Inhalt

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K

Kadra

Gast
Die Form transportiert den Inhalt nur, wenn sie ihm entspricht. Beides bedingt einander. Also sollte auch über beides diskutiert werden dürfen. Aber niemals an der Form vorbei. Für ein Transportunternehmen ist das selbstverständlich, für Schreibende leider nicht immer.

Deine Frage, lieber Michael, erinnert mich an die "l´art pour l´art" Frage. Diesen Fall gibt es natürlich auch. Kunst um der Kunst willen, mit so wenig Inhalt wie möglich.

Lieben Gruß von
Kadra
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich sage deutlich: Jain

Natürlich ist der Inhalt Teil des Kunstwerkes. Man kann ihn bei der Diskussion nicht immer ausschließen und man soll es auch nicht. Spätestens wenn es z.B. um Gewaltverherrlichung, um Splatter oder um faschistisches Gedankengut geht, darf Inhalt nicht ausgeblendet werden. Und ja: Natürlich ist Formdiskussion durchaus oft eine Form-Inhalts-Konkruenz-Diskussion.

Dennoch ist besteht Sinn eines Literaturforums nicht darin, mit dem Autor über z.B. die Wahrscheinlichkeit von Wiedergeburt / über den Schmerz abgewiesener Liebe / über Möglichkeiten außerirdischen Lebens / über Politik etc. zu diskutieren. Als "Nebensatz" oder „Anmerkung“ ist es vertretbar und als Feedback (Entschuldigung, mir fällt kein passendes deutsches Wort ein) für den Autor durchaus auch gerechtfertigt – zum Hauptgegenstand der Diskussion sollte es m.E. nicht werden. Zumindest nicht in den Werkeforen.
 

unbekannt2581

Verbotenes Mitglied
Widerspruch : Doch.

Letztendlich geht es bei einem Werk um eine Aussage, eine message, nicht um die Form, die ist "eigentlich" selbstverständlich. ( wenn auch diskutabel )

liebe Grüsse

mikel
 

Zefira

Mitglied
Wenn wir mal absehen von den von jon angesprochenen Fällen, die inhaltlich schlicht nicht unwidersprochen stehenbleiben dürfen - dann entscheidet die Form über den Inhalt mit. Am konkreten Beispiel: ich glaube z.B. nicht an Dämonenbesessenheit, bin aber bereit, sie für die Dauer des Lesens als denkbar zu akzeptieren, wenn der Autor sie glaubwürdig "rüberbringt".

Schon deshalb ist die Form vom Inhalt nicht zu trennen. Ich glaube, wir alle kennen Texte, in denen die Protagonisten die unglaublichsten, verrücktesten Dinge tun; der Autor bringt es aber fertig, dies so zu erzählen, daß man es als Leser hinnimmt. Für mich macht das einen wesentlichen Teil der schriftstellerischen Kunst aus.


Genau hier beginnt aber auch in vielen Fällen das Problem. Man hat Meister Houellebecq (bestimmt falsch geschrieben) z.B. in seinem Buch "Plattform" angelastet, er transportiere ein dümmliches anti-moslemisches Bild. Ich habe das Buch nicht gelesen, weiß aber, daß er sich damit verteidigt, das sei nicht er, der diese Einstellung hätte, sondern sein Ich-Erzähler. Hätte er sich als Autor dezidiert von der Einstellung seines Ich-Erzählers distanzieren müssen? Wenn ja, wie? Wie gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen - es fällt mir hier nur gerade als erstes Beispiel ein....
 
