lau telau te

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Mondnein

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lau telau te


es gibt ein x zumindest eins
für das gilt: hören will es nicht
das billig aufgereimte zeug
nis deiner schul genüge pflicht

und über haupt und haare gar
und gänze federn schwant es kaum
wie einer sich ergeben soll
dem küsse kissen schlachten flaum

mit dem du deine kurve kratzt
me lodi lohn mad amsel phon
juckt nimmer deinen spatzen schwatz
dreh auf: zu drei zwei eins – kei m ton
 

Tula

Mitglied
Hallo Hans
Wenn Licht aufs Prisma fällt, wird es in seine spektralen Bänder zerlegt. So ähnlich sehe ich es mit der Sprach-Laut-spektralen Zerlegung in nicht wenigen deiner Gedichte. Dass dies nicht jeden anspricht, wirst du gern in Kauf nehmen.
Meinerseits entdecke ich immer wieder sprach-farbliche Nuancen, auf die man (stets auf das Ganze blickend) nicht ohne weiteres kommt. Auch wenn mich nicht selten das Gefühl beschleicht, nicht alles wirklich verstanden zu haben.

LG
Tula
 

Mondnein

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GrüßDich, Tula!

Das Bild vom Prisma ist ganz ausgezeichnet. Es entspricht der Multidimensionalität der aufgebrochenen Wörter.
Mich wundert immer wieder, wie oft man ausgerechnet in einem Dichtungsforum auf "verstehen" angesprochen wird. Es geht bei Gedichten so viel oder wenig um ein Verstehen, wie bei Musik. Ich würde bei Musik durchaus von "Verstehen" sprechen, wenn es um die harmonische Analyse geht, wobei ich mich aber seit Jahrzehnten frage, wie es sich mit der Logik im Verhältnis z.B. der unteren großen Mediante zur Subdominante verhält: In welche Richtung geht die Spannungsauflösungs-Differenz, vor allem beim Weiterschreiten zur Tonika? Das größere Rätsel ist dann das Melodie-Gefälle, die Satzförmigkeit der Kadenzen-Schleife ausgehend von der Tonika und wieder in sie einmündend.
Und dann bei Modulationstreppen, bei tonartwechselnden Sequenzen.
Und wiederum, ein paar Schritte weiter, bei immer fortschreitenden Überraschungen, Umdeutungen und Neuorientierungen etwa in Bruckners Neunter oder Mahlers Siebenter. Oder die harmonische Schlüssigkeit in John Lennons Walrus.

Wirklich modern wäre eine Dichtung, die die Multidimensionalität ernst nimmt, die die Stringtheorie sie in der Physik ausgelotet hat: Die Atome nicht im Raum, sondern der Raum in den Atomen. Von solchen Umwälzungen bin ich fremd-weit entfernt.

Das Gedicht oben ist ja nicht gleichschwebend-abstrakt, wie Anton Weberns Zwölftonmusik oder Mondrians Farbauswägungen. Es spielt nur mit dem kleinteiligen Sinnwechsel.

Es ist auch nicht wirklich "experimentell", dafür ist es viel zu konventionell. Trotz der Collagen-Ausrisse in formalisierter Logik-Sprache "Es gibt mindestens ein x, für das gilt ..." und der paradoxen Auflösung zur Null hin in der letztendlichen Klausel.

grusz, hansz
 

Mondnein

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Ein herzliches Dankeschön Dir, Moja!

Ich entferne mich von meinen Gedichten, aber in einem großen Bogen, sie kommen erst etwa nach zwei Jahren in die Leselupe, und ich lese sie selbst wie jeder andere Leser, zumal mein Gedächtnis schwach ist und ich die Dinger auswendig lernen müßte, um ihnen näher zu sein als irgendeine andere Les-Art.

So fällt mir heute auf, daß die verrückte Dekomposition der von Redensarten überspielten Untiefen tatsächlich einen großen Bogen spannt, einen Gesamtzusammenhang des scheinbar Zusammenhanglosen: Es sind ganz "normal" konventionell gefügte Sätze, die nach zwei Nebensätzen (und einem tatsächlich etwas in der Luft hängenden "weg-werfenden" Einschub) in den Imperativ des letzten Verses einmünden, allerdings in einen Widersinn (Oxymoron): aufzudrehen, bis der Lautstärkenregler bei der stummen Nullstelle anschlägt.

Wobei das ellliptische "kei(nem) ton" aus dem Nullpunkt gewissermaßen neu aufkeimt.

grusz, hansz
 

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