"Das macht insgesamt 28€".
Onur zögerte kurz.
Schnell blickte er auf die Preistafel:
"Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren: 4,50€"
Sie waren zu viert.
Onur öffnete kurz den Mund, sagte aber nichts. Dann schloß er ihn wieder, holte seinen Geldbeutel heraus und reichte der Kassiererin wortlos einen Zwanziger und einen Zehner. Während er auf das Wechselgeld wartete, blickte er vorsichtig nach seiner Frau. Sie starrte auf einen Punkt hinter dem Drehkreuz.
Aber als Onur die Münzen entgegennahm, trafen sich für einen Moment ihre Blicke. Sie schaute sofort wieder weg.
Aber Onur bildete sich ein, dass in ihren Augen für eine Sekunde lang etwas Ähnliches wie Ekel gewesen war.
Es war ein heißer, wolkenloser Tag.
"Junge, ist das voll, hoffentlich bekommen wir noch einen Platz!" sagte Onur lächelnd zu seinen Kindern, während sie über die Parkanlage des Freibads schlenderten.
Ein paar Minuten später hatten sie es sich auf einem schattigen Platz gemütlich gemacht.
"Komm schon, Bekir, diesmal musst du auch ins Wasser, du kannst doch nicht wieder den ganzen Tag rumgammeln", sagte Sibel mit liebevoll neckender Stimme zu ihrem kleinen Bruder.
"Kein Bock, im Becken ist es viel zu voll, da kann ich doch gleich in Pisse schwimmen".
Sibel wusste, dass das nicht der wirkliche Grund dafür war, dass ihr Bruder bäuchlings auf seinem Handtuch lag und 'Harry Potter und die Kammer des Schreckens' las, während die anderen Kinder sich im Wasser tummelten.
Bekir hatte etwas Übergewicht. Er vermied es, wann immer es nur ging, sein T-Shirt ausziehen.
"Baba ist doch nicht zwei Stunden gefahren, dafür dass du jetzt hier nur rumliegst und liest. Das hättest du auch zuhause machen können. Denk an die Benzinkosten!", versuchte sie ihn zu überreden.
Bekir schien mit sich zu ringen.
"Tamam, ich komm ja schon", sagte er dann zu Sibels Überraschung. Er entblößte seinen Oberkörper und errötete leicht. Die Kinder entfernten sich in Richtung des Beckens.
Zur gleichen Zeit hatte Onur auf dem Weg zum Pommesstand einen alten Schulkameraden getroffen.
"Das gibt es doch nicht!", rief er mit falschem Lächeln. Er fand es immer etwas anstrengend, Leuten von früher zu begegnen. Er sollte Recht behalten. Tobias erzählte ihm von seiner Führungsposition bei Daimler, seinem Roman, der vor einem Monat angenommen wurde und seinem Sohn, der gerade dank eines Stipendiums in England ein Internat für Hochbegabte Kinder besuchte.
"Ich hab keine Ahnung, wo der Junge es herhat. Von mir bestimmt nicht", sagte er und lachte. Onur lächelte schwach.
Für ein paar Sekunden schwiegen beide, dann sagte Tobias rasch:
"Aber jetzt hab ich die ganze Zeit nur von mir geredet"
Onur krazte sich am Kinn.
"Du, ich wollte grade Pommes für alle holen gehen, die fragen sich bestimmt schon, wo ich so lange bleibe"
Aber Tobias ließ sich nicht abschütteln.
"Pommes, das wär jetzt genau das richtige!"
Sie liefen also nebeneinander auf die Schlange zu, die sich vor dem Kiosk gebildet hatte.
Onur musste den Mann übersehen haben.
"Hey, in Deutschland stellen wir uns an!", rief eine ungehaltene Stimme hinter ihm.
Onur ließ den Mann wortlos vorbei und holte schnell sein Smartphone heraus, um Tobias nicht anschauen zu müssen.
"Was hatte der denn für ein Problem?" fragte Tobias und lachte verlegen.
"Keine Ahnung... du, ich hab was vergessen"
Onur und lies seinen alten Bekannten verdutzt stehen und lief mit rotem Kopf in Richtung ihres Platzes.
Auf einmal fühlte er sich müde.
Irgendetwas war passiert.
Um ihren Platz herum hatten sich mehrere fremde Menschen versammelt und redeten erhitzt. Ein Junge weinte. Er blutete aus dem Mund.
"Ne oldu?" fragte er seine Frau mit nervöser Stimme.
