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Märchen - Sonett (gelöscht)

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Hallo Walther,

Form eindeutig erfüllt. Du hast Dich ohne Not für einen sechshebigen Vers entschieden, das ist Dein gutes Recht, aber dieser Vers ist dann schon fast erzählend, auf dem Übergang zur Epik, seine Gefahr ist, dass er geschwätzig wirkt, voller überflüssiger längender Wörter. Deshalb fügt der Alexandriner die Mittelzäsur ein, der gibt dem sechshebigen Vers die Kraft zurück.

Die Gleichsetzung der Kriegsrealität mit Märcheninhalten ist schief. Gier, Mord und Raub „herrschen“ nicht im Märchen, sie kommen darin vor und werden überwunden – das Gute siegt.

Ein die Sonettform erfüllender, aber geschwätziger und gedankenarmer Text. Hier ein Versuch, ihn kompakter zu machen:

Der Glaube ist ein schlechter Halt für Kriege,
Denn Bomben walzen jede Hoffnung platt.
Am Horizont stehn Mond und Sonne matt:
Der Geier feiert seine größten Siege.

Wer überlebt, ist schwarz wie eine Fliege
Und bleich wie Mehl. An Bäumen weht kein Blatt.
Die Explosion kracht wie ein Uppercut,
Und ihre Ernte krümmt sich auf der Liege.

Man kann die Augen in die Hände bergen;
Die Träne zieht die Spur durch Dreck und Staub.
Kein Holz für die Beerdigung in Särgen,

Und in den Ohren klingt die Stille taub.
Man wäre gern Schneewittchen unter Zwergen:
Doch auch in Märchen herrschen Mord und Raub.

Mit Gruß
E.L.
 

Walther

Mitglied
Hi Eike,

danke für deine interessanten verbesserungsvorschläge, die ich gerne in meine zukünftigen überlegungen einbeziehe. natürlich ist das sechshebige versmaß eher erzählend. das war so gewollt. zäsuren schienen mir weder dem fluß noch dem thema angemessen. es ging um die langsamkeit, das getragene.

selbstredend - du hast das an diesem sonett exemplarisch gezeigt - kann man den sechsheber auf einen fünfheber verkürzen. das geht übrigens so gut wie immer, macht den text zwar schneller, aber durchaus nicht immer besser, es entsteht durch die verknappung ein informationsverlust, da nicht alle takte, die wegfallen, ohne informationswert sind - sonst stünden sie ja nicht da.

die fragen sind: was war das ziel der veranstaltung? wie paßt die form zum inhalt? darüber (und das ergebnis) läßt sich trefflich streiten.

mir ging es bewußt um den bezug / das rekurrieren auf das barocksonett, da das sonett ein sujet behandelt, das damals wie heute die menschen bewegt: der krieg in geradezu grundstürzender form - früher nannte man das nicht ohne hintergrund in biblischem ausmaß. gemeint waren die beschreibung der apokalypse aber auch die sieben plagen vor dem auszug aus ägypten.

wir wissen, daß das märchenerzählen ein teekesselchen ist. dessen eingedenk fällt deine argumentation, daß das gute siege, in sich zusammen (wie ich das auch beabsichtigte, man lese die letzten beide verse unter diesem hinweis, dann wird klar, warum sie dort stehen). ich vermerke immer wieder, daß sprache äußerst verräterisch ist, vor allem, wenn man sich gestattet, alle sinnebenen vor sich aufzufächern, wobei das für das schreiben und das nachherige lesen / rezipieren geht.

ich habe es mir auf gutem grund zur regel gemacht, texte immer mehreren öffentlichkeiten vorzulegen; das ist bei diesem sonett wieder lehrreich. die inkompatibilität der kommentare ist höchst bemerkenswert.

in der tat hat deine version einiges für sich, das bestreite ich nicht. daher danke ich dir sehr für deinen ausgezeichneten vorschlag.

lieber gruß W.
 
Hallo Walther,
freue mich, dass Du mit meinen Ideen was anfangen kannst. Aber einen Zahn muss ich Dir noch ziehen: Ein Barocksonett in sechshebigen Jamben gibt es nicht, das Barocksonett hat sechs Hebungen, aber es benutzt immer, aber wirklich immer den Alexandriner mit seiner kraftvollen Mittelzäsur. Ein Beweis des Gegenteils wird gern entgegengenommen!
Mit Gruß
E. L.
 

Tula

Mitglied
Hallo Walther

wie oft sich hier was hebt, ist mir weniger wichtig und die Form beherrschst Du ja sowieso zu >100%.

Ich denke aber auch, dass sich hier Inhalt und Form nicht auf die beste Art verbinden, es liest sich so locker vom Hocker mit scheinbar ironischen Metaphern (zweite Strophe), das passt nicht so richtig zum Thema und den Grauen des Krieges.

Oder es müsste "wirklich grotesk satirisch" daherkommen (dann wäre der Bezug auf Schneewittchen vielleicht noch verzeihbar).

LG
Tula
 

Walther

Mitglied
Lieber Eike,

danke für deinen hinweis, der leider nicht korrekt ist; ich bin jedoch aus gutem grund zu faul, dir das gegenteil zu beweisen, und schlage vor, du zählst selbst nach. es gibt ja genug, das du nachlesen und silbentechnisch auszählen kannst. :D

gut vorschläge, und das ist hier der fall, nehme ich gerne entgegen. ich wäre dumm, täte ich das nicht.

lieber gruß W.


lb. Tula,

danke für deinen hinweis. in meinen texten schwingt immer ein wenig ironie mit. das ist teil der erkennungsmelodie.

wie ausgeführt, verstehe ich die kritik, muß aber andererseits auf die überwiegend positive resonanz verweisen, die hier zwar bisher nicht so geteilt wird, weswegen der text demnächst, da anonym abgestraft, demnächst verschwindet. allerdings lerne ich gerne aus kommentaren, und daher steht er noch da.

lieber gruß W.
 
Lass den Text doch stehen, Walther! Wir produzieren hier alle nicht nur Meisterwerke. Und die Kommentare hängen dann kopflos in der Luft.
Gruß
E.L.
 

Walther

Mitglied
lb. Eike,

bisher habe ich meines wissens nach noch kein meisterwerk produziert, allenfalls brauchbare gedichte. nach mehr steht mir auch nicht der sinn - und der autor selbst weiß am wenigsten, wann etwas aus seinen versuchen "meisterhaft" ist.

schlechtwertungen anonymer art beantworte ich immer mit einer löschung des eintrags.

lieber gruß W.
 
O, dann kann geholfen werden. Die Schlechtwertung stammte von mir! Tut mir leid - aber ich wusste nicht, dass man das kenntlich machen kann. Wie macht man das? Ich bin ja noch immer neu hier ... Gruß E. L.
 
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