Muriel

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Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Als Kraak und Kröök schließlich in ihrer Traumwahrhaftigswelt erwachten, blickten sie sich voller Zuversicht um, um im nächsten Moment wie aus einem Schnabel zu schreien:
‚Nein, oh nein‘!
Es hatte nicht funktioniert.
Im gleichen Moment blickte einer der Fluglehrer den beiden Flugschülern ins Gesicht um meinte dort so etwas wie Angst und Bestürzung zu erkennen.
‚Sie müssen sich nicht fürchten, wir haben schon 100te Tandemsprünge hinter uns‘!
‚Nein doch, nein! Wir sind wohl ein wenig aufgeregt, aber nicht ängstlich‘ antwortete Muriels Vater, und die Mutter nickte glücklich lächelnd dazu.
‚Schließlich‘ meinte sie, ‚fühlen wir uns frei wie Vögel, und Vögel wollen fliegen‘!
‚Nein, oh nein‘, krächzte Kraak, während Krook leise das 'Vogel unser' betete.
‚Da haben sie die Rechnung ohne den Vogel gemacht. Wir wollen hier raus, und zwar sofort‘!
Als hätte einer der Fluglehrer die Worte vernommen, bewegte er sich zur seitlichen Tür und schob sie auf.
Erst jetzt wurde den beiden Krähen bewusst, wie hoch in der Luft sie schon waren.
‚Nein, oh nein‘, schrie Kraak, (Krööks ‘Vogel unser‘ ähnelte nun mehr einer lauten Klage) ‚Tür zu‘!
Aber da war nichts von wegen Tür zu. Sie blieb nicht nur offen, nein, die beiden Fluglehrer begannen nunmehr ihre Flugschüler mit sich zu vergurten.
Nein, oh nein, das sah nicht gut aus für Kraak und Kröök. Wenn sie doch nur einen Ausgang aus ihren Träumen finden könnten. Aber den gab es nicht, schließlich hatten sie sich ja diese Welt erträumt.
‚Ach herrje, ach herrje. Sie wollen doch nicht wirklich mit dieser armen alten schwächlichen Dame auf dem Flugzeug springen. Bedenken sie doch! Sie könnte vor Schreck einen Herzinfarkt bekommen. Oder sie wird vor Schreck ohnmächtig. Oder der Schreck fährt ihr in die Glieder. Oder…ja, ja, ja – bedenken sie, sie könnte gar vor Schreck…und gewiss hat sie keine Windel an. Bedenken sie ,bedenken sie‘!
Sprachs und Blubb waren Fluglehrer und Schülerin verschwunden. Man hörte noch ein lautes Juchhu aus Mutters Mund und Stille. Gerade wollte ein rostiges Krächzen aus Kraaks Maul die Stille durchbrechen, als Kröök mit riesigen ängstlichen Augen, vor sich hinbetend, an ihm vorbeiflog,
besser gesagt, völlig aufgelöst an ihm vorbeiblitzte.
Er wollte ihm noch etwas nachrufen, aber zu mehr als einem ‚Äh‘ kam er nicht und weg war Kröök.
Kraak blickte zu Muriels Vater und erkannte, dass auch er sich mit seinem Lehrer auf den Weg machte.
‚Nein, oh nein! Lassen sie uns doch bitte wie Erwachsene Menschen beziehungsweise Vögel darüber sprechen. Seien sie doch bitte nicht so egoistisch. Sehen sie es doch einmal aus meiner Sicht‘, jammerte er.
‚Wollen wir wie ein Vogel fliegen‘? rief der Fluglehrer seinem Schüler zu, als Beide an der offenen Tür Platz genommen hatten.
‚Ja, oh ja‘! antwortete Muriels Vater und Kraak dachte für sich: Nein, oh nein!
Dachte es und Plumps, war´s um ihn geschehen. Er purzelbaumelte durch die Luft, nicht wissend, wo oben und unten ist. Vergeblich versuchte er mit den Flügeln zu schlagen. Hatte er überhaupt noch welche, dachte er, und bei diesem Gedanken fing er von Herzen an zu schreien.
‚AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHH‘!
Im nächsten Augenblick sah er Muriels Vater, der fröhlich vor sich hin frohlockend diesen Wahnsinn zu genießen schien. Seine Wangen blubberten wie hoher Wellengang nur so vor sich hin. Er sah aus, als müsse man sein Gesicht nach der Landung bügeln. Aber es schien ihm zu gefallen.
Nein, nicht nur einfach zu gefallen, er schien es zu genießen. Ja merkte er nicht, spürte er nicht, dass es zu Ende ging. Kraak standen die Federn zu Berge.
Und Wuff! wutschte Kröok, in sich gefaltet betend, an ihm vorüber. Er schien sein Schicksal angenommen zu haben und nur noch auf Erlösung wartend.
Da war ja auch Muriels Mutter.
‚Juchhu‘!
Und da war er, Kraak, beziehungsweise das, was von ihm übrig war. Eine mit Angst gefüllte Hülle.
‚Nein, oh nein‘, dachte er. ‚Bin ich ein Vogel oder nicht? Ja, dass bin ich. Ich bin die Krähe Kraak. Ich habe Flügel und kann fliegen‘!
Sprachs, fand auch tatsächlich eben jene, obwohl sie sich tief in seine Seiten eingegraben hatten, spannte sie weit von sich und: Blubb!
Er fiel einfach zu schnell. Seine Flügel schnellten nach oben und man konnte ob der merkwürdigen Ansicht zu dem Schluss gelangen, da ergebe sich ein Vogel im Flug.
Keine Frage. Es ging nach unten für unseren Kraak. Turboschnell. WUUUUIIIIIIIIIIIIIIII!
Gerade als er in Gedanken seine schwarzen Flügel mit weißen Flügeln zu tauschen bereit war, öffneten sich Fallschirme und Flügel waren wieder dazu da, wozu sie dienten. Zum fliegen!
‚Juchhu‘ frohlockte Kraak, als er erkannte, dass er die schwarzen Flügel behalten durfte, wobei man bei näherer Ansicht mehrere graue Federn erkennen konnte.
‚Juchhu‘ krächzte Kraak, ‚ich kann fliegen‘.
‚Was denn sonst, du Blödvogel‘ anwortete eine Taube, die zufällig Kraaks Weg kreuzte.
Und so segelten Mensch und Vogel ganz sanft erdwärts.

