Manchmal wünsche ich mir

Mondnein

Mitglied
Wie wäre es, Apolonia,

die alten Gemeinplätze gegen den Strich zu bürsten? Oder zumindest gegen das allzu Erwartbare?

Z.B.:

Ecken - ohne Winkel,
Räume - ohne Boden,
Orte - voller Mitten.

Nächte - voll von Tiefschlaf,
Tage - voller Nachtglanz,
Menschen - voller Welten.

Herzen - voll von Herzblut,
Seelen - ohne Schicksal,
Leben - voller Neugier.

Zukunft - ohne Kenntnis,
Liebe - ohne Wissen,
Sterben - ohne Ahnung.
 

Keram

Mitglied
Apolonia, jeder der 12 Verse steht für mehr als eine Handvoll Möglichkeiten, um beispielsweise ein Gedicht daraus entstehen zu lassen.
Jeder Vers kann ein Motto, ein Thema sein, sogar eine Tür in eine Eigenwelt. Dabei können Zeilen erwachsen, entstehen, die somit Allgemeines in Konkretes verwandeln, d.h. wo du mit Bildern, Beschreibungen, Assoziationen, mal hinter - und mal vordergründig, sprachlich spielen kannst.

Da du von Wünschen sprichst , die ich übrigens mit dir teile - und fast allen Menschen geht es so, denke ich - , kannst du dich durchaus auf angenehme Erfahrungen aus deiner Vergangenheit beziehen oder auch Utopien sprachlich entwickeln, erzeugen. Lass dich einfach leiten, tauch ein, falls du magst.

Tage - voller Farben:

z.B. frühes Morgenlicht, vielleicht ein ansprechendes Dessert auf dem Tisch, das frisch gestrichene Treppengeländer, das neue Kleid deiner Freundin, Leuchtsignale aus dem Park, die Mandelaugen eines Gesprächpartners, Wangenröte bzw. Tränenglanz nach kräftigem Lachen, Kerosinspuren am Himmel,
kunterbunte Cocktails, das Frühlingsgrün, Insekten, Leuchtreklame und und und - auch Klangfarben kann man beschreiben, wenn auch schwerer.

Falls deine Wünsche aber beisammenbleiben sollen, ist die Idee von Mondnein sicher eine gute Orientierung.

Viele Grüße,
Keram
 
Zuletzt bearbeitet:

Mondnein

Mitglied
William Blake:

To see a World in a Grain of Sand
And a Heaven in a Wild Flower
Hold Infinity in the palm of your hand
And Eternity in an hour

 

Apolonia

Mitglied
Wie wäre es, Apolonia,

die alten Gemeinplätze gegen den Strich zu bürsten? Oder zumindest gegen das allzu Erwartbare?

Z.B.:

Ecken - ohne Winkel,
Räume - ohne Boden,
Orte - voller Mitten.

Nächte - voll von Tiefschlaf,
Tage - voller Nachtglanz,
Menschen - voller Welten.

Herzen - voll von Herzblut,
Seelen - ohne Schicksal,
Leben - voller Neugier.

Zukunft - ohne Kenntnis,
Liebe - ohne Wissen,
Sterben - ohne Ahnung.
Das ist jetzt dein Text. Meine Intention war die andere.
 

MalteLaurids

Mitglied
Wie wäre es, Apolonia,

die alten Gemeinplätze gegen den Strich zu bürsten? Oder zumindest gegen das allzu Erwartbare?

Z.B.:

Ecken - ohne Winkel,
Räume - ohne Boden,
Orte - voller Mitten.

Nächte - voll von Tiefschlaf,
Tage - voller Nachtglanz,
Menschen - voller Welten.

Herzen - voll von Herzblut,
Seelen - ohne Schicksal,
Leben - voller Neugier.

Zukunft - ohne Kenntnis,
Liebe - ohne Wissen,
Sterben - ohne Ahnung.
Das ist sehr sehr schön, Verneiner!
 

Mondnein

Mitglied
Laurids,

Du nennst hier mich, Mondnein (Hansz), einen "Verneiner"?

Soweit ich sehe, kennst Du meine Beiträge in der Leselupe nicht, weil Du in der Echokammer der Ungereimten gefangen bist.
Aber selbst dort, oder genauer: gerade dort sind Phrasenkataloge verpönt. Sie sind schlicht unschön. Was für eine Ästhetik pflegst Du?

Und was für eine Logik?
Die verneinenden Präpositionen, diese "ohne"-Negationen in fast allen Zeilen, habe ich bei meinem Beispielvorschlag ohne größere Abweichung aus dem Katalog oben entnommen, genauso wie die Substantive am Anfang jeder Zeile. Ich habe kein Alternativgedicht geschrieben, sondern Verbesserungsvorschläge gemacht, die natürlich nicht übernommen werden sollten, sondern schlicht Beispiele gezeigt haben, wie informativere Prädikationen aussehen.

Das "Verneinen" ist nur beibehalten worden.

grusz, hansz
 

MalteLaurids

Mitglied
Laurids,

Du nennst hier mich, Mondnein (Hansz), einen "Verneiner"?

Soweit ich sehe, kennst Du meine Beiträge in der Leselupe nicht, weil Du in der Echokammer der Ungereimten gefangen bist.
Aber selbst dort, oder genauer: gerade dort sind Phrasenkataloge verpönt. Sie sind schlicht unschön. Was für eine Ästhetik pflegst Du?

Und was für eine Logik?
Die verneinenden Präpositionen, diese "ohne"-Negationen in fast allen Zeilen, habe ich bei meinem Beispielvorschlag ohne größere Abweichung aus dem Katalog oben entnommen, genauso wie die Substantive am Anfang jeder Zeile. Ich habe kein Alternativgedicht geschrieben, sondern Verbesserungsvorschläge gemacht, die natürlich nicht übernommen werden sollten, sondern schlicht Beispiele gezeigt haben, wie informativere Prädikationen aussehen.

Das "Verneinen" ist nur beibehalten worden.

grusz, hansz
Ja, Verneiner wegen Mondnein. :)
Ich fand Deine Empfehlungen an Apolonia sehr stark; Orte voller Mitten.
 

Keram

Mitglied
@Mondnein: Natürlich habe ich die Ironie begriffen - sonst hätte ich doch annehmen müssen, dass Du selbst deine Gedichte für Dreck hälst. Gott bewahre!
Und das tust du sicher nicht - stimmts? ;)
 

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