Strawberry fields forever

Michele.S

Mitglied
Paul saß sehr tief in dem weichen, ledernen Beifahrersitz. Die Autofenster waren weit geöffnet und ein frischer Luftzug machte die Hitze im Wagen erträglich, fast angenehm.
Seine Mutter drehte das Radio auf und zündete sich eine Zigarette an.
Es spielte "Hey Jude", einer seiner Lieblingslieder.
Vor allem das Ende mit "Na na na nananana" musste er immer mitsingen.
Aber so richtig genießen konnte er das Lied heute nicht. Er war auf dem Weg zur Kirche.
In der Kirche sagten viele, "Die Beatles" seien ein Sprachrohr des Teufels.
Der Pfarrer sah das nicht so streng.
Pfarrer Fischer galt im Ort und noch weit darüber hinaus als eine Art moderner Heiliger. Er lebte äußerst bescheiden, fast ärmlich und fuhr das älteste Auto weit und breit. Er gab fast alles was er besaß für gute Zwecke, vor allem nach Afrika. Er war selber oft in Afrika unterwegs und hatte zahlreiche Initiativen gegen Hunger und Malaria ins Leben gerufen.
"Kannst du bitte den Sender wechseln? Ich kann das Lied nicht mehr hören", log Paul.


Später wartete Paul mit einer Gruppe von acht anderen Jungen seines Alters auf dem Rasen vor der Kirche auf den Pfarrer.
Sie machten eine Menge Lärm, redeten wild durcheinander und lachten.
Nur Dieter stand etwas abseits. Manchmal lachte er mit, aber es klang eher gezwungen.
Lutz war jetzt auf ihn aufmerksam geworden.
"Hey, Dieter, schicke Lederhosen hast du da! Hat deine Mama die dir rausgelegt?"
Einige lachten.
Alle anderen Jungs trugen Jeans. Lederhosen waren was für kleine Kinder.
Dieter senkte den Kopf
"Ich will die gar nicht tragen. Aber meine Eltern kaufen mir keine Jeans und ich hab kein eigenes Geld".
Die Jungen schienen ihm nicht zugehört zu haben.
"Sag mal Dieter, hast du eigentlich eine Freundin?" fragte Jürgen hämisch.
Wieder wurde gelacht.
Natürlich hatte keiner von ihnen zu diesem Zeitpunkt schon eine Freundin.
Jürgen klopfte ihm auf den Rücken.
"Naja, macht doch nichts, wenn du keine abbekommst. Dann wirst du halt Priester".
Dieter begann jetzt tatsächlich zu schluchzen.
Es war unerhört.
Aber er konnte sich einfach nicht mehr beruhigen.
Er weinte immer noch, als schließlich der Priester über den Rasen auf sie zukahm.
Sofort nahm er sich dem schluchzenden Kind an.
"Dieter, warum weinst du denn?"
Dieter antworte nicht. Er versuchte, sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.
"Nun erzähl schon, mein Junge"
Jetzt sprach eines der anderen Kinder für ihn.
"Die anderen haben ihn die ganze Zeit geärgert und sich über ihn lustig gemacht".
Der Priester schien verwundert.
"Ist das Alles?"
Er lachte kurz, scheinbar erleichtert.
"So sind Kinder nun mal, sie ärgern sich ein bisschen. Wenn du sofort zu Weinen beginnst, werden sie dich erst recht ärgern".
Dieter würde jetzt still und blickte zu Boden.
Die Jungen betragen zusammen mit dem Priester die Kirche.


Der Gottesdienst lief ab, wie immer. Die Rede des Priesters war für Pauls Geschmack etwas zu lang.
Aber dann durfte er das Gefäß mit dem Weihrauch durch den Kirchenraum schwenken. Er liebte diesen seltsam einschläfernden Geruch.
Dann kam der Teil des Gottesdienstes, der immer gleich ablief.
Die Gemeinde wiederholte mit einer Stimme die bekannten Sätze.
"Wir bitten dich, erhöre uns"
Hier bekam Paul immer eine angenehme Gänsehaut.
Sein Lieblingsteil war aber, als alle zusammen murmelten
"Bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes, Amen".
Das klang so ernst und feierlich, dass Paul diesen Satz zu Hause oft in Dauerschleife in seinem Kopf wiederholte. Dabei fühlte er sich, als höre er besonders schöne Musik.
Wegen diesen Dingen hatte er Messdiener werden wollen, nicht wegen den Bibelgeschichten, die er, so musste er sich eingestehen, oft etwas fade fand.