Was weiter geschah? Wir werden sehen!
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Muriel konnte und wollte der Flugshow ihrer Eltern nicht beiwohnen. Ihr wurde beim Gedanken daran schon schwindelig.
Und so ging Muriel am Abend vor dem großen Flug mit einem mulmigen Gefühl zu Bett.
Anfangs fand sie keine Ruhe, es war, als sei ihr Bett eine tosende See. Doch mit der Zeit wurde die See ruhiger und Muriel glitt Welle für Welle in ihre Traumwelt hinein.
Sie schlief im Hier ein und wachte im nächsten Moment im Dort auf.
‚Hallo junge Frau‘! rief eine Stimme von ungefähr.
‚Hallo…hier unten‘!
Muriel blickte nach unten und sah einen…hmm, was sah sie eigentlich?
Da saß ein Irgendwas und blickte zu ihr hoch.
‚Ähm…Hallo! Wer und was bist du denn‘?
‚Wer oder was ich bin? Na das sieht man doch! Ich bin der Schabernacker‘!
‚Der Schabernacker? Aha! Hallo!‘
Jetzt, da Muriel den kleinen Kerl ein wenig länger betrachtete, ging ihr ein Licht auf.
‚Hmm‘ dachte sie, ‚ja klar, wenn ich ihn mir so anschaue, ein rechter Schabernacker.
Dass ihr das erst jetzt auffiel.
Der Schabernacker war eine Mischung aus Schabe und Nacktschnecke.
Zumindest weitläufig und mit ein wenig, nun gut, ein wenig mehr Phantasie.
‚Ein Schabernacker also. Und was macht ein Schabernacker den lieben langen Tag‘?
‚Ich bin der Meister des Unsinns und der Streiche‘.
Meister des Unsinns und der Streiche also! Was konnte man mit so einem anfangen?
Muriel überlegte und überlegte…und ZONG! Geistesblitz! wusste sie es.
Der alte Maier. Ja…der alte Maier. Mit ihm hatte sie noch eine, nein tausende Rechnungen offen. Was hatte er ihr über Jahre hinweg schon den Spaß verdorben, dieser alte Griesgram.

