in all dem

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Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo HerbertH,
das ist ja wundervoll, recht wundervoll!
ich freue mich schon auf die Diskussionen hierüber.
LG,
Etma
 

HerbertH

Mitglied
hallo etma,

ich schliesse mich Dir an
und bin ebenso gespannt

danke für die schnelle spontanreaktion

herbert
 

ENachtigall

Mitglied
in all dem
sind bilder mein einziger
halt die Du schufst
Moin, lieber Herbert,

ein in seiner Dichte beeindruckender Text!

Ich finde hier gleichermaßen Einsicht, Bekenntnis und Aufklärung eines Individuums; offen gerichtet an jenen, den es als (seinen) Schöpfer respektiert
Es vertraut sich "Ihm" an. Verstörend schlicht und ein wenig wie ein Weiser gewordenes Kind, dessen Blick seinen Weg über den Tellerrand der Erde hinweg gefunden haben mag.
in all dem sind bilder
Denn ihm ist die Freiheit gegeben, sich die Freiheit zu nehmen. Im Denken wie im Handeln. Aber die Welt in unserer Wahrnehmung wankt und wir gleichermaßen, beim Abwägen der beständig neu entstehenden Fragen die jeder Wechsel des Blickwinkels aufwirft.
Da ist Vorsicht geboten.
Mir scheint hier die Frage nach dem 2. biblisch übermittelten Gebot (du sollst dir kein Bildnis machen) präsent zu sein, wenngleich "Bilder" und "Bildnis" auf der Bedeutungsebene ja nicht deckungsgleich sind.

So gesehen funktioniert das Gedicht auch als Persiflage - und ich erhalte diesen Hinweis eben über diese Entdeckung - auf die "generation selfie" mit dem charakteristischen Charme ihrer verschluderten Sprache.
Der grammatische fauxpas, wird hier von Dir, Herbert, scheinbar mal eben so zum Stilmittel befördert; aber eigentlich ist es ein Kunstgriff in die Trickkiste der Kuriositäten!

Hut ab und herzlich grüßend,

Elke
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Herbert,

da sucht jemand einen Halt, denn in all dem, was er zur Zeit erleben muss und worin er sich bewegen muss, lässt ihn erzittern. Aber dann erinnert er sich, dass der Schöpfer auch eine heile Welt erschaffen hat, aus der Schönheit, Licht und Liebe herausstrahlt. Und es geht ihm besser vielleicht nur vorübergehend, wer weiß?

Das lese ich in Deinem Text. Es macht mich nicht traurig, wenn ich vollkommen daneben liegen sollte. Ich lese es eben so.

Dir ganz liebe Grüße
Vera-Lena
 

ENachtigall

Mitglied
Nachtrag

Der Kern des Gedichtes steckt m.E. im grammatischen Bruch der letzen Zeile. Er hebt hervor: etwas Wesentliches stimmt nicht im Bezugssystem zwischen Schöpfer und Werk/en.

so, das war's
 

ENachtigall

Mitglied
Hallo liebe Vera-Lena

Ich denke, Du liegst nicht falsch mit Deiner Lesart. Sie wirkt auf mich intuitiv richtig.
Ich habe mich sehr auf das Formal Gegebene konzentriert und von dort her versucht, die Bezüge herzustellen. Das großgeschriebene "Du", der kosmische Aspekt in "über all dem", die Dynamik der "zweiWerke-einSchöpfer-Konstellation, den vermeindlichen fauxpas. Dabei habe ich viele Sackgassen kennengelernt. In einem guten Gedicht macht jedes verwendete Stilmittel Sinn. Das sprachliche Konstrukt wird zur Gleichung, die aufgeht.
Heute bin ich auf eine verspätete "Unbekannte" in Herberts Gleichung gestoßen. Ein Stern vor den Bildern. Große Freude!

Liebe Grüße,

Elke
 

Vera-Lena

Mitglied
Liebe Elke,

danke für Deine interessante Antwort an mich. Aus Deinen Worten konnte ich wieder einiges lernen für mich. Das ist immer auch für mich eine große Freude.

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

revilo

Mitglied
in all dem
sind bilder mein einziger
halt die Du schufst

ich kann leider mit diesem Text überhaupt nix anfangen....LG revilo
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Elke, tausend Dank für Deine intensive Beschäftigung mit diesem kurzen Gedicht. Urlaubsbedingt komme ich erst jetzt dazu, darauf zu antworten.

Du hast die Rolle des Du als Schöpfer, den kosmischen Aspekt des "in all dem", die Deutung der bilder als Sternbilder deutlich herausgearbeitet.

Auch die Kunstgriffe der Umordnung,

in all dem
~ in dem all

sind bilder mein einziger halt die Du schufst
~ sind bilder die Du schufst mein einziger halt

- von mir verwendet, um beim Lesen zum Neudenken und Hinterfragen anzuregen -

sind bei Dir auf fruchtbaren Boden gefallen.

Deine Analyse hat wiederum bei mir zu neuem Nachdenken geführt, zum Beispiel über die Frage, ob "mein einziger halt" hier eher als die Aussage eines Verzweifelten mit dem Wunsch auf neue Hoffnung, oder die eines im Glauben Verwurzelten in einer bedrohten Welt zu lesen sei.

Dies hat natürlich Bezug zu Deiner Deutung, liebe Vera-Lena, für die ich Dir auch danke.

Ich denke, beide Deutungen sind möglich, und die Entscheidung möchte ich gerne allen Lesenden selbst überlassen.


Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Oliver,

bei einem so kondensierten Gedicht besteht immer die Möglichkeit, dass es sich nicht allen Lesern erschliesst.

Das kann ich leider nicht ændern, bin Dir aber für die Rückmeldung dankbar. Denn dadurch wurde ich errinnert, auf welch schmalem Grat man bei solchen Kurzgedichten wandelt.

Liebe Grüße

Herbert
 

blackout

Mitglied
Ich kann mich vielen meiner Vorkommentatoren leider gar nicht anschließen. Da ist zu viel nicht geschrieben. Was ist denn das "all dem"? Das zumindest hätte erwähnt werden müssen. Aber selbst dann wäre es noch kein Gedicht und nur ein halber Aphorismus für Eingeweihte. Verdichten ja, aber dann richtig und wenn es angebracht ist und nicht unverständlich wird. Mir ist dieser Satz total unverständlich, kann also damit nichts anfangen.

blackout
 

ENachtigall

Mitglied
Danke, lieber Herbert, für die Rückmeldung. Es war mir ein Vergnügen, mich mit dem Gedicht zu beschäftigen und es kennenzulernen.

Grüße von Elke
 

blackout

Mitglied
Dann schlage ich doch vor, wir schreiben nur noch 1-Satz-Gedichte, aus denen nur die Kenner schlau werden, noch dazu mit falschem Relativpronomen. Ehrlich gesagt, ich fühle mich von diesem "Text" veräppelt, Herbert H.

blackout
 

HerbertH

Mitglied
verappelt hat weder der Text noch ich, blackout.

Ein Kurzgedicht lebt hochstens im Leser. Wenn es dort nichts auslöst, ist das keine Schuld des Gedichts oder des Autors.

Ich verstehe als Leser auch nicht jede Metapher, aber ihr dann nachzuspüren, ist der eigentliche Spass für mich. Manchmal ergeben sichbei mir dann ganz neue Einsichten andie selbst der Autor nicht gedacht hat.

In disem Sinne ist Lyrik kein "Sachverhalt, der vom Autor erklärt werden muss".

Aber das ist m.E. eher ein Thema für das Lupanum...
 

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