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Lamento eines Zu-kurz-Gekommenen

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Walther

Mitglied
Lamento eines Zu-kurz-Gekommenen


Ich gäbe mir den goldnen Schuss,
Wär mir nur Gold gegeben.
Dann lass ich eben diesen Stuss
Und bleibe heut am Leben.

Der Tod ist kalt, der Tod ist leer,
Er macht die Lichter aus.
Das Leben ist so lang und schwer,
Und niemand ist zu Haus.

Der Schmerz tut furchtbar weh und schreit
Mir durch Gehirn und Herz.
Ich bin allein, ich bin entzweit,
Die Quart ist mir die Terz.

Die Not ist groß, kein Geld und auch
Kein Roggenbrot mit Käse:
Ganz leer gefurzt ist schon der Bauch,
Nichts wässert die Malaise.

Man gönnt mir nicht den kleinsten Fick!
Die Lust darf ich verdrängen!
Drei Münzen geben keinen Strick,
Der Kopf muss selber hängen.

Ich gäbe mir den goldnen Schuss,
Wär mir nur Gold gegeben.
Dann mach ich halt, was ich tun muss,
Und heul mich durch mein Leben!
 

anbas

Mitglied
Hi Walther,

gut lamentiert, finde ich :D. Lediglich V 2 ist mir ein wenig zu "ist"-lastig.

Liebe Grüße

Andreas
 

molly

Mitglied
Hallo Walther,
sehr schön gejammert, gern gelesen!

"Das Leben [red]ist[/red] so lang und schwer"

Wie wäre es mit

Das leben [red]scheint[/red]

Muss aber nicht.
Liebe Grüße
molly
 

Walther

Mitglied
Lamento eines Zu-kurz-Gekommenen


Ich gäbe mir den goldnen Schuss,
Wär mir nur Gold gegeben.
Dann lass ich eben diesen Stuss
Und bleibe heut am Leben.

Der Tod ist kalt, der Tod ist leer,
Er macht die Lichter aus.
Das Leben wabert lang und schwer,
Und niemand ist zu Haus.

Der Schmerz tut furchtbar weh und schreit
Mir durch Gehirn und Herz.
Ich bin allein, ich bin entzweit,
Die Quart ist mir die Terz.

Die Not ist groß, kein Geld und auch
Kein Roggenbrot mit Käse:
Ganz leer gefurzt ist schon der Bauch,
Nichts wässert die Malaise.

Man gönnt mir nicht den kleinsten Fick!
Die Lust darf ich verdrängen!
Drei Münzen geben keinen Strick,
Der Kopf muss selber hängen.

Ich gäbe mir den goldnen Schuss,
Wär mir nur Gold gegeben.
Dann mach ich halt, was ich tun muss,
Und heul mich durch mein Leben!
 

Thylda

Mitglied
Lieber Walther

Man spürt richtig den Verdruß. Aber ohne Dich nun verdrießen zu wollen, hier ein paar kleine unverbindliche Vorschläge.

"Das Leben wabert lang und schwer,
Und [blue]endet im Garaus[/blue]"
das "Haus" klingt für mich ein wenig unrund.

"Die Quart ist mir die Terz." sagt mir an dieser Stelle nicht viel.

"Nichts [blue]lindert[/blue] die Malaise."

Die erste Zeile der 5. Strophe finde ich in Verbindung mit dem Titel vielsagend lustig :D

Gerne gelesen :)

Liebe Grüße
Thylda
 
O

orlando

Gast
Mir gefällt das Gedicht - bis auf eine Kleinigkeit - gut.
Die Mischung von gehobener und jugendsamer Umgangssprache hat was ...

Zu Quart und Terz: Die Quart bezeichnet beim Florettfechten den Schlag (den sog. Quartschlag), die Terz hingegen die Abwehr von Hieben. Das macht in diesem Gedicht durchaus Sinn (wenngleich manche eher den Kampf mit dem Säbel bevorzugen ... :D)
Missgefällig stimmt mich nur das "dann" in der letzten Strophe; hier sollte m. E. ein "so" die Richtung vorgeben.
Ansonsten: witzig-spritzig-selbstironisch.
Schöne Grüße
orlando
 

Walther

Mitglied
lb. orlando,

in der tat nimmt der protagonist gern den säbel zu hilfe, dein hinweis stimmt also. man sieht, der vers paßt. danke für die erläuterung.

deinen hinweis habe ich oben eingebaut.

danke fürs reinleisen!

lg w.
 

