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Viel schlimmer - Sonett mit Amphibrachys

4,50 Stern(e) 12 Bewertungen

Walther

Mitglied
Viel schlimmer
- Amphibrachys -

Du raubst mir mein Schläfchen, mein teuflisches Schäfchen!
Ich schwelge in Träumen von Trieben und Lüsten:
Als ob das die Damen nicht anfangs schon wüssten!
Ich schwelge mit Augen, benetze Dein Schläfchen,

Mein Schäfchen, mein Elfchen, mein schnurrendes Kätzchen!
Ich ringel dein Härchen und glätte die Löckchen,
Bestaune das Röckchen, entferne ein Flöckchen
Und knie vor dir nieder, mein Spätzchen, mein Schätzchen!

So ruhe ich täglich und wache ich nächtlich,
Verzehre mich kläglich und traure unsäglich,
Schaust du mich nicht an oder schweigst nur verächtlich.

Ach, Liebchen, mein Liebchen, verlass mich nur nicht.
Denn würdest du gehen, es wär unerträglich,
Es wäre viel schlimmer als dieses Gedicht!
 

hermannknehr

Mitglied
Hallo Walther,
viel schlimmer kann es wirklich nicht kommen! Was soll man zu diesem Gedicht nur sagen? Irgendwie ist es ganz putzig, aber irgendwie ist es auch ganz unmöglich, eine einzige Katastrophe. Ich glaube das Forum muss erst noch geschaffen werden, worin dieses Gedicht einen würdigen Platz finden könnte.
Beste Grüße
Hermann
 

Walther

Mitglied
Hi hermannknehr,
danke für deine ehrliche stellungnahme. könntest du sie noch etwas genauer ausführen? danke im voraus!
lg W.
 

hermannknehr

Mitglied
Hallo Walther,
nein, kann ich nicht. Ich bin im Augenblick noch sprachlos.
Muss vielleicht etwas länger über dieses Gedicht grübeln.
Beste Grüße
Hermann
 
Hallo Walther, ich kann das Befremden von hermannknehr verstehen, denn in Deinem Text hat sich, wenn ich die Fülle von Verkleinerungsformen richtig deute, das lyrische Ich nicht in eine der apostrophierten Damen, sondern in eine Lolita, eine Kindfrau, wenn nicht noch etwas Kleineres verliebt. Liebchen und Schätzchen würde ich mir noch gefallen lassen, aber die restlichen -chen-Worte häufen sich auf fast widerliche Art und Weise. Deine verbale Virtuosität spricht Dir niemand ab, aber sie dient hier dazu, um einen Inhalt passieren zu lassen, der ohne diese Verpackung auch meiner Meinung nach "eine einzige Katastrophe" wäre. Auch dass Du den Text mit einem Fachausdruck aus der Metrik bewehrst, macht ihn nicht besser. Ich könnte mir Foren denken, in die er passen würde. Ob auch in dieses, habe nicht ich zu entscheiden.
Mit Gruß
Moralapostel E. L.
 
A

aligaga

Gast
In @alis "Häusern am Fluss" fände sich "In der Lagune 27" ein hübsches Statetment zu der Sucht mancher, seinen "Liebling" so klein wie möglich zu machen. Es hieß dort:

"Sbrigati?“

„Beeil dich!“. Während sie ihm half, sein Zeug in die große Tauchtasche zu stopfen, fiel ihr auf, dass er trotz aller Zärtlichkeit, die er für sie übrig hatte, nie Kosenamen gebrauchte, schon gar keine, die auf ‚i‘ endeten. Als sie ihren Rödel glücklich im Punto verstaut hatten und abfuhren, war es halb zehn.

„Warum sagst du nie ‚Schatzi‘, ‚Mausi‘, ‚Schnucki‘, ‚Hasi‘ oder ‚Kleine‘ zu mir, sondern immer nur ‚Ina‘ oder ‚Große‘?“

„Weil du kein Stück Vieh, sondern Ina bist. ‚Ina‘ klingt wunderschön. ‚Schatzihasimausi‘ ist in meinen Augen nichts zärtlich Gemeintes, sondern Ausdruck von Geringschätzung dem anderen gegenüber bei gleichzeitiger, eigener Überheblichkeit. Du bist keine Kleine, sondern eine ganz Große. Das ist kein Kompliment, sondern eine Tatsache. Und jetzt gib Gas, Große, dann reicht’s noch für einen Kaffee und ein Teilchen!“
Das Minimieren eines s.o. durch die Anhängsel -chen, -lein oder -i ist nur noch bei Schwanzlurchen von vorgestern in Mode, denen entgangen ist, dass Frauen inzwischen selbstbewusst sind und sich derlei verniedlichendes Gebrabbel nicht mehr gefallen lassen. Wer da noch mit einem "Schätzchenplätzchen" angehumpelt kommt, kriegt bestenphalls den Stinkefinger zu sehen, sonst nichts.

Quietschend vor Vergnügen

aligaga
 

Walther

Mitglied
Moin:

Ich habe es als Persiflage auf Liebesgedichte gelesen.
wo rogathe recht hat, hat sie recht. wer diesen spaß nicht als spaß versteht, braucht lachunterricht. :D oder eine brille.

also: nehmt euch nicht so wichtig. macht das lyrich ja auch nicht. einfach mal die letzten beide verse lesen.

lg W.
 