Nach dem Gottesdienst warteten die Jungen in einem Hinterzimmer auf den Priester.
Als dieser schließlich den Raum betrat, machte er ein betroffenes Gesicht.
"Kinder, es ist etwas sehr Ernstes passiert"
Er machte eine kurze Pause.
"Es fehlen dreißig Mark aus der Kollekte"
Paul wurde rot.
"Niemand außer euch hätte sie stehlen können".
Betretens Schweigen trat ein.
"Ich hoffe sehr, der Schuldige ist so anständig, es freiwillig einzugestehen" sagte Fischer.
Niemand sprach ein Wort.
"Also gut, dann muss ich eure Taschen durchsuchen", sagte Fischer entschlossen.
Aber noch während er den ersten Jungen abtastete, bemerkten Alle, dass Dieter rot geworden war und am ganzen Körper zitterte.
Fischer blickte ihn ernst an.
"Lehr deine Taschen, mein Junge".
Dieter schluchzte auf und holte ein paar Scheine aus seiner Tasche hervor.
Der Priester schüttelte mit trauriger Miene den Kopf.
"Mein Junge, warum hast du das gemacht?"
Dieter brachte kein Wort heraus.
"Noch so jung, und schon...".
Fischer sprach nicht weiter.
Niemand schaute Dieter an.
"Ich will einen Augenblick alleine mit dir reden", sagte Fischer und führte den schluchzenden Jungen aus dem Zimmer.

Keiner sagte etwas, bis zehn Minuten später der Priester mit dem Jungen zurückkam. Dieter wirkte wie ein Angeklagter, den man zum Tode verurteilt hatte.
Der Priester sah noch immer sehr ernst und betroffen aus.
"Ich habe Dieter von den Messdienern ausgeschlossen"
Er machte eine kurze Pause.
"Es ging mir nicht darum, ihn zu bestrafen. Es ging mir darum, euch anderen gegenüber fair zu sein. Ihr verdient Schutz".
Fischer hatte sehr ernst gesprochen.
Paul schaute betreten zu Boden.
Niemand sprach.
"Ich wünsche euch nun trotz allem noch einen schönen Sonntag"
Fischer drehte sich um und verließ mit gemessenen Schritten den Raum.
Im Gehen murmelte er, laut genug, dass alle es hören konnten: "Noch so jung..."
Paul war auf einmal übel.


Später saß er wieder neben seiner Mutter im Wagen. Er wollte ihr nichts von dem Zwischenfall heute erzählen. Irgendwie fühlte er sich schuldig.
Seine Mutter spürte das Schweigen und drehte das Radio auf.
Wieder liefen die Beatles. "Stawberry Fields forever".
Pauls Laune besserte sich schlagartig und er begann, laut mitzusingen.
Merkwürdigerweiße war es ihm gerade völlig egal, ob Gott das Lied nun auch gefallen würde, oder nicht.
"Das ist richtig gut, dreh lauter!"
 
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Anders Tell

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Da werden Erinnerungen wach. In der Grundschule gab es diese Unterschiede bei der Kleidung noch nicht und es wurde auch niemand deswegen gehänselt. Es gab nur zwei Haarschnitte für Jungen: Facon und Mecki. Die Tornister waren aus Leder, oft schon vom älteren Geschwister übernommen und wurden vom Schuster repariert, wenn etwas verschlissen war.
Auf der weiterführenden Schule ändert sich das dramatisch. Wer jetzt von seinen Eltern gezwungen wurde Tuchhosen mit Bügelfalte anzuziehen, wurde als Streber abgestempelt. Dazu fällt mir noch viel mehr ein, aber ich will jetzt keine eigene Geschichte daraus machen.
Ich danke Dir sehr für deine Anregung
Anders
 

Michele.S

Mitglied
Hey Anders, freut mich dass die Geschichte Erinnerungen in dir ausgelöst hat. Ich bin Jahrgang 1992, deshalb kenne ich die 60er nur von Geschichten. Aber dass Lederhosen als uncool galten habe ich gehört.
 

jon

Mitglied
Das wirkt einerseits arg zerfleddert wegen der vielen unnützen und gelegentlich sogar falschen Absätze, die jeden Lesefluss killen. Zum anderen sind viele Fehler drin. Beides lässt den Text wie eine Skizze, bestenfalls eine allererste Fassung wirken. Sowas legt man Lesern nicht vor, auch Lesern, die man um Verbesserungsvorschläge bitten will, nicht.

