Spiel mit dem Feuer

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Spiel mit dem Feuer
von Willi Corsten

Ein armer, kleiner Tropf
mit einem rotem Kopf
schlummert still und fein
oben an dem Hosenbein.

Er ruht dort unentdeckt
bis Maritzebill ihn weckt
weil sie wieder ungerührt
hemmungslose Lust verspürt
und dabei ohn‘ Erbarmen
benutzen will den Armen.

Sie holt den Kleinen eilig raus
aus seinem dunklen Schlummerhaus
streicht ihn gleich mit viel Bedacht
mal zärtlich und mal grob und hart.

Weil er zögert und nicht will
schimpft erzürnt Maritzebill
erlebt dann plötzlich fasziniert
wie er förmlich explodiert
erregt beginnt der Kopf zu glühen
und wilde Hitze zu versprühen.

Sie starrt verlangend auf den Spund
und führt ihn freudig an den Mund
kann nun endlich ihren Willen
lustvoll mit dem Kleinen stillen.

Doch große Vorsicht ist geboten
mit dem Männelein, dem roten
denn behandelt man ihn ungeschickt
ist sogleich sein Stängelchen geknickt
und schnell erloschen ist der Stolz
von dem kleinen Schwefelholz.
 
R

Rote Socke

Gast
Köstlich willi!!!

Ach, Maritzebill ist so zum schrei'n
gewährt keine Zartheit diesem Männelein!

Sehr amusant. :)

Doch willi, würde es in der 4. Strophe nicht besser klingen, aus dem "glühen" ein "glühn'" und aus dem "versprühen" ein "versprühn'" zu machen???
 
Hallo mein Freund,

mir fällt ein Stein vom Herzen. Dachte schon, für dieses rotzfreche Gedicht Prügel zu bekommen.
Du hast Recht. Die vorgeschlagenen Änderungen klingen besser. Vielen Dank!
Lieb grüßt Dich
Willi
 
*a la bonne heure . . . selten hab´ ich mich so amüsiert wie mit maritzebill*

hallo lieber willi

ein schelm der hintergründig dabei denkt . . .

es sind oft die kleinen dingen im leben, die uns die meiste freude bereiten . . . :D:D:D

liebe grüße

fredy
_______________
rotzfrech . . . gewitzt . . . vergnüglich . . .
solche texte sollte man im leben öfter mal zur hand haben . . .
wie sollt´ ich sonst das grinsen erklären, das mich heute den ganzen tag begleitete ;)
 
Lieber Fredy,
ist mir eine große Ehre, das Lob aus deiner Feder.
Unter uns gesagt, war gar nicht so einfach, die passenden Worte zu finden, die sowohl auf die eine Sache zutreffen, als auch auf die andere.

Weiterhin frohes Grinsen
wünscht dir
Willi

PS. die Anspielung auf die kleinen Dinge war gut. Selbst schuld, wer böses dabei denkt.
 
R

Rote Socke

Gast
@willi und @fredy

Seid mal nicht so bescheiden ihr beiden Künstler, denn Ihr beide habt die wunderbare Begabung für jedes Thema die passenden Worte zu finden.
Wenn ich dann erst mal so weit bin, oh fredy, dann wird die Klinge gewetzt. Erinnerst Du Dich?

Gruss in diese Runde
RW (Der rote Wortesucher)
 
J

Jasmin

Gast
Schwieriges Thema

Lieber Willi!

Da hast du dir ein schwieriges Thema ausgesucht. Das nun in Versform, sich reimend, moeglichst parallel aufgezogen, mit Humor und Taktgefuehl zu entwickeln ist nicht einfach. Einige Stolperstellen gibt es vielleicht, ich weiss nicht, ob es dir beim lauten Lesen aufgefallen ist, aber ich denke, das es dir trotzdem recht gut gelungen ist.

