Kyrie

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Liebe wirena,
danke fürs Lesen. Das Gedicht ist so angelegt, dass jeder es deuten kann, wie sie/er mag. Aber für mich ist der Ruf nicht der Raum- der Raum ist der Ort, an dem der Ruf kein Gegenüber und keine Antwort findet. Deshalb kehrt er verwundet zurück. Ein bisschen Gesellschaftskritik ist intendiert. :) LG Chandrika


Danke euch allen für die freundliche Bewertung!❤
 

wirena

Mitglied
Aber für mich ist der Ruf nicht der Raum- der Raum ist der Ort, an dem der Ruf kein Gegenüber und keine Antwort findet. Deshalb kehrt er verwundet zurück
@Chandrika - auch das kann ich sehr gut miterleben - doch durch die ersten drei Zeilen, durch das Wort Erbarmen, fühle ich aber auch Verwundung, aus der der Ruf folgt, Raum einnimmt, schafft - schöne diese Offenheit für verschiedene Lesemöglichkeiten, die mich inspirierte - LG wirena
 

Ubertas

Mitglied
Ich warf das Wort
Erbarmen
in den hohen Raum.

Er löste sich aus meinem Mund
und schwebte allein
durch das Gewölbe.
Liebe Chandrika,
ganz sicher nicht wird das eine Lyrikanalyse werden:). Vielleicht halte ich hier an nichts fest und werfe Jedwedes ebenso in den Raum.
Ich habe gerade nur die ersten zwei Strophen herausgenommen, dein Gedicht geht viel weiter und tiefer. Da sitze ich und lese und begriff, begreife ich es?
Es ist kein Spiel, das du mit dem "Ruf" einfügst, er liegt noch unbestattet in uns. Vor uns? Uns fürbittend, uns! Ihn unter der Zunge tragend, "ich nahm ihn wieder", ein Spiel mit der Wahl, ein Spiegel der Wahl,
Ringsum
die geschlossenen Münder
des Chors.
Ich weiß nicht, ob das die Stelle in einem öffentlichen Forum ist, um diesen geschlossenen Mündern wieder Leben einzuhauchen, ob es möglich ist? Da mag ich es trotzdem probieren, ohne Ruf, ohne Zuruf.
Nur im Klang deines Gedichts.
Und es ist der Boden. Dein Gedicht verhält sich für mich wie ein Grund und Boden, den man nicht per Quadratmeterpreis erwerben kann, man muss ihn sich im Fühlen erschließen.
Ich weiß nicht, die geschlossenen Münder, sie bleiben so lange im Chor, so lange sie glauben, die eigene Stimme verloren zu haben.
Und reden sich nach, bis sie wund sind davon. Sie müssen das nicht tun. Mussten es nie.
So naiv es klingen mag nach Außen: wir sind nicht der Chor, wir sind unsere eigene Stimme.
Wenn wir Chor sind, dann als Mensch, dann nicht als Schatten eines Raubtiers, zu dem wir uns bestatten, Stück für Stück, und kein Tier wäre in der Lage, sich selbst so zu berauben wie wir Menschen es tun: um Herz, Verstand und Seele.
Das ist jetzt lediglich mein Blick auf dein Gedicht, ganz sicher nicht der letzte.
Es ist großartig in jeder Facette!

Liebe Grüße,
ubertas
 
Liebe ubertas,
hab von Herzen Dank für die große Aufmerksamkeit und das tiefe Fühlen, mit denen du dich meinem Gedicht genähert hast. Du hast ihm mit deinen Gedanken einen weiten, ganz eigenen Resonanzraum geöffnet – das berührt mich sehr.

Nur einen kleinen Schlüssel zu seinem Ursprung möchte ich dir geben: Der hohe Raum und das Gewölbe sind nicht allein sinnbildlich gemeint. Es handelt sich um eine Kirche – um eine Kirche, in der das Wort Erbarmen schon lange keine Rolle mehr spielt und die Mitmenschlichkeit ihren Wert verloren hat. Selbst der Kirchenchor mag nicht mehr davon singen.

Mehr möchte ich gar nicht festlegen. Ein Gedicht darf und soll in jedem Menschen seinen eigenen Widerhall finden. Danke für deinen so eindringlichen und großzügigen Blick darauf.
Es grüßt dich herzlich
Chandrika
 



 
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