Professionelle Hilfe bei der Buchveröffentlichung gesucht.

Caspi

Mitglied
Vermutlich geht es mir wie vielen Schreibnovizen; man schreibt, tüftelt, feilt, verarbeitet Feedback aus dem Freundeskreis, bis man nach Jahren endlich zum Entschluss kommt: Fertig! Nach einer kurzen Atempause und etwas Recherche wird einem jedoch klar; der schwierigste Teil kommt erst noch: Die Veröffentlichung.

Für meinen Debüt-Roman hatte ich blöderweise ein Nischen-Genre (Soft-SF) erwischt. Im Nachhinein betrachtet, bereue ich es jedoch nicht, da ich nach wie vor für das Konzept und die Story brenne. Und das ist für mich Allerwichtigste. Wie gesagt, „Nischen-Genre“, deshalb dachte ich mir, besser eine Literaturagentur, als direkt zum Verlag.

Also verschickte ich Bewerbungen an verschiedene Agenturen, jede akkurat auf den Adressaten zugeschnitten. Und ihr ahnt es schon, keine einzige Rückmeldung. Und langsam frage ich mich: Liegt es an mir? Meinem Werk? Oder wie ich beide präsentiere? Wie viele Agenturen soll ich noch anschreiben? Oder sollte ich besser aufhören diese zu „verbrennen“ und mich vorher professionell coachen lassen?

Die litmedia.agency bietet beispielsweise ein „Vorab-Kurz-Coaching für Romaneinsendungen“ und ein „Feedback-Coaching für abgelehnte Einsendungen“ für 100€ bzw. 150€ an. Wie seriös sind solche Angebote?

Apropos Seriosität. Vom Konzept denkbar wäre für mich auch ein Zuschussverlag, bei dem ich mich an den Kosten für Lektorat, Druck und Marketing beteilige. Doch diese scheinen nicht den besten Ruf zu haben. Wie finde ich einen, der tatsächlich auch Interesse dran hat, mein Werk in einer entsprechenden Qualität, einer möglichst großen Leserschaft zugänglich zu machen, anstatt nur meinen Zuschuss abzukassieren?

Ich habe auch schon öfters gelesen, dass das „klassische Verlagswesen“ kaputt sei und man sowieso nur noch selbst Publizieren sollte. Auch gut. Jetzt habe ich so viel Lebenszeit und Herzblut in mein Manuskript investiert, da sollte es später nicht wenigen Formalitäten zerrissen werden. Also muss ein Lektorat her. Angebote gibt ja es genügend. Sogar hier in der LeLu. Aber wie finde ich das Richtige? Worauf muss ich achten? Gibt es eventuell Lektor/innen, die auch Erfahrung mit Self-Publishing haben, also Tipps für Design, Produktion, Vertrieb und Marketing geben können?

Viele Fragen also. Danke, dass du bis hierhin durchgehalten hast. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir einen Kommentar dalassen könntest. Egal aus welcher Perspektive. Manchmal hilft auch schon ein, „Ja, geht mir genauso“. :)

Hab‘ noch einen schönen Sonntag!
 

ARIIOOL

Mitglied
Hallo Caspi,
für die Veröffentlichung eines Romans Geld auszugeben, wird einem heutzutage leicht gemacht. Du bist darüber mittlerweile gut informiert. Es ist immer hilfreich, bei solchen Dingen zu wissen, worüber man redet, bevor Empfehlungen gegeben werden können. Also eine Leseprobe, die Aufschluss über die Qualität deiner Schreibe gibt.
mein Werk in einer entsprechenden Qualität, einer möglichst großen Leserschaft zugänglich zu machen,
Verlage, Agenturen und andere Dienstleister sind gewinnorientiert. Müßig, das weiter auszuführen. Es gibt Nischenverlage, die sich auf SF konzentrieren und auch vor Newcomern nicht zurückschrecken. Ob diese dein Buch einer breiten Öffentlichkeit sichtbar machen, bezweifle ich, habe aber der Fairness halber erwähnt, keine Erfahrung. Wenn es dir darum geht, ist BoD oder ähnliches breiter aufgestellt. Werbung, Marketing ist bei beiden Varianten eh dein eigener Part.
Ich habe mich ganz bewusst für Self Publishing entschieden. Die Möglichkeit, alles selber zu gestalten, vom Cover bis zum Buchsatz usw. sind reizvoll.
Allerdings ist es mir ziemlich egal, ob meine Bücher gelesen werden. Ich habe meinen Spaß beim schreiben und bin zufrieden. Bin jetzt beim dritten Roman, habe den ersten (Zufall) gestern zur Veröffentlichung an BoD geschickt. Also für dich nicht der ideale Ratgeber. Aber wie gesagt, bevor du vierstellige Euros verballerst, solltest du dir von jemandem, der Qualität erkennt, eine Meinung einholen. Eine schlechte Schreibe kann auch ein Lektorat und ein bezahlter Buchsatz nicht retten. Damit will ich dir um goddeswillen nichts unterstellen ..., dass die Agenturen keine Rückmeldungen geben, ist völlig normal.
 

