Jammerossis Gegenwart

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Edit ohne "h" hinten hat sich klammheimlich wieder zu mir gesellt. Ich kann zwar mit meinen scheuen Blicken immer noch nicht sicher erkennen, ob es Mann, Frau oder Dazwischen oder Außerhalb ist. Aufgrund des Namens habe ich mich aber entschlossen, die Person weiblich "zu lesen" und entsprechend mit "ihr" zu kommunizieren, bei aller gebotenen höflichen Zurückhaltung.

Ich will mit meinen Notizen weiterkommen. Das Osterwochenende liegt mir allerdings wie ein biblischer Berg im Gedankenweg. Ständig Besuche, kleine Ausflüge usw. - alles wichtig, alles richtig, alles gut. Und doch tut es mir schon jetzt um die derweil verloren gehenden Gedanken leid, welche ich pausenlos in die Tastatur hacken möchte. Und einen Teil davon würde ich tatsächlich schaffen, wenn ... seufz.
 

petrasmiles

Mitglied
Das aus meinem Munde laut gewordene NEIN! zum Wehrdienst mit der Waffe, ausgesprochen bei meiner Musterung, war gar nicht möglich ohne den in mir gekeimten Glauben und die damit einhergehende Ethik, die mir eine neue, ungeahnte Freiheit für mein Denken und Handeln bot. Nun bedaure ich schon seiteinigen Jahren den Verlust von Schutzräumen für Suchende, die in einer existenziellen Entwicklungsphase stecken, welche ihnen Entscheidungen abverlangen, die manchmal kaum bewältigbar scheinen.
Lieber Clown,

das mag sich für einen gläubigen Menschen ketzerisch anhören, aber wenn man diesen 'Schutzraum', den Du schilderst, rational betrachtet, dann kann es sich eigentlich nicht um einen echten 'Schutzraum' gehandelt haben, denn er war ja 'Partei', nur eben nicht die gängige, sondern einer Minderheit.

Ich will damit nicht in Abrede stellen, dass es für Dich - und möglichweise viele mehr - de facto ein Schutzraum war, aber bei der Frage der Schaffung solcher Räume für gegenwärtige junge Menschen, sehe ich ein Problem, denn dieser Raum schützte ja in erster Linie Gläubige, oder die es werden könnten. Das klingt schon sehr nach Eintrittsvoraussetzungen, die ein echter Schutzraum nicht haben dürfte.
Und dann sind wir beim Kapitalismus und wie man eine gesellschaftliche Leistung erbringt, die Aufwand hat aber keinen Ertrag; dann sind wir beim Staat und der Überlegung, was wohl seine Aufgaben wären - wenn dann aber der Schutz eben vor dem Staat - oder zumindest die Möglichkeit seiner kritischen Hinterfragung - bestehen soll, sieht es zappenduster aus.
Das Besondere an der Kirche in der DDR war ihre Distanz zum Staat - wobei die wohl eher vom Staat ausging - und diese 'Gegnerschaft' gab der Kirche erst die Möglichkeit, vor dem Staat und seiner Beeinflussung Schutzsuchenden Raum zu geben.
Wäre dann nicht die EIngangsvoraussetzung für solche Schutzräume Staatsferne und welche Institutionen könnten das heute sein?

Vielleicht zeigen schon diese Überlegungen die ganze Misere auf. Alle möglichen Organisationen verbinden ihre Schutzräume mit Eingangsvoraussetzungen, etwas anderes steht im Vordergrund als Schutzraum zu sein, seien es Vereine oder Parteien - oder Kirchen.
Aber vielleicht ist es auch so, dass man diese Schutzräume gar nicht 'organisieren' kann - wie eine Kältehilfe - , sondern jeder sich selbst seinen Schutzraum suchen muss - so, wie Du es getan hast.

Liebe Grüße
Petra
 

John Wein

Mitglied
Hallo werter Freund,

Es freut mich sehr, dass dir das Buch gefällt, obwohl es dir gleichfalls nahe geht, weil viele Schilderungen Meyerhoffs deinen Erfahrungen gleichen. Ich glaube, nein, ich weiß, dass du einen ganz anderen Blick als wir auf das Leben und das Gegenwärtige hast. Ich erkenne das auch an deiner Spontanität und der Tiefe, die deine Tagebuchgeschichten abbilden. In diesen Worten liegen große Weisheit und viel Liebe. Dieses Vermögen macht dich kreativ und schärft dir den Blick für die Dinge, die hinter den vielen wieso‘s und warum‘s liegen. Unser Glück besteht darin, sich mitteilen und ausdrücken zu können und dadurch Gemeinsamkeit zu erfahren. Es braucht nur drei Buchstaben vom Einsam zum Gemeinsam.

In diesem Sinne wünsche ich dir weiterhin viel Schreib- und Lesevergnügen und wenn du wieder einmal etwas davon vermisst, dann schreib mir gern eine PN.

Liebe Grüße, John
 



 
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