Im Saal 600

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seefeldmaren

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Im Saal sechshundert sitzt, in grauer Jacke,
der letzte Schluck von einem Reichsmarschall.
Die Leinwand zeigt die Bilder der Baracke,
er hört nicht hin. Es ist nicht mehr sein Fall.

Er sagt es Gilbert, abends, in der Zelle:
das Volk will keinen Krieg, in keinem Land.
Doch dass es folgt, ist keine Kunst, die Schwelle
ist niedrig, und das Werkzeug liegt zur Hand.

Man meldet nur, das Land sei angegriffen,
das wirkt in Reich und Rat und Republik,
ein Handgriff, über Jahre eingeschliffen:
wer fragt, verrät. So einfach ist der Trick.

Er starb durch Gift, bevor die Stricke fielen,
das Urteil traf den Wahn und die Gestalt.
Er schleicht durchs Land, um wieder zu erzielen,
was einst gelang: das Nicken für Gewalt.
 

klausKuckuck

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Hey Maren,
ein beeindruckender Text! (In einem kurzen Augenblick des Abschweifens habe ich mich gefragt, ob dein Gedicht nicht noch stärkere Wirkung auslösen könnte, wenn du die ganze vierte Strophe weglassen würdest.)
KK
 

Scal

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ein Handgriff über Jahre eingeschliffen ...

Sehr prägnant und reimgewandt benannt!
"meldet" oder "melde" ?

Lieben Gruß
 

seefeldmaren

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Hallo @klausKuckuck, @Scal,

vielen Dank!

Ohne Strophe 4 käme nicht wirklich gut durch, dass der Geist Görings wieder durch die Straßen wandert.
Strophe drei müsste noch Heckenschnitt erfahren.
Ich lasse es für einige Zeit wirken, Klaus! :)

Lg Maren

PS: Außerdem ein Dank an die weiteren Besterner @Franke und @Ubertas
 

Dimpfelmoser

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Liebe @seefeldmaren,

ich bin ein wenig um dieses Gedicht herumgeschlichen - nicht etwa, weil es nicht tatsächlich beeindruckt, sondern eher recht viel fordert (sehr subjektive Wahrnehmung). Warum? Ich war letztens im "Musical" "Die weiße Rose", und war vor dem Besuch recht skeptisch, ob für mich dieses Format (eben: Musical) mit diesem Thema, nun ja, funktioniert. Dabei glaube ich, wahrgenommen zu haben, dass vielen jungen Menschen (die recht zahlreich vertreten waren) die Thematik vielleicht nicht völlig fremd, aber wohl schon nur bedingt vertraut war. Und eben darum dann war der Abend gelungen, und hat vermutlich so manche getriggert, sich etwas intensiver mit der Geschichte auseinanderzusetzen.
Was dies mit deinem Gedicht zu tun hat? Ich komme darauf, weil es eben gleichermaßen wirken kann - als Anregung zum Reflektieren über das, was in unserer Gesellschaft gegenwärtig so passiert, etwa in Bezug auf das Folgen einer Sache, die keine gute ist. Oder um zu verstehen, wie leicht es doch ist, Menschen dazu zu bringen, ihre Menschlichkeit zu verlieren. Vorausgesetzt, der Kontext wird verstanden, die Einstiegshürde wird überwunden (also z. B. zu wissen oder zu fragen und anschließend zu verstehen, was der Saal 600 ist, oder wer Gilbert war, oder gar der Reichsmarschall, vor rund 85 Jahren). Nach anfänglicher Skepsis finde ich dies (also die von mir so wahrgenommene Notwendigkeit, eine solche Hürde bei der Beschäftigung mit dem Gedicht überwinden zu müssen), sogar sehr gelungen. Diesen Eindruck wollte ich hier mal kurz loswerden.

Liebe Grüße
Dimpfelmoser
 



 
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