Vier Saiten

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Writeolm

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Vier Saiten
(2018ff - FG)
Inspiriert von Pachelbel - Canon in D (Double Bass)

Puderzuckergleich schimmern die Berghänge der Tiroler Alpen an diesem Septembertag in der noch warmen Sonne des beginnenden Herbstes. Zwischen dem ersten zarten Weiß am Boden schauen Astern und Dahlien in kräftigen Farben hervor und stemmen sich Sonne und Wärme entgegen, als wollen sie einer Natur trotzen, die Jahr für Jahr im gleichen Spiel Einklang und Vertrauen schenkt. Der erste Schnee in den Bergen breitet sich fast unmerklich Tag für Tag tiefer bis in die Täler aus. Noch vor Septemberende wird eine geschlossene Schneedecke Grün und Blumen zu friedlicher Ruhe gebettet haben. Doch unter dem Schnee, dort wo man nichts sehen kann, wird in diesen Tagen eine unsichtbare Linie gezogen, als würde ein Schüler mit seinem Bleistift ganz freihändig vom linken Rand des Zeichenblattes möglichst mittig versuchen, die rechte Seite zu erreichen.
So kommt es, dass der Mann, dem wir auf seinem Weg folgen, ungefähr dort an der Werkstatt des alten Josef klopft, wo sich Tirol und Südtirol in diesem Jahr geschieden haben. Eigentlich war der alte Josef nicht alt. Mit wachem und freundlichem Blick schaute er dem Besucher entgegen. Der Mann erwiderte seinerseits den wortlosen Gruß. Beide wussten in diesem Moment, dass sie einander mochten. Bevor der Mann etwas sagen konnte, widmete sich Josef wieder dem Kontrabass zwischen seinen Beinen und drehte an Rädchen, spannte Saite für Saite und griff schließlich zum Bogen, der neben ihm vom halb herausgezogenen Schubfach eines Schränkchens vor dem Umfallen bewahrt wurde. Mit dem Bogen in der Hand bedeutete er dem Mann Platz zu nehmen. Der Besucher folgte der Einladung und setzte sich auf den einzigen Stuhl gleich neben den eisernen Ofen.
"Es müssen vier Saiten sein", murmelte der alte Josef vor sich hin und blickte kurz auf: "Es müssen vier Saiten sein“, wiederholte er und fügte an: "Das werden sie gleich hören." Dann fing er an zu spielen. Einem Lufthauch gleich glitt der Bogen in sanftem Schwung hinab zu den Saiten, sie unmerklich berührend, um noch bevor die ersten Töne das Ohr des Mannes erreichten, wieder abbrechend an seinen Platz gelehnt zu werden. Mit schnellen Fingern hier und dort drehte Josef am Wirbelkasten. Die Falten seiner Stirn glätteten sich mehr und mehr, bis er erneut zum Bogen griff. Drei- viermal wiederholte sich alles, dann blieben Bogen und Saiten vereint und stimmten ein Lied an, das der Besucher schöner nie hörte. Es war, als ob das Feuer im eisernen Ofen innehielt, auf dass kein Knistern, kein Knacken des Holzes den tiefen Klang des Instrumentes stört. Erst dann, als Josef den Bogen in schneller Folge alle Saiten zugleich bedenken ließ, schlugen die Flammen hoch, so als wollen sie teilhaben an einer Vollendung, die im Nachklang wellenförmigen Genusses verhalt wie schon so oft in dieser Werkstatt. "Hat es ihnen gefallen, mein Herr?" fragte der alte Josef und konnte die Antwort im Gesicht des Mannes lesen. "Es war berauschend, es war überraschend, und es war ...gut. Ja, es war gut!" beeilte sich der Besucher sachlich hinzuzufügen, wohl auch, weil er über seine spontane Gefühlsregung ein wenig Scham empfand.
