Rückschnitt

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Die Minze ist schwarz
an den Rändern.
Zwischen den Stängeln
Spinnfäden,
an denen Nässe hängt.

Ich schneide zurück,
was über den Topf wuchert.

So tief im Jahr
noch ein grünes Inneres,
feucht
an der Schnittstelle.

Du strichst im Vorübergehen
mit der Hand darüber.
Lange blieb Duft
an allem,
was du berührtest.

Ich zerreibe
das letzte Blatt.

An meinen Fingern
stirbt der Geruch
des Sommers.
 

wiesner

Mitglied
Die letzte Strophe will mir auch das Ende einer Liebe zeigen ...
Aber Zurückschneiden genügt oft für das Neue.
Das Wuchern über den Topf (hinaus) - ein wacher Interpretationsraum ... sehr gut!

Ein schönes Gedicht!

Gruß
Béla
 
Lieber Béla,

wie schön, dass du so aufmerksam in das Gedicht hineinliest. Das Ende einer Liebe klingt in der letzten Strophe durchaus mit. Deinen Gedanken, dass ein Rückschnitt auch Raum für Neues schafft, mag ich sehr – das grüne Innere ist ja noch da.

Und dass du gerade im Wuchern über den Topf hinaus einen offenen Deutungsraum findest, freut mich besonders. Danke für deine warmen Worte und die Sterne, natürlich!

Liebe Grüße
Chandrika
 

Ubertas

Mitglied
Liebe Chandrika,

jetzt sitze ich erneut vor deinem wunderbaren Gedicht und mag dir ein paar meiner Gedanken dazu schicken.
Mir gefällt dein genaues Beobachten. So wie sich die erste Strophe entfaltet, setzt sie sich unwillkürlich als Bild in einem fest. Der Minztopf mit beschädigtem Blätterrand, er wird sichtbar. In ihm Spinnfäden und Nässe wie Tautränen, gesäumt von einem schwarzen Rand. Das Zuviel wird beschnitten, doch trotz des Eingriffs, des Rückschnitts, verbleibt etwas Lebendiges, selbst so tief im Jahr. Eine Schnittstelle, die zwar Blätter nimmt, aber nicht das Innere. Jemand anderes kehrt in diese Erinnerung ein, ist Teil der eigenen. Ein Augenblick, der im Vorübergehen etwas streifte, diesen Duft wahrnahm, ihn aufnahm und auf alles übertrug, was in Berührung war, in Verbindung mit ihm. Zwei Kräfte treten auf, die eine zerrieben, die andere noch grün, beide im Vergehen des Sommers.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Es liegt eine wesentlich größere Energie in deinen Worten. Ein Gedicht, das mit jedem neuen Lesen etwas kaum Berührbares freilegt, minutiös.

Liebe Grüße,
ubertas
 
Liebe ubertas,

wie schön, dass du noch einmal zu meiner Minze zurückgekehrt bist und dir so viel Zeit für sie genommen hast. Deine Gedanken und deine Gedichte faszinieren mich immer.

Besonders dein Satz über die Schnittstelle, die Blätter nimmt, aber nicht das Innere, ist mir wichtig. Auch wie du der vorübergehenden Hand und dem Duft nachgehst, lässt mich die Verse noch einmal neu lesen.

Es bedeutet mir viel, dass du dem Gedicht so nahe kommst und ihm zugleich sein kaum Berührbares lässt. Danke für dieses aufmerksame, liebevolle Lesen – und dafür, dass du mich daran teilhaben lässt.

Sei herzlich gegrüßt
Chandrika
 



 
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