich feiern? Ich war wie jeden Samstag im Kino. Hey, außerdem, weißt du, wie weit das mit dem Rad von Atzum hierher ist?“
„Hör mal, die Brasilianer haben eine richtige Klatsche kassiert. Ich bin ja nicht für die Polacken, aber in deren Manschhaft spielen zumindest Deutsche. Sagen dürfen sie es zwar nicht, allerdings in ihrer Seele sind sie es. Wenngleich der Oberparteibonze von denen, dieser Edward Gierek Schlesier ist und man munkelt, dass er mit dem Brandt Deutsch spricht. Du hättest Opas Wagen nehm können.“
„Sehr witzig.“ Er schwang den Kopf, sodass sein sacht gewelltes blondes Haar an das Kinn klopfte, „der Führer war ein armes Schwein, denn er hatte keinen Führerschein.“
Sein Onkel erhob die Rechte. „Wird mir nicht frech! Geh‘ mal lieber zu mein Schwager, dein Onkel, der soll dir ein anständigen Schnitt verpassen. Mit dein lang Loden siehst aus wie ein Hippie, kannst dir bald ein Zopf flechten.“
Seine Tante, Onkel Richards und seines Vaters Schwester besaß mit ihrem Mann einen Frisiersalon in der Innenstadt von Wolfenbüttel. Den hatte dieser von den Eltern seiner Großmutter, Herberts Urgroßeltern bekommen. Damals war der Urgroßvater der festen Überzeugung, seine Enkeltochter wäre als Frau dazu nicht in der Lage.
„Tante kann das besser“, konterte Herbert.
Er kannte die Gesinnung seines Onkels. Er war zwar kein Nazi, dennoch der Auffassung, dass die Juden für den Untergang verantwortlich, nicht die Opfer, sondern die Täter gewesen waren. Mit dieser Haltung war er nicht allein. Herbert bekam stets Bauchschmerzen, wenn er daran dachte, wie der Hitler zum Deutschen wurde. Die Braunschweiger hatten ihren Otto I, Heinrich den Löwen, Till Eulenspiegel, den Freiherrn von Münchhausen und Adolf. In Herberts Stadt wurde aus dem Österreicher ein Deutscher: Schande. Weil er jedoch keine Lust empfand, seinem Onkel zum einhundertsten Mal zu erklären, wer wen ermordet hatte, schob er „Wenn du mir Knete zuschiebst, kann ich den Lappen machen“ hinterher.
Onkel Richard zog die Augenbrauen zusammen. „Du hast keinen Führerschein?“
„Nee!“
„Das sagst du mir erst jetze?“
„Du hast mich nicht gefragt.“ Er sah, wie sein Onkel ausholte, wich der Ohrfeige aus und versteckte sich hinter diesem Hinnerk, der inzwischen aufgestanden war.
Dieser wies zu Boden. „Se heet Allegra, Jung, wo weetst du dat her?“
Onkel Richard nicht aus dem Blick lassend, antwortete er: „Ich gehe mit ihrer Schwester auf dieselbe Penne.“
Hinnerk wandte sich zu Herbert um, stützte sich auf seinem Gehstock auf, als wäre er der leitende Beamte. Er starrte diesen hochgewachsenen Mann an, der ihn gut einen Kopf überragte. Er verkörperte, geschuldet dem Vollbart, dem der Schnurrbart fehlte, dieser Schifferfräse sowie dem Elbsegler, der auf seinem Schädel thronte, eine Symbiose aus Abraham Lincoln und dem Bundeskanzler Helmut Schmidt. Dabei entsprach er Herberts Ebenbild von Kapitän Ahab aus Hermann Melvilles Moby-Dick. Jedenfalls sah er nicht wie ein Kriminalbeamter aus. Onkel Richard kleidete sich seinem Beruf angemessen: schwarzer Anzug, Krawatte. Falls es kühl wurde, zog er sich einen Trenchcoat über. Einzig die Schiebermütze biss sich mit dem Rest. Wenn die nicht gewesen wäre, er sich einen Homburger oder Fedora aufgesetzt hätte, hätte er es mit David Niven aufnehmen können. Nicht, dass Herbert diesen Schauspieler bewunderte, denn er bewunderte keinen aus dieser Zunft, sondern die Art und Weise, wie er spielte, die hochnäsige Arroganz kultivierte. Falls überhaupt, könnte er sich eher mit Peter Sellers identifizieren. Jedoch nicht diesen in seiner Paraderolle als Inspektor Clouseau, sondern als Group Captain Lionel Mandrake in ‚Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben‘. Es gab keinen Film, den Herbert jemals öfter gesehen hatte. Stets, wenn er in einem Kino gezeigt wurde, ging er hin. Überhaupt, er kam ins Schwärmen: Stanley Kubrick. Leider zeigte man zu wenig geniale Filme im Kino. Streifen wie ‚Karate, küssen, blonde Katzen‘ oder ‚Gejodelt wird in Unterhose‘ sowie anderen Erotik-Streifen standen in seiner Gunst gleichauf mit ‚Blau blüht der Enzian‘. Wie gerne wäre er in ein Kino gegangen, das solch ein Machwerk aufführte, und hätte aus Protest an die Leinwand gekotzt. Allerdings verbat ihm dieses seine freigeistige Gesinnung.