"Schauen sie, mein Freund, sie haben soeben die Geburt eines vollkommen neuen Kontrabasses miterlebt. Das ist immer etwas Besonderes, auch für mich, der ich damit mein Brot verdiene. Das Instrument wird morgen abgeholt, wohl um in Heilig - Kreuz der bescheidenen Orgel etwas mehr Tiefe zu geben. Aber das", so fügte der alte Josef hinzu, "ist nicht wesentlich für mich. Es ist mir egal, was mit dem Instrument geschieht, wenn es diesen Raum verlässt. Entscheidend ist vielmehr die Person des Auftraggebers und dessen Motivation, mich mit der Fertigung zu betrauen. Es ist wie mit der Mutter, die ihr kleinstes Kind der Not gehorchend weggeben muss. Sie spürt, ob die zukünftigen Eltern gut sein werden. Ich habe noch nie einen Fehler gemacht, glaube ich, und, “so fügte er verschmitzt an, "da ich nicht weiß, was mit meinen Instrumenten geschieht, werde ich auch nie einen machen." "Ja aber", warf der Besucher, immer noch auf seinem Stuhl sitzend, ein, "sie machen sich so eine unglaubliche Mühe mit diesen Instrumenten, sie schaffen Klänge, die mehr göttlichen denn irdischen Ursprungs sind. Wie kann es
sein, dass ihnen das weitere Schicksal der wundervollen Stücke gleichgültig ist?" Josef überlegte kurz und entgegnete schließlich lächelnd: "Das stimmt nicht ganz, mein Herr. Wie kann etwas Mühe sein, das ihnen ebenso gefallen hat? Nein, ich bin nur das Werkzeug einer Idee, die meine Vorfahren, und nicht nur die meinigen, vor langer Zeit hatten. Etwas zu schaffen mit meinen Händen, das Vergangenes mit Zukunft vereint, kann nie Mühe sein. Ist es nicht unsere Bestimmung, genau das zu tun, was wir am besten können?"
Nachdenklich schaute der Besucher den schwächer werdenden Flammen im Ofen zu. "Gut, sie mögen recht haben. Dann lassen sie uns Mühe durch Hingabe ersetzen. Hingabe klingt besser, finden sie nicht auch?" "Es geht nicht anders!" stimmte der alte Josef zu. "Ja, es ist wohl Hingabe, die alles das umarmt, was soeben ihr Ohr erfreut hat." Gedankenverloren strich er über die weichen Rundungen des Basses zwischen seinen Beinen, griff zum Bogen und spielte einige Minuten. Den Besucher hielt es nicht auf seinem Stuhl am Ofen. Bewegt stand er auf und trat ans offene Fenster. Die noch warme Sonne des Nachmittags ließ in ihren Strahlen kleine Staubkörnchen tanzen, die sich an ihm vorbei am Boden der Werkstatt verloren. So als wolle er sie berühren, stieß Josef mit der Spitze seines erstaunlich sauberen Schuhs dagegen und sagte leise: "Wenn ich beim Holzheinrich im Frühjahr das Material für meine Instrumente kaufe, dann erkenne ich bereits dort, welche der Ahornbretter sich eignen, was die beste Fichte ist und welches Ebenholz die feinste und dichteste Struktur hat. Man muss, und das hat mein Vater mir als kleinem Jungen schon gesagt, man muss das richtige Holz fühlen. Vielleicht, so denke ich, fängt ja dort schon Hingabe an?