Ich will dich wiegen wie der Wind

4,00 Stern(e) 2 Bewertungen
F

Frodomir

Gast
Hallo Patrick Schuler,

dein interessant gereimtes Gedicht gefällt mir gut! Wohl handelt es vom Wunder der Geburt aus der Sicht eines erwachsenen lyrischen Ichs betrachtet, welches aber selbst noch gegenüber den Fragen des Lebens ohne Antwort bleiben musste und nun deren Sinnhaftigkeit beim Anblick eines Neugeborenen anzweifelt.

Interessant gereimt empfinde ich in Anbetracht meiner Deutung den Umstand, dass du die 1. Strophe im umarmenden Reim gestaltet hast, die 2. jedoch kreuzreimst. So nimmt das lyrische Ich in Strophe 1 (auch) noch den beschützenden Part eines Elternteils ein (Ich will dich wiegen wie der Wind), während in der 2. Strophe die scheinbare Sicherheit brüchig wird, ohne aber irgendeine Art von Gefahr zu suggerieren.
Viel eher erkennt das lyrische Ich, dass es nun bald zurücktreten muss, um einem neuen Geschöpf den Weg zu ebnen (Und wie ein Baum in Blüte steht / So will ich dir entgegenblühen.). Im Grunde ahnt es gar mit der eigenen Blüte auch das Verblühen derselben, sodass das Gedicht eine ruhige und weise Einsicht ausstrahlt.

Ich mag solche Gedichte, auch wenn deren Zeit wohl schon einige Jahrhunderte zurückzuliegen scheint, gern.

Viele Grüße
Frodomir

PS: Wieso hast du nach der ersten Zeile einen Gedankenstrich verwendet? In meinen Augen ist dieser nicht vonnöten.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo!

Ja, der Gedankenstrich ist ungeschickt. Dadurch passt das "Die" in der zweiten Zeile nicht.

Liebe Grüße
Manfred
 
Hallo Frodomir
Ja, du hast den Kern erkannt.
Hier spricht ein Vater zu seinem neugeborenen Kind.
Die eigenen Fragen des Lebens, auch das Infragestellen seines Lebens, wird nichtig bei dem Anblick des Kindes, die Zweifel werden ausgelöscht.
Ein ganzes (vielleicht misslungen gefühltes Dasein) erblüht mit ganzer Hingabe für ein anderes, um dieses möglichst schön zu gestalten.

Dem unausgesprochenem Verblühen selbst wird durch den ruhigeren Ryhtmus des Kreuzreims der Stachel genommen.

Ich danke dir für deine Wertung
Und ganz besonders für den schönen Kommentar, der mich nocheinmal zum Nachdenken über die Zeilen gebracht hat.

Hallo Franke
Auch dir ein Danke für die Wertung und den Kommentar.
Den Gedankenstrich werde ich entfernen.

Gruß euch beiden
Patrick
 
Ich will dich wiegen wie der Wind
Die Gräser wiegt an heißen Tagen
Und meine Fragen zu dir tragen
Die alle in dir nichtig sind.

Mir ist als ob die Welt vergeht
Um die wir uns mit Namen mühen
Und wie ein Baum in Blüte steht
So will ich dir entgegenblühen.
 
L

Liani

Gast
Lieber Patrick,
dein Gedicht ist eins jener Werke, die mir sofort ins Herz gehen.
Habe es gerne gelesen.

Irre ich mich, oder müsste es heißen:
statt:
Ich will dich wiegen wie der Wind
Die Gräser wiegt an heißen Tagen
vielleicht: Ich will dich wiegen wie der Wind
Der Gräser wiegt an heißen Tagen ?
Liebe Grüße und herzlichen Dank für die Wortmeldung zu meiner "Quelle".
Lisa
 

Oben Unten