Caspi

Mitglied
Hallo nochmal ARIIOOL,

auch hier, DANKE für dein offenes Feedback. Ich konnte nicht ganz herauslesen, ob das:

Es ist immer hilfreich, bei solchen Dingen zu wissen, worüber man redet, bevor Empfehlungen gegeben werden können. Also eine Leseprobe, die Aufschluss über die Qualität deiner Schreibe gibt.
Eine Aufforderung zur Zusendung einer Leseprobe war, oder eine Relativierung. Meine Kurzgeschichte hast du hier ja schon gefunden, vielleicht finde ich demnächst die Zeit, noch etwas für die LeLu zu schreiben.

Auf jeden Fall waren deine geschilderten Erfahrungen mit BoD sehr interessant. Auch wenn es inzwischen zahlreiche Selfpublish-Distributoren gibt, scheint BoD der Standardanbieter zu sein. Ob das auch gerechtfertigt ist, habe ich allerdings noch nicht herausgefunden... :D

Beste Grüße,

Caspi
 

ARIIOOL

Mitglied
Hallo und guten Morgen,
deine Kurzgeschichte habe ich natürlich gelesen und fand sie sehr gut.
BoD hat mich nicht enttäuscht, über andere Vertriebswege kann ich nichts sagen, ohne etwas nachzuplappern. Was ich ziemlich cool fand, es gab online in der Autorenbeschreibung einen von denen verursachten Fehler. Ein Anruf, keine 2 Minuten gewartet, und eine kompetente Stimme hat es korrigiert. Eine weitere Anfrage belangloser Art wurde ebenso schnell beantwortet. Der Upload selbst war minimalistisch.
 

jon

Mitglied
Hallo Capsi,

du hast hier wenige Antworten bekommen, was in erster Linie an der Allgemeinheit, der Vielfalt und schlechten Beantwortbarkeit der Fragen liegt. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Erklärungsversuch. Ich verstehe dein Problem – „Hilfe, ich stehe vorm Wald und suche den einen richtigen Baum!“ – und versuche mal, ein bisschen Licht in die Sache zu bringen.

Punkt 1: Du hast Agenturen angeschrieben. Hätte ich auch getan. Über die Gründe der Nicht-Antwort kann man nur spekulieren. Was nun tun?
Punkt 1b: Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster: Wenn du nicht immer hanebüchenen Murks, der schon aufgrund der ersten Seite in den Papierkorb flog, eingereicht hast, wird dir meiner Vermutung nach so ein „Vorab-Kurz-Coaching für Romaneinsendungen“ nicht viel bringen. Andererseits hast du kaum was zu verlieren – 100 Euro sind nicht viel, wenn du finanziell so dastehst, dass du einen „Bezahlverlag“ bzw. Selfpublishing nicht ausschließt.
Punkt 1c: Ein „Feedback-Coaching für abgelehnte Einsendungen“ lohnt wahrscheinlich höchstens, wenn du wirklich eine Ablehnung in die Hand bekommen hast.

