Traum (Patrick gewidmet)

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noah-p

Mitglied
Man erwartet nach Holz zwar geschnitzt, aber wird mit geschmiedet überrascht. Der Verstand wird verwirrt und durch die Verwirrung etwas ausgehebelt. Wenn er zur Seite tritt, kommt durch das Geschmiedet ein Gefühl der Stimmigkeit und positiver Überraschung, obwohl es paradox ist. Es kommt aber viel mehr auf die Kombination von Wörtern an, als auf die eigentliche Bedeutung der einzelnen Wörter.
Die Farbe Gelb hat an sich zum Beispiel keine Bedeutung. Aber in Kombination mit Grün und Rot ergibt sie eine wunderschöne Blume.
Welche Gefühle erzeugen die Worte in mir.

Das ist meine Sicht der Dinge. Aber bitte übernehmt nicht diese Sicht sondern malt mit euren eigenen Farben eure persönliche Blume.
 
Zuletzt bearbeitet:

revilo

Mitglied
Ach so, das ging hier aus den Kommentaren nicht hervor.

Trotzdem – Traum hin oder her – klingt geschmiedet für mich vollkommen sperrig. Die Aussage, die Du treffen willst, wäre meines Erachtens mit geschnitzt oder noch besser gemeißelt wesentlich besser getroffen worden. Aber ich schreibe wohl auch immer zu bewusst ... :rolleyes:

Gruß, Ciconia

Das erfolgte auch nicht in diesem Forum.....ich kann Deine Bedenken durchaus nachvollziehen..........das ist doch das Schöne an der Lyrik....es ist möglich, über ein einziges Wort zu zu debattieren........LG revilo
 

revilo

Mitglied
Man erwartet nach Holz zwar geschnitzt, aber wird mit geschmiedet überrascht. Der Verstand wird verwirrt und durch die Verwirrung etwas ausgehebelt. Wenn er zur Seite tritt, kommt durch das Geschmiedet ein Gefühl der Stimmigkeit und positiver Überraschung, obwohl es paradox ist. Es kommt aber viel mehr auf die Kombination von Wörtern an, als auf die eigentliche Bedeutung der einzelnen Wörter.
Die Farbe Gelb hat an sich zum Beispiel keine Bedeutung. Aber in Kombination mit Grün und Rot ergibt sie eine wunderschöne Blume.
Welche Gefühle erzeugen die Worte in mir.

Das ist meine Sicht der Dinge. Aber bitte übernehmt nicht diese Sicht sondern malt mit euren eigenen Farben eure persönliche Blume.

Genau darum geht es doch in der Lyrik.......Lg revilo
 
Mag es an mir liegen, aber ich finde sowohl "aus Holz geschmiedet", als auch "aus ihren Augen dringt Enge" öde und nach der letzten Strophe, mit der überbenutzten Stimme des Schmerzes, schlafe ich bereits. Vielleicht träume ich was schöneres.
 

Ralf Langer

Mitglied
Traum

Ich treffe
meine Eltern
ihre Gesichter
sind aus
Holz geschmiedet.

Aus ihren Augen
dringt Enge und
die Worte zwischen
uns erblinden.

Ich pflücke ihnen
einen Strauß
aus Scherben.

Als ich erwache
hat mein Schmerz
endlich eine Stimme.



Hallo Oli,


meinem Geschmack nach ein gelungenes Stück, bei dem ich dir aber trotzdem gerne den Vorschlag unterbreiten möchte über ein paar kleine Änderungen nachzudenken.


Ich würde über eine Änderung der Reihenfolge von Strophe drei und vier nachdenken,


also einen Tausch vorschlagen.


„ Ich pflücke Ihnen einen Strauß aus Scherben“.

Das ist ein starkes Bild. Ich setzte es zum Abschluß.

Es hat zum einen stimmliche Gründe:

Bei dem Wort „Scherben“ schließt sich beim Sprechakt der Mund. Die Lippen gehen aufeinander.


Es kommmt zu einem (ab)-Schluß.

Bei „Stimme“ im jetzigen Vers vier ist ein Vokal, eine Hebung, die Betonung wird gehoben, etc.


Aber auch inhaltlich, und auch nach dem Erwachen aus dem Traum ist das symbolische Pflücken eines Straußes aus Scherben ein sehr gelungenes Abschlußbild.

Ich sehe hier einen Akt der Friedhofskultur, nur das lyrich eben keine Blumen sondern Scherben an das „Grab“ bringt.

Das empfinde ich als äußerst gelungen, und deswegen setzte ich es an das Ende


Des weiteren entstünde so auch eine Gemengelage aus Traum und erlebter Wirklichkeit.


Traum


Ich treffe
meine Eltern
ihre Gesichter
sind aus
Holz geschmiedet.