Bei Herrn Maier, Maier mit ai, hatte alles seine Ordnung. Über 30 Jahre Beamter. 06:00Uhr aufstehen. Ins Bad. Morgentoilette. Um 06:30Uhr Frühstück mit der Frau. Schweigend in die Zeitung vertieft. 07:30Uhr vor die Haustür treten. Blick zum Himmel. Kuss auf die Wange der Frau.
Mit Mantel, Anzug, brauner Ledertasche und Schirm um Punkt 07:32Uhr zum Tor hinaus. Zwei Straßen weiter zur Haltestelle. Abfahrt des Busses um 07:45Uhr. Zehn Minuten Fahrzeit. Kurzer Fußweg. Betreten des Amtes um 07:55Uhr.Hinein in den Aufzug. 8er Stock aussteigen. Betreten des Büros um 07:59Uhr. Dienstbeginn: 08:00Uhr. Arbeit.Feierabend: 17:00Uhr

Fußweg. Haltestelle. Bus. Zwei Straßen zu Fuß. Öffnen des Tores. Blick zum Himmel. Haustür öffnen. Hut ab, Mantel aus, Schuhe aus, Hausschuhe an, Tasche an ihren Platz. Kuss.
Punkt 18:00Uhr Abendessen. Frage von Frau Maier wie es auf der Arbeit war.
Antwort von Herrn Maier: Wie immer.
Nach dem Essen Wohnzimmer. Sich´s im Fernsehsessel bequem machen. Fernsehzeitung. Plan für den Fernsehabend erstellen. Danach ein kurzes Ruhen bis 20:Uhr. Tagesschau. Anschließend Programm nach Plan. Nach den Tagesthemen ins Bad. Abendtoilette. Bett. Kuss. Schlafen.

Tausende Beschwerden bei Muriels Eltern wegen dem ungezogenen lauten Gören.
Mittagsruhe einhalten! Sonntagsruhe! Leise spielen. Verbieten auf den Baum zu klettern.
Sie spähe immer in Maiers Schlafzimmer. Nicht rennen. Nicht rufen. Nicht, nicht, nicht°
So oft schon hatte sich Muriel bei ihren Eltern über Herrn Maier beschwert.
Du musst Geduld haben, meinte die Mutter immer wieder, er hatte nie Kinder.
Gott sei Dank für die Kinder, war stets die Antwort Muriels.
Muriels Eltern schüttelten den Kopf und ermahnten sie ob ihrer Rede, aber heimlich lachten sie in sich hinein, empfanden sie es doch gerade so.