Punkt 2:
Vom Konzept denkbar wäre für mich auch ein Zuschussverlag, bei dem ich mich an den Kosten für Lektorat, Druck und Marketing beteilige.
Rein theoretisch kann man das machen, klar. Und natürlich gibt es immer Leute, die sich zufrieden zeigen. Praktisch ist jedoch die Chance sehr hoch, dass so ein Anbieter dein Geld nimmt, dafür aber nur mäßige Leistungen erbringt. Diese Firmen leben von dem Geld, das du ihnen bezahlst, die Einnahmen aus Buchverkäufen sind denen zwar ein nettes Zubrot aber mehr auch nicht. (Eine Spielart ist: Du bekommst erst ab dem 501. verkauften Buch (geringe) Tantiemen. In dem Fall will der Anbieter das Buch zwar ein bisschen verkaufen – aber du hast nichts davon.) Also:
Wie finde ich einen, der tatsächlich auch Interesse dran hat, mein Werk in einer entsprechenden Qualität, einer möglichst großen Leserschaft zugänglich zu machen, anstatt nur meinen Zuschuss abzukassieren?
Nur durch Hexerei. ;)

Intermezzo:
In Sachen Marketing darf man von keinem Anbieter Wunder erwarten, auch von Verlagen nicht. Es sei denn, die Entscheider wissen quasi schon, dass das Buch sich gut verkaufen wird, dann wagen sie es auch, zusätzlich Geld in die Hand zu nehmen, damit es sich grandios verkauft. Alles andere ist aus kaufmännischer Sicht zu riskant.

Punkt 3:
Also muss ein Lektorat her. Angebote gibt ja es genügend. Sogar hier in der LeLu. Aber wie finde ich das Richtige? Worauf muss ich achten?
Den richtigen Lektor/Die richtige Lektorin findest du, indem du als erstes jemanden wählst, der zu deinem Genre passt. Also nicht jemand für Kinderbücher, sondern für SF und da auch vielleicht auch nicht gerade für Military-SF. Als zweites: Nimm die Infos, die du bekommen kannst (Homepage, Werke des Betreffenden, Referenzen), und lass sie auf dich wirken. Dann höre auf deinen Bauch und bitte den/die Ausgewählte/n um ein Probelektorat. (Manche lassen es sich bezahlen und verrechnen das bei Auftragserteilung am Ende gegen das Honorar, andere bieten es kostenlos an, dann aber meist weniger Seiten.) Wenn du den Eindruck hast, ihr passt zueinander, kläre noch die Bedingungen und los geht's.

Punkt 4:
Gibt es eventuell Lektor/innen, die auch Erfahrung mit Self-Publishing haben, also Tipps für Design, Produktion, Vertrieb und Marketing geben können?
Die meisten Lektoren haben Erfahrungen, denn nicht wenige sind selbst Autoren. Die wenigsten werden aber als Coach zur Verfügung stehen, denn sie wissen zwar, was sie gemacht haben, aber nicht, ob es für dich nicht eine bessere Option gibt.
Punkt 4a: Was meinst du mit Design? Cover und Buchsatz? Dafür gibt ggf. Profis. Falls du es dir selbst zutraust: Informiere dich über die wichtigsten Anforderungen, also frage Profis oder Semiprofis.
Punkt 4b: Was meinst du mit Produktion? Da kommt es auf den Weg an, den du wählst. Willst du selbst drucken lassen (in einer Druckerei) und selbst das E-Book erstellen? Beschäftige dich damit und frag Profis oder Semiprofis.
Punkt 4c: Das Gleiche gilt für den Vertrieb und bis zu einem gewissen Grad fürs Marketing.
 

jon

Mitglied
Nachtrag:
Du hast nur von Zuschussverlagen geschrieben, die Kosten für Lektorat, Cover und Druck geltend machen. Es gibt auch welche, bei denen das Lektorat nicht automatisch im Paket ist. Am häufigsten werden aber wohl Dienstleister in Anspruch genommen, die wirklich nur (on demand) produzieren und verkaufen, bei denen du also Cover und fertigen Buchblock abliefern musst. Da bezahlst du für das Vorhalten der Daten und die "Maschinerie" - die konkreten Produktionskosten behält sich der Anbieter ein, wenn er ein Buch verkauft, du bekommst einen Anteil vom Verkaufspreis.
Inzwischen haben diese Anbieter oft auch einen Pool an Lektoren und Designern, die sie vermitteln, aber die Nutzung ist optional.
 

Caspi

Mitglied
Hi jon!

Vielen Dank auch für diese ausführliche Rückmeldung. Ich denke, das trifft es ganz gut. Inzwischen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich mich entscheiden muss, ob ich ein „Mainstream“ Buch schreibe mit einem klar zuordenbaren Gerne. Dann habe ich bei Agenturen/Verlagen eine Chance auch Geld zu verdienen. Oder es soll etwas Extravagantes sein, dann besser BoD.
 