"Gut, dass du kommst! Bekir hat einen anderen Kind eine Zahn ausgeschlagen!"
"Das war aus Versehen, Baba, ich schwöre", stotterte Bekir. Er kämpfte offensichtlich mit den Tränen.
"Er hat die ganze Zeit auf mich gezeigt und gelacht und als ich vom Dreier gesprungen bin hat er gesagt: Jetzt muss man gleich das Becken neu füllen. Ich wollte ihn nur ins Wasser schupsen, aber er ist auf dem Rand aufgeschlagen".
Jetzt meldete sich der Vater des Jungen zu Wort:
"Es ist doch normal, dass Kinder sich ein bisschen ärgern! Aber mein Sohn hat dir nichts getan, und du bist einfach so auf ihn losgegangen. Gewalt ist doch nie eine Lösung!".
Er klang wie ein Priester.
Bekir schaute eingeschüchtert an dem Mann vorbei. Dem blutenden Jungen wurde schwindelig und er setzte sich unter großer Beachtung der Umstehenden auf den Boden.
Gülten stotterte:
"Es tut mir so leid. Das sein eigentlich nicht sein Art. Geben Sie mir ihren Telefonnummer, dann wir zahlen Geld für die Zahn".
Onur hätte seine Frau in diesem Moment am liebsten in den Arm genommen.
Wenn sie unter Stress stand, konnte sie kein richtiges Deutsch mehr sprechen, das hatte er schon oft beobachtet.
Jetzt hatte sich die Aufmerksamkeit des aufgebrachten Vaters auf Gülten gerichtet: "WIESO DU NICHT BESSER AUFPASSEN AUF DEINE SOHN?" fragte er herrisch, und sprach dabei langsam und lächerlich deutlich.
Auf den benachbarten Plätzen waren die Gespräche verstummt.
Onur hatte einen seltsam metallischen Geschmack auf der Zunge. Er schaute zu seiner Frau und sein Gesicht wurde ganz heiß.
Er hörte seine eigene Stimme sagen:
"Jetzt hör mal zu du. ,... du Hund".
Er hatte das Gefühl irgendwo außerhalb seines Körpers zu stehen.
"Was fällt dir ein , so mit meiner Frau zu reden?"
Der Mann blickte ihn verblüfft an.
"Und wenn du deinem hässlichen Kind nicht beibringst, kein Arschloch zu sein, werden ihm die anderen scheiß Zähne hoffentlich auch noch rausgeschlagen".
Das war zu viel für den Vater. Er bewegte sich mit einer fürchterlichen Grimasse auf Onur zu und stieß ihm mit beiden Händen gegen die Brust.
Onur holte aus und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.
Einige Umstehende schrien erschrocken auf.
Der Mann blutete aus der Nase.
Rasend versuchte er, sich auf Onur zu werfen, aber die anderen hielten ihn zurück.
Jetzt war auch ein Bademeister auf die Szene aufmerksam geworden.
"Wo ist denn das Problem?", fragte er.
Sofort vergaß der Mann, sich die blutende Nase zu halten.
"Der Junge da hat meinem Sohn einen Zahn ausgeschlagen und danach ist sein Vater auf mich losgegangen". Seine Stimme überschlug sich vor Entrüstung.
Der Bademeister betrachtete zuerst die blutende Nase des Mannes, dann den verletzen Jungen am Boden.
Dann wandte er sich an Onur und sagte ruhig aber bestimmt:
"Ich muss Sie bitten, das Bad zu erlassen. Ich erteile Ihnen außerdem ein Hausverbot"
Onur bemerkte unklar, dass seine Kinder ihn schockiert anstarrten.
Er machte eine wegwerfende Handbewegung und begann, Handtücher und Sonnencreme achtlos in die mitgebrachte Tasche zu werfen. Die Gespräche der Sitznachbarn waren noch nicht wieder in Gang gekommen.
Eine Minute später liefen sie unter den Blicken aller Leute mitsamt ihrem hastig verstauten Gepäck zum Ausgang.
Während der Heimfahrt redete niemand ein Wort .
Auf dem Rücksitz blickten die Kinder betroffen aus dem Fenster.
Onur umklammerte das Lenkrad.
Aus dem Augenwinkel beobachtete er seine Frau auf dem Beifahrersitz.
Sie versuchte seinem Blick auszuweichen und starrte aus dem Fenster.
Aber als sie kurz ein Taschentuch aus der Seitenschublade holte, konnte Onur sehen, dass sie lächelte.