A

aligaga

Gast
Es nimmt wohl hier nur das Autorchen sich und sein Gedichtchen wichtig. Der Rest der Welt amüsiert sich über das Sprachschätzchen des Dichterleins.

Das muss sich jetzt sagen lassen, dass es glatt an dem vorbeigehoppelt ist, was an seinen Schätzchenplätzchen tatsächlich so luschtig ist. Ob es das noch spannt, bevor es zu spät ist?

Quietschvergnügt

aligaga
 

Walther

Mitglied
mein lieber kleiner ali,

es hat dich keiner lieb, wir wissen das. fühl dich gestreichelt und gedrückt. wir sind für dich da.

am heitersten

W.
 
A

aligaga

Gast
fühl dich gestreichelt und gedrückt. wir sind für dich da.
@Ali ist nicht dein Schätzchelchen, @Waltherchen. Vielleicht drückst und streichelst du dir was anderes?

Thränchen lachend

aligaga
 

Mondnein

Mitglied
aber nur meine liebe Laterne nicht

Es ist ein Tanz, ein munteres Gehüpfe durch die Binnenreime.

Die Spießer mögen das nicht, lieber Walther. Sie übergehen es einfach oder sie mäkeln daran rum. Sie singen nicht, sie tanzen nicht, in ihren Lampen brennt kein Licht.

Ich selbst bin mindestens so humorlos wie aligaga, absichtliche Späße lassen mich kalt. Aber das hier ist Musik in meinen Ohren, Musik in den "drumrumkurzen" Fersefüßen, weil es nicht anspruchsvoll rumkrampft, sondern selbstgenügsam einfach nur Spaß macht. Mir jedenfalls.

Wenn das hier kein Forum für Deine tausenddreihundert Lieder sein soll, was soll das hier dann für ein Forum sein? Ich will hier nicht allein bleiben mit meinen binnenreimenden Schnörkelschweinchen, an denen die Obenerwähnten (die ewigen Sonetthüter) so laut schweigend vorbeilaufen. Ich freue mich für Dich, daß sie sich bei Dir wenigstens offenbaren ("outen"). Ich habe die beiden Herren bisher für kompetente Lyriker, nämlich literaturhistorisch argumentierend und offenäugig, gehalten. Nun ists raus aus dem Sack, das Sichoffenbaren.

Ist doch schon was. So ein bißchen etwas.
Worte.

Sonst nichts.
 

Walther

Mitglied
liebstes alileinchen,

leg dich in die badewanne (oder geh unter die warme dusche), deine kleine depression ist nur vitamin D mangel. das macht keine bleibenden schäden. und mit der nudel zu dudeln auch nicht. entspann dich einfach. wir haben dich lieb.

lg W.

PS.: omannofrau. ich muß aufpassen, daß ich den sprudel nicht auf den bildschirm pruste. es gibt schon sehr spaßige tüppis. und du schlägst sie alle. by far!
 
Wer Walther und seine Gedichte kennt, der glaubt doch wohl nicht, dass er dieses Sonett ernst gemeint hat.
Er hat m. E. satirisch das Gefasel eines verliebten Gockels beschrieben.

Hallo Walther,
mich hast du zum Schmunzeln gebracht.
Viele Grüße,
Marie-Luise
 
Spontan hätte ich das Gedicht "putzig" gefunden, dachte mir aber, dass Walther etwas anderes ausdrücken bzw. bezwecken wollte und schrieb "putzig" daher nicht:D
 

poetix

Mitglied
Hallo Walther,
dein Sonett fügt sich in die Diskussion, die wir letztens über Kitsch hatten. Auch in diesem Fall halte ich es für angemessen, eine Klassifizierung zu vermeiden. Es ist wohl eine Parodie, aber eine, die du voll ausgekostet hast, bis an die Grenze, wo man sich fragt, ob du nicht zu viel Spaß dabei hattest. So soll es sein. Gefällt mir.
Viele Grüße
Christoph
 

Walther

Mitglied
Hi Poetix,

du triffst den nagel auf den kopf: schreiben, sprache, melodie, taktfolge - das muß spaß machen. der überzwerch ist erlaubt. und wer das nicht versteht, hat mein leises und trauriges mitleid. ist es nicht richtig schade, wenn man am klang der sprache, ohne den sinn in den vordergrund zu stellen, keine freude mehr hat?

wer uns dichtern das kindlich-spielerische nehmen will, dem haben sie "ins gehirn geschissen". so. das mußte mal gesagt werden. wenn dann noch das handwerk stimmt, und das ist hier der fall, was ist gegen 14 zeilen spaß an der formulierungsfreude einzuwenden, vor allem wenn der text voller selbstironie steckt und zuallererst das lyrich auf die schippe nimmt? da darf auch mal die geschmacksgrenze ein wenig überdehnt werden!

lieben dank, daß du hier in die bresche springst. natürlich ist das kitsch, aber geiler. und darum geht's: spaß haben, tanzen, sich freuen!

und dazu brauchte es den Amphibrachys, den wiegeschritt-takt. für alle die, die sich das nicht trauen: leute, springt über eure epigonen-schatten!

lieber gruß W.
 

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