Codecdiva

Mitglied
Ich weiß nicht, wovon ich rede, aber meine Hinweise gehören gewissermaßen zur Folklore der Schriftstellerei.

Vermutlich geht es mir wie vielen Schreibnovizen; man schreibt, tüftelt, feilt, verarbeitet Feedback aus dem Freundeskreis, bis man nach Jahren endlich zum Entschluss kommt: Fertig! Nach einer kurzen Atempause und etwas Recherche wird einem jedoch klar; der schwierigste Teil kommt erst noch: Die Veröffentlichung.
Falsches Jahrhundert. Was nicht zum Folklore gehört: Der Literaturbetrieb ist in ähnlicher Weise kaputtgegangen wie die Anheuerungspraktiken von Firmen. Verlage (FIrmen) wollen mit Manuskripten (Bewerbern) nichts mehr zu tun haben und schalten daher Agenten (Personalschacherer) dazwischen, die nach Konformismus, Schablonen und Formalitäten (Noten) entscheiden. Das hat den Effekt, dass Verlage (Firmen) nichts anderes mehr zu Gesicht bekommen als Kandidaten, die gut Schlipse tragen und nach Zahlen malen können. Das wirkt sich bereits auf die Wirtschaftsstandorte aus, würde ich sagen.

Caspi schrieb:
Für meinen Debüt-Roman
Zur Folklore gehört, dass der erste Roman zur Veröffentlichung nicht taugt, weil es noch an Übung und Gefühl für die Leserschaft fehlt. Ich kenne weder dich noch dein Manuskript, aber es ist wahrscheinlicher, dass es für dich gilt als dass es nicht gilt.

Caspi schrieb:
hatte ich blöderweise ein Nischen-Genre (Soft-SF) erwischt. Im Nachhinein betrachtet, bereue ich es jedoch nicht, da ich nach wie vor für das Konzept und die Story brenne. Und das ist für mich Allerwichtigste. Wie gesagt, „Nischen-Genre“, deshalb dachte ich mir, besser eine Literaturagentur, als direkt zum Verlag.
Das verringert deine Aussichten noch weiter.

Caspi schrieb:
Also verschickte ich Bewerbungen an verschiedene Agenturen, jede akkurat auf den Adressaten zugeschnitten. Und ihr ahnt es schon, keine einzige Rückmeldung. Und langsam frage ich mich: Liegt es an mir? Meinem Werk? Oder wie ich beide präsentiere?
Wie jugendgefährdend ist dein Romandebüt? Ich würde meine Katzengeschichte selbst binden und in Bücherschränke auf der Straße stellen und auf E-mail-Antworten warten. Ich kann das nicht machen, weil ich sonst womöglich von Eltern gelyncht werde. Bücherbinden ist relativ einfach, aber du solltest Zugriff auf einen Schraubstock haben und beim Ausdrucken "Collaten", d.h. für 8-seitige Hefte ausrucken. Kann jeder Copyshop. Auf Youtube gibt es zahllose Videos, wie man die Hefte näht, dann die Deckel anleimt. Vielleicht misslingen die ersten zwei Exemplare, aber davon kannst du eines behalten und eines herschenken.

Ich rede von so etwas. Gibt es hoffentlich auch in anderen Ländern als Österreich: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_öffentlicher_Bücherschränke_in_Wien

Caspi schrieb:
Wie viele Agenturen soll ich noch anschreiben? Oder sollte ich besser aufhören diese zu „verbrennen“ und mich vorher professionell coachen lassen?
Darüber weiß ich gar nichts, aber 100€ bis 150€ sind nicht viel. Mach dich vorher darauf gefasst, enttäuscht zu werden.

Caspi schrieb:
Die litmedia.agency bietet beispielsweise ein „Vorab-Kurz-Coaching für Romaneinsendungen“ und ein „Feedback-Coaching für abgelehnte Einsendungen“ für 100€ bzw. 150€ an. Wie seriös sind solche Angebote?
Ich zahlte 285€ und wurde nicht enttäuscht, allerdings war ich so ein Anfänger, dass mir bald jemand helfen konnte.