Liebe Gruesse
 
Danke, Jasmin

war ja auch nur ein verspieltes Experiment mit Worten.
Zu Betonung: Wenn man den Text gut kennt, kann man kleine sprachliche Unebenheiten ausbügeln. Doch wann trägt man so etwas einmal öffentlich vor?

Es grüßt dich lieb
Willi
 
J

Jasmin

Gast
Re: Danke, Jasmin

Ursprünglich veröffentlicht von Willi Corsten
war ja auch nur ein verspieltes Experiment mit Worten.
Zu Betonung: Wenn man den Text gut kennt, kann man kleine sprachliche Unebenheiten ausbügeln. Doch wann trägt man so etwas einmal öffentlich vor?

Es grüßt dich lieb
Willi
Lieber Willi,

als Wortexperiment ist es ja auch gelungen.

Zum Vortragen: Da muss ich schmunzeln. Also, ich koennte den Text nicht vortragen und wenn ich mir vorstelle, ich sollte "Lou" vorlesen. Mein Gott, ich wuerde vor Scham im Boden versinken. Ich hoffe, das wird nie von mir verlangt...
(Die Geister, die ich rief...)

Herzlichen Gruss
von
 
Hallo Jasmin,
Ätsch, ich habe also die besseren Karten. Ich kann das Gedicht notfalls in der Öffentlichkeit pantomimisch vorführen.
Und Du ???

fragt sich ein lachender
Willi
 
J

Jasmin

Gast
Pantomime?

Lieber Willi!

Du machst es dann bestimmt mit dem Streichholz, ja? Das koennte ich zur Not auch noch...;)

Es gruesst dich herzlich
 
Liebe Jasmin,
ich meinte eigendlich den Vergleich zwischen unseren beiden Texten. Daher meine 'besseren Karten' beim Pantomimespiel.
Ich muss dir trotzdem neidlos Anerkennung zollen. Hast dich nämlich überaus gekonnt aus der Affäre gezogen.

Allerbeste Grüße
Willi
 
J

Jasmin

Gast
Ach so!

Lieber Willi!

Ich verstehe...
Na gut, ich koennte meins auch pantomimisch vortragen, so ist das nicht. Aber peinlich waers schon...;)

Lieb gruesst
 
Liebe Jasmin,

ich glaube, wir ersparen uns die Peinlichkeit. OK?
Etwas anderes: Im Trubel der letzten Tage habe ich doch glatt vergessen, dich nach den 'sprachlichen Stolperfallen' im Gedicht zu fragen. Allgemeine Hinweise helfen ja wenig, da brauche ich schon Details. Mir, als Autor, fallen die Fehler ja nicht auf, sonst hätte ich sie verbessert.
Bin also dankbar für jeden Tipp.

Es grüßt dich lieb
Willi
 
J

Jasmin

Gast
Ursprünglich veröffentlicht von Willi Corsten
Spiel mit dem Feuer
von Willi Corsten


Lieber Willi!

Hab deinen Text noch einmal intensiv gelesen. Ich denke, in sich sind die einzelnen Strophen eigentlich geschlossen, wenn man nicht allzu streng ist. Was mich wohl gestoert hat, ist der Rhythmuswechsel von der einen Strophe zur anderen. Aber das ist wohl Absicht, oder?

Liebe Gruesse
 
R

Ruth-Marion Flemming

Gast
Hallo Willi,

zunächst habe ich geschmunzelt, dann laut gelacht! Geschmunzelt über das Gedicht, laut gelacht, weil Du gerade mich hier nach Ausgewogenheit usw. fragst. Nun gut, ich will es wenigstens versuchen:

