orpheus resigniert (AAAA-rubaiyat)

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Mondnein

Mitglied
Der Unterstellung, ich hätte mein Gedicht "mit Kunststückchen aufgepeppt" muß ich heftigst widersprechen. Aus zwei Gründen:

1. Das Einsetzen von poetischen Stilmitteln, auch das zufällige Hineingeraten in poetische Sprachfiguren, ist nicht nur legitim, sondern hebt den Kunstcharakter eines Stückes und gliedert es den tradierten Formen ein, auch dann, wenn diese Formen dabei variiert oder durchbrochen werden. Kunst als "Künstlichkeit" zu diffamieren mag unter Banausen ganz witzig sein, in (oder auf) einem Dichterforum zeigt es nur, daß die unterstellende Person sich nicht darüber im Klaren ist, daß sie selbst in jedem ihrer Sätze poetische Sprachfiguren einsetzt. Das ist normal beim Sprechen und Schreiben; Dichter reflektieren darüber, das ist ihre Besonderheit.
Z.B. Dein "Aufgepeppt", womit Du eventuelle Stilmittel verächtlich machen willst (und zugleich selbst nutzt) - meinetwegen, aber das liegt im Charakter der dort gewählten Sprecherrolle des "resignierten Orpheus", daß sie so "peppig" rumpeppt. Melancholisches Gejammer habe ich nicht gewählt. Das wäre vielleicht altbacken gewesen, der Ton dieses Sängers hier scheint mir nicht so altbacken, daß man ihm "Künstlichkeit" unterstellen könnte. Die Stilmittel des Liedes sind frisch gestrichen, sie blättern nicht ab, sie überschminken nichts.

2. Der Sprachfluß zeigt deutlich genug, daß das Lied von Spontaneität getragen ist, in kontinuierlichem Inspirationsstrom. Ein moderner Orpheus kann improvisierend drauflos rappen. Deshalb braucht er keine gestelzten Künstlichkeiten, er vermeidet sie. Deshalb schämt sich das lyrische Ich des Gebrauchs der Begriffe "Orchester" und "Dirigent", wie auch der arroganten Gelangweiltheit der hartherzigen Todesgöttin. Deshalb verformt er die Sprache an den entsprechenden Stellen surrealistisch. Was Du ja noch immer nicht begriffen zu haben scheinst, Trainee. Du zwingst mich hier zu Wiederholungen, und jetzt mache ich es Dir leicht, mir diese Wiederholungen vorzuwerfen.

Gegen diesen "Künstlichkeits"-Mist habe ich mich schon im Argumentationswechsel mit Ustrarisa bei den erwähnten Tannhäuser-Ghaselen verwahren müssen. Ja, ich kenne dieses Argument, diese Banausensprache, diese Kriegserklärung gegen Kunst und Poesie. Meine Antwort darauf ist Punkt 1, s.o.
 

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