Caspi schrieb:
Apropos Seriosität. Vom Konzept denkbar wäre für mich auch ein Zuschussverlag, bei dem ich mich an den Kosten für Lektorat, Druck und Marketing beteilige. Doch diese scheinen nicht den besten Ruf zu haben. Wie finde ich einen, der tatsächlich auch Interesse dran hat, mein Werk in einer entsprechenden Qualität, einer möglichst großen Leserschaft zugänglich zu machen, anstatt nur meinen Zuschuss abzukassieren?
Versuch erst die Bücherschränke. Probiere es erstmal mit einem Buch. Wer es mit nach Hause nimmt, interessiert sich vermutlich schon mal.

Caspi schrieb:
Ich habe auch schon öfters gelesen, dass das „klassische Verlagswesen“ kaputt sei und man sowieso nur noch selbst Publizieren sollte.
Für 2026 wird bereits empfohlen, beim eigenen Buch alles selbst zu machen, allerdings setzen die Empfehler dabei voraus, dass man ein Gefolge auf Social Media hat. Eigene Website mit Links zum geoutsourcten Online-Shop statt Amazon E-book. Der Online-Shop übernimmt die Transaktion, aber du übernimmst das Einpacken und den Versand. Das ist, wo Self-Publishing jetzt anscheinend hin will.

Caspi schrieb:
Auch gut. Jetzt habe ich so viel Lebenszeit und Herzblut in mein Manuskript investiert, da sollte es später nicht wenigen Formalitäten zerrissen werden. Also muss ein Lektorat her. Angebote gibt ja es genügend. Sogar hier in der LeLu. Aber wie finde ich das Richtige? Worauf muss ich achten? Gibt es eventuell Lektor/innen, die auch Erfahrung mit Self-Publishing haben, also Tipps für Design, Produktion, Vertrieb und Marketing geben können?
Lektorat ist relativ günstig für Duden-Lektorat ohne Beratung, aber zu diesem Zeitpunkt müsstest du schon sicher sein, dass das Buch so ist, wie es die Leser wollen, und das ist bei einem Debüt-Roman eher selten. Im 20. Jahrhundert hätte das der Verlag für dich abgewickelt, was sogar bei Bestseller-Autoren ein DIALOG war. Davon ist heute nichts mehr übrig und so sieht das dann auch aus.

Mir tun die schlechten Nachrichten leid. Mir gefällt die Idee die Idee mit den öffentlichen Bücherschränken so gut, dass ich etwas Öffentlichkeitstaugliches vorhabe, obwohl ich von jugendfrei wenig verstehe.

Was du für deinen Debüt-Roman brauchst, sind LESER, möglichst welche, die mit dir über dein Debüt sprechen. Früher hat ein wohlmeinender Verleger für Leser gesorgt, aber heute will der Verleger gar nichts mehr machen außer deine Word-Datei an eine Druckerei zu schicken und dich mit 10% am Umsatz zu beteiligen. Du musst sogar dein Publikum von Social Media mitbringen, möglichst 100.000 Follower. Verleger sind daher ein Auslaufmodell, ein gerade noch lebendes Fossil aus der frühen Aufklärung.

Ich rate davon ab, sich in Unkosten zu stürzen. Eine unerprobte Idee ist, Leseproben auf der Straße, in Bibliotheken und auf Veranstaltungen zu verteilen und den Link zum kompletten Roman am Internet mit hinein zu drucken. Nach und nach Exemplare herzuschenken ist vielleicht die billigste Art, zu den ersten Lesern zu kommen. Eine relativ konventionelle Idee, bei der mir noch schleierhaft ist, wie das funktioniert: Öffentlich vorlesen, aber dafür brauchst du einen Rahmen oder musst selbst etwas organisieren. ICH PERSÖNLICH WÜRDE ZEHNMAL LIEBER AUF DER GASSE FREMDEN MENSCHEN MEINE MANUSKRIPTE AUFDRÄNGEN ODER MIT VERANSTALTERN UND AVANTGARDE-GALERISTEN TELEFONIEREN ALS MICH MIT VERLEGERN, SELF-PUBLISHING-HAIEN ODER AGENTEN HERUMZUSCHLAGEN.