Muriel erzählte dem Schabernacker vom alten Maier. Er hörte ruhig zu. Als sie geendet hatte, lächelte er und meinte: ‚Oh ja, oh ja. Mir scheint er braucht eine Lektion‘.
Sie beschlossen sich einmal näher in Maiers Haus umzusehen.
Und so inspizierten die Beiden jeden Raum des Hauses während Herr und Frau ihre Träume träumten.
Im Badezimmer sah Muriel Maiers dritten Zähne in einem mit Wasser gefüllten Glas liegen. Sie wusste, dass im alten Kleiderschrank auf dem Speicher ihres Hauses noch die Dritten von Opa lagen.
‚Was meinst du, Schabernack, soll ich die dritten Zähne von meinem Opa holen und wir tauschen sie gegen die hier aus‘?
‚Oh ja, oh ja, frohlockte der Schabernacker, welch ein köstlicher Gedanke! Was wird er den Mund verziehen, mit dem nicht richtig passenden Gebiss. Und hier haben wir die Pomade von ihm. Mal schauen. Wie wär´s, wenn wir die Tube mit dem Haarfärbemittel von Frau Maier vertauschen. Sie sehen sich sehr ähnlich. Mit ein wenig warmen Wasser lösen wir die Etiketten und vertauschen sie‘.
‚Und ich bringe von drüben noch was von meinem Gel mit. Das mischen wir noch unter. Dann läuft er morgen wie ein Punk durch die Welt. Aber halt! Er wird sich doch im Spiegel sehen, und dann ist´s vorbei mit der Schabernackerei‘.
Schabernack petzte seine Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Er blickte Muriel wie ein verschwörerischer Agent an und flüsterte: ‚Lass das meine Sorge sein. Ich lege einen schabernackischen Zauber auf den Spiegel, so dass er sein gewohntes Angesicht sehen wird‘.
Das gefiel Muriel sichtlich. Sie prustete so feucht vor sich hin, dass sich eine Spuckkblase auf ihren Lippen bildete. Sie bloppte sie hinweg und sang schmunzelnd:
‚Oh weih, oh weih, welch Schabernackerei. Lass uns in die Küche gehen, sehen, was wir dort anstellen können‘.
In der Küche fiel ihr Blick direkt auf den Toaster.
‚Könntest du den Toaster so manipulieren, dass das Toastbrot alle paar Sekunden wieder herausspringt? Und könntest du außerdem dafür sorgen, dass es keine hartgekochten Eier gibt, sondern lebendige Küken den Eiern entspringen‘?
‚Der Unsinn muss noch erfunden werden, den ich nicht verwirklichen könnte. Die Küken werden schlüpfen und das Toastbrot wird hüpfen‘ Nun lass uns schnell ins Schlafzimmer springen und sehen was wir dort bewirken können‘.
Ruckzuck war der Wecker eine Stunde vor- und Frau Maiers Hausschuhe an Stelle der von Herrn Maier gestellt.
Der Tag des Schabernacks konnte kommen.
Maiers Wecker klingelte laut Anzeige um 06:00Uhr. Es war 04:00Uhr morgens. Herr Maier glitt wie jeden Morgen aus dem Bett und schlüpfte in seine Hausschuhe hinein. Hinein….hiiiiiiiiiii…nein.
Zumindest drei Zehen fanden jeweils den Weg in die Schuhe. Da Herr Maier immer im Dunkeln seinen Weg ins Bad fand, sah er nichts vom Schuhvertausch.
‚Wasser‘ dachte er. Musste ja so kommen. Schließlich hatten Oma und Opa auch Wasser in den Beinen.
‚So geht das, dachte er weiter. ‚So mir nichts dir nichts über Nacht Wasser. Auf dem Heimweg muss ich mir neue Hausschuhe besorgen und für die Arbeit nehme ich das Paar, das mir immer zu groß war. So watschelte Herr Maier wie eine Ente ins Bad. Morgentoilette. Waschen. Danach die Dritten, die über Nacht im Reinigungsbad gelegen hatten, in den Mund.
‚Wasch ischt denn dasch, rief er? Wasch ischt mit meinen Zähnen? Die schitzen ja gar nischt. So ein Mischt. Wird doch wohl nischt dasch Wascher aus den Füschen bis in dem Mund gekommen schein.
Na ja…dann musch isch in der Apotheke vorbei, Waschertabletten beschorgen. Schnell noch die Pomade in die Haare. Fertig.
Als Herr Maier die Küche betrat, traf Frau Maier fast der Schlag. Fast! Sie fragte ein wenig beunruhigt, ob alles mit Herrn Maier in Ordnung sei.
‚Ein wenig Wascher im Mund und in den Füschen. Wie Oma und Opa halt. Anschonschten ischt alles klar.
Frau Maier hatte nun ganz und gar nicht den Eindruck, dass mit ihrem Mann alles in Ordnung sei. Andererseits gefiel ihr der Gedanke, dass sich ihr Mann ein wenig lächerlich machte. Schließlich hatte er sie in den letzten Jahren wie ein Stück Luft bzw. eine zu bearbeitende Akte behandelt. Und sollte sich ihr Mann mit schiefem Mund (lispelnder Weise) und Punkfrisur, nebst roten Strähnen, tatsächlich auf den Weg zur Arbeit machen, wollte sie dies keineswegs versäumen.
Ganz davon abgesehen, dass es 05:00Uhr morgens war.

Vier Scheiben Toast in den Toaster gelegt und Blubb warf es sie im hohen Bogen wieder hinaus.
Zur gleichen Zeit liefen Eier mit Füßen über den Tisch und Blubb flog Toastbrot durch die Luft.
‚Dasch ischt ein ganzsch und gar merkwürdiger Tag, Frau. Auschgebrütete Eier, die Scheitung noch nischt im Briefkaschten und Wascher in Füschen und Mund.
Nichtsdestotrotz wollte Herr Maier nicht von seinen Gewohnheiten ab. Also öffnete er die gestrige Zeitung, schnappte sich eine Toastbrotscheibe aus der Luft und begann sie mit Margarine zu beschmieren. Ein Ei mit Füßen lief über das Brot und süße Fußabdrücke musterten Tisch und Zeitung.