Unabhängig davon: Paul ist ein Kind, das mag eine gewisse Entschuldigung sein. Der Pfarrer hingegen ist einfach nur ein Arsch.
 

Michele.S

Mitglied
Hallo jon,

Tatsächlich habe ich über den Text noch zweimal drübergelesen und ihn überarbeitet. Aber ich habe noch keine große Erfahrung im Schreiben. Deshalb kann es vorkommen, dass ich Anfängerfehler, die für andere offensichtlich sind, einfach nicht bemerke. Das hat also nichts mit mangelndem Respekt vor dem Leser zu tun, sondern mit meinen noch begrenzten Fähigkeiten. Es wäre hilfreich, wenn du etwas konkreter wärest. Meinst du Rechtsschreib- und Grammatikfehler, Fehler in der Form oder inhaltliche Fehler?
Immerhin scheint die Geschichte ja etwas in dir ausgelöst zu haben. Wenn du den Priester jetzt hasst, dann habe ich anscheinend zumindest dieses Ziel erreicht.
 

jon

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Lies dir den Text doch mal laut vor. Und zwar MIT den Absätzen, heißt: Immer am Absatzende die Betonung etwas runternehmen, einen kleinen Abschluss machen, markant Luft holen, dann den nächsten Absatz mit einem kleinen Neuanfang beginnen.
Auch eine Absatzregel: In Dialogen macht man nicht vor und nach jeder Rede einen Absatzwechsel, sondern immer dann, wenn der Redner/Dialogbeteiligte wechselt.

Anderes kommt gleich …
 

jon

Mitglied
Paul saß sehr tief in dem weichen, ledernen Beifahrersitz. Die Autofenster waren weit geöffnet und ein frischer Luftzug machte die Hitze im Wagen erträglich, fast angenehm. KEIN ABSATZ
Seine Mutter drehte das Radio auf und zündete sich eine Zigarette an.KEIN ABSATZ
Es spielte "Hey Jude", einer eines seiner Lieblingslieder. KEIN ABSATZ
Vor allem das Ende mit "Na na na nananana" musste er immer mitsingen.KEIN ABSATZ
Aber so richtig genießen konnte er das Lied heute nicht. Er war auf dem Weg zur Kirche.KEIN ABSATZ
In der Kirche sagten viele, "Die Beatles" Die "Beatles" seien ein Sprachrohr des Teufels.
Der Pfarrer sah das nicht so streng. KEIN ABSATZ
Pfarrer Fischer galt im Ort und noch weit darüber hinaus als eine Art moderner Heiliger. Er lebte äußerst bescheiden, fast ärmlich und fuhr das älteste Auto weit und breit. Er gab fast allesKOMMA was er besaßKOMMA für gute Zwecke, vor allem nach Afrika. Er war selber oft in Afrika unterwegs und hatte zahlreiche Initiativen gegen Hunger und Malaria ins Leben gerufen.
"Kannst du bitte den Sender wechseln? Ich kann das Lied nicht mehr hören", log Paul.
Die Erklärung, warum er das Lied heute - eigentlich "jetzt", am Morgen wäre es ja sicher noch okay gewesen - nicht genießen kann, ist unlogisch. Wer sind die "in der Kirche", wenn es der Pfarrer nicht ist?
Wieso ist der Pfarrer oft in Afrika, wer macht dann seine Arbeit zu Hause?
 