“ Der Mann wollte antworten. Doch er kam nicht dazu, denn Josef sprach weiter: "Hingabe? Wieviel Hingabe gibt es? Können wir Hingabe teilen, stoppen, in ein vernünftiges Maß bringen? Macht Hingabe nicht einsam, traurig, verzweifelt?" Der alte Josef senkte den Kopf und schwieg. Nach einigen Minuten unterbrach der Besucher die aufkommende Stille: "Einsam? Wie kann Hingabe einsam machen? Sind sie einsam?" Josef lachte laut und schaute seinem Gast offen in die Augen: "Nein, sie sind ja hier. Es ist immer jemand da und schaut bei der Arbeit zu. Die meisten allerdings interessieren nicht Mühe oder Hingabe. Sie hoffen, dass ich ihnen vorspiele, manche erwarten das sogar. Doch ich spiele nie für andere. Ich baue den Kontrabass, und so wie ich säge, feile, streiche, glätte, so spiele ich ihn, denn auch das ist Teil meines Handwerks." "Nein, nein!", warf der Besucher energisch ein, "Das ist nicht die Antwort auf meine Frage. Wir waren bei Hingabe. Sie selbst haben sie aufgeworfen. Kann Hingabe einsam machen?"
Der alte Josef stellte den Bogen wieder an seinen Platz, lehnte den Bass an die Werkbank und stand auf.
Mit einer Hand wies er auf einen Korb neben der Tür. "Dort sind Stricksachen und Pullover. Suchen sie sich etwas passendes, und kommen sie mit." Draußen hinter dem Haus setzten sich die Männer an den groben Tisch und blickten weit hinüber auf die andere Seite des Tals.
Josef schenkte Wein ein und begann zu erzählen. "Meine Frau hat mich geliebt. Voller Hingabe. Wir kannten uns schon als Kinder. Es gab nie eine andere für mich. Sie war Vertraute und Geliebte, sie war ich, und ich war sie. Ich habe nie für sie gespielt. Sicher, sie saß oft dabei, wenn ich die Saiten strich. Sie müssen wissen, so ein Kontrabass ist nicht einfach fertig, wenn alles zusammengefügt und gerichtet ist. Er muss eingespielt werden, viele Stunden lang. Doch dieses Spielen ist ein vollkommen anderes Spielen als das, was sie von mir hören wollte. Verstehen sie mich? Wir hatten ein gutes Leben. Es hat nichts gefehlt. Schauen sie sich um! Ein festes Haus auf einem sicheren Stück Land. Und doch war sie traurig. Ich habe nie für sie gespielt. Bleiben wir bei dem Wort "Hingabe". Es gefällt mir, Ja, ich bin ihnen dankbar für diesen Begriff. Vor drei Jahren ist sie gegangen. Einfach so. Es war meine Hingabe, die ihr fehlte. Hingabe, die ich nicht teilen konnte." Er trank einen Schluck Wein aus dem Glas, das er die ganze Zeit haltsuchend in den Händen hielt. Den Mund leicht verziehend fügte er an: "Ich habe mir Mühe gegeben, das habe ich. Doch es hat nicht gereicht. Vorbei. Ob Hingabe einsam macht? Ich weiß es nicht. Es ist eine von diesen Fragen, die keine Antworten haben."
Es wurde langsam Abend. Die Berge weit im Westen fingen an zu glühen, und über allem lag dieses besondere Licht, das es nur im September gibt. Die Männer draußen am Tisch schlossen ihre Strickwesten. Josef brachte Brot und Käse. "Was ist aus ihr geworden?", erkundigte der Besucher sich kauend. Aufblickend erwiderte Josef mit fester Stimme: "Sie wohnt jetzt unten im dritten Dorf nach der Stadt. Hat sich verdingt für Brot und Logis, kommt wohl zurecht. Manchmal schaut sie noch vorbei, dann sitzen wir hier und reden. Einmal habe ich sie gefragt, ob sie denn glücklich sei, so allein da draußen in der Welt. Sie legte den Kopf an meine Schulter und sagte leise: < Ach, Josef, was für eine Frage. Glück und Trauer, Angst und Hoffnung, alles liegt so nah beisammen. Es ist die Liebe, die ich suche, die Liebe, die alles verbindet. Die Liebe, die du für mich nie hattest.> Seit einem Jahr kommt sie seltener. Die Worte werden weniger, wenn der Vergangenheit die Gegenwart fehlt. Dann wird es still." Josef beugte sich schneller atmend vor und schraubte das Licht der kleinen Laterne auf dem Tisch höher. "Erinnern sie sich?", ergänzte er wieder ruhiger, "Es ist wie mit den Kontrabässen, wenn sie das Haus verlassen haben. Eine neue Zeit beginnt. Das Leben geht weiter. So ist es immer."