Onkel Richard trat auf ihn zu und umfasste sogleich ungefragt seine Schulter. „Hinnerk, kennst du ihn noch? Herbert, mein Neffe.“
„Nee, dat glööv ik nich, toletzt weer he noch“, Hinnerk schlug mit der Rechten an sein Becken, „so lütt.“
„Jetzt übertreibst’s. Uußerdem snackt Düütsch, de Jung versteiht di doch gaar nich. He snackt keen Platt, dat lehrt de jung Lüüd vondaag nich?“
Herbert betrachtete seinen Onkel, als wäre er ein Außerirdischer. Hinnerk hielt ihm die Rechte hin, die dermaßen gigantisch war, dass er sich wie ein Kleinkind fühlte, während er diese zum Gruß ergriff und „Hinnerk Momsen“ vernahm. „Herbert Tamban“, stotterte er und war froh, seine Hand in Gänze wieder in die Hosentasche zu stecken.
„Richard, was macht de Kleene hier am Tatort.“
„Praktikum.“
„Wie Praktikum?“
„Nicht so ein offizielles. Er hat Ferien und ich dachte mir“, Onkel Richard stieß Hinnerk in die Seite, „ich zeig’ ihm einmal, wie toll es bei der Polizei ist.“
In diesem Augenblick hätte Herbert gern gekotzt. Er hatte keinen Drang, diese dämliche Familientradition fortzuführen. Bloß, weil sein Onkel keine Söhne gezeugt hatte und sein Alter nur einen hinbekommen hatte, musste er sich nicht opfern. Für ihn stand seine Reise fest. In einem Jahr würde er die Reifeprüfung ablegen, dann seinen Zivildienst abdienen. Den Kriegsdienstverweigerungsantrag hatte er bereits gestellt und wartete auf seine mündliche Anhörung. Von dieser hatte er weniger Bammel als vor der Reaktion der Großväter. Dabei waren sie der Grund, weshalb er nie eine Waffe anfassen wollte. Anschließend war der Weg frei für ein Kunststudium.
„Richard, hast du den Benno gesehen?“
„Warte! Ich glaube Oberwachtmeister Müller …“
Herbert beobachtete seinen Onkel, wie er sich umsah.
„Ja, dort ist er.“ Er hob den rechten Arm und schrie: „Müller.“
Ein Mann, den Herbert in dessen blau-grauer Uniform eindeutig als Schutzpolizisten erkannte, kam auf sie zu. Besser gesagt, er versuchte es. Ein unbekanntes Etwas zog ihn in die entgegengesetzte Richtung. Erst als Müller in Wurfweite herankam, erkannte Herbert, was diesen peinigte: ein Dackel.
„Und hat he geschittert?“
Der Uniformierte salutierte. „Nein, Herr Kriminalrat.“
„AD“, vernahm er, während Hinnerk die Leine übernahm. „Ich wees nich, seit drei Tagen, kann he nich.“
Onkel Richard hockte sich nieder, kraulte den Kopf des Tiers. „Musst zum Tierarzt. Aber sag, seit wann bist du wieder hier?“
„Seit einem Monat. Ich kann meine Margot doch nicht allein lassen.“
„Wie, allein?“
„Die spinnt. Und daran schuld sind diese Sozialisten. Da sitzt man friedlich auf seiner Bank, kiekst aufs Watt, raucht eine Pfeife und genießt den Ruhestand, da kommt sie, sagt mir, sie hätte eine Stelle als Rechtsanwältin.“
Behäbig erhob sich Onkel Richard, schüttelte den Kopf. „Du hast ihr das erlaubt?“
„Natürlich habe ich es ihr verboten. Aber ich sage doch: die Sozialisten. Verklagen wollte sie mich, meinte, unsere Kinder wären aus dem Haus und ich nicht mehr im Dienst. Wie sollte sie dann Probleme haben, ihren häuslichen Pflichten nachzukommen.“
„Kommt sie damit durch?“
„Natürlich nicht, aber der Spiegel oder diese anderen sozialistischen Kampfblätter warten bloß darauf.“
„Das kommt davon, wenn man eine weitaus jüngere Frau heiratet.“
„Mensch, Richard, hättest du vor dreißig Jahren …“ Hinnerk winkte ab. „Vergiss es.“
„Zumindest ist jetze der Schmidt dran. Immerhin hat er gedient.“
„Da gebe ich dir recht. Aber bedenke, der Vaterlandsverräter und Deserteur, dieser Brandt und der Kommunist, dieser Russe, Wehner sind noch da. Damals hätte man die an die Wand gestellt.“
Herbert wollte, konnte nicht mehr zuhören. Noch ein, zwei Worte und er hätte gegöbelt. „Onkel Richard, Herr Momsen, was macht ein Polizist“, er zeigte auf Allegra, „an einem Tatort?“



