oder lichtlos verstreichen die tage

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nisavi

Mitglied
hallo patrick,

ein sehr schönes gedicht. sanft und ruhig.
unverbrauchte metaphern.

für mich sind nur "mondvertraut" und "blutzart" irgendwie ein bisschen zu viel. ("vertraut in zarter sprache" ist für meinen geschmack auch durchaus expressiv im gesamtkontext.)

n.
 
Hi nisavi
Vielen Dank erstmal.

Ob die Sprache an der Stelle zu kitschig ist? Vielleicht.
Aber noch gefällt es mir. Daher lasse ich es (erstmal) stehen
und denke über deinen Vorschlag nach.

L.G dir
Patrick
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

Ohne Zweifel sprachlich schön und originell. Doch gehe ich ins Detail, habe ich in der Deutung mehr Probleme als bei Celan und Kling :)
Vor allem der Sprünge wegen, hauptsächlich in S1:
- sind es die Tage, die tänzeln (wo sie doch verstreichen)?
- oder ist es ein Widerspruch zwischen tänzeln ('du') und dann wieder gebettet sein (im Nacken der Sehnsucht, wobei ich diese Metapher wunderbar finde)?

Die Verbindung zu S2 ist mir auch nicht 100% klar. Vertraut wäre im Kontext die Sehnsucht selbst, die ja auch ihre eigene Sprache spricht (in der Brust, den Gedanken usw.).

Dann wäre S3 nicht wirklich notwendig, der direkte Übergang zu S4 sogar schöner:die stumme Sprache / Mund der Sehnsucht wird zur Narbe - oder vielleicht gerade nicht (eine Wunde also), denn Narbe beinhaltet Heilung (eine Narbe reisst wieder auf; doch wenn sie sich nicht schliesst, ist es keine Narbe), wobei es doch sicher ums Gegenteil geht: den Schmerz der Sehnsucht zu akzeptieren und gewissermaßen zu atmen, genießen ...

Ich hoffe, ich werde auch von dir nicht missverstanden. Deutungsschwere Gedichte haben ihren besonderen Reiz, gerade für die Analyse und Diskussion zwischen Autor und Leser, dabei öffnen sich stets verschiedene Perspektiven, manchmal auch mit inhaltlichen Widersprüchen.

In diesem konstruktiven Sinne,

LG
Tula
 
Hi tula
So kompliziert habe ich beim schreiben gar nicht gedacht. :D

tänzelnd auf des... sollte auf das "du" bezogen sein.
(es handelt sich um sehnsucht nach gegenliebe, wenn man so möchte)

Der Rest behandelt die Sprache, in S2 das "verstanden werden"
In S2 das "schon in Erinnerungen sprechen.
Und S3 letzlich den daraus resultierendeb Schmerz, der in der Aufforderung zu Leben endet.

Mehr habe ich dabei nicht gedacht, das gebe ich gerne zu.

Die Narbe übrigens ist schlicht falsch gewählt, Wunde ist hier richtig, da hast du recht.

Vielen Dank und L.G
Patrick
 
oder lichtlos verstreichen die tage
tänzelnd auf des schwertes
schneide. du.
gebettet in den nacken meiner sehnsucht.

mondvertraut
in blutzarter sprache.

was sich über die dinge legt?
staub
vergessener alphabete.

wenn der mund eine wunde ist
die sich nicht schließt

sei still. und atme sie.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Patrick,

du hast dir ja einige Zeit gelassen seit deinem letzten Gedicht und es hat sich durchaus gelohnt.

Besonders gefällt mir der Einstieg mit "oder". Da kann sich der Leser das Gegenstück selbst ausdenken und du lässt Freiraum, das ist gut.

mondvertraut
in blutzarter sprache
Diese Stelle ist viel zu dick aufgetragen und passt nicht zur Sprache des restlichen Gedichtes. Könnte meines Erachtens auch ersatzlos gestrichen werden, da es zum Verständnis nicht nötig ist.

Über den Nacken der Sehnsucht bin ich auch gestolpert. Da gehen zum ersten Mal die Pferde mit dir durch. Warum nicht einfach "gebettet in meinen Nacken".

Ansonsten sprachlich wunderbar, du musst das nur konsequent durchziehen.

Liebe Grüße
Manfred
 
oder lichtlos verstreichen die tage
tänzelnd auf des schwertes
schneide. du.

was sich über die dinge legt?
staub
vergessener alphabete.

wenn der mund eine wunde ist
die sich nicht schließt

sei still. und atme sie.
 
Hallo Franke
Gut, ich lege viel wert auf dein Sprachgefühl.
Auch auf deines, revilo ;)

Damit werden die beiden Zeilen gestrichen und das
Gedicht gekürzt.

Vielleicht ist es jetzt runder geworden.

L.G
Patrick
 

Mondnein

Mitglied
GrüßDich, Patrick!

Ich glaube in Cocteaus Film "Blut eines Dichters" gibt es eine "Mund=Wunde"-Metapher. Aber das sagt mir nur eine Erinnerungsspur in meinem schwachen Gedächtnis. Kann mich auch irren.

grusz, hansz
 
Hallo hansz

Mit Filmen kenne ich mich nicht aus, daher sagt mir der Film nichts. Aber ich glaube die "Mund-Wunde" Metapher liegt auf der Hand, sie ist völlig evident und erfordert keine besondere kreative Leistung.


L.G
Patrick
 

Mondnein

Mitglied
metaphorischer Doppelagent

Nun, Patrick,

die Wunde als Mund = der Mund als Wunde - ist überaus sinnlich, heftig, bildhaft.

Viel mehr als eine bloße metaphorische Anmutung oder Assoziation.

Deshalb ist es nicht unwichtig, zu sehen, ob sie schon irgendwo "vorkommt". Cocteau ist ja auch nicht irgendwer. "Das Blut des Dichters" ist nicht irgendein Film sondern ein surrealistisches Avantgarde-Kunstwerk.

grusz, hansz
 
Hallo Hansz
Da hast du natürlich nicht unrecht.
Bekannt war mir diese Metapher jedoch nicht.
Danke für die Wertung :)
L.G
Patrick

Danke auch an alle anderen Werter.
 

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