K

kaffeehausintellektuelle

Gast
ja.
ich würde es schade finden, wenn der inhalt keine beachtung erfährt. es geht ja auch bei gutem wein nicht nur um die flasche, in die er gefüllt ist.

wenn ich mit freunden über bücher rede, dann ist der inhalt mindestens genauso wichtig wie die form, die sprache. eins bedingt das andere.

die kaffeehausintellektuelle
 
K

Kadra

Gast
Hinkender Vergleich, der mit Wein und Flasche. Die Flasche wurde eigens dazu gemacht, einen guten Tropfen zu bergen, sie ist quasi schon die perfekte Form für ihren Inhalt. Unsere Wortgefäße müssen wir Schreibenden uns aber eigens, höchstpersönlich selbst wählen und herstellen. Da kann es schon mal passieren, dass wir kostbarstes Nass in Tuperware kredenzen, die auch noch löchrig ist, böser Fehler.

Lieben Gruß von
Kadra
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das ist ein spannende Frage…
Richtig Kunst wird es, wenn der Ich-Erzähler (ohne sehr überzeichnet oder anderswie als Kunstfigur kenntlich gemacht zu werden) eine andere Meinung hat als der Autor und man das als Leser auch noch erkennen kann. Die Kunst besteht in BEIDEN Seiten dieses Problems: Erstens ist es unglaublich schwer, einen Ich-Erzähler (oder jeden anderen Fokus tragenden Protagonisten) rundum glaubwürdig zu schreiben, wenn man selbst an andere Sachen glaubt. Und wenn man es doch hinkriegt und dann noch so hinkriegt, dass der Leser eben nicht Held und Autor gleichsetzt, dann ist das genial. Die Frage zu untersuchen, wie er das macht, ist dann sehr wohl Gegenstand literarischer Betrachtungen…

Im Übrigen wird – glaub ich – in Fällen wie dem von dir genannten, Zefira – immer jemand aufheulen. Weil: Wenn der Protagonist wirklich glaubwürdig geschrieben ist, wird ein Sog entstehen, der den Leser sich mit dem Helden zu identifizieren drängt. Wenn der Leser dann – nachdem er sich selbst im Helden sieht – eine Meinung sagen/denken liest, die nicht seine ist, schlimmer noch: die gesellschaftlich verpönt ist, wird automatisch die Abwehr kommen: "Wie kann der Autor es wagen, mir das zu unterstellen!" Natürlich denkt er nicht "mir", so weit reicht die Trennung zwischen Buch und Wirklichkeit schon, aber dieses "Wie kann er es wagen!"-Gefühl ist da und drängt an die Luft…

Zurück zum Thema Inhalts-Diskussion: In so einem Fall wird "man" dann natürlich über den Inhalt diskutieren – wo der Denk/Fühlfehler des Protagonisten liegt (schon. um sich selbst zu beweisen, dass man selbst doch besser ist als „der Typ“). Das hat dann aber nichts mehr mit literarischer Diskussion zu tun, sondern mit dem, was Literatur eben auch – oder vor allem (?) – soll: Lebens-Diskussionen auslösen.
 
K

kaffeehausintellektuelle

Gast
ja. und so mancher fusel gärt in schönen bunten glasflaschen vor sich hin.
die sprache wurde aber auch erschaffen, um inhalt, gedachtes, erlebtes, erträumtes, erinnertes, darin zu verpacken, oder?
 

unbekannt2581

Verbotenes Mitglied
Kadra, tupperware ist genial. Genauso. Sie ist diskutabel die Form, so unter uns Schreibern, aber der Inhalt steht im Vordergrund , oder? "Das zu transportierende", in der richtigen Form, klar.

Ich muss schon wieder an tupperware denken, sorry, ich zucke vor Lachen, weil ich mir eine solche Diskussion und all die anderen hier am Rande einer tupperparty vorstelle. Und alle suchen nach dem passenden Deckel. Anstatt der Diskussionen um die richtige Dosierung bei 30 Grad Wäsche, Besprechungen von Gedichten, Texten, Literatur. Wow. Meinst Du man könnte Tupper als Sponsor DAFÜR finden ?

ächem, ich werd ja wieder ernst, aber wenn die Idee doch so gut war.

Und Wein schmeckt am besten aus dem Faß, dem Faß aus dem der Winzer selbst trinkt.... ohne Zucker ausgebaut...

liebe Grüsse

mikel
 

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