Muff Potters Song (aus "Tom Sawyers Abenteuer" nach Mark Twain)

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Vorbemerkung

In der Leselupe gibt es nicht die Abteilungen «Songtexte» oder «Liedtexte» – zu diesen Stichwörtern gibt es aber eine Menge Literatur, die sich neben dem «Gereimten» und «Ungereimten» lesen und hören lassen kann. Zu einem Songtext – eine Binsenweisheit – gehört Musik, wenn er seine Wirkung ausspielen soll. Aus diesem Grund habe ich mit «Audio-Test» die Sache hier angefangen und setze sie mit «Muff Potters Song» fort. – Muff Potter ist eine Figur aus Mark Twains Die Abenteuer des Tom Sawyer, das sprichwörtlich arme Schwein, der ewige Verlierer, der am Ende der Geschichte für sich nur noch den Tod sieht. Twains Buch wurde verschiedentlich auf die Musik-Bühne gebracht – ich habe das auch gemacht. «Muff Potters Song» ist nicht professionell mitgeschnitten worden, vielmehr mit einem schlichten SMShure 58 fürs Archiv.

Hier der Audio-Link: Muff Potters Song


Das Leben ging wien Luftzug weg,
Der alte Muff steckt tief im Dreck,
Der Whisky war sein Trost und sein Verderben,
Und bald schon wird der alte Suffkopf sterben.

Komm, Joe, wir träumen uns das Glück,
Eh uns der Teufel holt, zurück!

Als ich zur Welt kam, war ich kugelrund und klein,
Und so viel Quietschvergnügen war mit mir gekommen,
Ich wollte später Mississippikäptn sein,
Und wie‘n Käptn bin ich in der Wanne rumgeschwommen.

Als ich die Schulbank drücken sollte, riss ich aus,
Ich wollt mir nicht den Kopf mit Zahlen spalten lassen
Frei war ich! Frei wie eine Müllplatzmaus,
Und keine Schniegelkatze kriegte mich zu fassen.

Dann fiel die Müllplatzmaus, o je,
In einen tiefen Whiskysee,
Und keine noch so gute Fee
Zog sie heraus, o je, o je.

Aus langem Whiskyschlaf bin ich dann aufgewacht
Und wollt von nun an alles gut und richtig machen,
Die Sonne hat mir auf den Hut gelacht,
Und in Gedanken ließ ich Glücksraketen krachen.

Die ganze Welt hab ich mir rosarot gemalt
Und wollt beim Malen einfach nicht dran denken,
Dass rosaroten Firlefanz kein Mensch bezahlt,
Ich dachte: Jeder wird mir haufenweise Pennies schenken!

So fiel die Müllplatzmaus, o je,
Bald wieder in den Whiskysee,
Und keine noch so gute Fee
Zog sie heraus, o je, o je.

Das Leben ging wien Luftzug weg,
Der alte Muff steckt tief im Dreck,
Der Whisky war sein Trost und sein Verderben, Und bald schon wird der alte Suffkopf sterben.
 

Franke

Mitglied
Hallo Joe,

ein Songtext für sich gelesen ist oft gar nicht so prickelnd.
Wenn man aber das Lied hört und der Text so gut in Melodie gepackt wurde wie hier, dann ist das Gänsehaut pur.
Ich habe viele Aufnahmen mit deutschen Chansons aus den zwanziger und dreissiger Jahren. Hat mich daran erinnert.
Ich bin begeistert!

Liebe Grüße
Manfred
 

Mondnein

Mitglied
das meiste im gereimten sei
nur
mit musik füllung erträglich

ohne das sähe es dann aus
wie ein leerer kissen
bezug
sauber zusammengefaltet
im schrank

das meiste im ungereimten sei
wie columbo
an der steht mental

ein ungemach
tes bett
 
Da gab es mal in den Vierzigern einen Schlager "Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen" – das Werk endete mit der Zeile "Solche Pferde wollt ich nicht" … so ähnlich gings mir, als ich dein Gedicht las, ich wollte einen Kommentar. (Du kannst nun gern wieder das letzte Wort haben.)
Joe
 

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