Um Punkt 07:15Uhr stand Herr Maier auf um sich für die Arbeit fertig zu machen. Natürlich hatten Muriel und der Schabernacker alle Uhren im Haus verstellt. Es war Punkt 06:15Uhr als Herr Maier die zu großen Schuhe anzog.
‚Schuper‘, rief er seiner Frau zu, ‚hier paschen alle Zschehen rein. Und ischt noch jede Menge Platsch übrig.
Voll angetan trat Herr Maier um 07:30Uhr vor die Tür und blickte zum Himmel. Irgendwie schien es heute später zu dämmern.
‚Pascht ja zschum verrückten Tag‘, murmelte Maier vor sich hin und küsste seine Frau auf die Wange.
Um Punkt 07:32Uhr (so dachte er) schloss er das Tor hinter sich. Hätte er einen Blick zurückgeworfen,
wäre er doch ein wenig über seine Frau verwundert gewesen, die sich vor Lachen krümmend auf dem Boden warf. Es war aber auch zu komisch, ihn dort in seinen zu großen Schuhen watscheln zu sehen. Und diese Frisur!
Da auch um 06:45Uhr ein Bus ging, fiel Herrn Mayer lediglich auf, dass deutlich weniger Menschen auf den Bus warteten, und dass sich diese ein wenig merkwürdig benahmen. Ständig sahen sie ihn verstohlen an, drehten sich schnell weg um sich dann einen wegzugrinsen.
‚Isch hab Wascher von Oma und Opa‘ hätte er ihnen gerne entgegen geschmettert, aber er schwieg
und wünschte ihnen die Gischt an den Hals.
Im Bus sprach ihn so ein halbstarkes Bürschen mit Ringen hier und dort an: ‚Man ist nie zu alt für den Punk, Alter. Sprachs, klopfte ihm mehrmals auf die Schulter und ballte die Hand zur Faust, nur Zeige-
und kleinen Finger von sich streckend.
Herr Maier hatte keine Ahnung ,was dieser Irre von ihm wollte.
‚Wo scholl dasch enden mit diescher Jugend‘, dachte er für sich. Dasch schind die, die schpäter mal unscher Land führen schollen. Gott schteh unsch bei‘!
Um 07:55Maierzeit betrat Maier das Amt. Besser gesagt…wollte Herr Maier das Amt betreten.
Doch das Amt war verschlossen. Er klingelte und klopfte gegen die Glastür. So etwas hatte er in seiner über 30jährigen Beamtenlaufbahn noch nicht erlebt. Geschlossen!
‚Ja schind den heute alle verrückt. Wasch schollen denn die Bürger denken, wenn schon auf unsch kein Verlasch mehr ischt‘.
So zürnte Herr Maier vor sich hin, bis endlich, um 08:30Maierzeit, 07:30Uhr in der Realität, der Hausmeister kam, um die Tür zu öffnen. Mittlerweile hatten sich schon einige Kollegen Maiers eingefunden. Alle machten sie einen belustigt besorgten Eindruck.
‚Ja wasch‘, schrie er. ‚Bin isch der Einzschige, den dasch schtört? Wasch scholl der Bürger denken,
wenn er schich nischt mehr auf scheine Beamten verlaschen kann‘?
‚Mensch Maier‘ rief Müller aus dem dritten Stock aus zweiter Reihe, ist denn schon Fasching? Hast gestern wohl ganz schön einen drauf gemacht‘. Sprachs und lachte sich fast weg, nicht ohne dass die anderen Beamten um ihn herum ins Konzert einstimmten.
‚Wischt ihr wasch‘, schrie Maier, ihr könnt´ misch alle `mal. Sprachs, ging zum Aufzug und fuhr hinauf in den 8ten Stock. Dort betrat er sein Büro und begann um Punkt 08:00Uhr (wahrhaftige Zeit) mit seiner Arbeit.
Um Punkt 09:30Uhr betrat er die Toilette um sich vor dem Frühstück die Hände zu waschen. Um Punkt 09:30Uhr und 15 Sekunden gellte ein Schrei durch das Amt. Herr Maier hatte in den Spiegel geschaut. Er kannte den, den er dort sah…und doch auch wieder nicht. Dieses ‚nicht‘ bezog sich auf die wilde Igel-Irokesen-Frisur, durchzogen von roten Strähnen. Das alleine wäre ja vielleicht noch gerade so gegangen, aber der Mund. Das waren nie und nimmer seine Zähne dort in seinem Mund. Diese waren im Vergleich zu seinen riesengroß und außerdem fehlte oben, ziemlich in der Mitte, ein Zahn. Sein Gebiss erinnerte ihn an den Rücken des Glöckners von Notre Dame. Bei dieser Erkenntnis schrie er.
Es klang ungefähr so:AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!