2

Herbert klemmte den Bleistift hinter das rechte Ohr und betrachtete die Zeichnung. Er hatte es nicht über das Herz gebracht, Allegra eins-zu-eins abzubilden, sie für die Ewigkeit in dieser Pose einzufrieren. Dieses hatte bereits ein Polizeibeamter mit seinem Fotoapparat übernommen. Bei jedem Strich, den er gesetzt hatte, sah er sie wieder im Atelier seines Lateinlehrers, Hilmer Huth, nackt, wollüstig, dennoch anmutig posierend. Es war sein erster Akt gewesen. Herr Huth hatte alle Jungen der Zeichengruppe eingeladen. Die beiden Mädchen waren zwar sauer gewesen, nicht dabei zu sein, aber sahen es ein. Anstand und Sitte verbat es ihnen, denn Herr Huth hatte neben Allegra auch ein männliches Model dazu gebeten.
Beinahe schüchtern betrachtete er erneut sein Werk, hörte, als wäre keine Sekunde vergangen, die Stimme seines Paukers, der gleichzeitig Herberts Rechte führte: „Fang’ ihre Seele ein!“, und im selben Moment stand er wieder in dessen Atelier.

***
„Herbert, lass dich nicht von deinen Hormonen lenken. Nicht dein Schwanz, sondern dein Bleistift zeichnet. Anstatt der Wollust, die du dir einbildest, solltest du ihre Anmut, ihr wahres ‚Ich‘ auf das Papier bannen.“ Herr Huth ergriff Herberts letzte Zeichnung, hielt diese ihm hin. „Schaue dir deinen David an, wie er kraftvoll posiert. Dennoch ist er kein dummer Muskelprotz, sondern jeder Betrachter sieht sein Geschick, seine Genialität. Er ist die personalisierte Männlichkeit.“ Er legte das Blatt ab, tippte auf die Staffelei. „Erschaffe eine Venus, keine Hure.“
Der Alte hatte gut reden. Allegra war die erste Frau, die am helllichten Tag nackt vor ihm stand und nicht mehr oder minder verschämt im Dunklen unter einer Decke unter ihm. Wenngleich ‚stand‘ bloß im übertragenden Sinn zutraf. Sie hockte wie die Kopenhagener ‚Kleine Meerjungfrau‘ auf einem Podest im Seitsitz. Allerdings hatte sie zuvor keine Scham besessen, ihm und seine Schulkameraden ihre Weiblichkeit ausgiebig zu präsentieren. Genau an diese dachte er, stellte sich vor, diese zu berühren. Er schmachtete danach, dass ihre Lippen sich wie sonst seine Finger um ihn schmiegten, während er das Playmate im Playboy anhimmelte. Es gab für ihn bloß eine Lösung. Er legte den Bleistift beiseite.
„Herbert, wohin willst du?“

„Herr Huth, ich muss mal!“
***
Ein Schlag auf seine Schulter holte ihn aus der Erinnerung.
„Jung, du hest Talent.“
Er schaute sich um, erblickte Momsens faltiges Gesicht und flüsterte: „Danke.“
Momsen strich über die Schifferfräse, stützte sich auf den Gehstock ab. „Ik weet nich mien Jung. Dat sütt ut as wenn du ehr op’t Geweten harrst.“
„Hinnerk, mach‘ dem Bengel nicht Bang‘.“
Diesmal schaute er seinen Onkel an. Dieser schnappte sich die Skizze. „Obwohl? Wenn ich es mir echt beschau: Ihr Ausdruck, als wäre sie im Todeskampf. Woher kennst du sie nochmals?“
„Sie ist die Schwester einer Schulfreundin.“
„Bei der warst du und hast sie gesehen?“
„Nein.“ Schweiß trat auf seinen Handflächen aus. „Sie ist nach dem Abi weg.“
„Wer?“
„Onkel“, er zeigte auf Allegra, „sie.“
„Dat een schließt dat anner nich ut“, hörte er Momsen schallen.
Angsterfüllt schaute er sich um. Außer Momsen und seinem Onkel erspähte er niemanden mehr im Wald zu sehen: Abgesehen von Allegra, die ihn anzulächeln schien. Ein Kuckuck rief, ein Specht hämmerte.