Caspi schrieb:
Viele Fragen also. Danke, dass du bis hierhin durchgehalten hast. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir einen Kommentar dalassen könntest. Egal aus welcher Perspektive. Manchmal hilft auch schon ein, „Ja, geht mir genauso“. :)
Ja, geht mir genauso. Merke: Frei ist ein Autor nur OHNE Leser!

Hat jemand zu alldem eine Meinung, möglichst jemand mit Erfahrung in derlei Dingen?
 
Hat jemand Zahlen, wie sich der Erfolg von Selbstpublishern gegenüber old school-Herangehensweise über Belletristik-Verlage entwickelt? Wieviele Werke solcher fleißigen Autor*innen setzen sich denn am Markt erfolgreich durch, dass man interessant wird für die Steuerbehörde? Ist da wirklich schon Bewegung im Literaturbetrieb?
Ich bin da unendlich skeptisch.
Viel spannender finde ich Arbeit in Literaturkreisen, Lesungen, poetry slams, litzines und ähnliche Ansätze.
 

jon

Mitglied
Hat jemand Zahlen, wie sich der Erfolg von Selbstpublishern gegenüber old school-Herangehensweise über Belletristik-Verlage entwickelt? Wieviele Werke solcher fleißigen Autor*innen setzen sich denn am Markt erfolgreich durch, dass man interessant wird für die Steuerbehörde? Ist da wirklich schon Bewegung im Literaturbetrieb?
Jain. Es gibt sicher Zahlen über den Börsenverein des Buchhandels, die dürften aber den Bereich der Selfpublishing-Bücher nicht mit abbilden. Es gibt keine Stelle, so Selfpublisher ihre "Erfolge" hinmelden, am ehesten noch ans Finanzamt. Das rückt solche Zahlen aber natürlich nicht raus.

KI sagt:
Ein Selfpublisher gilt bereits ab ca. 250–500 verkauften Exemplaren über die Lebensdauer eines Buches als „durchschnittlich erfolgreich“, da 90 % der Bücher weniger als 100 Exemplare verkaufen.
Das deckt sich mit den Zahlen, die mir in diversen Foren untergekommen sind. Das mit den 90 % erscheint mir auch glaubhaft.

Über Verlagsbücher sagt die KI, dass bei kleinen Verlagen "Erfolg" bei 1.000 verkauften Exemplaren anfängt (was ganz sicher je nach Verlag und Genre mehr oder weniger stark übertrieben ist - generell erscheint es mir aber glaubhaft), bei den großen ab 3.000 (da wage ich keine Aussage über die Glaubhaftigkeit).


Ob ein Autor fleißig ist, hat kaum etwas mit den Verkaufserfolgen des einzelnen Buches zu tun. Die Steuerbehörde interessiert auch nicht die Verkaufszahl des einzelnen Buches, sondern nur, was der Autor in der Summe durch den Buchverkauf einnimmt.

Was für Bewegung meinst du? Ob Selfpublishing lukrativer als Verlagsveröffentlichungen sein können? Ja. Ich habe hin und wieder von SPler gehört/gelesen, dass Verlage auf ihren Erfolg aufspringen wollen, was sie in der Regel ablehnen, weil es sich finanziell nicht lohnt. (Es gibt auch welche, die nehmen an, weil ihnen die Aussicht auf weniger "Nebenarbeiten" gefällt und sie sich lieber wieder ganz aufs Schreiben konzentrieren möchten.)
 

jon

Mitglied
Es ist nicht das Wort, das dich stört, oder? Das Wort ist aus Wikipedia. Dir gefällt die Idee mit dem Bücher herschenken nicht, oder? Ich finde gut daran, dass man zu Leserschaft kommt, die liest, aber nicht online.
Stell dich doch nicht dumm. Oder bist du es? Du empfiehlst Bücherschränke als Mittel des Bücherveröffentlichens (denn darum geht es hier). Dass man das Buch erst veröffentlichen muss und dann erst in den Bücherschrank stellen kann, solltest selbst du begreifen.
 

