immergrüne

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MIO

Mitglied
Iimmergrüne

Ja ich hab von Lyrik nicht die meißte Ahhnung,
aber wenn man so wahllos Worte aneinander
reiht:Ist es dann ein Gedicht?
Ich weiß es nicht?
 

rogathe

Mitglied
Hallo MIO,
nun die ausführliche Antwort.
Es ist ein spöttisches Jahreszeitengedicht über den Hype um Blüten vom Frühling an, jedes Jahr erneut. Zum Ausgleich daher das Lob der immergrünen Pflanzen(Fichte, Tanne, Kiefer, Wacholder, Lorbeer ...). :D

LG rogathe
 

MIO

Mitglied
Iimmergrüne

Danke für die Entschlüssellung,
finde es ist doch ganz gut gelungen
Liebe Grüße MIO
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
Weitere Ausfaltungen des im Gedicht angelegten Gedankens - ja. Aber Entschlüsselung durch den Autor? Kommt mir vor wie ein zusätzliches, zweites Bild, von einem Maler als Erklärung zum ersten hinzugesetzt. Ja, Picasso z.B. brachte ganze Serien von Variationen hervor, etwa seine Überarbeitungen des berühmten Velasquez-Bilds, siehe Picassomuseum in Barcelona. Aber die Tendenz ist dann eher die der Abstraktion, der weitestgehenden Reduktion, nicht der Selbstentschlüsselung.
Warum, fragte ich mich (und ich bin ja nun gewiß kein Adjektivfeind!) bekommt das "braungrauschwarz" das Attribut "öde"? Das ist es ja nicht. Es zeigt purpurne, weißliche und bronzesilbergoldene Schattierungen, und es zeichnet filigrane Muster, die gerade durch ihre bürstenartige Schroffheit diesen herrlichen unsentimentalen Charakter haben, - ach ich liebe das struppige Gesträuch.
Und Du ja offensichtlich auch.
Vielleicht lieben wir es, weil es "öde" spielt, understatement, Zen-Garten.
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
xcuse me

[ 4] Gras

kâl-hab-bâshâr châzîr
we-kâl-chaßeddô ke-zîz hash-shâdäh
Alles Fleisch ist Gras,
und all seine Anmut wie die Blume des Feldes (Jes.40,6)


Wie wichen vor des Windes Hand
Vor seinen Zärtlichkeiten
Die Gräserwogen weit zurück
Gespiegelt weiß im nächtgen Teich!

Wie zitterten von seinem Hauch
Steil aufgestellt die Haare
Metallne Farben spielten durchs
Verwaschne Stroh verblaßt und bleich

Wer zahlte seines Lebens Wert
Mit Mondes fahlem Silber?
Wer säh denn seines Lebens Saat
Von sonnenbraunem Gold so reich?

Wer läse schon die Schrift im Nest
Vernetzter Purpurschatten?
Wer kämmte wie ein Sturm den Draht
Der zähen Strähnen glatt und weich?

Ach wäre alles Fleisch doch nur
Wie Gras und Feldes Blume!
Ach käme doch des Menschen Glanz
Dem Wogenglanz des Feldes gleich!
 

rogathe

Mitglied
Herzlichen Dank, Mondnein,
für deinen ausführlichen Kommentar und das Gedicht.
Ich dachte bei "öde" an Winter in der Stadt.

LG rogathe
 

Label

Mitglied
Liebe rogathe

auch wenn du deinen Gedanken zu diesem Gedicht offengelegt hast, sehe ich darin noch etwas andres.
Das Lob der Verlässlichkeit inmitten des hype und der Motor durch ödes braungrauschwarz - immergrüne Hoffnung.

dieser Aspekt gefällt mir.
Liebe Grüße
Label
 


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