Das flackernde Licht warf Schatten über die Wand des Hauses und zeichnete die Gesichtszüge beider Männer nachdenklich und weich. "Ist ihnen kalt, wollen wir hineingehen?", erkundigte Josef sich besorgt, als der Besucher nach einer Decke griff und sich um die Schultern legte. "Nein, nein", beeilte dieser sich mit der Antwort, "Es ist eine Freude, mit ihnen zu sprechen. Wissen sie, ich kam zu ihnen...." "Sie kamen zu mir, weil sie einen Bass möchten!", unterbrach der alte Josef ihn lachend. Warum sonst? Und sie bekommen ihn. Heute in genau drei Monaten können sie ihn abholen. Ich weiß nichts über sie, mein Herr, und doch bin ich sicher, dass sie meine Arbeit wertschätzen und meine Hingabe nicht umsonst sein wird. Über den Preis werden wir uns einig. Eines jedoch ist nicht verhandelbar." "Das weiß ich, und ich würde mir nichts anders wünschen. Vier Saiten soll er haben, So wie sie es kurz nach meinem Eintreten zu sich selber sprachen. Ich habe sie spielen gehört, natürlich vier Saiten."
Josef ging ins Haus und kam kurze Zeit später mit dem Instrument zurück. "Vier Saiten", sprach er so leise wie zu Beginn dieses denkwürdigen Tages. "Vier Elemente oder vier Jahreszeiten oder vier Lebensphasen, Kindheit, Jugend, Erwachsen, Alter, aber das allein ist es nicht. Es wäre zu einfach." Mit plötzlichem Schwung ließ er den Bogen über die Saiten streichen, und ein vom Echo widerhallender Wohlklang erfüllte die im halben Mond kaltsilbern schimmernde Nacht. “Glück, Trauer, Angst und Hoffnung sind die Namen meiner Saiten. Und wenn sie mich fragen, welche der Saiten welchen Namen trägt, dann versuchen sie es zu erhören!" Josef setzte den Bogen an die rechte dickste Saite und spielte tief und melancholisch. Nach ein paar Minuten hob er den Kopf: "Nun, was meinen sie?" "Es ist die Trauer, das Dunkel war überall.“ Josef verzog lächelnd die Lippen und hob den Bogen neu. Die gleiche Saite spielend, doch waren sich Bogen und Griffhand näher gekommen. Schneller, heller, virtueller wurde der Klang, schwoll an zu Bächlein, Bach und reißendem Fluß, mehr und lauter, intensiv. Als Josef fast schon atemlos den Bogen auf den Tisch legte, rief sein Gast lauthals: "Keine Trauer, keine Not, von Hoffnung weiter bis zum Glück, zum Jubel gar.“
"Die gleiche Saite, mein Freund. Sie haben darauf geachtet?" fragte Josef. Als dieser nickte, ergänzte er nachdenklich aber mit der Stimme eines Mannes, dessen Überzeugung unerschütterlich ist: "Trauer, Angst, Hoffnung und Glück sind in jeder unserer vier Saiten. Es gibt keine Ausschließlichkeit, weder im Namen noch im Klang. Was heute traurig macht, kann morgen schon Hoffnung sein. Was ist das Glück wert für den, der nie die Angst erlebt, es nicht zu finden? Erinnern sie sich an ihre Kinderzeit? Wie schnell wechselten Trübsal mit Lachen? Schneller noch als ich soeben die Saite spielte, denn unsere Tränen scheren sich nicht darum, warum sie