Scheißwetter (Sonett) (gelöscht)

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anbas

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Lieber Walther,

ich habe in den letzten Tagen dieses Sonett schon mehrfach umkreist. Die Grundidee und das Bild gefallen mir. Da ist eine Melancholie mit einem Lächeln am Ende, die mich anspricht.

Wa die Machart betrifft, so gibt es aus meiner Sicht - für ein "Walther-Sonett" ;) ungewohnt - viele Stellen, die ich als nicht so gelungen empfinde.
furchtbar schrein
Auch nach mehrmaligen Durchlesen finde ich, dass "furchtbar" irgendwie nicht wirklich passt.
Ich denke mirs ins
Klingt für mich überhaupt nicht gut - und dann kommt kurz danach noch ein "ichs", was dem schlechten Klang endgültig das "s" aufsetzt (s = störend - und nichts anderes ist gemeint :D)

Den Metrikwechsel von Strophe 1 nach 2 kann man machen, bringt mich beim Lesen aber jedes Mal aus dem Tritt. Wenn das so gewollt ist, kann ich damit leben - auch wenn meine Begeisterung sich in Grenzen hält ;).

Und dann ist da noch das erste Terzett, das ich als viel zu kompliziert und umständlich empfinde, so dass ich beim Lesen jedes Mal kurz davor bin auszusteigen.

Aufgrund der schönen Grundidee finde ich es insgesamt schade, dass das Sonett - für mein Empfinden - sprachlich so abfällt.

Liebe Grüße

Andreas
 

Walther

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Hi anbas,

danke für deinen kommentar. s1v3 habe ich geändert - klingt in der tat besser so.

das metrum paßt perfekt. ich habe es markiert, aber auch beim schreiben schon mehrfach geprüft gehabt.
Ich schreibe langsam auf die Fensterscheibe
xXxXxXxXxXx
In meinen Atemnebel das hinein,
xXxXxXxXxX
Was die Gedanken in mir beinah schrein:
xXxXxXxXxX
Und dann verwische ich schnell das Geschreibe.
xXxXxXxXxXx

Ich denke mirs ins Wolkenhimmelgrau,
xXxXxXxXxX
Wie ich das Schlechte aus der Welt vertreibe,
xXxXxXxXxXx
Bis ichs mir aus den müden Augen reibe.
xXxXxXxXxXx
Und dann weiß ich schon nicht mehr so genau,
xXxXxXxXxX

Was ich denn alles besser machte, ließ
xXxXxXxXxX
Man mich es tun, was man nicht tut, und denke,
xXxXxXxXxXx
Ich hauche jetzt die Scheibe nochmal an
xXxXxXxXxX

Und schreibe nochmal, was ich ändern kann.
xXxXxXxXxX
Ich male dir ein Herz, das ich dir schenke,
xXxXxXxXxXx
Und hoffe, dass ich nicht auch dich verdrieß.
xXxXxXxXxX
das ist klassischer fünfhebiger jambus mit wechselnden männlichen und weiblichen kadenzen.

die frage, die sich dir stellt, ist, wenn man das gedicht laut vorträgt. m.e. beantwortet. durch die formulierung der enjambements gewinnt das gedicht an geschwindigkeit und bereitet das letzte verspaar vor.

auf diesen effekt ist die formulierung ausgerichtet. und der kniff funktioniert, ich hab's bereits mehrfach getestet.

dieser widerspruch ist aus meiner sicht nicht dadurch auflösbar, daß ich die terzette neu fasse (das wäre die konsequenz deiner überlegungen), weil ich dann den effekt, den das gedicht braucht, zerstören würde. wenn es keine lösung gibt, die beides zusammenbringt, werden wir hier nicht zusammenfinden, leider.

lieber gruß W.
 
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