***
„Hast du noch nie?“ Allegra streckte ihre Brüste vor. „Aber sei zärtlich, ich bin empfindlich!“
Zögernd hockte er sich hin, bis die Knie, dabei den rechten Arm streckend, das Chaiselongue berührten. Er zählte bis drei, dann tippte er mit dem Zeigefinger an ihre Brust.
Sie lachte, ergriff seine Hand, zischte, als hätte er etwas missverstanden. „Aus Pudding bin ich nicht“ und presste seine Hand an die Brust, führte jene, schloss die Augen und schnurrte wie eine Katze. „Na, geht doch. Mach weiter.“
Während er ihre Brust streichelte, legte sie das rechte Bein auf die Rückenlehne der Chaiselongue und ihre Hand glitt an ihren Schritt.

Es war an diesem Nachmittag nicht das erste Mal, dass er ihr beim Masturbieren zusah. Bloß mit dem Unterschied, dass er dieses Mal allein mit ihr im Atelier war, weder seine Mitschüler noch Huth zugegen waren. Allegra hatte ich gebeten, einen weiteren Akt von ihr zu zeichnen. Herbert hatte sich unter einem Vorwand den Schlüssel des Paukers geliehen und sich mit ihr verabredet. Diesmal war alles anders.
***
„Hinnerk, lass den Jungen. Siehst du nicht, dass er ganz weiß anläuft. Er ist noch Jungfrau.“
Herbert ging auf den Satz nicht ein. Dafür warf er der Toten einen schmachtenden Blick zu und spürte, wie sein Onkel ihn berührte.
„So, du hast dir ein Bild vom Fundort gemacht, die Position der Leiche festgehalten, was kommt nun?“
Ein Schauer rann ihm über den Rücken. Er dachte an Eric Ode, der als Kommissar Herbert Keller regelmäßig am Freitag die Wohnzimmer besuchte und wann immer er eine junge weibliche Leiche auffand, den schweren Weg zu dessen Eltern antrat. Ihm fröstelte es: welch Parallelen. Zwar fand man in der letzten Folge die Tote nicht im Wald, sondern auf einer Baustelle, trotzdem ein Mädchenmord. „Wir müssen ihren Eltern Bescheid geben.“
„Sicher, dieser Kelch geht an uns nicht vorbei. Zuvor solltest du jedoch die Zeugen befragen.“
Erneut wurde ihm übel und seine Finger begannen zu zittern. „Hat jemand gesehen, wie sie …?“, er wies auf Allegra. „Du weißt schon.“
„Du meinst, ob jemand gesehen hat, wer sie ermordet hat?“
„Mord?“
„Mord, Totschlag, Verschleierung eines Unfalls, was weiß ich? Wir wissen nicht mal, ob sie hier oder woanders ums Leben gekommen ist.“
„Vielleicht ist sie gestolpert?“
Onkel Richard schritt an Allegra heran, stieß sacht gegen einen ihrer Stiefel. „Waldtauglich sind die wahrlich nicht, allerdings …“, er winkte ihn heran, trat an ihren Kopf und hockte sich nieder.
Zögerlich folgte er der Aufforderung, hockte sich gleichfalls nieder und betrachtete ein Trupp Ameisen, der in ihre Nase marschierte. Genau in diesem Moment konnte er nicht mehr an sich halten. Im letzten Augenblick wandte er sich ab und kotzte auf den Waldboden.



3

„Ja bitte?“
Herbert rückte nach links.
„Herbert?“
„Frau Santis“, antwortete Onkel Richard, als hätte sie ihn gefragt und zückte derweil seinen Dienstausweis, „Kriminalhauptkommissar Tamban, könnte ich kurz reinkommen?“
„Hatte mein Mann Roberto einen Autounfall?“
„Nein! Es geht nicht um ihren Mann. Darf ich reinkommen?“
Frau Santis erhob den rechten Arm, drohte. „Herbert, was habt ihr wieder angestellt. Warte, der Rosanna werde ich die Hammelbeine langziehen.“
„Frau Santis, nicht hier! Wir sollten hinein, vielleicht in die Küche, dann können Sie etwas trinken. Und nein!“ Er legte einen Arm auf Herbert Schulter. „Er und …“
„Rosanna“, half ihm Herbert weiter.
„Haben nichts angestellt, eher im Gegenteil.“ Er drückte ihn an sich. „Vielleicht sollten wir uns erst unter vier Augen unterhalten.“
„Dann kommen Sie herein. Herbert, Rosanna ist oben.“