Onur zögerte kurz.
Schnell blickte er auf die Preistafel:
"Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren: 4,50€"
Sie waren zu viert.
Onur öffnete kurz den Mund, sagte aber nichts. Dann schloß er ihn wieder, holte seinen Geldbeutel heraus und reichte der Kassiererin wortlos einen Zwanziger und einen Zehner. Während er auf das Wechselgeld wartete, blickte er vorsichtig nach seiner Frau. Sie starrte auf einen Punkt hinter dem Drehkreuz.
Aber als Onur die Münzen entgegennahm, trafen sich für einen Moment ihre Blicke. Sie schaute sofort wieder weg.
Aber Onur bildete sich ein, dass in ihren Augen für eine Sekunde lang etwas Ähnliches wie Ekel gewesen war.
Es war ein heißer, wolkenloser Tag.
"Junge, ist das voll, hoffentlich bekommen wir noch einen Platz!" sagte Onur lächelnd zu seinen Kindern, während sie über die Parkanlage des Freibads schlenderten.
Ein paar Minuten später hatten sie es sich auf einem schattigen Platz gemütlich gemacht.
"Komm schon, Bekir, diesmal musst du auch ins Wasser, du kannst doch nicht wieder den ganzen Tag rumgammeln", sagte Sibel mit liebevoll neckender Stimme zu ihrem kleinen Bruder.
"Kein Bock, im Becken ist es viel zu voll, da kann ich doch gleich in Pisse schwimmen".
Sibel wusste, dass das nicht der wirkliche Grund dafür war, dass ihr Bruder bäuchlings auf seinem Handtuch lag und 'Harry Potter und die Kammer des Schreckens' las, während die anderen Kinder sich im Wasser tummelten.
Bekir hatte etwas Übergewicht. Er vermied es, wann immer es nur ging, sein T-Shirt ausziehen.
"Baba ist doch nicht zwei Stunden gefahren, dafür dass du jetzt hier nur rumliegst und liest. Das hättest du auch zuhause machen können. Denk an die Benzinkosten!", versuchte sie ihn zu überreden.
Bekir schien mit sich zu ringen.
"Tamam, ich komm ja schon", sagte er dann zu Sibels Überraschung. Er entblößte seinen Oberkörper und errötete leicht. Die Kinder entfernten sich in Richtung des Beckens.
Zur gleichen Zeit hatte Onur auf dem Weg zum Pommesstand einen alten Schulkameraden getroffen.
"Das gibt es doch nicht!", rief er mit falschem Lächeln. Er fand es immer etwas anstrengend, Leuten von früher zu begegnen. Er sollte Recht behalten. Tobias erzählte ihm von seiner Führungsposition bei Daimler, seinem Roman, der vor einem Monat angenommen wurde und seinem Sohn, der gerade dank eines Stipendiums in England ein Internat für Hochbegabte Kinder besuchte.
"Ich hab keine Ahnung, wo der Junge es herhat. Von mir bestimmt nicht", sagte er und lachte. Onur lächelte schwach.
Für ein paar Sekunden schwiegen beide, dann sagte Tobias rasch:
"Aber jetzt hab ich die ganze Zeit nur von mir geredet"
Onur krazte sich am Kinn.
"Du, ich wollte grade Pommes für alle holen gehen, die fragen sich bestimmt schon, wo ich so lange bleibe"
Aber Tobias ließ sich nicht abschütteln.
"Pommes, das wär jetzt genau das richtige!"
Sie liefen also nebeneinander auf die Schlange zu, die sich vor dem Kiosk gebildet hatte.
Onur musste den Mann übersehen haben.
"Hey, in Deutschland stellen wir uns an!", rief eine ungehaltene Stimme hinter ihm.
Onur ließ den Mann wortlos vorbei und holte schnell sein Smartphone heraus, um Tobias nicht anschauen zu müssen.
"Was hatte der denn für ein Problem?" fragte Tobias und lachte verlegen.
"Keine Ahnung... du, ich hab was vergessen"
Onur und lies seinen alten Bekannten verdutzt stehen und lief mit rotem Kopf in Richtung ihres Platzes.
Auf einmal fühlte er sich müde.
Irgendetwas war passiert.
Um ihren Platz herum hatten sich mehrere fremde Menschen versammelt und redeten erhitzt. Ein Junge weinte. Er blutete aus dem Mund.
"Ne oldu?" fragte er seine Frau mit nervöser Stimme.