Codecdiva

Mitglied
jon schrieb:
Stell dich doch nicht dumm. Oder bist du es?
Bin ich.

jon schrieb:
Du empfiehlst Bücherschränke als Mittel des Bücherveröffentlichens (denn darum geht es hier). Dass man das Buch erst veröffentlichen muss und dann erst in den Bücherschrank stellen kann, solltest selbst du begreifen.
Nein. Der Bücherschrank IST die Veröffentlichung. Dafür habe ich Selberdrucken und -binden empfohlen. Kostet Zeit, aber dafür sehr wenig Geld.

jon schrieb:
Nicht für mich. Ich stelle dich hiermit auf ignore,
Bitte tue das nicht. Bücherschrank-Vorfall ist ein Missverständnis.

jon schrieb:
weil deine Unfugäußerungen(*) einfach nur nerven. (Wie dein unter einem Info-Text von mir, dass "basieren" kein "literarisches" Wort ist.)
"Kein literarisch" war höflich für "schlecht". Es ist eine sehr schlechte Übernahme aus dem englischen "based on". "Beruht" ist superdeutsch und wird sogar von ganz kleinen Kindern verstanden, weil sie wissen was "beruhen" oder wenigstens "ruhen" heißt. Werbetexter, wenigstens gute, verwenden "basiert" nicht, weil es zu spät im Leben gelernt wurde und daher nicht direkt "im Herzen" verwurzelt ist. Das Wort "basiert" ist bloß vorübergehend modern. "Beruht" ist zeitlos. So war "kein literarisch" gedacht. "Basiert" haben Chefs als kalifornoide Imponiervokabel eingeführt. Es ist ein Wort, so wie "Geronimo's Cadillac" Musik ist. Damit will ich sagen, dass man mit "basiert" durchaus auch Geschmacksurteile verknüpfen kann, deren Opfer du dann wirst bei intellektuellen Snobs. Ich bin sensibel für so etwas, weil ich von intellektuellen Snobs und Geschmacksmafiosi umgeben bin.

Uuund... a propos vorübergehend modern. Laut Google Ngrams ist "basiert" bereits am Weg auf die falsche Seite der In-/Out-Liste:
 

Nina H.

Mitglied
Zum Ursprungsthema: Ich glaube, "coachen" ist mehr als nur ein bisschen übertrieben. Es ist im Grunde genommen ein wenig Korrektorat/Testlesen/Lektorat, wahrscheinlich was dazwischen. So richtig coachen wie man das aus dem Spitzensport kennt, wird für einen Autor nicht drin sein. Ein Mensch muss ja auch etwas darauf achten, auf einen vernünftigen Stundenlohn zu kommen. Also wen richtig an die Hand zu nehmen und was weiß ich für Tipps zu geben ... tja.

Aber gut, was auch immer das ist: Per se ist es nicht unseriös, aber die Kombination, jemanden erst mit einem möglichen Agenturvertrag anzulocken und dann so ein Angebot zu unterbreiten, ist es meiner Meinung nach schon!

So Argumente wie "Das klassische Verlagswesen ist tot" - wenn man zu Thalia geht, was steht da im Regal? 1000 Bücher von Self-Publishern oder doch von klassischen Verlagen? - Die Antwort kann jeder leicht selbst rausfinden. Und am besten ist man auch ehrlich: Was liest man denn selbst so? - Ich muss gestehen, da ich selbst schreibe, versuche ich oft bewusst, Bücher kleinerer Verlage zu lesen - die aber auch ein "klassisches" Modell verfolgen, sprich keine Zuzahlung von Seiten des Autors. Selfpublishing sehr selten. Zuschussverlage gar nicht, wobei Stichwort offener Bücherschrank: Ich habe mir da einen SF-Roman von einem Unternehmen (Verlag will ich das nicht mal nennen) mit Zuschussmodell mitgenommen. Ich liebe SF und mir kam der Titel aus diversen Internetforen, wo der Autor unterwegs war, bekannt vor, also war ich neugierig. Zunächst mal war vorne was rausgerissen. Ich gehe mal davon aus, dass da mal die Widmung des Autors an einen Freund/Angehörigen drin stand. Also wurde das Buch wohl nicht gekauft. Inhaltlich, tja ... na ja ... hm ... gut, eine Erfahrung reicher, um es mal diplomatisch auszudrücken.
 

ARIIOOL

Mitglied
Die ignor Peitsche hat wieder geknallt. So what ...
Wenn du von deinem Manuskript überzeugt bist, und nur dann, solltest du es selbst veröffentlichen und bei Amazon bewerben. Wenn es dir denn wichtig ist, dass es anderen auch gefällt.
 



 
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