Herbert nahm die Treppe zum Obergeschoss mit ausladenden Schritten, je zwei Stufen auslassend, um aus dem Gefahrenbereich zu entfliehen. Eins vertrug er nicht: kreischende, wehleidige Frauen. Daher die beste Lösung rasch zu fliehen, bevor Frau Santis zu einer Solchen mutierte. Vor Rosannas Zimmertür angekommen, erkannte er, wie sinnlos seine Flucht gewesen war. Auf der anderen Seite lag sicher Rosanna und las. Was sollte er ihr sagen? Er schwankte. Schwankte zwischen zusammenbrechender, flennender Mutter und gewiss hysterischer Schwester. Ehe er sich zu entscheiden vermochte, hatte bereits sein Unbewusstes reagiert; er die Türklinke umfasst, und diese herabgedrückt.
Rosanna schrie, fluchte „Du“ und deckte sich zu.
Er gehörte nie zu dem Menschenschlag, der sich durch extreme Neugier auszeichnete, jedoch in diesem Augenblick kitzelte es ihn. Mit Wonne hätte er sie aufgedeckt und – er sah an ihre Seite – gespickt, welch Lektüre sie zuvor gelesen hatte.
„Mensch, kannst du nicht anklopfen?“
„Seit wann klopfe ich an?“
Sie zog die Decke bis an den Hals, als wäre er ein Fremder, der sie noch nie oben ohne erblickt hatte: Dabei hatte sie ein T-Shirt an. „Schließt du bitte das Fenster.“
Welch Höflichkeit sie auf einmal an den Tag legte, verwunderte ihn. Der Bitte folgend, trat er auf das Fenster zu, zog beide Flügel heran und verriegelte diese. Dabei konnte er es nicht lassen, sie aus dem Augenwinkel anzulinsen. Ihr Schlingern, das Beben der Decke bestätigte seine Annahme und steigerte seinen Trieb, sodass er sämtliches Zartgefühl verlor, allein aus dem Grund, um sich abzulenken „Deine Schwester ist tot“ schreien wollte, dennoch dieses unterlässt.
Sie stieg aus dem Bett, richtete den Slip und schlenderte derweil auf ihn zu. Ihre Arme schlangen sich um seinen Hals, ihre Brüste pressten sich an seinen Oberkörper. Sie kam ihm derart nahe, dass er ihren Atem roch, als sie ihm schmachtend fragte, ob er vergessen hätte, wie eine Begrüßung aussehe. Er neigte sich vor, presste seine Lippen auf die ihren. Erst als er spürte, dass ihre Lust auf ihn übersprang, hielt er inne und flüsterte: „Deine Schwester ist tot.“
„Überdosis?“
Herbert zuckte, mit welchem Unterton sie das Wort aussprach, die Frage gleichzeitig emotionslos stellte, erschrak ihn. Als wäre Allegra eine Fremde und sie ihm stecken wollte, wie gefährlich Drogen seien. Jedes Mal, wenn sie herausbekam, dass er nach der Penne im Bürgerpark mit seinen Kumpeln sich einen Joint herein pfiff, segnete sie ihn mit einer Predigt, als wären sie verheiratet. Dabei gingen sie bloß miteinander. Aber wer vermochte sich in den Geisteszustand einer Frau zu versetzen? Weiber konnten grauenvoll sein. Was verband und – dieses erschien ihm weitaus wichtiger – trennte die Geschwister. Zumindest hätte er mehr erwartet als diese Frage. „Wie kommst du darauf?“
„Die enden doch alle so.“
„Hey, hör mal, sie war deine Schwester.“
„Nee!“
„Wie, nee?“
„Mein Alter hat sie mitgebracht.“
„Mitgebracht?“ Er griff an ihren Hintern, als gäbe es eine Beziehung zu der Frage.
„Ist doch egal. Mein Alter war schon einmal verheiratet. Tot gesoffen hatte sie sich. Na, der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.“
„Die Erziehung ist auch nicht ohne.“ Er kniff sie und er spürte, wie sie den Po anspannte. „Dann war sie eben deine Halbschwester.“
„Nee!“ Unvermittelt presste sie die Lippen auf die seinen. „Lass sie. Lass uns lieber …“ Sie löste die Umarmung, erfasste seine Rechte und zerrte an ihr. „Ich habe Lust.“
Herbert wusste nicht, wie ihm geschah, anstatt vor Trauer zu weinen, wollte sie Sex. „Wenn deine Mutter ins Zimmer kommt …“
„Begreift sie endlich, dass ich kein Kind mehr bin.“
Wieder erblickte er Allegra, sah, wie die Ameisen in ihre Nase krochen, als wollten diese ihr Gehirn verspeisen, ihre Seele rauben. Bloß lag sie diesmal nicht vor ihm, sondern spukte in seinem Kopf herum.
Er stieß Rosanna von sich ab. „So kenne ich dich gar nicht. Ist heute nicht der falsche Tag, um es deiner Mutter auf die Nase zu binden? Verdammt! Deine Schwester ist tot.“
Den Kopf nach hinten geneigt, verschränkte sie ihre Arme. „Gott! Ich war gerade zehn, als sie abhaute, außerdem war sie nicht einmal meine Halbschwester“, sie stockte und er bemerkte an ihrem Schlucken, dass sie mit den Tränen kämpfte, und versuchte, ihre Stimme zu bändigen, „sondern meine Cousine.“
Eine Stille, die beängstigte, hüllte sie ein. Herbert wagte sich nicht zu bewegen, gar zu reden. Er starrte sie bloß an.
Sie schlicht rückwärts, bis ihre Beine das Bett berührten. „Woher weißt du überhaupt, dass sie …?“
