"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" / Zum Glasperlenspiel

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Ma1501x

Mitglied
"Und jedem neuen Anbeginne
Wohnt -tief im Herz- ein Zauber inne."
So liest, wer diese Zeilen kennt.
Und fragt, warum im jetz'gen Raume
Des Menschenlebens trotzdem kaum
Ein Mensch zum nächsten Raume rennt.

Wär' das Erreichen jenes Neuen
Am Raumesende Grund zu freuen
Was eilen wir nicht darauf zu?
Wie kommt es, dass wir Eile streiten
Dass wir so würdevoll Durchschreiten
Des Lebens Räume, ganz in Ruh?

Besonders wohl im letzten Teile
Ist das Durchschreiten nie von Eile
Doch immerzu von Angst bestimmt.
So wohnt in jedem End' ein Geist,
Der warnt und droht, uns Narren heißt
Und jedes Anfangs Zauber nimmt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ma1501x,

schön, dass du zu uns auf die Leselupe gefunden hast. Wir freuen uns auf einen konstruktiven Austausch und auf weitere Texte von dir.
Herzlich willkommen!

Liebe Grüße
Manfred
 

Ma1501x

Mitglied
Grüß dich Manfred,
Ich will diese Seite einfach mal versuchen und sehen wie rege der Austausch ist.
Je nachdem werden mit Sicherheit noch sehr viele meiner Texte folgen :)
Cheers,
Max
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Max,

bei Hermann Hesse bin ich sofort angesprungen und ich war damals in der Schule wahrscheinlich der Einzige, der "Das Glasperlenspiel" mit Freude und Genuss gelesen hat.
Wenn du dir meine Gedichte ansiehst, wirst du merken, dass die von dir verwendete Sprache nicht die meinige ist.
Aber ich bin immer offen und habe dein Gedicht sehr gerne gelesen und die Räume durchschritten.
Das ist handwerklich gut gemacht.

Liebe Grüße
Manfred
 

juliawa

Mitglied
@Manfred: Mir ging es mit Hesse genau so, mit dem Unterschied, dass wir "Unterm Rad" gelesen haben.
@Ma1501x : Als Kommentar auf Hesses Gedicht durchaus gelungen.

LG
juliawa
 

Mondnein

Mitglied
Über das Glasperlenspiel nachzudenken, ist ja ganz nett.

Das Glasperlenspiel zu spielen, das ist es, das ist es!

So sind heutzutage die Hörspiele: polyphone Musik Fugen der Sprachschichtung, der Stimmen, Weltalltagsgeräusche, Wortspiele, Zaubersprüche und Telephonmauerschauen. Zum Beispiel der Cocteau-Verschnitt von - wie hießen die noch? - Xxy... und Zeitblom vor zwei Wochen Sonnabendabend im Deutsch Landfunk.

Sensationell! Das ist Dichtung, das ist Glasperlenspiel, Sprachpartitur, Gödel-Escher-Bach, der Weltraum in der Waschmaschine, Schleuderphase.

Hesses Konzept ist gut, er hat es von Novalis. Friedrich von Hardenberg, ein verkannter Philosoph des Transzendentalen Idealismus ("Frühromantik"), alles in kostbaren Aphorismen. "Vier Buchstaben bezeichnen mir Gott".

Oder: der ganze Hegel, die ganze "Wissenschaft der Logik" in einem einzigen selbstdefinitorischen Satz (in "Blüthenstaub", ein gutes Dutzend Jahre vor dem großen Glasperlenspiel der "Phänomenologie des Geistes")
Der Geist führt einen ewigen Selbstbeweis
 

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