Ein grundsätzliches Problem hinsichtlich Ausgewogenheit liegt zweifellos im Objekt der Thematik selbst. Aber das ist gewissermaßen auch das Spannungsfeld, das den Anfang und das Ende zusammenhält, verbindet. Dem naturgemäß etwas müde wirkenden Beginn steht – vielleicht ist hier der Gegensatz etwas zu ausgeprägt – ein Ende des erhobenen Zeigefingers gegenüber. Auch die Gewichtung der ersten und letzten Strophe erscheint mir allein schon vom Umfang her ein bißchen zu schwerlastig zu Gunsten des Endes. Was mich mit am meisten stört ist, daß Du auf der einen Seite von „förmlich explodieren“, auf der anderen von „Stängelchen“ sprichst. Das beißt sich irgendwie. Die eine oder andere Verszeile holpert zwar. Allerdings empfinde ich das nicht unbedingt als nachteilig. Ganz im Gegenteil, ich sehe darin mehr eine gewollte Vermenschlichung der Szene. Das verleiht dem gesamten Gedicht daneben einen Hauch von Spontaneität, wie er ja auch im Text selbst zum Ausdruck kommt. Hier sieht nichts gestellt aus. Besonders gelungen finde ich den ständigen Wechsel der Zeilen je Vers zwischen vier und sechs. Dabei wäre zu überlegen, ob es der Entwicklung des Geschehens nicht entgegenkommen würde, den mittigen Vers nicht durch Erhöhung der Zahl der Verszeilen, dagegen durch deren Verlängerung eine individuellere Note zu geben. Indes, das ist – wie meine übrigen Bemerkungen – allein eine Frage des Geschmacks. Hier sollte man sich auf jeden Fall vor überzogenen Erwartungen hüten. Da fällt mir noch ein: Der rote Kopf erinnert mich ein wenig an einen hochaktiven Choleriker, der zudem zu lange in der Sonne lag.

Ich glaube, das wäre es im wesentlichen, was ich im Moment zu sagen hätte. Natürlich könnte man an der einen oder anderen Stelle weiter in die Tiefe gehen. Ich glaube allerdings nicht, daß dies die insgesamt praxisbezogen handwerkliche, auffallend plastische Darstellung in ihrer Aussagekraft wesentlich verbessern würde. Ich hoffe, daß ich Dir mit meiner Beurteilung, die vielleicht ein wenig ungezwungen kritisch ausgefallen ist, ein bißchen helfen konnte. Sollte das Gedicht in voller oder gekürzter Länge als Buch erscheinen, ich mache gerne die Besprechung!

Mit tolerantem Gruß
Ruth
 
Vielen Dank, liebe Ruth.
Ich will versuchen, Deine Vorschläge in die Endfassung einzubauen.
Wird ein gutes Stück Arbeit, doch mir bleibt ja das ganze Wochenende Zeit dazu.
Apropos ein Buch daraus machen. Ich versuche zuerst einmal, den Text im Pfarrbrief unterzubringen. Die haben nämlich schon einige Sachen von mir abgedruckt.
Es grüßt Dich ein schmunzelnder
Willi
 
Bravo !

für die ausgezeichnete Idee der Schlüpfrigkeit, die der Mensch den Dingen zu verleihen imstande ist!

für die Wehmut, die sich in dem herrlich "altmodischen" (an das Kabarett der frühen Tage erinnernden) Text verbirgt (RETTET DIE ROTEN WICHTELMÄNNCHEN!)

und nicht zuletzt für die geniale Namensgebung "Maritzebill" !!!

Gekonnt, Willi - ein gutes Gedicht!!!
(wenn auch nicht von dieser Zeit; hast wohl ein bischen den alten Meistern über die Schulter geschaut?)

Birgit
 
Liebe Birgit,

du hast dein Kompliment in wunderschöne Worte gekleidet.
Darüber freue ich mich sehr.
Übrigens: Den Spruch unter deinem Namen finde ich toll. Habe ihn gleich in meine Sammlung aufgenommen.

Liebe Grüße und ein geruhsames Wochenende
wünscht dir
Willi
 

La Luna

Mitglied
*räusper....

Und fasst du es mit Ungeschick
und's Stenglein bricht entzwei,
so ist dieses ein großes Glück
Die Gier ist bald vorbei. :cool:


Liebe Grüße
Julchen
 

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