Endlich fragte sie ihn. „Mein Onkel will mir den Bullenberuf schmackhaft machen. Da rief er mich heute Morgen an, sie hätten bei Hötzum im Lagholz eine Leiche gefunden.“
„Wie?“
Er zuckte mit den Achseln, worauf sie sich setzte und „weiß es seit heute“ murmelte.
Sie weiter anstarrend, trat er auf sie zu. „Was?“
„Dass meine Mutter mit meinem Onkel Lorenzo gevögelt hat.“
Ihm blieb die Spucke weg und ohne weiter nachzudenken, warf er ihr „Dein Onkel Lorenzo ist Allegras Vater“ entgegen.
Sie ballte ihre Hände, stieß mit der Rechten zu. „Hörst du mir nie zu?“
Verlegen steckte er die Hände in die Hosentaschen, bis der Gürtel seiner Jeans an seinem Hüftknochen zerrte.
Erneut schlug sie zu. „Lass das, das sieht scheiße aus.“ Im nächsten Augenblick packte sie ihn und zog ihn neben sich auf das Bett. „Vor drei Sekunden habe ich dir gesteckt, dass mein Alter Allegra mitgebracht hat. Dann, dass sie meine Cousine ist.“ Sie schlug ihm an die Stirn. „Wer hat dann wohl, wen geschwängert?“
Langsam fing er sich wieder. „Das hat dir deine Mutter erzählt?“
„Nee, irgendwie beide.“ Sie legte ihren Kopf an seine Schulter. „Als ich gestern Abend nach dem Kino heimkam, saß er neben ihr auf dem Sofa und glotze eine Show: etwas mit dem Fuchsberger. Meine Mutter schmiegte sich an ihn. Sie hatte Bademantel an, sah aber nicht danach aus, dass sie gebadet hatte und er nur Unterhose und Unterhemd. Er hatte gönnerhaft seinen Arm um sie gelegt und leerte eine Pulle Bier. Ich schnallte es sofort.“
Was für ein Sonntag war dies? Träumte er? Zuerst der grausige Fund im Lagholz: Allegra, dann … er sah sich um, erblickte das Buch, das Rosanna zur Seite geworfen hatte, als er eintrat: Momo von Michael Ende. Ein Bestseller, ein Mädchenbuch. Jedenfalls kannte er keinen Jungen, der es las. Unverhofft spürte er ihre Angst. „Wer weiß. Man kann doch feststellen, ob er dein Vater ist.“
„Ausschließen“, warf sie ihm erbost entgegen. „Aber das spielt keine Rolle, denn mein Alter kann nicht mein Vater sein. Ob Lorenzo es ist, steht in den Sternen und ist mir“, sie wandte sich, sodass er ihre feuchten Augen erblickte, „scheißegal.“
Er konnte sich nicht zurückhalten, grinste und schmetterte ihr begeistert, als wäre er Archimedes „kann er nicht“ entgegen, obwohl er ihre Verzweiflung, ihre Trauer sah. Kaum hatte er seine Verbalattacke herausgespien, erwartete er eine Reaktion ihrerseits in Form einer Bratsche. Allerdings nichts dergleichen geschah.
„Er war im Knast“, hörte er sie, eher zu sich selbst sprechen als zu ihm.
An alles hätte er gedacht, aber, dass ihr Vater einmal einsaß, sicher nicht. Die Geschichte, die sie ihm in einer monotonen Stimmlage vortrug, als wolle sie Karl-Heinz Köpcke als erste Tagesschausprecherin beerben, berührte ihn. Allerdings passte sie partout nicht zu der streng katholischen, aus Italien stammende Familie, die er kannte. Dachte er zuvor immer, Allegra wäre das schwarze Schaf, entpuppte diese sich eher als Lamm. Weshalb ihr Vater damals gesiebte Luft geatmet hatte, erfuhr er nicht. Ob sie es ihm gegenüber verheimlichte oder selbst nicht erfahren hatte, vermochte er nicht einzuschätzen. Jedenfalls übernahm sein jüngerer Bruder die Rolle des Ehemanns. Niemanden schien es gestört zu haben, weder Freunde, Verwandte noch Eltern.
Herbert musterte sie, sah, wie sie förmlich zerbrach, ihr Gesicht kreidebleich, ihre Augen feucht waren, diese kurz davorstanden, die Tränen nicht mehr halten zu können. „Wo warst du nach dem Kino?“, hörte er ihre zarte Stimme, die ihre Monotonie abgelegt hatte und mit einem Vibrato erklang, dass das Ende ihrer Disziplin ankündigte.
„Bei meinen Großeltern.“
„Rede nicht, ich habe angerufen.“
Sollte, konnte er es ihr erzählen? War sie in der Lage, es dermaßen aufzufassen, wie er es sah. Er dachte an Allegra, erblickte erneut die Ameisen, die Teile von ihr aus ihrem Nasenloch beförderten. „Ich war noch mit dem Fahrrad unterwegs … brauchte frische Luft.“
„Ich hätte dich gebraucht.“
Er kratzte sich am Nacken, versuchte sie, auf eine andere Fährte zu bringen. „Ich weiß nicht, ob ich“, er druckste, „du, deine Mutter, dein Onkel und ich dazwischen.“
„Meine Mutter war bei der Nachbarin, vor Mitternacht kommt sie nie zurück und Lorenzo war unterwegs, er wollte sich mit Allegra treffen.“
Als hätte er sich verhört, stammelte er: „Mit Allegra treffen“, fasste sich sofort und schob zügig „Was wollte er von ihr?“ hinterher.
„Ihr einen Brief von meinem Vater geben, aber sie war nicht dort, jetzt“, sie schluckte, gluckste, als wollte sie ihre Gefühle zügeln, „weiß ich …“
Sie umschlang seinen Hals, presste ihr Gesicht an seine Schulter und tränkte sein T-Shirt mit ihren Tränen.