"Gut, dass du kommst! Bekir hat einen anderen Kind eine Zahn ausgeschlagen!"
"Das war aus Versehen, Baba, ich schwöre", stotterte Bekir. Er kämpfte offensichtlich mit den Tränen.
"Er hat die ganze Zeit auf mich gezeigt und gelacht und als ich vom Dreier gesprungen bin hat er gesagt: Jetzt muss man gleich das Becken neu füllen. Ich wollte ihn nur ins Wasser schupsen, aber er ist auf dem Rand aufgeschlagen".
Jetzt meldete sich der Vater des Jungen zu Wort:
"Es ist doch normal, dass Kinder sich ein bisschen ärgern! Aber mein Sohn hat dir nichts getan, und du bist einfach so auf ihn losgegangen. Gewalt ist doch nie eine Lösung!".
Er klang wie ein Priester.
Bekir schaute eingeschüchtert an dem Mann vorbei. Dem blutenden Jungen wurde schwindelig und er setzte sich unter großer Beachtung der Umstehenden auf den Boden.
Gülten stotterte:
"Es tut mir so leid. Das sein eigentlich nicht sein Art. Geben Sie mir ihren Telefonnummer, dann wir zahlen Geld für die Zahn".
Onur hätte seine Frau in diesem Moment am liebsten in den Arm genommen.
Wenn sie unter Stress stand, konnte sie kein richtiges Deutsch mehr sprechen, das hatte er schon oft beobachtet.
Jetzt hatte sich die Aufmerksamkeit des aufgebrachten Vaters auf Gülten gerichtet: "WIESO DU NICHT BESSER AUFPASSEN AUF DEINE SOHN?" fragte er herrisch, und sprach dabei langsam und lächerlich deutlich.
Auf den benachbarten Plätzen waren die Gespräche verstummt.
Onur hatte einen seltsam metallischen Geschmack auf der Zunge. Er schaute zu seiner Frau und sein Gesicht wurde ganz heiß.
Er hörte seine eigene Stimme sagen:
"Jetzt hör mal zu du. ,... du Hund".
Er hatte das Gefühl irgendwo außerhalb seines Körpers zu stehen.
"Was fällt dir ein , so mit meiner Frau zu reden?"
Der Mann blickte ihn verblüfft an.
"Und wenn du deinem hässlichen Kind nicht beibringst, kein Arschloch zu sein, werden ihm die anderen scheiß Zähne hoffentlich auch noch rausgeschlagen".
Das war zu viel für den Vater. Er bewegte sich mit einer fürchterlichen Grimasse auf Onur zu und stieß ihm mit beiden Händen gegen die Brust.
Onur holte aus und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.
Einige Umstehende schrien erschrocken auf.
Der Mann blutete aus der Nase.
Rasend versuchte er, sich auf Onur zu werfen, aber die anderen hielten ihn zurück.
Jetzt war auch ein Bademeister auf die Szene aufmerksam geworden.
"Wo ist denn das Problem?", fragte er.
Sofort vergaß der Mann, sich die blutende Nase zu halten.
"Der Junge da hat meinem Sohn einen Zahn ausgeschlagen und danach ist sein Vater auf mich losgegangen". Seine Stimme überschlug sich vor Entrüstung.
Der Bademeister betrachtete zuerst die blutende Nase des Mannes, dann den verletzen Jungen am Boden.
Dann wandte er sich an Onur und sagte ruhig aber bestimmt:
"Ich muss Sie bitten, das Bad zu erlassen. Ich erteile Ihnen außerdem ein Hausverbot"
Onur bemerkte unklar, dass seine Kinder ihn schockiert anstarrten.
Er machte eine wegwerfende Handbewegung und begann, Handtücher und Sonnencreme achtlos in die mitgebrachte Tasche zu werfen. Die Gespräche der Sitznachbarn waren noch nicht wieder in Gang gekommen.
Eine Minute später liefen sie unter den Blicken aller Leute mitsamt ihrem hastig verstauten Gepäck zum Ausgang.
Während der Heimfahrt redete niemand ein Wort .
Auf dem Rücksitz blickten die Kinder betroffen aus dem Fenster.
Onur umklammerte das Lenkrad.
Aus dem Augenwinkel beobachtete er seine Frau auf dem Beifahrersitz.
Sie versuchte seinem Blick auszuweichen und starrte aus dem Fenster.
Aber als sie kurz ein Taschentuch aus der Seitenschublade holte, konnte Onur sehen, dass sie lächelte.