nach Hause

4,00 Stern(e) 2 Bewertungen

Ralf Langer

Mitglied
Als Gastronom fühle ich mich berufen dir zu antworten:
Dein Gedicht weiss mir als Stilleben durchaus zu gefallen.

allerdings, die letzte Strophe, hier vor allem der dialektische Circumschluss, das scheint mir zu gewollt und auch zu weit hergeholt.
Der Nachtschwärmer will nicht „werden“,er will nur „sein“.
Meiner nun ca 32 jährigen Erfahrung nach ist die Nacht und die Bar ein zeitloser Ort.

aber das hast du gut genannt:
Er ist ein Hort für die Ungeborgenen
Mein alter Lehrmeister hat mal gesagt:
Der Tresen ist nur ein Ort für Menschen die die Freiheit suchen, aber nur Vergessen finden

dir einen lieben Gruss
Ralf
 

Frodomir

Mitglied
Hallo L'étranger,

mir gefällt dein Gedicht richtig gut!

Da wäre zum einen die erste Strophe: Meiner Interpretation nach schwingt hier die Sehnsucht nach Geborgenheit mit, die Nacht wird zum vermeintlichen Ersatz der nährenden Mutterbrust, eine erinnerte Situation, in der man so viel Vertrauen haben kann, dass man die Augen zumacht und sich gänzlich hingibt (an denen die Augen sich schließen). Meiner Ansicht nach ist dir dieser Vergleich herausragend gelungen!

Und zum anderen wäre da der zweite Vers in Strophe 2: Randfiguren, die auf nichts warten. Besser kann man Trostlosigkeit kaum ausdrücken!

Allein das Ende überzeugt mich nicht so richtig. Weder das der Ursprungsversion (da dort mit dem Laub-Vergleich ein völlig neues Bild gezeichnet wird, welches gar nicht in die Bildsprache des Textes passt), noch das der aktuellen Version. Dies liegt daran, dass ich die plappernde Nacht nicht richtig zuordnen kann - und zwar vor allem grammatisch. Welches Prädikat bezieht sich auf plappernde Nacht? Es kann ja eigentlich nur will keiner aus dem ersten Vers der Strophe sein. Aber dann erscheint es mir unlogisch, denn meinem Leseverständnis nach befinden sich die Protagonisten doch bereits in dieser Nacht und wollen gerade nicht, dass sie endet. An dieser Stelle würde ich mich über Aufklärung freuen.

Herzliche Grüße
Frodomir
 

L'étranger

Mitglied
Hallo Frodomir,

gemeint ist so: keiner will nach Hause, und keiner will in die plappernde Nacht (gehen).

Ich gebe zu, das ist nicht völlig klar. Aber es ist so, wie Langer es verstanden hatte. Die Nacht in der Kneipe liefert noch das Gefühl der Geborgenheit. Draußen verliert die Nacht ihren Charme, wird verrückt ...
Und zu Hause wartet ein leeres Bett ...

Gruß Lé.
 

revilo

Mitglied
Nächte wie kühle Brüste,
an denen die Augen sich schließen,
Dunkelheit, die flüchtig Vergessen schenkt.

Höhlen für die Ungeborgenen,
Randfiguren, die auf nichts warten.

Drei Uhr Nachts, und nach Hause will keiner,
bevor es nicht hell wird.
Die erste Strophe gefällt mir wirklich sehr gut. Z S 2 hingegen ist ein zu allgemeines Bild; ich meine damit insbesondere Höhlen...die Ungeborgenen sind gut.....S 3 ist zu erklärend....hier könntest du kürzen

Nächte wie kühle Brüste,
an denen die Augen sich schließen,
Dunkelheit, die flüchtig Vergessen schenkt.

Ungeborgene
sie warten warten
auf das Nichts

Drei Uhr Nachts,kurz
bevor es nicht hell wird.
 

L'étranger

Mitglied
Hallo Revilo,

danke für die Beschäftigung mit diesen Zeilen.

was die Höhlen angeht, ist für mich eher die Frage, ob die Information "Kneipe" fehlt.
Sie wegzulassen schmerzt mich. Ich weiß noch nicht, ob ich mich dazu entschließen möchte.

"Warten auf das Nichts" wäre für mich ein ganz anderes Bild. Das funktioniert für mich gar nicht.

Gruß Lé.
 

revilo

Mitglied
Kein Problem, ich habe nur spontan geklimpert...aus dem Gedicht ist m. E. wesentlich mehr herauszuholen...
 

Oben Unten