Nicht nur in Wien

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wiesner

Mitglied
Nicht nur in Wien


mag mich das Kalb nicht.
Ich bin ein Mensch noch
nicht richtig erwachsen werde ich plattgemacht,
dass durch mich Satiren
gelesen werden können.

Recht mild nur eingewürzt
und diesmal ausgesprochen mütterlich gepudert
in Ei gebadet, werde ich ein paar mal hinundhergeliebt
in fein geraspelter Semmel, bis ich fertig bin.
Für ein Bad ganz anderer Art.

Ich bin fertig reichlich faltig, aber hörbar knusprig
auf teurem Porzellan gebettet.
Eine oft überflüssig über Nächte kühl gehaltene Zitrone adoptiert mich,
denn ich weiß nichts mit mir anzufangen.
Und sie, meine Leibesfrucht, weiß nicht, dass ich deshalb längst mich sauer sehe.

Auf Fragen erhalte ich Schweigen,
liege vollkommen ergeben da und warte frierend, denn Warten macht kalt, auf Antwort.
Das Kalb mag mich nicht.
Warum.
 

Rachel

Mitglied
Au, das mundet. :) Das Gschmäckle dazu fliegt ein sauberes Stück weit auf - nicht nur in Wien, auch auf den Teller in meiner Umgebung.

Wie es in Zeitlupe, unvergessen, kurz vor dem Servieren dem Koch vom Teller rutschte und auf den Küchenboden fiel. Es war das letzte. Der Koch bückte sich, hob es auf und legte es auf den teuren Teller zurück. Er grinste charmant. Dann ging es zum Feinschmecker, der keine Ahnung hatte, was für eine abgestürzte Sache er da vor sich hatte. Warst du das, lieber Bèla?

Heute Morgen, wo ich wohne, traf ich wunderschöne Angus Burger rabenschwarz auf der Weide im Morgennebel. Auf einem Schild stand - Wir machen aus Heu Fleisch.

Gute Formulierungen drin - in Ei gebadet - super!

Sehr gerne gelesen!

LG, Rachel
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Béla,
nicht alles im Ei Gebadete will so fertig aus ihm heraustreten. Ich bin begeistert, der zitronierten Leibesfrucht nachsehend und bleibe im "Warum."
Wäre ich in dieser Zeit geboren, würde ich es folgendermaßen beschreiben:
Da frittier ich dir fünf hoch n Sterne! Lass ich mal so stehen.
Ist das gut! Gut ist hier nur ein Füllwort, in Ermangelung einer adäquaten Formulierung dafür, welches Potenzial deine Verszeilen freizusetzen vermögen. So verweile ich im Lesen deines Werkes, das einen gedanklich aufspringen lässt, unpaniert.
Liebe Grüße,
ubertas
 

wiesner

Mitglied
unpaniert aufspringen ... ha, das hat was Köstliches! Danke dafür, liebe Ubertas! Wenn ich nur wüsste, wie's weitergeht ...

Gruß u. Dank auch an KlausKuckuck - war da nicht irgendwo ein Kommentar zu lesen?

Gruß
Béla
 



 
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