fließen. Lachen, Weinen, es ist ihnen egal. Salzig schmecken sie immer." Josef hielt kurz inne um dem Mann und sich neuen Wein einzuschenken. Der Besucher nutzte diese Pause: "Es ist alles miteinander verbunden. Nichts kann alleine stehen. Einfach und voller Zuversicht." Seine Stimme allerdings klang unsicher. "Nein!", bestätigte Josef der Stimme Zweifel. "Nichts ist verbunden. Gar nichts ist verbunden! Alles steht am Anfang allein. Jede der vier Saiten liegt ganz säuberlich von ihrer Nachbarin getrennt. Gleicher Abstand, jede bereit für das, was kommen mag, jungfräulich hoffend auf Glück ohne Ängste. Erst im Spiel fängt die Verbindung an. Schon der erste Bogenstrich, der nur eine von ihnen berührt, sendet erwartungsvolle Vibrationen zu den anderen. Zitternd suchen sie in übertragener neidvoller Sehnsucht nach des Bogens Zärtlichkeit. Doch das ist keine wahre Verbindung. Alle Bewegung der drei Saiten, die ich nicht spiele, bleibt nur die Reflexion der musizierenden Launen einer einzigen.“ Der Besucher zog die Knie näher zum Körper und umfasste sie mitsamt der wärmenden Decke. "Dann ist es der Bogen, der alles vollständig macht? Das wichtigste Teil im klingenden System ihrer Instrumente?“ "Der Bogen oder meine Finger", antwortete der alte Josef und stützte seinen Kopf in beide Handflächen, "was könnten die schon machen, gäbe es die Saiten nicht. Nutzlos und suchend nach ihrer Bestimmung. Ins Leere streichend und überfließend voller Sehnsucht, das zu tun, für das sie geschaffen sind. Nein, mein Lieber, erst wenn der Bogen die Saiten berührt, erst wenn er sie umfasst und sich in ihren Klängen verliert, erst wenn all die Ängste, Hoffnungen, wenn Traurigkeit und Glück sich verbinden im ewigen Spiel von Melodie und Missklang des Lebens, dann endlich erfüllt auch der Bogen seinen wirklichen Zweck.“
Müde zeigte der alte Josef auf den lichten Schein, der sich zögernd über den Dachfirst schob und ergänzte, sich vom Stuhl erhebend: "Denken sie darüber nach, wenn sie zurück gehen.“ Lächelnd ergänzte er: “Ich werde ihr Instrument mit Hingabe bauen“. Auch der Besucher stand auf und beeilte sich zu antworten: "Nein, nein, ich bin es nicht. Der neue Besitzer, ich bin allein im Auftrag hier." Josef, bereits auf dem Weg hinein ins Haus, drehte sich langsam um: "Wie ich ihnen bereits sagte, es interessiert mich nicht, was aus meinen Instrumenten wird, wenn sie mich verlassen. Sie werden in drei Monaten ihren Bass hier abholen, und für sie fertige ich ihn an."
Stunden später schließlich erreichte der Mann das Tal. Sein Weg führte aus der Stadt bis zur Festwiese, die noch vor dem ersten Dorf lag. Bald konnte er das weiße Zelt sehen und kurz darauf schon die bunten Wagen des Zirkus Hilari. Ein kleiner untersetzter Mann, emsig bemüht, den schwarzen Zylinder auf dem Kopf festzuhalten, kam ihm taktstockschwingend entgegen: "Herr Direktor, bitte, haben sie Erfolg gehabt? Sie waren lange weg. Ich selbst musste zur Abendvorstellung gestern all ihre Ansagen übernehmen“. Lächelnd legte ihm Hilari die Hand auf die Schulter und erwiderte mit ruhiger Stimme: "Das haben sie bestimmt ausgezeichnet gemacht. Inzwischen fand ich den Kontrabass, der ihrem Orchester noch fehlt. In drei Monaten sind wir wieder hier. Dann holen wir ihn.“
 