Walther

Mitglied
Lamento eines Zu-kurz-Gekommenen


Ich gäbe mir den goldnen Schuss,
Wär mir nur Gold gegeben.
Dann lass ich eben diesen Stuss
Und bleibe heut am Leben.

Der Tod ist kalt, der Tod ist leer,
Er macht die Lichter aus.
Das Leben wabert lang und schwer,
Und niemand ist zu Haus.

Der Schmerz tut furchtbar weh und schreit
Mir durch Gehirn und Herz.
Ich bin allein, ich bin entzweit,
Die Quart ist mir die Terz.

Die Not ist groß, kein Geld und auch
Kein Roggenbrot mit Käse:
Ganz leer gefurzt ist schon der Bauch,
Nichts wässert die Malaise.

Man gönnt mir nicht den kleinsten Fick!
Die Lust darf ich verdrängen!
Drei Münzen geben keinen Strick,
Der Kopf muss selber hängen.

Ich gäbe mir den goldnen Schuss,
Wär mir nur Gold gegeben.
So mach ich halt, was ich tun muss,
Und heul mich durch mein Leben!
 

Walther

Mitglied
hi Thylda,

Orlando hat das erste rätsel aufgelöst. deine zweite anmerkung bringt zwar eine reimtechnische lösung, zerstört aber das bild der einsamkeit, das s2v4 hervorrufen soll.

auch s4v4 hat einen grund: das brot ist trocken, und nichts wässert (= befeuchtet) das. schlußfolgernd hat das lyrich nicht einmal etwas zu trinken / saufen. auch das muß so bleiben.

lieben dank fürs deine tips und das hereinlesen!

lg w.
 

Thylda

Mitglied
Lieber Walther

Wieder was gelernt. Ich dachte mehr an Aufloesung des Dominantseptakkord in die Tonika und nicht ans Fechten. Ich bin eben mehr fuer den Morgenstern - den hab ich besonders gern... ;)

Liebe Gruesse
Thylda
 

Cellist

Mitglied
Ich bin halt kein Freund des Gereimten. Ist mir in der Regel zu kopfert, zu gewollt. Und, wie hier, erinnert es mich nicht selten an die schrecklichen Büttenreden. Über etliche Strophen hinweg derselbe Aufbau, derselbe Reim, dasselbe Tempo.
Du magst jetzt, als Liebhaber und Kenner des Gereimten, Gegenargumente liefern. Mir ist es trotzdem zu schlicht, zu monoton, zu langweilig.

LG
BeBa
 

Thylda

Mitglied
Ich habe beim deutschen Fechterbund nochmal nachgesehen: http://www.fechten.org/ueber_uns/fechten/bloessen_paraden.html zum selber Lesen.

Während meine Assoziation aus der Musikharmonielehre kam. Dort nennt man die zweite Umkehrung des Dominantseptakkords Terzquart. Sie ist wie alle Dominantseptakkorde eine Dissonanz, die fast immer in die Tonika aufgelöst wird. Das findet man sicher irgendwo im Netz, ich habe es von meiner damaligen Musiklehrerin, deswegen ohne Nachweis.

Und darum konnte ich mir keinen Reim darauf machen.

Liebe Grüße
Thylda
 
Auch meine Überlegungen basieren auf der Harmonielehre: Tritt in einem Akkord an die Stelle der Terz die Quarte, spricht man von einem Quartvorhalt. Ein Vorhalt ist ein harmoniefremder und daher dissonanter Ton, der in einen der Harmonie eigenen, konsonanten Ton "aufgelöst" wird (Durterz oder Mollterz). Unterbleibt die Auflösung, so bleibt für das gewöhnliche Hörempfinden eine unbefriedigende Dissonanz. So habe ich das LI verstanden, es empfindet eine auf Dauer bestehende Harmonieleere.

LG LL Friedhelm
 

Walther

Mitglied
hi Thylda,

wie Lupenleser beschreibt, funktioniert beides. Morgenstern ist toll. dem kann ich das wasser jedenfalls nicht im entferntesten reichen.

lg w.


lb. Lupenleser,

das war mir ebenfalls aus meinem gitarren- und musikunterricht so in erinnerung. nur die variante aus dem fechtsport paßt eben auch. dieses doppeldeutige schien mir reizvoll.

lg w.
 

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