Die ganze Zeit über beobachteten Muriel und der Schabernacker durch ein Traumfenster hindurch das Geschehen. Na ja…nicht alles. Teilweise lagen sie vor lauter Lachen unter dem Fenster. Dem hatten sie es gezeigt.

Ihr hättet sehen sollen, wie kleinlaut Herr Maier an diesem Tag zu Hause ankam. Tage brauchte es, bis er das Durchlebte verkraftet hatte. Seiner Frau, seinen Kollegen gegenüber, machte er ein Medikament verantwortlich, dass ihm sein Arzt verschrieben und dass er nicht vertragen habe.
Doch bewirkte das alles letztendlich viel Positives für Herrn Maier, seine Frau, Muriel und deren Familie. Herrn Maier wurde durch das Erlebte bewusst, wie schnell alles anders sein konnte. Er erinnerte sich daran, dass es da früher noch was anderes als Arbeit und Fernsehen gab. Theater, Spaziergänge, der Zoo, sein Garten, Lesen…das Leben überhaupt.

Und so wurden Herr Maier, der übrigens Ferdinand mit Vornamen hieß und Muriel gute Freunde.

Aber dazu später mehr.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Muriel (Intermezzo)

Hast mich im Sturm genommen kleines Menschenkind
Mit deinem Lächeln, das die Atome meines Seins
In alle Winkel des Universums zerstreut
Diese Augen, klar und rein, so ganz und gar bei sich
In ihrer Welt, die nicht von dieser Welt

Hast mich im Sturm genommen kleines Menschenkind
Bin ganz bei dir, bei deinem Sein
Ich weiß, wenn ich dann gehe, irgendwann,
Bleibt doch ein Teil von mir
Bei dir
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ein jeder Schritt von armstrongischer Dimension
Im umgekehrten Sinn versteht sich
Wobei die Menschheit für sie doch noch so klein
Ein Familienuniversum nur
Also ein großer Schritt für alle Menschenheit

Die Arme nach oben
Als schreite sie über ein unsichtbares Seil
Und hin und wieder dieser Teufelsmut
Hände nach unten und weiter
Diese Freude über jeden neugewonnen Schritt

Und Plumps! Hosenboden
Zum Glück pampersgefedert
Tränen in den Augen
Aber Helden und Entdecker weinen nicht
Also auf
Auf immer neuen Wegen
 
D

Die Dohle

Gast
Aus den grünen Tiefen Lupaniens taucht dieses phantastische Juwel hier auf ...

Hallo Otto Lenk,
ich bin ziemlich beeindruckt und staune!
Danke Dir, für´s Teilen dieser schönen Geschichten.

... soll übrigens herzlich dankende Grüße für Deine Wertschätzung von der Verwandtschaft ausrichten ;-)

Liebe Grüße
Die Dohle
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied


Manchmal ist es
als höre sie nicht gut
Doch blickt man in ihre Augen
sieht man die Ferne
in der sie umherschweift

Weit weit weg
von allem hier
und da
durchquert sie ihre Welten
auf immer neuen Wegen

Aus einem Ich geboren
das frei und unbefangen ist
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Du weißt was es bedeutet Kind zu sein,
wenn du deiner Enkelin sagst,
dass du in den Film 'Krieg der Sterne' gehst
und sie fragt, ob man in dem Film Sterne kriegt.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Die Sterne leuchten noch in deinen Augen,
wenn ich dir etwas aus dem Ohr zaubere
Dein Gesicht, ein einziges Lächeln,
wenn ich Antons Miauen für dich übersetze
Dieses Erstaunen,
erzähle ich dir von meinen Gesprächen
mit dem Weihnachtsmann
und meinen Treffen mit dem kleinen Prinzen,
der mir das Leben in eine Sprache übersetzte
die es erst mir und nun auch dir als das erklärt
was es ist:
Ein Versprechen, dessen Erfüllung
ganz alleine in uns liegt und darauf wartet
geboren zu werden.
 

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