-- Fortsetzung folgt --
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Ahorn,

wir waren ja eine ganze Weile abstinent ... Aber wenn da jetzt was Neues kommt, schaue ich natürlich rein.

und übergibt den Enkel seinem Sohn ältesten Sohn Richard.
Bereits am Sonntag, einemn Tag, ehe das Praktikum beginnt,
Was weder Herbert noch wer weiß,Doppelpunkt die weibliche Leiche ist die Schwester von Herberts Freundin Rosanna ist.
Er trat vor – Übelkeit überkam ihmn – die Insekten hatten bereits Besitz ergriffen hatten.
Mit deinen langen Loden siehst aus wie ein Hippie, kannst dir bald einen Zopf flechten.
Onkel Richard nicht aus dem Blick lassend, antwortete er:
„Jetzt übertreibst’s. Uußerdem snackt Düütsch, de Jung versteiht di doch gaar nich. He snackt keen Platt, dat lehrt de jung Lüüd vondaag nich?Anführungszeichen

Ich glaubeKomma Oberwachtmeister Müller …
Musst zum Tierarzt.

Liebe Grüße,
 

ahorn

Mitglied
Moin Rainer Zufall,

wie immer viel dank an deine Korrekturen.
Mit deinen langen Loden siehst aus wie ein Hippie, kannst dir bald einen Zopf flechten.
belasse ich jedoch, verstärke es sogar. Weil doch eine Menge Männer herumreden habe ich mich entschlossen Richard Braunschweigern zu lassen, wenngleich er Brunswick-Platt beherrscht. Es ist leicht verständlich, bloß haben wir es nicht mit den Pronomen: Ob eine, einen oder einem ist doch egal, ein reicht, somit mein, dein von mik und dik. Überhaupt, wozu braucht man ein Dativ oder Genitiv? Zwei Fälle wie im Niederdüsk langt. Dennoch werde ich mich bei der Lautverschiebung zurückhalten, das versteht sonst kenner im Söden. Damit blaibt die Öft aaine Elf, die Köache maest aaine Kirche und die korz Korv aaine kurze Kurve.

Viel Spaß beim 2. Kapitel.

Liebe Grüße
Ahorn
 
Hallo Ahorn,

ein paar Kleinigkeiten finden sich doch immer ...;)

Wenn ich es mir recht beschau: Ihr Ausdruck, als wäre sie im Todeskampf. Woher kennst du sie nochmals?“
Außer Momsen und seinem Onkel erspähte er niemanden mehr im Wald zu sehen:
Allegra hatte ich ihn gebeten, einen weiteren Akt von ihr zu zeichnen.

Liebe Grüße,
 
Lieber Ahorn,

ich war auch eine längere Zeit abstinent ... ;-)

Ich habe einige Stellen aufgeführt, die man vereinfachen, verkürzen könnte, um es prägnanter zu machen und das Geschwollene zu killen, wenn du magst.
Beispiele: Oft gibt es ein Wort, wofür du drei benutzt.
Wie: den Saumen des Rocks: Rocksaumen; Beruf des Friseurs: Friseurberuf; einem Tag, ehe das Praktikum begann: einen Tag vor Beginn des Praktikums; nicht in der Lage sein: können

Ich persönlich finde, es macht es strikter, wenn du da ansetzt und entspr. kürzt.


kam Herbert endgültig vom Kind zum Erwachsenen.
--> wurde Herbert endgültig vom Kind zum Erwachsenen

Die Urgroßmutter aus der einen Linie präferierte für ihn den Beruf des Friseurs, wie bereits viele Generationen vor ihr diesen ausübten.
--> Die Urgroßmutter aus der einen Linie bevorzugte für ihn den Friseurberuf, wie schon viele Generationen vor ihr.