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Writeolm

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Danke, Winterjasmin und … für die positiven Reaktionen. Ja, diese kleine leise Geschichte war eigentlich Bestandteil eines größeren Projektes. Irgendwann hat sie sich selbstständig gemacht und fand den Weg nicht mehr zurück. Geht ihr wie dem alten Josef, der sich wohl manche Nacht schlaflos die Frage nach dem Warum stellt.
Liebe Grüße
Writeolm
 

Isbahan

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als wollen sie einer Natur trotzen, die Jahr für Jahr im gleichen Spiel Einklang und Vertrauen schenkt.

Wieso wollen sie der Natur "trotzen", wenn sie ihnen Einklang und Vertrauen schenkt?
Vorschlag: ... als wollen sie der Sonne entgegenwachsen, die Jahr für Jahr im gleichen Spiel Einklang und Vertrauen schenkt.
Noch vor Septemberende wird eine geschlossene Schneedecke Grün und Blumen zu friedlicher Ruhe gebettet haben.
Vorschlag: Noch vor Septemberende wird eine geschlossene Schneedecke das Grün und die Blumen zu friedlicher Ruhe zugedeckt haben.
Erst dann, als Josef den Bogen in schneller Folge alle Saiten zugleich bedenken ließ
Vorschlag: Erst, als Josef mit dem Bogen schneller alle Saiten zugleich klingen ließ ...
Es ist mir egal, was mit dem Instrument geschieht, wenn es diesen Raum verlässt.
Das ist widersprüchlich, da er sich einen Satz später mit einer Mutter vergleicht.
Vorschlag: Es ist mir nicht egal ...

Tut mir leid @Writeolm, aber so ungefähr bei der Hälfte habe ich aufgegeben, weil dieser massive Blocksatz einfach zu anstrengend ist.
Bitte noch mit Absätzen strukturieren , die Leser werden es Dir danken! Es ist gut geschrieben, aber ohne Absätze zu anstrengend zu lesen.
 

Writeolm

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Hallo Isbahan,

Danke für die Hinweise und die Anregungen. Möglicherweise macht es wirklich Sinn, ein paar Absätze zusätzlich einzubauen. Ich habe es verändert.
Manchmal versucht man ja, sich Dingen entgegenzustellen, obwohl man weiß, dass man keine Chance hat. Man will die Sonne des Herbstes am letzten Urlaubstag auskosten und stemmt sich der Abreise mental entgegen, wohl wissend, dass zu Haus Heimat und Geborgenheit warten. So ähnlich mag es
Astern und Dahlien gehen, dachte ich zumindest beim Dichten. Ich würde es gerne so lassen.
Aus meiner Sicht würde eine Änderung der Sätze zu den Themen “geschlossene Schneedecke“ und “Führung des Bogens“ den von mir in dieser Erzählung gewählten Schreibfluss in seinem Wohlklang beeinträchtigen. Lass mich ihn ebenso stehenlassen.
Dem Josef ist es nicht egal, für wen er das Instrument baut. Er erkennt in der Person des Auftraggebers, ob er der richtige ist für seine handwerkliche Hingabe.
Es ist ihm aber egal, was danach mit dem Instrument geschieht. Er kann es ohnehin nicht beeinflussen. In diesem Sinne ist auch der Vergleich mit der Mutter zu sehen. Natürlich ist “egal“ überzogen. doch so ist der Josef halt.
Schön, dass du dir Gedanken gemacht hast.

Writeolm
 
Sorgfältig komponiert, sowohl im einzelnen Satz als auch in der Gesamtstruktur. Ich fand es auch trotz des dichten Satzes sehr rund und musikalisch zu lesen. Inhaltlich war es mir zu stark am romantischen Kunstideal des frühen neunzehnten Jahrhunderts orientiert, aber das ist eher ein Geschmacksurteil.
 

Writeolm

Mitglied
Danke, Felix Bartholmes,
manchmal rutscht das einfach mit mir los. Dann gibt es kein Halten mehr.
In dieser rationalen Zeit, wo die künstlerische Vielfalt manchmal erschlägt, gefällt mir diese Art der Rückkehr. Manchmal wohlgemerkt.
Gruß Writeolm
 


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