reise auf dem morgen-meer

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HerbertH

Mitglied
reise auf dem morgen-meer

vorbei an den lampen der nächtlichen fischer
zieht die fähre ihre schillernde bahn
turmhoch in der ferne die dächer
an den lagunen

lotsengeleitet gleitet sie bis hin
zu den fenstern der paläste
dächer breiten sich unter den decks
aus wie die bugwellen

sie rollen träge an die mauern
die vaporettos tanzen

warum nur singt hier kein muezzin?
 
Hallo Herbert H,

ich habe das Gedicht gestern gelesen und schon da hat es mir gefallen - allerdings blieb ich auch, den Sinn betreffend, ein wenig ratlos zurück. Das lag aber nicht an deinem Gedicht, sondern an meiner Unwissenheit, denn ich musste Muezzin erst googeln. Das Gedicht mit einer Frage zu beenden ist eine gute Idee, zumal Du dir die Antwort schon gegeben hast.

Sehr nachdenklich stimmende und fein gesponnene Zeilen.

Gruß, A.D.
 

HerbertH

Mitglied
Liebe A.D.

auf den muezzin spielt ja der Titel indirekt an. Die Stimmung habe ich selbst erlebt, es war traumhaft schön.

Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Mary,

es gibt zwei Gründe:
* Venedig und der islamische Raum/Türkei haben sehr viel
gemeinsame Geschichte. Wenn die eine oder andere (See-)Schlacht
anders ausgegangen wäre, würden in Venedig vielleicht mehr
Moscheen als Kirchen stehen (geschichtliche Phantastik :))
* Die Fähre reist über das Morgen-Meer in ein Land am Morgen.
Bei Morgenland assoziieren wir aber doch eher den arabischen
bzw. islamischen Raum...

Ausserdem war meine Assoziation zum Morgenland die von 1001 Nacht und den wunderbaren Märchen. Dies passt zu der Athmosphäre, die ich darstellen wollte.

Liebe Grüße

Herbert
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Herbert,

ich würde die Aussage sogar auf die Spitze treiben und mit einer Feststellung enden:

hier singt kein Muezzin

Liebe Grüße
Manfred
 
Hallo Herbert,
mich hätte es sehr irritiert, wenn vom Campanile plötzlich der Ruf des Muezzins ertönt wäre.
Ich habe die Gesänge der Gondolieri vermisst.
Ich akzeptiere aber, dass du das so empfunden hast.
Dein Gedicht gefällt mir sehr. Ein wunderbares Stimmungsbild.
Viele Grüße
Marie-Luise
 

Cellist

Mitglied
Lb. Herbert,

du hast hier wunderbar eine Stimmung und Situation eingefangen. Der Muezzin kommt sicherlich daher, dass das LI sich in ein bestimmtes Land, eine bestimmte Gegend versetzt fühlt bei diesem intensiven, sehr innigen Erlebnis.

Einzig das
zieht die fähre ihre schillernde bahn
gefällt mir hier nicht so recht. Die "schillernde Bahn" scheint mir hier etwas "lieblos" eingearbeitet. Ist mir zu gewöhnlich, zu altbacken und bleibt daher ein schwaches Glied im Text. Ist aber sicher Geschmackssache.

LG
Bernd
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Manfred,

danke für die Rückmeldung. :)

Deine Variante der muezzin-Zeile könnte man aber ganz anders verstehen als ich es gemeint habe.
Ich werde es erstmal bei meiner Variante belassen.

Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Mary,

ich kann schon verstehen, dass Du die Gondoliere vermisst :)
Als die Fähre einlief, war aber keiner von ihnen zu sehen, es war noch zu früh, denke ich.

Dass Dir dieses Gedicht trotzdem so gut gefällt, freut mich natürlich :)

Danke für lobenden Worte und die hohe Wertung!

Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Bernd,

über die "schillernde bahn" habe ich auch lange nachgedacht. "glitzernde spur" wäre eine Alternative, die aber wohl auch von Deiner Kritik betroffen gewesen wäre.

Ich wollte ein mir stark in der Erinnerung gebliebenes Bild einfangen, in dem die Lichter der Fischerboote die von der Fähre stammenden Wellen mit Lichtreflexen versahen und man von Deck ein lautlos schönes Schauspiel darin sehen konnte ... die eher monotonen Geräusche des Schiffdiesels filtert man leicht aus dabei, wurden sie doch von einer leichten Brise verweht.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich werde über die Stelle nochmal nachdenken. Aber ob mir etwas Besseres einfallen wird? Vorschläge wären mir willkommen :).

Gut, dass das Gedicht sonst Dein Gefallen gefunden hat, das freut mich.

Danke für die positive Kritik

Liebe Grüße

Herbert
 

anbas

Mitglied
schillernde spur
funkelnde spur
funkelnde bahn
...Kurs...


...nur mal ein wenig "laut" gedacht...

Liebe Grüße

Andreas
 

HerbertH

Mitglied
reise auf dem morgen-meer

vorbei an den lampen der nächtlichen fischer
zieht die fähre ihren funkelnden kurs
turmhoch in der ferne die dächer
an den lagunen

lotsengeleitet gleitet sie bis hin
zu den fenstern der paläste
dächer breiten sich unter den decks
aus wie die bugwellen

sie rollen träge an die mauern
die vaporettos tanzen

warum nur singt hier kein muezzin?
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Andreas,

danke für die Anregungen. Es ist der "funkelnde kurs" geworden.
Gefällt mir jetzt selbst noch besser :)

Liebe Grüße

Herbert
 
Hallo Herbert,
ich trauere der "schillernden Bahn" nach.

Zieht man überhaupt einen Kurs?

Man hält ihn, man verlässt ihn, aber zieht?

Frohe Pfingsten wünscht dir
Marie-Luise
 

Cellist

Mitglied
Wie man der "schillernden Bahn" nachtrauern kann, verstehe ich nun wirklich nicht. Allerdings stimme ich zu, dass man einen "Kurs" hält und nicht zieht. Der "funkelnde Kurs" ist auch noch nicht ganz glücklich nach meinem Geschmack. Lb. Herbert, vielleicht hast du dich hier etwas zu sehr festgelegt und kommst da nicht mehr heraus? Ich kenne das ... ;)

Vielleicht ganz einfach

hält die fähre ihren kurs
Ich weiß aber nicht, inwieweit das nun zu deinen Intentionen passt?

LG
Bernd
 
Herbert schrieb wohl "schillernde Bahn", weil er auf die sich im Wasser spiegelnden Lichter aufmerksam machen wollte. Das hat mir gefallen, wenn es dir, Cellist auch unverständlich ist.

Gruß
Marie-Luise
 

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