Ich lebe, also zahl' ich (Sonett)

SánchezP

Mitglied
Einst war sie angebracht, die Pflicht zu Funkabgaben
Zu Zeiten ohne Netz auf bundesdeutscher Fläche
Da sprang der ÖRR zwecks Auskunft in die Bresche
Die Leute zahlten gern, trotz Geiz sogar die Schwaben.

Doch heute ist es schwer, das Ganze zu ertragen
Die Infos stark verkürzt, wie Bismarcks Ems-Depesche
Gefängnis, Strafen, Zwang versinnbildlichen Schwäche
Es handelt sich doch schlicht um Existenzabgaben!

Descartes hat uns gelehrt: Cogito ergo sum
Drum jeder wie er will, nicht kontrolliert, nicht stumm
Prüft selbst mal ganz genau das Framing der Erpresser.

Auf steten Zahlungszwang mach ich mir keinen Reim
Denn erstens nutz ich doch nur Netflix, Sky und Prime
Und zweitens, ist doch klar, mit seinen sieht man besser.
 
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Mondnein

Mitglied
"Volksstaat" ? so was wie "Volksrepublik" (Selbstbezeichnung von Einparteien-Diktaturen)

Ich bin ein aufmerksamer Deutschlandfunk-Hörer.
Im Fernsehen ist ARTE mein Lieblingssender.
Werbepausen in Spielfilmen sind mir verhaßt.

"Cogito ergo sum" bedeutet keineswegs "jeder wie er will".
 

SánchezP

Mitglied
Hallo Mondnein,

vielen Dank für das Lesen meines Gedichts und deine Anmerkungen.

Mir ist bewusst, dass man das Thema kontrovers diskutieren kann; im Sonett habe ich meine persönlichen Ansichten dazu verarbeitet. Nichtsdestotrotz respektiere ich dazu natürlich alle anderen Meinungen jeglicher Art. Wenn ich das öffentlich-rechtliche Angebot regelmäßig nutzen würde, hätte ich ggf. auch eine andere Einstellung dazu.

Du hast recht, "Volksstaat" passt nicht so gut: Meine Intention bestand darin, ein zweisilbiges Synonym für Demokratie zu verwenden; eine schnelle Recherche ergab "Volksstaat", aber mir war nicht bewusst, dass das Wort negativ belastet ist. Ich werde weiter darüber nachdenken.

Werbepausen gibt es bei den genannten Streaming-Diensten nicht (Sky ist hier nicht im "klassischen" Sinne als Sender mit festem Programm zu verstehen).

Die Bedeutung/Übersetzung von "Cogito ergo sum" ist mir (natürlich) durchaus bewusst ("Ich denke, also bin ich"). Der Zusammenhang besteht hier mit Titel meines Sonetts ("Ich lebe, also zahl' ich)!

Die Phrase "jeder wie er will" ist ein Teilzeit aus dem ARD-Framing Leitfaden [„Kontrollierte Demokratie statt] jeder wie er will“ (s. etwa hier) und bezieht sich daher auf den Inhalt des folgenden Verses.
 

Walther

Mitglied
Hi,
bevor der inhalt diskutiert werden kann, solltest du erstmal die sprache klarziehen. du schaffst es augenscheinlich nicht, diese in die form zu gießen, ohne die sprache zu vergewaltigen. alle drei "sonette" haben das gleiche problem. sie "klingen" nicht, und das ist ihr tod.
lg W.
 

SánchezP

Mitglied
Hallo Walther,

vielen Dank fürs Lesen und die konstruktive Kritik;) – im Gegensatz zu deinen Bewertungen der anderen beiden Sonette, die ich gestern gepostet habe.

Ich bin theoretischer Mathematiker, und die vier Sonette, die ich hier eingestellt habe, sind in der Tat die ersten Gedichte, die ich jemals selbst geschrieben habe. Von daher liegen sprachliche Unausgewogenheiten in der Natur der Sache. Trotzdem emfinde ich meine Ausdrucksweise nicht als Vergewaltigung von Sprache, aber das ist wohl teilweise auch Geschmackssache.

Wie auch immer, vielleicht macht Übung ja auch mich zum Meister – falls die Kurzarbeit in der Firma noch länger andauert, werde ich ggf. noch weitere Versuche starten:). Auf jeden Fall macht es mir Spaß, und eine Horizonterweiterung kann meiner Meinung nach nie schaden!
 

anbas

Mitglied
Hallo SanchezP,

mir ist, wie Walther, auch aufgefallen, dass handwerklich bei Deinen Sonetten noch viel Luft nach oben ist. Aber es sind ja auch Deine ersten, wie Du schreibst.

Ich versuche, mal ein wenig konkreter zu werden:

Zum einen sind da die Inversionen - in den beiden anderen Sonetten noch mehr als in diesem hier. Ist eine Geschmacksfrage und derzeit eher aus der Mode. Ich persönlich mag sie nicht so und versuche, sie zu vermeiden (hab bei mir sonst das Gefühl, "versagt" zu haben, weil mir keine bessere Lösung einfiel).

Als zweites sind da die vielen durch Apostrophe gekürzte Wörter. Das ist schon sehr heftig in ihrer Menge - das geht deutlich über Rudelbildung hinaus ;). Grundsätzlich OK, aber bitte nicht so inflationär.

