SONETT ZUM AUFWÄRMEN

Manfred Ach

Mitglied
Im Oberstübchen wird es langsam heiß,
die Wunderwörter tanzen ihren Tanz,
der Hexenmeister wedelt mit dem Schwanz,
der Sturm wirft deinen Syntaxzug vom Gleis.

Der Clown schminkt sich die Wangen rot und weiß,
ein Cuba libre gibt den Lippen Glanz.
Spendiert dem Totgesagten einen Kranz!
Der Saufkopf schlittert über Hochzeitsreis.

Daneben geht nun alles, aber wie!
Der Fenstergucker schaut so blöd wie nie.
Die Welten wackeln allesamt und krachen

auf unsern Kopf herab mit tausend Sachen.
Danach (wart’s ab!) verziehn sich Rauch und Schall.
Nur tief im Flieder flennt die Nachtigall.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Dein Sonett gefällt mir. Ich habe folgende Variante geschrieben, Dir zur Ehre

Nachdem die Nachtigall im Flieder flennt
und Rauch und Schall sich abgrundtief verziehn,
die Welt den Kopf in tausend Stücke trennt
und krachend wackelt, dass die Steine fliehn,

nachdem die Fenstergucker blöde schauen,
der Saufkopf schlitternd auf den Nachbarn fällt,
die Todgesagten einen Tanz versauen,
und Cubra libre Lippenglanz enthält,

nachdem der Hexenmeister leise wedelt
den Schwanz, und Wunderwörter Zeiten wandeln,
nachdem der Syntaxzug die Wörter fädelt
und dunkle Töne dementsprechend handeln,

wird es im Oberstübchen langsam heiß,
der Meister grübelt: Ohne Fleiß kein Preis.
 

Manfred Ach

Mitglied
Danke, Bernd

So was nenn ich eine intelligente Retourkutsche. Selten eine so kreative Antwort bekommen. Merci vielmals!
Manfred
 

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