Michele.S

Mitglied
Ich werde die falschen Absätze morgen korrigieren. Die Leute, die die Beatles für "Teufelszeug" halten, sind einfach ändern Gemeindemitglieder. Und Paul hat genug Respekt vor seiner Religion, um das Ernst zu nehmen. Am Ende der Geschichte hat er genau diesen Respekt verloren. Das ist der eigentliche "Plottwist"
 

jon

Mitglied
Später (Wann später?) wartete Paul mit einer Gruppe von acht anderen Jungen seines Alters auf dem Rasen vor der Kirche auf den Pfarrer.KEIN ASBATZ
Sie machten eine Menge Lärm, redeten wild durcheinander und lachten.
Nur Dieter stand etwas abseits. Manchmal lachte er mit, aber es klang eher gezwungen.
Lutz war jetzt (Wie "jetzt"? Du meinst: Lutz wurde auf ihn aufmerksam.) auf ihn aufmerksam geworden.KEIN ABSATZ
"Hey, Dieter, schicke Lederhosen hast du da! Hat deine Mama die dir rausgelegt?"
Einige lachten.
Alle anderen Jungs trugen Jeans. Lederhosen waren was für kleine Kinder.(Das wirkt wie ein Fremdkörper. Integriere die Info besser anders.)
Dieter senkte den KopfPUNKT KEIN ABSATZ
"Ich will die gar nicht tragen. Aber meine Eltern kaufen mir keine Jeans und ich hab kein eigenes Geld". Geld."
Die Jungen schienen ihm nicht zugehört zu haben. (???? Wann haben sie nicht zugehört? Und wieso scheint es so, was tun/sagen sie denn?)

"Sag mal Dieter, hast du eigentlich eine Freundin?"KOMMA fragte Jürgen hämisch.
Wieder wurde gelacht. (Warum?) KEIN ABSATZ
Natürlich hatte keiner von ihnen zu diesem Zeitpunkt schon eine Freundin.(??? Warum lachen die Jungs dann?)

Jürgen klopfte ihm auf den Rücken. KEIN ABSATZ
"Naja, macht doch nichts, wenn du keine abbekommst. Dann wirst du halt Priester".
Dieter begann jetzt tatsächlich zu schluchzen.
Es war unerhört. (Was war unerhört?)
Aber er konnte sich einfach nicht mehr beruhigen.(??????????????????? Es war unerhört, aber Dieter konnte sich nicht beruhigen?????? Was um Himmels willen hat das miteinander zu tun?)

Er weinte immer noch, als schließlich (Was abschließend?) der Priester über den Rasen auf sie zukahm. zukam. KEIN ABSATZ
Sofort nahm er sich dem schluchzenden Kind des schluchzenden Kindes an.KEIN ABSATZ
"Dieter, warum weinst du denn?"
Dieter antworte nicht. Er versuchte (Was hindert ihn denn?), sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.
"Nun erzähl schon, mein Junge"
Jetzt sprach eines der anderen Kinder für ihn. KEIN ABSATZ
"Die anderen haben ihn die ganze Zeit geärgert und sich über ihn lustig gemacht".
Der Priester schien (Wer ist der Point of View, dem das so scheint?) verwundert. KEIN ABSATZ
"Ist das Alles alles?"KEIN ABSATZ
Er lachte kurz, scheinbar (Wieso nur scheinbar? Und was ist seine wahre Emotion?) erleichtert.KEIN ABSATZ
"So sind Kinder nun mal, sie ärgern sich ein bisschen. Wenn du sofort zu Weinen weinen beginnst, werden sie dich erst recht ärgern".
Dieter würde wurde jetzt still und blickte zu Boden. ZU RASCHER SPRUNG
Die Jungen betragen betraten zusammen mit dem Priester die Kirche.
 

jon

Mitglied
Ich werde die falschen Absätze morgen korrigieren. Die Leute, die die Beatles für "Teufelszeug" halten, sind einfach ändern Gemeindemitglieder. Und Paul hat genug Respekt vor seiner Religion, um das Ernst zu nehmen. Am Ende der Geschichte hat er genau diesen Respekt verloren. Das ist der eigentliche "Plottwist"
Der funktioniert so aber nicht. Erstens ist der Pfarrer die Autorität, nicht die "anderen Gemeindemitglieder". (Davon, dass "die in der Kirche" kein Synonym für "Gemeindemitglieder" ist, mal abgesehen.) Zweitens ist überhaupt nicht plausibel, warum Paul den Respekt am Ende der Story verloren haben soll. De facto hat er ihn schon vorher verloren (er hat ja wohl das Geld geklaut und Dieter in die Tasche geschoben - nicht sehr christlich!).
 
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