Aufpassen solltest Du ferner bei der Wahl der Reime. Manche gehen schon sehr in die Richtung "Reim dich oder ich fress dich". Beispiel:
In einer Zeit zu der, es gab auf deutscher Fläche
TVs und Radios hier gar weniger als Bäche
Dies ist dann auch gleich ein Beispiel dafür, was ich mit "Inversion" meine.

Inhaltlich will ich nix sagen - ich denke, im Vordergrund sollte zunächst einmal die "handwerkliche" Arbeit liegen.

Ich hoffe, dass Dir das weiter hilft.

Liebe Grüße

Andreas
 

Walther

Mitglied
Hallo Walther,

vielen Dank fürs Lesen und die konstruktive Kritik;) – im Gegensatz zu deinen Bewertungen der anderen beiden Sonette, die ich gestern gepostet habe.

Ich bin theoretischer Mathematiker, und die vier Sonette, die ich hier eingestellt habe, sind in der Tat die ersten Gedichte, die ich jemals selbst geschrieben habe. Von daher liegen sprachliche Unausgewogenheiten in der Natur der Sache. Trotzdem emfinde ich meine Ausdrucksweise nicht als Vergewaltigung von Sprache, aber das ist wohl teilweise auch Geschmackssache.

Wie auch immer, vielleicht macht Übung ja auch mich zum Meister – falls die Kurzarbeit in der Firma noch länger andauert, werde ich ggf. noch weitere Versuche starten:). Auf jeden Fall macht es mir Spaß, und eine Horizonterweiterung kann meiner Meinung nach nie schaden!
Hi,
vielleicht zonst du mal deinen versuche mindestens eine ebene tiefer und versuchst es mit dem klassischen reimgedicht. das hilft sehr, dein sprach-, klang- und rhythusgefühl zu trainieren.
ich steige auch nicht gleich auf einen 8000 und war vor noch nie mehr als 200 m über null. was ich sagen wiil: du hast nach der königsdistziplin der formlyrik gegriffen, dem sonett. und hast dich vergriffen. daher bitte vorerst keine sonette mehr, bis du das handwerk drauf hast. danke dir.
auch ein mathematiker fängt in der schule mit dem zählen an. hier gilt das gleiche.
lg W.
 
Zuletzt bearbeitet:

SánchezP

Mitglied
@anbas:
Vielen Dank fürs Lesen und deine ausführliche und konstruktive Kritik! Auf diese Art und Weise macht es hier Spaß, und man hat Lust, sich weiterzuentwickeln. Ich werde versuchen, die Anzahl der Inversionen und Auslassungen zu reduzieren (sowohl in den bereits verfassten als auch in zukünftigen Gedichten). Das ist ein sehr guter Ansatzpunkt. Ich werde eine neue Version posten, falls es mir gelingt (und es für Walther in Ordnung ist). Der von dir angesprochene "Reim dich oder ich fress dich"-Reim ist mir auch bereits aufgefallen, und stört mich ebenfalls am meisten. Ich werde versuchen, dies zu umgehen. Alle Auslassungen werde ich wohl nicht wegbekommen, das ist aber auch nicht mein Anspruch –selbst in den mir bekannten Sonetten großer Dichter finden sich meistens welche.

@Walther:
Danke für die diesmal konstruktive Kritik! Ich verstehe deinen Punkt, dass man sich als Anfänger ggf. zunächst an Anderem versuchen soll. Nichtsdestotrotz finde ich es nicht verwerflich, dies zu probieren; deine Aufforderung, keine Sonette mehr zu posten, empfinde ich als unangemessen – du musst sie ja weder lesen noch kommentieren. Mir war nicht bewusst, dass Sonette die Königsdisziplin der Formlyrik sind, ich habe diese Gattung vielmehr deswegen gewählt, weil sie mir persönlich am besten gefallen (eines meiner Lieblingsgedichte ist "Tränen des Vaterlandes" von Andreas Gryphius), sie mir als Anfänger einen dankbaren Rahmen bieten, und meine Gedichte den Aufbau "These (1. Quartett), Antithese (2. Quartett), Synthese (Terzette)" haben.
 

SánchezP

Mitglied
Hallo,

ich habe mir eure Anmerkungen zur Sprache zu Herzen genommen, und auf dieser Basis die folgende neue Version erstellt:


Einst war sie angebracht, die Pflicht zu Funkabgaben
Zu Zeiten ohne Netz auf bundesdeutscher Fläche
Es sprang der ÖRR zwecks Auskunft in die Bresche
Die Leute zahlten gern, trotz Geiz sogar die Schwaben.

Doch heute ist es schwer, das Ganze zu ertragen
Die Infos stark verkürzt, wie Bismarcks Ems-Depesche
Gefängnis, Strafen, Zwang versinnbildlichen Schwäche
Es handelt sich doch schlicht um Existenzabgaben!

Descartes hat uns gelehrt: Cogito ergo sum
Drum jeder wie er will, nicht kontrolliert nicht stumm
Prüft selbst mal ganz genau, das Framing der Er... .

Auf steten Zahlungszwang mach ich mir keinen Reim
Denn erstens nutz ich doch nur Netflix, Sky und Prime
Und zweitens, ist doch klar, mit seinen sieht man besser.


Geht das so in die richtige Richtung?
 

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