Aus ihren Augen
dringt Enge und
die Worte zwischen
uns erblinden.

Als ich erwache
hat mein Schmerz
endlich eine Stimme.

Ich pflücke ihnen
einen Strauß
aus Scherben.




Hm, ich denke du weißt was ich meine.


Stark

Lg Ralf
 

Ralf Langer

Mitglied
Hm, hab noch einpaar weiterführende Gedanken zur Strophe:

Ich pflücke Ihnen einen Strauß aus Scherben

Offensichtlich - zumindest nach meinem Verstehen - sind die Scherben die "gepfückt" werden, die zerbrochenen Teile der Vase, also dem Gefäß in dem im eigentlichen Sinne die Blumen gehörten. Im Zusammenhang mit den Toten Eltern ergibt sich eine Zweiheit der Gefäße.

Der menschliche Körper ist ja das Gefäß für das Ich, oder für die Seele, oder dem Bewußtsein, so wie die Vase Gefäß für die Blumen ist.

Außerdem, wenn es denn eine Kristallvase wäre, haben die Scherben etwas von einem Kaleidoskop, die Scherben spiegeln einen Teil der verlorenen Vielfalt der Eltern, deren Gefäß mit dem Tod auch zerstört ist.

Ich bin mir noch nicht sicher ob es sich um einen sinnlosen Akt oder um einen sinnvollen Akt handelt diese Scherben zu pflücken. Ich tendiere aber zu etwas sehr tröstlichem, etwas das das eigene Sein von lyrich "reinigt".

Gefällt mir immer besser
Ralf
 

revilo

Mitglied
Hm, hab noch einpaar weiterführende Gedanken zur Strophe:

Ich pflücke Ihnen einen Strauß aus Scherben

Offensichtlich - zumindest nach meinem Verstehen - sind die Scherben die "gepfückt" werden, die zerbrochenen Teile der Vase, also dem Gefäß in dem im eigentlichen Sinne die Blumen gehörten. Im Zusammenhang mit den Toten Eltern ergibt sich eine Zweiheit der Gefäße.

Der menschliche Körper ist ja das Gefäß für das Ich, oder für die Seele, oder dem Bewußtsein, so wie die Vase Gefäß für die Blumen ist.

Außerdem, wenn es denn eine Kristallvase wäre, haben die Scherben etwas von einem Kaleidoskop, die Scherben spiegeln einen Teil der verlorenen Vielfalt der Eltern, deren Gefäß mit dem Tod auch zerstört ist.

Ich bin mir noch nicht sicher ob es sich um einen sinnlosen Akt oder um einen sinnvollen Akt handelt diese Scherben zu pflücken. Ich tendiere aber zu etwas sehr tröstlichem, etwas das das eigene Sein von lyrich "reinigt".

Gefällt mir immer besser
Ralf

es ist schön, Dich wieder zu lesen.........ich komme noch gesondert darauf zurück.......

Landesbürgschaft, Ihr kriegt ne Landesbürgschaft.......;)
 

Ralf Langer

Mitglied
Zum Schmieden:


In einer Schmiede werden Werkstoffe zur weiteren Benutzung in der Regel durch Erhitzen
in einen Zustand verbracht der eine Bearbeitung des Werkstoffes ermöglicht.
Im allgemeinen Sinne wird in einer Schmiede ein Metall erhitzt und kann eben durch die Schmiedekunst in eine andere Form verwandelt werden.

Es hat etwas von Entelechie

(sich im Stoff verwirklichende Form; im Organismus liegende Kraft, die seine Entwicklung und Vollendung bewirkt)

So wohnt im Eisen die Form von Messer und Gabel, von Schwert und Flugschar.

Ich denke das ist der Anhaltspunkt aus dem ich die ungewohnte Wortzusammensetzung


„aus Holz geschmiedet“ betrachten muss

Auch wenn Holz nicht geschmiedet werden kann, hat es im Gedicht doch eine Deutung

Denn wenn Holz durch Erhitzen und Bearbeitung von einer Form in eine andere verwandelt werden könnte, so bedeutete dies auch das es nach dem erkalten ( Tod?) seine endgültige Form erhalten hätte.
Das sehe ich fundamental im Gegensatz zur Bedeutung der Schnitzkunst, denn ein Stück Holz läßt sich durch Schnitzen solange transformieren bis von dem Werkstoff nichts mehr übrig geblieben ist.

Und meiner Meinung nach möchte uns diese Metapher eben genau diesen Gegensatz zeigen:


Das geschmiedete Gesicht hat einen anderen Grad der Härte ( auch des Ausdrucks) und eine endgültige Form. Ich sehe hier auf einer weiteren Ebene auch eine Art (Toten) Maske, einen Sarkophag für Mimik und Gestik.

Für mich eben wie schon gesagt etwas end – gültiges.


Lg


Ralf
 

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