Der Großvater aus der anderen Linie sehe es gern, wenn er in den Polizeidienst ginge, wie vor ihm die seinen
--> Der Großvater aus der anderen Linie sah ihn am liebsten bei der Polizei, wie seine Vorfahren.

Dabei wollte Herbert nur das machen, was er wollte, konnte: Malen, ein Kunststudium absolvieren.
--> Dabei wollte Herbert nur das tun, was er wollte und konnte: Malen, Kunst studieren.

Die Arbeit im Frisiersalon kannte er, er half regelmäßig im Salon der Tante aus.
--> Die Arbeit im Friseursalon kannte er, er half regelmäßig im Salon seiner Tante aus.

Vor den Sommerferien setzte sich endlich der Großvater durch und übergab den Enkel seinem ältesten Sohn Richard.
--> Vor den Sommerferien setzte sich schließlich der Großvater durch und übergab den Enkel seinem ältesten Sohn Richard.

Während eines Praktikums sollte dieser Herbert die Arbeit bei der Kriminalpolizei schmackhaft machen.
--> Dieser sollte Herbert während eines Praktikums die Arbeit bei der Kriminalpolizei schmackhaft machen.

Bereits am Sonntag, einem Tag, ehe das Praktikum begann, orderte Onkel Richard Herbert zu einem Leichenfundort.
--> Bereits am Sonntag, einen Tag vor Beginn des Praktikums, beorderte Onkel Richard Herbert zu einem Leichenfundort.

Was weder Herbert noch wer wusste, die weibliche Leiche die Schwester von Herberts Freundin Rosanna war.
--> Was weder Herbert noch die anderen wussten: Bei der weiblichen Leiche handelte es sich um die Schwester von Herberts Freundin Rosanna.

Kriminalhauptkommissar Tamban strich über seine Koteletten, hockte sich nieder
--> Kriminalhauptkommissar Tamban strich sich über die Koteletten, ging in die Hocke

Hinnerk hob den Saum des Rockes an
--> Hinnerk hob den Rocksaum

Es rann ihm kalt den Rücken herunter, während er sich umsah.
--> Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er sich umsah.

Dabei entsprach er Herberts Abbild von
--> Ebenbild

Onkel Richard kleidete sich dem Beruf angemessen
--> Onkel Richard kleidete sich seinem Beruf entsprechend

sondern die Art, wie er spielte, die hochnäsige Arroganz pflegte.
--> sondern die Art und Weise, wie er spielte, die eine hochnäsige Arroganz kultivierte

Falls, dieses betont, könnte er sich eher mit Peter Sellers identifizieren.
--> Wenn überhaupt, konnte er sich eher mit Peter Sellers identifizieren.

Stets, wenn er in einem Kino gezeigt wurde, stand er an.
--> Wann immer er im Kino lief, stand er Schlange.

Leider zeigte man zu wenig brillante Filme im Kino.
--> Leider liefen viel zu wenig geniale Filme im Kino.

standen in seiner Gunst auf gleicher Höhe mit
--> standen in seiner Gunst gleichauf mit

Allerdings verbat ihm dieses seine freigeistige Gesinnung.
--> Aber sein freies Denken verbot es ihm.

und war beglück darüber, seine Hand in Gänze wieder in die Hosentasche zu stecken.
--> und war froh, als er seine Hand wieder ganz in die Tasche stecken konnte.

Bloß weil sein Onkel nicht in der Lage war, Jungen zu zeugen, und sein Alter nur einen hinbekommen hatte, musste er sich nicht opfern.
--> Nur weil sein Onkel keine Söhne zeugen konnte und sein Alter nur einen bekommen hatte, musste er sich nicht opfern.

Für ihn stand seine Reise fest.
--> Für ihn war sein Weg vorgezeichnet.

So, später vielleicht mehr. Wir wollen noch grillen bevor das Wetter umschlägt.

Liebe Grüße und einen tollen Restsonntag,
Franklyn
 

ahorn

Mitglied
Moin Frankyln Francis,

schön einmal wieder etwas von dir zu lesen ;).
Wie: den Saumen des Rocks: Rocksaumen; Beruf des Friseurs: Friseurberuf; einem Tag, ehe das Praktikum begann: einen Tag vor Beginn des Praktikums; nicht in der Lage sein: können
Da schreibe ich bloß: de Fisker seen Fruu. :)
Das ist auch der Sinn eines Lektorates.
Je nachdem, habe ich deine Anmerkungen übernommen, angepasst oder ignoriert.
Aber bitte, seit wann kann 'Ein kalter Schauer' laufen?
Und was verlangst du vom Richard, der Typ ist Mitte 50, das war in den 70ern beinahe uralt. Der soll mir nichts, dir nichts in die Hocke gehen? Da knackt es im Gebälk. Den lassen wir lieber niederhocken.
Was niemanden bis dato auffiel, dass ich die Buchbeschreibung in der verkehrten Zeit geschrieben hatte. Ich jetzt geändert.

Liebe Grüße
Ahorn
 



 
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