Klee

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lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Klee

Dem Himmel rinnt Grauen
die Tage hinab,
das Gras gräbt sich Wurzeln,
der Winter weht Koffer hinab in den Süden,
mein Magen schlägt aus,
gleich den Schritten
die scheu
den deinen nachfolgen.

Du hältst noch kurz inne,
dann lässt du dich fallen.
Die Winde der Nacht
fahren in deine Seiten,
verwirbeln den Sommer
mit eisigem Atem.
So brennst du mit Zittern
und fliegst auf den Pollen,
bestäubend und tödlich,
ein Fallout der Liebe.

Von Hüllen entblättert
fällt Asche hinab
in die Welt
auf mein bebendes Haupt
im Korb beim Schafott
wo die anderen warten
auf Frühling vielleicht
oder Ostern für Christen,
dass wiedergebärt
der grausame Wächter,
was sterblich nicht sein darf,
im All oder sonstwo,
fernab meiner Wiese
mit sprießendem Unkraut
und Klee
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Wow!!!
Endlich mal ein Frühlingsgedicht, dass nicht wie die anderen winselnd den Lenz bejubelt und einem frontal in die lyrischen Eier haut.

Immer noch gekrümmt aber glücklich grüßt
Manfred
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Allein 'die Winde der Nacht' stehen für mich ein wenig zwiespältig dort, musste ich doch direkt an solche denken,
die sich unter der Bettdecke sammeln.

Ansonsten: Kompliment!
 
D

Die Dohle

Gast
Hallo lapismont,
schließe mich Otto Lenk an, da musste ich schmunzeln ...

die düsternis gewinnt das nötige licht, wohl gesetzt, die zeilen, gefällt mir.
und ich sehe, du glaubst für einen ungläubigen ziemlich viel :)

mir persönlich ist es nicht maßgeblich in welche bilder gefundene antworten aus den reisen fragender neugier gepackt werden. allerdings streite ich dafür, möglichkeiten zu schaffen, damit die menschen und deren geschichten sich begegnen können. ein aspekt meiner auffassung von universalität, die die hüter der amtsglauben auf holzwegen exklusiv allein für sich beanspruchen, da sie ihre dürren bilder für universal gültig erklären. (-womit sie einen kapitalen widerspruch in sich universalis betreffend klaglos eifrig pflegen;-).

lg
die dohle
 

Perry

Mitglied
Hallo lapismont,

ich denke, es ist eine "verhaltene" Leidenschaft, mit der das LI einem entschwunden LD hinterherschaut.
Das "Brennen" bzw. Schafott" versetzen mich bildlich in eine historische Zeit, die mit dem "Fallout der Liebe" interessant korrespondiert.
Der Tod/Gott als "grausamer Wächter" ist mir ein wenig zu plakativ, aber das ist angesichts des Unkrauts im Seelengarten des LI verzeihlich.
LG
Manfred
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Klee

Dem Himmel rinnt Grauen
die Tage hinab,
das Gras gräbt sich Wurzeln,
der Winter weht Koffer hinab in den Süden,
mein Magen schlägt aus,
gleich den Schritten
die scheu
den deinen nachfolgen.

Du hältst noch kurz inne,
dann lässt du dich fallen.
Die Ströme der Nacht
fahren in deine Seiten,
verwirbeln den Sommer
mit eisigem Atem.
So brennst du mit Zittern
und fliegst auf den Pollen,
bestäubend und tödlich,
ein Fallout der Liebe.

Von Hüllen entblättert
fällt Asche hinab
in die Welt
auf mein bebendes Haupt
im Korb beim Schafott
wo die anderen warten
auf Frühling vielleicht
oder Ostern für Christen,
dass wiedergebärt
der grausame Wächter,
was sterblich nicht sein darf,
im All oder sonstwo,
fernab meiner Wiese
mit sprießendem Unkraut
und Klee
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo und vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren!

Die Doppeldeutung der Winde ist nicht beabsichtigt. Ich denke Ströme könnte das richten.

Der Wächter ist durchaus ein Plakat, das stimmt. Es ist aber schwer, Begriffe zu finden, die nicht verächtlich klingen.
Hatte zunächst grausame Entität, aber das sperrig.

Das Fehlen von Leidenschaft bzw. der Eindruck von Routine – vielleicht ist es mal wieder Zeit, lyrisch andere Wege zu gehen.

Mir schwebte halt Dohles Gedicht im Geist herum und so verband es sich mit anderen Dingen, die gerade herumlungern.

Und wer ist eigentlich Paul?

cu
lap
 


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